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No. 136 232 136. W enn eine militargerichtlich strafbare Handlung eingeklagt ist, so kann d.ie Zustandigkeit der Militargerichte nicht mit der Be- hauptung angefochten werden, das Vergehen sei bloss disziplina-· risch strafbar. - Der Befehl eines Waffenchefs, die Einberufung: in die Unteroffiziersschule habe im Einverstãndnis mit den Einzu-· berufenden zu erfolgen, ist eine Ordnungsvorschrift, welche die· Verbindliehkeit des einmal erfolgten Aufgebots nicht berührt. - Ein ãrztliches Zeugnis ist eine Privaturkunde nach MStGB Art. 155~. lit. b.- Das MStGB bestraft nicht die Urkundenfãlschung als solche,. sondern nur den mittelst einer Urli:undenfalschung begangenen~ Betrug (Art. 153, 155). Lorsqu'un renvoi en tribunal a été ordonné pour un acte répri- mé par le droit pénal militaire, on ne peut contester la eompétence· des tribunaux militaires en alléguant que l'infraction n'était pas- sible que d'une peine disciplinaire.- L'ordre d'un chef d'arme prescri-- vailt de n'appeler aux écoles de sous-officier que les bommes qui ont consenti à faire ces écoles est une prescription d'ordre, qui ne· touche pas au caractere obligatoire d'un appel au service, une fois que l'ordre demarche a été donné.- Un certificatmédical est un acte privé d'apres l'art. 155, Iit. b, du CPM. - Le CPM ne punit pas. le faux en écriture comme tel, mais il punit seulement la fraude .commise au moyen de la falsification d'un acte (art. 153, 155). Allorche e stata promossa l'accusa per una azione punibile dai tribunali militari non si puõ contestare la competenza di questi sostenendo ebe il fatto comporti solo una pena disciplinare. - L'or- dine di un capo d'arma di chiamare in servizio per una scuola di sotto ufficiali solo i militi che si dichiararono disposti a seguirla non toglie alia chiamata in servizio, una volta avvenuta, il suo carattere obbligatorio. - Un certificato medico e un atto privato· previsto dall'art. 155, lett. b, CPM. Il CPM non punisee il falso, documentale come delitto, per se· stante, ma punisce solamente la frode comn1essa col mezzo di una falsificazione d'atti (art. 153 e 155 del CPM). F. rückte in die Unteroffiziersschule nícht ein und liess sich ein· arztliclzes Zeugnis ausstellen, zvelches den Salz enthiell: ccZurzeit isl Herr F. wieder hergeslelll)). F. radierle das Wort > ei les rem- plaça par les mots «pas encore)). Le commandant d'école remarqua immédiaiement la falsification. - F. fui condamné par le tribunal de division p o ur fraude · qualifiée e t pour falsification d'a ete. F. non si presenta alla scuola di sotto ufficiale e si fece rilasciare un ceriificato medico conienenie quesla frase: - Attualmente il si g. F. e di nuovo ristabilito. - F. cancellà le para le «di nuovo)) e le sosiiiui con quesie altre: «non ancora)) -'-. Il comandante della scuola rimarco tosio la falsificazione. -F. fu condan.nato dal tribu- nale di divisione p er f ro de qualificata e p er falsificazione d'atti. -- La cassazione ammise inuece solo un ienialiuo di frode qualificata oltreche la renitenza al seruizio. A. D er V erteidiger ma eh t geltend, das Divisionsgericht habe se~ ne sachlicheZustiindigkeit zu Unrecht angenommen (Art. 188, Ziff. 3, MStGO). Die Dienstverweigerung kõnne nur dann gerichtlich verfolgt werden,, wenn sie sich als wichtigeren I:fall darstelle, sonst sei sie disziplinarisch zu erledigen. - Es kommt aber in erster Linie darauf an, ob eine Hand- lung eingeklagt war, die mit gerichtlicher Strafe bedroht ist. Da dies zu- trifft, so hatte das Divisionsgericht auf di e Sache einzutreten; die weitere Frage, ob und in welchem Umfang die Anklage bewiesen würde, ob allen- falls di e V erhandlungen z ur Freisprechung führen o d er n ur ei nen weniger wichtigen Fali anzunehmen gestatten würden, hat mit der sachlichen Zustandigkeit des Gerichts nichts z u tun .... C. . .. Der \T erteidiger n1acht folgende Verletzungen des Strafgesetzes geltend: a) Verurteilung wegen Verweigerung eines Dienstes, zu dem der Angeklagte nicht verpflichtet war. Massgebend ist Art. 10 der Militar- organisation vom 12. April 1907: J e d er W ehrmann kann z ur Bekleidung eines Grades und zur Leistung des hierfür vorgeschriebenen Militar- dienstes verhalten werden. Der Befehl des Waffenchefs der Kavallerie an di e Einheitskommandanten des Auszuges vom 17. N ovember 1921 schreibt nur vor, dass die Vorschliige zur Einberufung in die Unteroffi- ziersschulen im Einvernehmen n1it d en einzuberufenden Leuten zu erfolgen haben, zum Zwecke der Erleichterung. der Schulorganisation. Das ist lediglich eine Ordnungsvorschrift zuhanden der Einheitskommandanten. Das Recht der Militardirektion, den Angeklagten aufzubieten, und die Verpflichtung des Aufgebotenen, einzurücken, sind dadurch nicht ein- geschrankt worden. Übrigens ist festgestellt, dass F. sich seinen1
No. 136 234 Einheitskommandanten gegenüber auf Zureden hin mit der Einberufung einverstanden erklãrt hatte.... e) F~lsche Anwendung der Strafbestim- mung betreffend ausgezeichneten Betrug. In dieser Hinsicht wird zunachst angebracht, Art. 155 b MStG sei zu Unrecht angewendet worden, da das gefãlschte Arztzeugnis keine Reehte begründe, aufhébe, ·modifiziere oder wenigstens diese Dinge in rechtlicher Form verurkunde, daher aueh keine Privaturkunde im Sinne des Gesetzes sei: - Das Kas- sationsgericht lehnt diese Auffassung in Übereinstimmung mit seiner bis- herigen Praxis ab. Das Arztzeugnis ist nicht eine zufãllig zu Papier ge- brachte beliebige Ausserung über eine rechtlich unerhebliche Frage, es :ist auch kein Zufall, dass darin eine Tatsache erwãhnt wird, die von recht- licher Bedeutung sein kann. Im vorliegenden Fali wird das besonders -deutlich gemacht durch die Tatsache, dass das Schulkom1nando von F. -ein Arztzeugnis verlangte, um gestützt darauf über seinen Anspruch .auf Dienstbefreiung entscheiden zu kõnnen. Zu diesem Zweck holte F. bei Dr. Sch. das Zeugnis, aus dem sich ergab, dass ein solcher Anspruch gestützt auf den Gesundheitszustand nicht begründet werden konnte, und um trotzdem von der Einrückungspflicht befreit zu werden, beging der Angeklagte die Falschung. Das Arztzeugnis ist die auf die Fachkennt- nisse des Ausstellers gestützte Verurkundung über den Gesundheits- _zustand des W ehrpflichtigen; eine für di e Einrückungspflicht erhebliche T'atsache bildet also den wesentlichen und notwendigen Inhalt des Zeugnisses, das darum den rechtlichen Charakter einer Urkunde im vollen Mass aufweist. -
d) Der Gebrauch der gefãlschten Urkunde falle nicht unter Art. 155 b, sondern unter Art. 153, verletzt sei auch Art. 158 ]\1StG. Da es sich um die Fãlschung einer Urkunde handelt, so ist die Berufung auf Art. 158, der von den im Gesetz nicht ausdrücklich -erwãhnten > spricht, hin- fãllig. Übrigens enthalt ~~rt. 158 keinen selbstãndigen Straftatbestand, -da er auf den aufgehobenen Art. 3 verweist. - Wenn dagegen geltend :ge1nacht wird, dass > unter Art. 153 MStG falle, so ist das ganz richtig. Denn Art. 153 enthãlt ja nur die allgemeine Definition des Betruges, unter die alle Betrugsfãlle .gehõren; darum ist au eh di ese Rahn1enbestimmung ni eh t mit einer besondern Strafsanktion versehen. Deswegen ist es falsch, wie der Ver- teidiger es tu t, Art. 153 und Art. 155b einander entgegenzustellen ... f) Das J)ivisionsgericht setzt sieh in beabsichtigten Gegensatz zu der vom Kas- sationsgericht im Falle Maag 1) festgelegten Rechtsprechung, beruft sich :auf eigene abweichende Entscheide und will damit die Kassationsinstanz vor di e Frage stellen, o b e s von sein er Auffassung abzugehen ha be ... Das Divisionsgericht ist von der Vorstellung befangen, die Urkunden seien gewissern1assen um ihrer selbst willen geschü tzt un d da h er das Delikt
1) Oben No. 120.