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219 No. 132 war auch mit Rücksicht auf die Freiheit des .A.ngeklagten nicht ein Akt der gerechten Notwehr im Sinne des Gesetzes. Wenn der Angeklagte sich gegen die Ãusserungen des Abteilungsko.mmandanten zur \Vehr setzen wollte, so s tan d ihm dafür d er reglementarische W eg d er Be- schwerde offen. (11. Mai 1922, Blatter Thomas e. D. G. 3.) 132. Gegen ein Kontumazialurteil steht dem Auditot· eine Kassations- llescll\Vei·de zu. - Aucl1 nicht ausexerzierte Rel{ruten sind bei ·einem Aufgebot iht·er Einl1eit einrücl{ungspflichtig. L'auditeur peut recourir en cassation contre ·un jugement par ·défattt. -· Les t·ecrues no n entierement instruites doivent elles aussi .se Jlt·ésenter à la mise sur pied de Ieur unité. · L'uditot·e puõ ricorrere in cassazione contro una sentenza contumaciale. - Anche le reclute non completamente istruite ·deYOllO presentarsi quando e chiamata in servizio la lot•o unità. H. war nach seinem Dienstbiichlein dem Bai. 48 zugeteilt; die Kampagnie zvar nach nicht bezeichnet zvarden. D'apres son livret de service H. était incarparé au bal. 48, mais la compagnie n'était p as indiquée. 1-I. figuraua, secando il sua libretta di servizia, incorparata nel battagliane 48; nan era perà indicata in quale campagnia . . A.. Gegen Kontu1nazurteile steht nicht dem Verurteilten, der sich ge1nass Art. 167 MStGO jederzeit wiedereinsetzen lassen kann, wohl .a b er den1 Auditor ei ne Kassationsbeschwerde z u. V g l. Stooss, Komm. Art. 187 und die dort angeführte Literatur, und Judikatur. B .... Das lJrteil beruft sich darauf, dass I-I. als nicht ausexerzierter Rekrut nicht auf die Korpskontrolle gehõrte. Darin liegt jedoch keine Befreiung von der Verpflichtung, einzurücken. Die Verordnung über ·das Inilitarische Kontrollwesen vom 18. Marz 1909 sieht allerdings vor, dass in die Korpskontrollen die ausexerzierten Rekrulen einzutragen sind. IJadurch ist aber nicht gesagt, dass noch nicht ausexerzierte Rekruten 1nilitarisch nicht eingeteilt seien, schreibt doch die gleiche \Terordnung in Art. 27 vor, dass die milit~i.rische Einteilung nach der Aushebung in das I)ienstbüchlein einzutragen sei. J)as l)iensthüchlein giht also dem Dienstpflichtigen den Aus\veis für seine Zugehõrigkeit zu einen1 bestimm- ten Truppenkõrper. Die Korpskontrollen sind zur Kontrolle da, die Eintragung in dieselben hat nicht die Bedeutung, dass dadurch die I)ienst-
No. 133 220 pflicht erst begründet wird. V gl. MK G In Sachen Siegenthaler 1),. und in Sachen Diethelm 2). - Selbst wenn H. noch gar nicht eingeteilt worden ware, so kõnnte auch das seine Dienstpflicht nicht aufheben. Das ergibt sich direkt aus Art. 6 der Verordnung vom 30. Novemher l 917, wo die gerichtliche Zustandigkeit zur Beurteilung solcher Dienst- verweigerer nornliert wird, die nicht eingeteilt sind. -- Im Falle Diel-· helrr1. ist eine rechtskraftige \T erurteilung erfolgt, obwohl d er Angeklagte von der Korpskontrolle gestrichen war und die Einheit, die in seine1n Dienstbüchlein eingetragen war, als solche nicht mehr bestand. (11 . Mai 1922, Auditor e. D. G. 4. i. S. I-Iegglin.) 133. Erl1ebliehkeit der Tatsachen, welche die Revision (1\IStfJ:O Al~t. 199) rechtfertigen: Die bisl1erige Praxis des 1\IIKG (El~w. A). - Di e Stellung des mit d er neuen V erhandlung betrauten Gerichts gegenüber dem Revisionsentsel1eid des MKG (Erw. B). - Begriff der Erbeblicl1keit (Erw. C). - Die endgiiltige Beweiswürdigung ist allein Sacl1e des Divisionsgerichts (EI·lv. D) .. - Begriff d er N euheit gemass Art. 199 (Erw. E). Quand des faits ont-ils Pimportance voulue pon1· justifier la revision (O~Jl\1 art. 199) ?: jurisprudence anté:u_·ieure du Tl\IC (cons. A). - Position faite llar l'arrêt du Tl\IC ordonnant la revisiou au tribunal chargé de la nouvelle instruction ·(cons. B). - Notion du fai t hn- portant (cons. C). - L'ap}li~éciation définitive des preuves est uniftue- Inent Paffaire du tribunal de division (cons .. D). - Notion du fait nouveau d~apres Pa1·t. 199 (eons. E). Quale importanza devono avere i fatti indicati pe1~ giustificare una domanda di revisione (art. 199 OGM). Giurisprudenza ante- riore del tribunal e militare di cassazione (considerando A). - In quale misura sia vincolante una sentenza della cassazione, aminet- tente una do manda di revisione, p er il tribunal e í ncaricato del nuovo }Jroced ·In ento (considerando B). - N ozione del fatto rile- vante (considerando C). - L'apprezza1nento definitivo delle prove spetta unicamente al ti·ibunale di divisione (considerando D): - N ozione del fatto nuovo secondo I'art. 199 O Gl\1 (conside- I·ando E).
