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MKGE 1 Nr. 143

MKGE 1 Nr. 143

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No. 143 248 143. Wafiengebraueh des Grenzwaehtkorps. - Das 1\IIStGB kennt nur einen Notwehrbegt·iff (Art. 31) für dienstliche und für ausser-- dienstliche Handlungen. Verhaltnis zwischen MStGB Art. 31· und d en Bestimmungen des Grenzwachtreglements über d en W affen- gebrauch (Erw. C). - Die Notwehr ist nur dann eine gereehte, wenn die Abwehr zum Angriff nach Art und Mass in einem vernünf .... tigen Verhaltnis steht (Erlv. D). Reeours aux armes pour le corps des gardes-frontiere. - Le CPM ne connait qu'une seule notion de légitime défense (art. 31) pour les actes eommis en service ou hors du service. Rapport entre l'at·t. 31 CPM et les prescriptions du reglement des gardes- frontiere su1· le recout·s au x armes (cons. C). - La défense n'est légitime et justifiée que lorsqu'elle est raisonnablement proportionnée· à l'attaque -dans sa nature et dans son étendue (cons. D). Uso delle armi da parte delle guardie di frontiera. - 11 CPM no n fa · distinzione pe1· la legittima difesa (art. 31 CPM) ft·a atti commessi in servizio o fuori di servizio. - Relazione fra l'at·t. 31 del CPM e le prescrizioni del regolamento delle guardie di frontiera eirca l'uso delle armi. - La difesa e legittima solo quando sia in ragionevole proporzione colla offesa, per la sua natura e la sua misura. Der Zolldelekliv l. isl wegen seiner beruflichen Tiitigkeit bei der Grenzbevolkerung verhassl. Hiiufig wurde die Familie des I. durch Liiulen d er H ausglocke nachts gestorl. Dies geschah wieder einmal bald nach Mitternacht, nachdem I. kurz vorher nach Hause zurück- gekehrl war. I. begab sich ans Fenster und sah einen Mann, wahr- scheinlich den Sohn W., weglaufen. l. eille ins Freie und erreichte die Ellern W. Er wurde mii Vater W. handgemein und erschoss ihn im Slreil (nii.herer Sachverhall s. Erw. D.). I. wurde vom Divisions- gerichl 4 wegen Tolschlags verurleill. Le douanier l. esl délesté par la population frontiere à cause de son activité professionnelle. Souvent la famille l. a été dérangée pendant la nuit par la sonnerie de la sonnetle de la maison. Ce fait se produisit de nouveau une fois, peu apres minuit, alors que l. venail de rentrer chez lui. - I. alla à la fenêtre ei uit un homme, vraisemblablement le fils W., s'enfuir en courant. I. se hâta de sortir ei renconira les parenis de W. - Il en vint aux mains avec le pere

249 No. 143. W., qu'il tua d'un coup de feu au cours de la lutte (pour plus amples détails s ur les faits voir cons. D.). l. fui condamné pour meurtre ]Jar le tribunal de division 4. La guardia di frontiera I. era malvisa dalla popolazione a causa della sua attività professionale. - Di sovente .la famiglia l. venne disturbata di notte dal suono del campanello di casa. - Questo fatlo si ripete una volta dopo la mezzanoite e dopo che I. ·era rientrato. - Questi si recà alla finestra e vide un uomo fuggire correndo, probabilmenle i l figlio di W. - U sei los to per rincorrerlo e, raggiunti i di lui genitori, venne alle mani col padre, che uccise con un colpo di pistola durante la rissa. - J .. venne condannato per omicidio dal tribunale di diuisione 4. C. Dagegen geht das Urteil davon aus, dass der Angeklagte, obschon irnmer im Dienst stehend, si eh ni eh t unausgesetzt > und es \Vird der eingeklagten Handlung der dienstliche Charakter abge- sprochen. Auch darin sieht der Rekurrent eine irrtün1liche Rechtsauf- fassung, die zur Nichtanwendung der Bestirnmungen der Art. 91 und 92 des Reglementes für das eidgenõssische Grenzwachtkorps und in der Folge zur Verurteilung geführt habe. Das Kassationsgericht kann dieser An· sicht nicht beitreten. -

a) Zunãchst steht kein Dienstbefehl, weder ein besonderer, noch ein allgemeiner, in Frage, der I. verpflichtet hãtte, in der gegebenen Lage auf W. zu schiessen. Viehnehr wird nur geltend gernacht, dass det Angeklagte in der Ausübung seines Dienstes berechtigt gewesen sei, sich der Waffe zu bedienen. -· b) Es mag nun zugegeben werden, dass nicht nur die offensichtlichen privaten, sondern auch õffent- liche Interessen es rechtfertigen, gegen die nãchtliche Ruhestõrung vorzu- gehen, den Ruhestõrer festzustellen, und den Angriff Ws., der den sich na eh Hau se zurückziehenden Grenzwãchter verfolgte, · abzuwehren. E s braucht aber gar nicht, wie es das Divisionsgericht getan hat, nãher unter- sucht zu werden, ob die privaten oder die õffentlichen Interessen über- \vogen und ob demnach die eingeklagte Handlung einen wesentlich privaten oder einen wesentlich dienstlichen Charakter habe. Denn in beiden Fãllen stellt sich die entscheidende Frage so, ob I. in gerechter Notwehr gehandelt habe oder nicht, und das Militãrstrafrecht kennt nur ei nen N otwehrbegriff für dienstliche wie für ausserdienstliche Handlungen. -

