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273 No. 152 grund der >. Die Aktenwidrigkeit soll übrigens darin bestehen, dass das Gericht zu Unrecht angenommen habe, lVIajor H. hãtte zu Rachegefühlen keinen Anlass gehabt, und das ist wieder eine I-1"rage d er Tatsachenwürdigung, auf di e das Kassationsgericht. nicht ·eintreten kõnnte. Eine offenkundige U:Qrichtigkeit und damit eine Willkür im Beweisergebnis kõnnte übrigens nicht festgestellt werden. f)as Divisionsgericht kam in Würdigung der Beweise zum Schluss, ·dass der Angeklagte nicht gutglãubig ge,vesen seL Es stellte den Beleidi- gungsvorsatz gegen lVIajor H. fest. Damit fãllt auch der weitere Ein- \Vand dahin, dass das Gericht den rechtswidrigen Vorsatz verkannt und da1nit Art. 13 ~IStG verletzt habe. Der Rekurrent selber gibt aber keine Definition des Vorsatzes, der das Urteil widersprechen würde. Er kriti- siert lediglich die tatsãchliche Grundlage des Urteils, die das Kassations- ~ericht nicht überprüfen kann. (11. Dezember 1925, Spinas e. D. G. 6 b.) 152. Der Dienstpflichtige, \ivelelier den militariscben Vorunterricl1t leitet, untersteht der M.ilitargei·ichtsbarl{eit sowohl wãbrend des Unterrichts als auch ausserhalb desselben Init Bezug auf die da1nit verbundenen administrativen Pflichten. I_:ie militaire qui fonctionne comme instt·ucteur dans un cours d'instruetion militaire p1·éparatoire est sou1nis à la juridiction mili- taire, auss~ b i en durant le temps consacré à l'instruction qu'en debo1is de ce temps en ce qui conce1·ne les travaux a(lministratifs fJUC sa fonction Ini impose. L'obbligato al se1·vizio, eh e diri g e una istruzionc prepara to ria, e sottoposto alia giuridizione militare, tanto durante la istruzione, quanto fuo1·i della stessa, pcr quanto si rife~·isce agli obblighi ant- ministrativi ad essa ine1·enti. KorporalH. leiiete den Unterricht der ihm zugeteilten Sekiion des Inililiirischen Vorunterrichts in sehr nachlassiger Weise. Auch versuchte er, durch betrügerische H andlungen bei Erstelllzng der admi- nistrativen A usweise e ine hohere Entschadigung z u erlangen, als ihn1 nach d en bestehenden V orschriflen zukam. Er zvurde vo1n Divisionsgericht wegen Dien$iverletzung und Betrugsversuchs verur- teilt. Sein Kassaiionsbegehren,wegen Unzustandigkeil der Miliiiir- gerichtsbarkeit zvurde abgezviesen. Le caporal H. diTigeait avec une grande négligence l'instruction d'un e section qui lui avait été confiée dan s un cours d'instruction 18
No-~ 152 274 - militaire préparatoire. Il tenta en outre, en établissani de maniere frauduleuse des rapports àdministraiifs, de se faire verser une indein-· nité supérieure à celle à laquelle lui donnaient droit les prescriptions en vigueur. Il fui condamné par le tribunal ele division pour violalio11 des devoirs du service ei teniative de fraude. Son recours eii cassaiipn basé s ur l'incompéience de la juridiciion miliiaire fui écarté. Il caporale li. diresse f!LOlto negligeniemenie la isiruzione di una sezione, che gli era siaia assegnaia. lnoltre egli ienià, con manovre fraudolenti, nella compilazione clei rapporti amministraiivi, di conseguire una indennità, superiore a quella che gli spettava seconda le prescrizioni in vigore. Fu condannaio dal iribunale di divisione per violazione dei doveri di servizio e per ieniaiivo di frode. Il ricorso in cassazione, nel quale si sosieneva Zá incompeienza della giurisdi--- zione miliiare, venne respinto. A. V o r allen1 ist z u untersuchen, o b d er Angeklagte bei d er Leitung der Übungen des nülitarischen Vorunterrichtes sich im lVIilitardienst be- funden hat und infolgedessen ge1nass Art. J, Ziff. 1, l\1StCrO der militari-· schen Gerichtsbarkéit untersteht.
a) Die Grundlagen des Vorunterrichtes sind durch das Bundes- gesetz über die lVIilitarorganisation vo1n 12. April 1907 geschaffen worden (MO Art. 102-104). J)er Vorunterricht ist ein lVIittel zur Ausbildung des Heeres, eine >. Eür die Schiiler handelt es sich nicht um Militardienst; das ergibt si eh aus der VO vom 2. November 1909; den Schülern fehlt das erforderliche Alter, um l\,iilitardienst zu leisten. Die Schüler unterstehen weder dein 1nilitarischen Recht noch der 1nilitarischen Gerichtsbarkeit; vgl. Eugster, Zustandigkeit d er 1\!Iilitargerichte, 26 ff.,. 32 ff. Die Weisunge·n vom 15. Januar 1915 betreffend Abgabe von Ausrüstung und lViunition an die l{urse erkHiren in Ziff. · 2 II n ur, dàss Schüler, di e in vorschriftswidrigen1 Besitz von scharfer lVIunition getroffen werden, sofort strafweise zu entlassen seien.
