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MKGE 1 Nr. 64

MKGE 1 Nr. 64

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95 - .No. 64- facher Beschin1pfungen und geringer Beleidigungen ün Sinne des Art. 166~ Ziffer 7, hinaus und sind als grõbere Ehrve~letzungen nach Art. 162,_ z'veiter Satz, zu bestrafen .... (10. November 1917, \Valchli e. D. G. 3.) 64. Form und Voraussetzung eines Ko1npetenzentscl1eides des. Bundesrates bei Anstanden zwischen bürgerlichen und militãriscl1en Ge1·ichtsbehorden (MStGO Art. 8). Forme et conditions que doit remplir une déeision (\u Conseii iédéi·al tranchaut un conilit de compétence entt·e les tribunaux civils et les tribuna u x militaires (art. 8 OJM). Forma e presupposti di una decisione del Çonsiglio iederale risolvente un conflitto di competenza fra tribunali ordinari e tri- bunali militar i (art. 8 O G l\1). Einige W o eh en na eh d er Entlassung aus clem Diensie Lvurde Korporal I..J. von Füsilier e. auf cler Strasse angerempelt und miss- hanclelt. e. z.vollte sich angeblich dafür riichen, dass ihn L. im letzten Ablosungsdienst «gefuxt)) habe. L. un d e. lV(Jren bei diesem Vorfall ausser Dienst und in Zivil. Quelques semaines apres la libération du service, le caporal L. fui bousculé sur la route et maltraité par le fusilier e. ee dernier voulait se venger, disait-il, de L. qui, au cours clu dernier service de releve, l'avait « charrié)). L. ei e. n'étaient p as en service à e e In o-· ment-là, ei étaieni en civil. Alcune settimane dopo la smobilitazione il caporale L. venne per istrada affrontato e percosso dal fuciliere e. eome motivo del suo modo d'agire i l C. disse a de i testimoni accorsi, eh e i l caporale, du- rante l'ultimo servizio, lo aveva maltrattato. L. e e. erano in quel momento fuori di servizio e in abito civile. L. reichte beim zivilen Gericht in Leuk Strafanzeige ein, dann 1nachte er auch seine1n Kompagniekom1nandanten 1\iitteilung und ver- langte Bestrafung des C.; das Regimentskommando überwies die Ange- legenheit d em Divisionsgericht 3. - N a eh einer vorlaufigen Beweis- aufnahme leitete das schweizerische Militardepartement am .4. Oktober die Akten an den Armeeauditor weiter.. . . Der Armeeauditor leitete die .A.kten an das schweizerische Militardeparte1nent zurück und beharrte darauf, di e lVIilitargerichtsbarkeit für d en Fali zu bean_spruchen; aus-

No. 64 96 drücklich "vurde noch auf Art. 8 MStGO aufmerksam gemacht für den Fall, dass die Walliser Gerichtsbarkeit sich als zustandig erachten sollte. Hierauf schrieb das s eh weizerische l\1ilitardepartement an1 '9. Oktober an das korrektionelle Gericht Leuk, für den Fall C. werde die Kompetenz der Militargerichte in Anspruch genommen. Das bürger- liche V erfahren solle wegen Inkompetenz eingestellt un d di e .Akten dem schweizerischen Militardepartement zugestellt werden. Der Unter- suchungsrichter antwortete, die Angelegenheit sei vor Abhaltung der €rsten U ntersuchungssitzung infolge Vereinbarung zurückgezogen worden. C. undl.J. hatten sich am 4. Oktober vor dem Untersuchungs- richter verglichen. - Das sch,veizerische Militardepartement über- mittelte nun die Akten neuerdings dem Ar1neeauditor und fügte bei, weil di e· Klage beim bürgerlichen Gericht zurückgezogen sei, dürfe d er Sache auch von den lVIilitargerichten kaum weitere Folge gegeben werden. Der Armeeauditor beantragte mit Rücksicht darauf, dass die bürgerlichen Gerichte nicht zustandig seien, die Sache vor den1 Militargericht weiter zu verfolgen. - Gestützt hierauf erteilte das schweizerische Militardepartement am 16.,Qktober 1917 den >. Das Divisionsgericht 3 erklarte sich mii Urteil vom 12. November als nicht zustdnclig. Gegen diesen Entscheid reichte der Auditor ein Kassaiionsbegehren ein, das abgewiesen tvurcle. Le tribunal de clivision 3 cléclina sa compétence par jugemeni du 12 novembre. I..~e recours interjeié p ar l'auditeur contre cette déci- sion a éié écarié par le tribunal ele cassaiion. Il tribunale di diuisione 3 cleclinà la sua competenza. La cassa- zione respinse il ricorso dell'ucliiore. f). Wollte man · aber auch annehmen, dass das Kassationsgericlit den Rekurs gestützt auf Art. 188, Ziff. 5, lVIStGO materiell behandeln konne, so fehlt immer noch die Grutzcllage, auf die sich der Kassations- klager stützen will. Eine gemass Art. 8 lVIStGO vom Bundesrat bzw. dem hierzu er1nachtigten schweizerischen Militardepartement getroffene Entscheidung, die laut Art. 142 MStGO für das Divisionsgericht verbind- lich w ar e, liegt nicht vor.

