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No. 66. 100 66. Die Subsumtion eines Sachverhaltes unter einen gesetzlichen Deliktstatbestand ist immer Rechtsfrage und daher vom Militar- li:assationsgericht zu überprüfen. Eine stehende Patrouille ist keine «Scliildwaclle oder Vedette» im Sinne von MStGB Art. 77. La question de savoir si un état de fait est délictueux au sens de la loi est toujoui~s u11e question de droit qui peut être soumise à l'appréciation du ti~ibunal militaii~e de cassation. U ne patrouille fixe n'est pas un e « sentinelle ou vedette» dans le sens de l'art. 77 CPM. 11 decidere se · una determinata fattispecie costituisca delitto e sempre una quistione di diritto sottoposta all'apprezzamento della cassazione. U na pattuglia fissa no n e una sentinella o vedetta a termine dell'. art. 77 del CPM. Die Füsiliere 1V. und G. erhielien den Befehl, nach dem 5 km enifernten Dorf lf. eine Patrouille auszuführen und sich von 8 bis 10 Uhr abends beim Nordausgang der Eisenbahnbrücke als Horch- posten aufzustellen, zvo sie allfiillige Schmuggler und Deserieure jestzunelzmen un d d em Zollposten bzzv. der H eerespolizei zu über- geben hatten. Da G. infolge des siromenden Regens unter Rheu- matismen litt, enifernien sich die beiden schon 9.15 Uhr und be- gaben si eh ins W achtlokal, wo si e 1 O Y2 Uhr ihre Ankunfi in di e W achikontrolle einirugen. Das Divisionsgericht sprach di e Ange- klagten frei un d überzvies si e d em schweizerischen M iliiiirdeparie- ment zur disziplinarischen Besirafung. Das Kassaiionsbegehren des A uditors zvurde abgewiesen. Les fusiliers W. ei G. avaient reçu l'ordre d'aller en patrouille au village de I-I., éloigné d'environ 5 km, ei de se poster de 8 h. à 10 h. à l'exirémité nord du pont du chemin de fer. Ils avaient pour mission d'arrêter to us les contrebandiers ei déserteurs qui se pré- senteraieni ei de conduire les premiers au poste de douane, les se- conds à la police d'armée. Comme G. souffraii de rhumatismes .sous la pluie violenie, les deux hommes quittereni leur posie à 9 h. 15 déjà, ei retounerent au corps de garde, oiz ils noterent leur arrivée à 1 O Y2 h. au journal de garde. Le tribunal de division les libéra ~et les renvoya au Dépariement miliiaire suisse pour être punis disciplinairement. Le recours en cassation inierjeié p ar l'auditeur a éié re j eié.
101 No. 66 I fucilieri V. e G. auevano riceuuto l'ordine di effetiuare un a pattuglia al uillaggio di H., distante circa 5 kilometri e di appostarsi . dalle o re 8 alle o re 1 O all'estremità nord del ponte della ferrouia. Doueuano arresiare eueniuali contrabbandieri e disertori e con- segnarli al posto della dogana o alla polizia dell'armata. Siccome G. soffriva di reumatismo, causa la pioggia violenta, i due abban- donarono il posto alle ore 9.15 e ritornarono al corpo di guardia, do v e annotarono i l loro arrivo alle o re 1 O Y2· I.Z tribunale di divisione li assolse e li rin u i o al Dipartimento militare svizzero p er un a p un i- zione disciplinare. Il ricorso in cassazione interposto dall'uditore venne respinto. A. Die Frage, ob ein bestünmter Tatsachenbestand einen gesetz- lichen Deliktstatbestand erfülle, ist im1ner Rechtsfrage. Das V erlassen des Postens einer Schildwache ist ein gesetzlicher Tatbestand, und sein Vorhandensein in eine1n konkreten Fali kann nach jeder Richtung über- prüft werden. Abzulehnen ist die Auffassung, dass das Kassations- gericht sich nicht mit der Frage befassen kõnne, ob der Begriff der Schildwache richtig angewandt worden sei. I~s handelt sich hier wie in sehr vielen andern Fali en un1 ei ne militarische, a b er d ur eh das l\1 S t G auch zum strafrechtlichen Begriff gemachte Bezeichnung. - Gebunden ist das Kassationsgericht nur an die tatsachlichen Elemente, aus denen das Divisionsgericht den Schluss zieht, ob eine Schildwache anzunehmen sei oder nicht, die Schlussfolgerung selber aber ist schon eine Subsumtion von Tatsachen unter eine Rechtsnorm, ist also Rechtsan,vendung und als solche der Kassation zuganglich. - Es muss daher auf die v oin Kassa- tionskHiger aufgeworfene Frage, ob die Angeklagten einen Schilclwach- posten verlassen haben, ejngetreten werden. Ist die Frage üu Sinne des l{assationsklagers zu bejáhen, so folgt ohne weiteres die Unvereinbarkeit des Urteils mit dem Gesetz. B. N un fehlt allerdings de1n Strafgesetz eine Definition d er Begriffe > und >, un9. deshalb ist neben den bestehenden Dienstvorschriften insbesondere auf die militarische Auffassung abzu- stellen, wie sie sich aus den Erhebungen der Vorinstanz ergibt. - Dabei ist Gewicht darauf zu legen, ob der den Angeklagten erteilte Dienst- befehl von den Beteiligten selber als Schildwachbefehl aufgefasst \Vurde, das trifft aber nach den Feststellungen des Divisionsgerichts auch nicht für die Vorgesetzten, insbesondere nicht für Korporal Egli zu, der den Befehl erteilt hat. In Übereinstimmung mit der Tatsache, dass die Standigkeit des Postens fehlte und dass die Angeklagten weder jemand abzulõsen hatten, noch selber abgelõst werden sollten, steht die über die N a tur dieses Dienstes ausgedrückte Ansi eh t derjenigen Gerichtsmitglieder, die sich selber zur Zeit im Grenzdienst befanden und der sich das