l) Oben No. 34.
2) Oben No. 124.
221 No. 133 ... !\._. Das MK G hat in standiger Rechtsprechung, in1 Anschluss an seinen Entscheid i. S. Lon1bardi vom 25. November 1914 1) daran fest- .gehalten, dass Tatsachen und Beweismittel dann > sind, wenn si e > sin d, eine für d en '-l erurteilten günstigere En tscheidung der Schuldfrage herbeizuführen. Dagegen hat von Fali zu Fali diese > zur Herbeiführung einer günstigeren Entscheidung eine engere -oder eine weitere Auslegung erfahren. Im Fall Lombardi hat das Kassationsgericht erklart, die neuen Tat:. sachen oder Beweismittel seien dann erheblich, >. D ami t ist gesagt, dass di e Beweise no eh ni eh t unbedingt zugunsten des Verurteilten vollstandig liquid gestaltet sein müssen, bevor die Re- vision gutgeheissen werden kann. Im Fali Bohrer vom ~. Februar l 915) 2) hat si eh das Militarkassations- _gericht auf den Standpunkt gestellt, die Revision als ein ausserordentliches Rechtsmittel, das sich gegen ein rechtskraftiges Urteil wende, solie nur dann Erfolg haben, wenn ein Justizirrtum, eine klare Unrichtigkeit des angefochtenen Entscheides dargetan werden kõnne. Dieser Auffassung schlossen si eh an: di e Entscheide i. S. G rii ub vom 28. August l 915 un d
i. S. Enz vom 21. Dezember 1916 3), mit einer andern schon etwas ab- schwachenden Formulierung, das Urteil i. S. Willimann 4): eine Revision rechtfertige sich nur dann, wenn eine andere Beurteilung des Falles > sei. In neuern Entscheidungen ist das MKG zu einer weniger starren ~1\._uslegung übergegangen. I. S. Schoni 5) hat es,im Falie zweier si eh widersprechender Expertisen erklart, es werde Sache des Divisions- gerichts sein, zu entscheiden, welchem der beiden Gutachten zu folgen sei. Demnach genügte es zur Revision bereits, dass durch ein neues Gutachten di e den1 Divisionsgericht zum erstenn1al vorge-. legenen Beweise iliiquid gemacht wurden. Im Falle Neuko1nm 6) genügte e s z ur Revision, dass di e Schlüssigkeit de r Beweise > wurde. In seiner neuesten Entscheidung i. S. vVegmiiller 7) lehnte das Kassationsgericht ausdrücklich die Prüfung der Echtheit einer neu beigebrachten Urkunde ab und erklarte diese Prüfung als Aufgabe des J)ivisionsgerichts; es 1nüsse dem Kassations- gericht genügen, dass die Urkunde nach Forn1 und Inhalt die Beweise, di e zur V erurteilung geführt, ernstlich in Frage z u stellen geeignet sei
1) z. 26, s. 405.
2) z. 28, s. 208.
3) Ohen No. 39. 4) Oben No. 26.
5) Oben No. 84.
6) Oben No. 128.
7) Oben No. 130.