a) E s fehlt schon an einen1 >, der dem schweizerischen Militardepartement zur Entscheidung vorgelegt worden ware. Die bür- gerliche Gerichtsbarkeit ist auf die Behandlung des Falles eingetreten, das Divisionsgericht hat das Eintreten abgelehnt, beide Instanzen han- delten in der übereinstin11nenden Ansicht, dass der Fall vor den bürger- lichen Richter gehõre. Au eh wenn man di ese ihre Ansi eh t als · unrichtig

97 No. 64 ansehen wollte, so kõnnte doch unmõglich von eine1n Konflikt beider Gerichtsbehõrden im Sinne von Art. 8 MStGO die Rede sein.

b) Di e ·v erfügungen des schweizerischen Militãrdepartements, vvo- durch für den ~all C. die militãrische Gerichtsbarkeit in Anspruch ge- nommen wurde, haben einen solchen Konflikt auch nicht selber schaffen kõnnen; denn Bundesrat un d Militãrdepartement sin d ni eh t Gerichts- behõrde. Die gegenteilige Auffassung wãre auch unvereinbar mit der Ansicht des Kassationsklãgers, dass das schweizerische Militãrdeparte- Inent einen Anstand zwischen Gerichtsbehõrden als über ihnen stehende Instanz zu beseitigen hatte.

e) Di e V erfügungen des 1\;Iilitãrdepartements erfolgten in einen1 Augenblick, als die bürgerliche Gerichtsbarkeit gar nicht mehr in der La g e war, ihre Kompetenz z u vindizieren, da d er V ergleich ihr di e Mõg- lichkeit der Beurteilung des Falles entzogen hatte.

d) Endlich ist auch aus den genannten Verfügungen selber nicht zu schliessen, dass das schweizerische Militãrdepartement einen Entscheid ün Sinne von Art. 8 MStGO gefãllt hat. Charakteristisch für d en Sinn d er nachfolgenden V erfügungen ist, dass das schweizerische Militãrdepartement am 4. Oktober dem Armee- .auditor schrieb: > W ohl berief si eh d er Armeeauditor, als er insistierte, auf Art. 8 MStGO; aber weder in dem Schreiben an das Gericht in Leuk vom 9. Oktober, noch in der Verfügung vom 16. Oktober, worin der Befehl zur Anhebung der Voruntersuchung .erteilt wurde, stützte sich das schweizerische Militãrdepartement auf, Art. 8, noch liess es 1nittelbar erkennen, dass es einen autoritativen Entscheid über die sachliche Zustãndigkeit fãllen wolle, der im Sinne von Art. 142 letzter Satz MStGO für das Divisionsgericht. verbindlich sein n1üsst~; di e Zweifel an einer solchen Absicht liegen um so nãher, .als das Departe1nent zwischenhinein noch einmal durch Schreiben vom

15. Oktober an den Armeeauditor die Ansicht ausgedrückt hat: >-W enn das Departement auf nochmaliges Insistieren des Armee- auditors doch am 16. Oktober den Befehl zur Voruntersuchung erteilt hat, so kann das Kassationsgericht darin nicht mehr erblicken, als ében di e Einleitung des militãrischen V erfahrens, w o rin es d em lVIilitargericht ünmer noch freistehen n1usste, seine sachliche l{ompetenz zu prüfen. - Es darf wohl auch gesagt werden, dass die I~ntscheidung der Frage nicht in solcher For1nlosigkeit und entgegen der eigenen Auffassung des De- partements erfolgt ware, vvenn dasselbe in einer so wichtigen Angelegen- heit gestützt auf die ihm vom Bundesrat delegierten Ko1npetenzen einen 7