e) Dieser Notwehrbegriff ist in Art. 31 MStGB umschrieben. Das vom schweizerischen Zolldepartement erlassene Reglement für das Grenzwacht- korps kann nicht materielles Strafrecht schaffen, das vom Gesetz abweicht. Sollte daher das Reglement in der Gestattung des Waffengebrauchs weiter- gehen als das Militãrstrafgesetzbuch, so würde es in diesem Umfang das Gebiet überschreiten, das durch Reglement geordnet werden kann, und die Gerichte, die zum Schutz der Gesetze da sind, müssten ihm die

No. 143 250 Anerkennung versagen. -- d) Nun wollen aber die angerufenen Art. 91 und 92 des Grenzwachtreglements den Grenzwachtern keine Notwehr- befugnisse geben, die über Art. 31 des MStGB hinausgehen. - Nach Art. 91 darf von d er Waffe Gebrauch g ema eh t "',.erden: im Fali d er N ot- wehr und gegenüber einem tãtlich sich widersetzenden Warenführer. W. war nicht >. In bezug auf die Notwehrwird der materielle Inhalt des Art. 31 MStGB wiederholt, n ur dass das > weggelassen wird, was aber keine Bedeutung haben kann, da au eh hier n ur die > im Sinne des Gesetzes gemeint sein kann. Wãre es anders, so wãre die Ánderung ungesetzlich und nicht anzuerkennen.- Nach Art. 92 sind für den Gebrauch von Schusswaffen sogar Einschrãnkungen aufge- stellt, bei denen e s si eh fragen kann, o b si e di e N otwehr nicht in unzu- lãssiger Weise einengen, aus denen aber sehr deutlich ersichtlich wird, dass das Reglement den Waffengebrauch auf den Fali der dringenden Not- wendigkeit beschrãnken und keineswegs ins Belieben der Grenzwachter stellen wollte. - Art. 80 des Reglen1ents, auf d en si eh I. persõnlich stützt, bestimmt, dass die Grenzwache bei der \Tollziehung von Bundesgesetzen fiskalischer Natur, die besonders erwãhnt werden, und von denen im vor- liegenden Fali keines berührt wird, die Funktionen der Bundespolizei aus- übe. Aber dass diese polizeilichen Funktionen das Recht auf den Waffen- gebrauch erweitern, ist nirgends gesagt.- e) Auf die Bestimmungen über den Waffengebrauch im Dienstreglement für die schweizerischen Truppen kõnnte sich I. - abgesehen von der Frage, ob sie neben denen des spe- ziellen Grenzwachtreglements anwendbar sind - schon deshalb nicht berufen, weil nach Art. 201 des Dienstreglements der Waffengebrauch nur vorgesehen ist, wenn andere verfügbare Mittel nicht ausreichen. Das Divisionsgericht ist der Auffassung, dass es zur wirksamen Verteidigung Is. nicht notwe·ndig war, auf den unbewaffneten W. zu schiessen. An dieser \Vürdigung tatsãchlicher Verhãltnisse kann das Kassationsgericht nichts ãndern. D. Es bleibt- demnach lediglich zu prüfen, ob der Angeklagte nach Art. 31 MStG Anspruch auf Straflosigkeit hat; dabei sind ausschliesslich die vom Divisionsgericht festgestellten Tatsachen zugrunde zu legen. Die Kassation ist nur n1õglich, wenn das Divisionsgericht diese Tat- sachen i'n der Auslegung des Begriffs der > rechtlich falsch gewürdigt hat.- Nicht festgestellt sin d Ehrverletzungen, au eh nicht der behauptete Zuruf des Sohnes W.: >, was aber insofern ohne Belang ist, als das Gesetz die Ehrennotwehr nicht kennt. Nach der Darstellung des Sachverhaltes ist anzunehmen, dass I. zwar zunachst dem Ruhestõrer nachgelaufen ist und dann, mit der Pistole drohend, sein en N amen feststellen wollte, das s er si eh aber, als er di e Schüsse ab- gab, in der Abwehr befunden hat. Denn es ist festgestellt, dass ihn die Eltern W., als er sich nach Hause ~urückziehen wollte, auf den1 Heimweg verfolgten, dass er warnte, und als er schliesslich die Pistole