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No. 67 - 102 - Urteil anschloss: es handelte si eh demnach um eine teilweise stehende Patrouille. C. Da Art. 77 MStG eine besondere Art der Dienstverletzung er- schwerend qualifiziert, so kann er nach allgemeinen Regeln als Ausnahme- bestimnlung nicht ausdehnend ausgelegt und nicht auf jede Art des Wachtdienstes, sondern nur auf die eigentlichen Schildwachen und Ve- detten bezogen werden. - Es ist also nicht erwiesen, dass dem Urteil eine gesetzwidrige Auslegung des Art. 77 MStG zugrunde liegt. (11. Dezember 1917, Auditor e. D. G. 5a i. S. Walder und Gelzer.) 67. MStGB A1·t. 77 bedroht auch das bloss voi·übe•·gehende Ver- lassen des Schildwachpostens mit Strafe. L'art. 77 CPM punit aussi l'abandon seulement momentané,de son poste par une sentinelle. L'art. 77 del CPM punisce una sentinella che abbandona il proprio posto anche solo momentanean1ente. · Füsilier S. hatte bei eine1n Fouragedepot als Einzelschildwache z u stehen. Er h ati e das M agazin in d er Stunde dreimal von allen vier Seiten abzupairouillieren, im übrigen auf der Seite, wo beim Eingang das Schilderhiiuschen s tan d, W ache z u stehen. Der Ronde- offizier fand ihn nicht auf seinem Posten und suchte ihn einige Zeit, bis S. plotzlich vor ihm stand und erkliirte, er habe beim Brunnen jenseits der Bahnlinie den Durst geloscht. Das Territorialgericht verurteilte d en S. gemiiss M Si G B A ri. 77, li t. b. Sein Kassations- begehren zDurde abgewiesen. Le fusilier S. élait sentinelle simple devant un magasin de fourrage. S. devait pairouiller trois fois par heure tout autour du dépôt, ei pour le surplus manter la garde devant la façade ou, pres de l'entrée du dépôt, se trouvait la guérite. L'officier de ronde ·ne trouva p as S. à son poste, ei le chercha quelques instants, jusqu'au moment ou S. réapparut brusquement, expliquant qu'il était allé boire à la fontaine de l'autre côté de la voie ferrée. S. fui condamné p ar le tribunal territorial en a p plication de l'ar t. 77, litt. b, C P M, ei son recours en cassation a été écarté. Il fuciliere S .. fungeva da sentinella semplice presso un deposito di foraggi. Egli doveva, tre volte all'ora, fare il giro del deposito e p er i l resto de l tempo montare laguardia presso l'en trata, do v e si trovaua la garetla. L'ufficiale di ronda no n lo trovà al su o p os to
103 No. 67 e lo cercà per qualche tempo, finche S. riapparve improvvisamente e gli dichiarà che erct. andato a bere alla fontana dall'altro lato della ferrovia. S. fu condannato da l tribunale territoriale in base al- l'art. 77, lett. b, de l CP M e i l su o ricorso in cassazione venne respinto. B. Trotz teilweise lückenhafter Beweiserhebung, die leicht hãtte ergãnzt werden kõnnen, ist als erwiesen zu betrachten, dass S. seinen Schildwachbefehl verletzte. Er begab sich an eine Stelle, die auch bei weitestgehender Auffassung von der Bewegungsfreiheit der Schild- wachen nicht mehr zu dem Raum gerechnet werden kann, in dem er sich 'bewegen durfte. Er überschritt die Eisenbahnlinie, und zwar zu einem Zweck, der mit seinem Wachtdienst nichts zu tun hatte. Es fehlt an einem >. - Der Kassationsklãger selber gibt ausdrücklich zu, das s darin eine V erletzung des ihtn erteilten Dienstbefehls liege. C. Die einschrankende Auslegung, die der Kassationsklager dem Art. 77 zu geben versucht, hat keine Grundlage im Strafgesetz. Es ist nirgends gesagt oder angedeutet und kann auch nicht aus dem Wort- sinn entnommen werden, dass Art. 77 nur auf die Falle anzuwenden sei, wo die Schildwache den ihr anvertrauten Wachtdienst nicht weiter ver- sehen wollte. Von all de n mõglichen V erstõssen gegen ei nen Schild- wachbefehl hat das Gesetz den sch,versten und mit den Zwecken des Wachtdienstes am starksten in Widerspruch stehenden als Spezial- delikt qualifiziert; es ist d er Fall, vvo di e Schildwache ihren Posten ver- lasst, was nicht anders auszulegen ist, als dass da1nit das Weglaufen von de1n angewiesenen Standort getroffen werden soll. - Innerhalb dieses Tatbestandes gibt es ·natürlich schwerere un d leichtere Falle; dieser mõglichen Gradation entspricht aber auch der Strafrahmen. -W as der angewiesene Standort ist, das ist einzig aus de1n Schildwachbefehl zu .entnehmen. Der Schildwachbefehl bestimmt auch den Grad der Be- wegungsfreiheit. Überschreitet die Schildwache den Raum, auf dem sie befehlsgemass Wache z u hal te n hat, 1nuss ·si e g ar, wie im vorliegen d en Fall, gesucht werden, so steht sie eben nicht mehr auf den1 Posten und kann sich nicht damit entschuldigen, dass sie das bewachte Objekt auch von einer andern Stelle aus habe überblicken kõnnen; de n n ihren Stand- .ort hat sie nicht selber zu wahlen. Der Wachtkoinlnandant muss jederzeit genau vvissen, wo seine Lente stehen. - Eine andere Auffassung würde der Willkür Tür und Tor õffnen und ware unvereinbar 1nit der Wichtig- keit einer genauen Ausübung des Wachtdienstes, zu dessen Schutz eben Art. 77 MStG aufgestellt ist.- Es kann also in der Anwendung des Art. 77, lit. b, auf den vorliegenden Tatbestand eine Verletzung des Strafgesetzes nicht erblickt werden. (11. Dezember 1917, Schmidt e. T. G. 4.)