b) Anders verhalt e s si eh 1nit de n Leitern des nülitarischen Vor-- unterrichtes (VO Art. 24 ff.). Die I_.Jeitung liegt in den I-Ianden von Offizieren und Unteroffizieren; zum Unterricht kõnnen > (Art. 26 I) .. Soweit dieses Instruktionspersonal aus Dienstpflichtigen besteht, n1uss angenommen werden, dass es sich bei der Erteilung des Unterrichts in1 Dienst befinde.
e) Dem steht die Tatsache nicht entgegen, dass nie1nand zur Leitung des Vorunterrichts gezwungen w.erden kann. Das Mo1nent der l~_,rei willigkeit schliesst den militarischen Charakter einer Dienstleistung nicht
275 No. 152 aus. Auch die Art der Entlõhnung ist nicht ausschlaggebend (vgl. MKG
i. S. Ilg vom 20·. J uni 1925) 1). Massgebend ist vielmehr Zweck und Inhalt der Aufgabe, die durch die Dienstleistung zu erfüllen ist. Es kommt auch nicht darauf an, ob die Personen, mit denen der Dienstleistende zu tun hat, selber im Militarverhaftnis stehen. Ofters haben Militarpersonen dienstlich mit Zivilpersonen zu verkehren. Ander- seits ist es nicht von entscheidender Bedeutung, dass der Leiter des militarischen Vorunterrichts der Militarversicherung unterstellt ist, die ja auch den Schülern zugute ko1nmt.
d) Der Zweck des militarischen Vorunterrichts ist, wie schon diese gesetzliche Bezeichnung zeigt, durchaus militarischer Art. Der Unter- richt hat vor allem die Handhabung der militarischen Waffe, die Aus- bildung im Schiessen zum Gegenstand (lVIO Art. 104). Übernimmt ein Dienstpflichtiger eine solche Aufgabe, so leistet er also einen Dienst, der in d er Heeresorganisation selber vorgesehen ist un d d er si eh na eh d er Zweck- bestimmung ni eh t wesentlich von einer Instruktion Dienstpflichtiger unter- scheidet. Die Dienstleistung des Kursleiters wird, je 8 Stunden Unterricht al s ei n Tag gerechnet, in das Dienstbüchlein al s Militardienst eingetragen. Es ergibt sich daraus, dass der Dienstpflichtige, der den Inilitarischen Vorunterricht leitet, wahrend des. Unterrichts im Sinne von Art. l, Ziff. l, lVIStGO sich > und damit für strafbare Handlungen, die in dieser Zeit begangen werden, der Militarstrafgerichts- barkeit und den1 lVIilitarstrafgesetze des Bundes unterworfen ist. Es ist dabei gleichgültig, ob der Angeklagte im Augenblick der Tat die Uni- forin getragen hat. B. Ist aber festgestellt, dass die Leitung eines miJitarischen Vor- unterrichts für einen Dienstpflichtigen wãhrend des Unterrichts ein l\1ilitardienstverhaltnis nlit dienstlichen Pflichten begründet, so bezieht sich die ausserhalb des Unterrichts zu leistende administrative Arbeit der Kursleitung (Ra p porte, Abrechnungen us w.) ebenfalls auf dienst]iche Pflichten. Die Erlasse über die Organisation und Durchführung des Vorunterrichtswesens, namentlich die Anleitung vom 19. Januar 1915 >, zeigen, dass die administrativen Auf- gaben der Kursleiter, speziell die Berichterstattung, zwar ausserdienstlich zu erledigen sind, aber zum Kreis der dienstlich übernommenen Pflichten gehõren, wie dies auch beün ordentlichen Militardienst der Fall ist. Eine ordnungs- und wahrheitsgemasse Berichterstattung und Abrechnung ist übrigens selbstverstãndliches Erfordernis der Organisation eines Kurses. Der Vorunterrichtsleiter, der sich dabei betrügerische Handlungen zu- schulden kommen lasst, verletzt dienstliche Pflichten und Inuss daher auf Grund des Art. l, Ziff. 5, l\1StGO dem militarischen Recht unterstehen.
1) Oben Nr. 150.
No. 152 276 C. Nachdem für die \vahrend des Unterrichts begangenen Handlungen die Zustandigkeit der Militãrgerichte gestützt auf Art. l, Ziff. l, und für die ausserhalb des Unterrichts begangenen gestützt auf Art. l, Ziff. 5, lVI:StG·o begründet ist, bleibt für die Anwendung der Ziff. 4, die vom Divisionsgericht auch angeführt wird, kein Raum mehr. Abgesehen da- vou, dass nicht genau feststeht, bei welchen deliktischen Handlungen Korporal H. die Uniform getragen hat, lasst sich jedenfalls nicht sagen, dass er da bei > sei. Bei der Leitung der Übungen befand er sich im Dienst, gleichgültig, ob er Uniform trug oder nicht. Bei der Besorgung der administrativen Geschafte für den Vorunterricht handelte er >. Damit ist die Zustandigkeit für den ganzen Umfang der Anklage gegeben. (11. Deze1nber 1925, Korp. I--Ierzog e. D. G. 4.)