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No. 124 206 F .... Es ist darauf zu verweisen, dass Art. 34 MStG und 33 BStR keinen Unterschied zwischen idealer und realer Deliktskonkurrenz ma- chen, da si e von mehreren no eh nicht beurteilten > (délits, delitti) und nicht etwa von mehreren > sprechen; wãhrend Art. 32 und 33 MStG, 31 und 32 BStR die Ausdrücke: > gebrauchen. Dieser terminologische Unterschied ist logisch wohl zu begründen: > bezeichnet schon nach einem natürlichen Wortsinn das tatsãchliche Verhalten des Tãters, > di e dadurch bewirkte Gesetzesverletzung. Dem- nach enthãlt ein und dieselbe Handlung so viele Vberlretungen, als sie Strafgesetze verletzt. W ollte man also annehmen, dass d er Gesetzgeber von 1851 und 1853 wirklich den Unterschied zwischen Real- und Ideal- konkurrenz vor Augen gehabt habe, und dass er eine Strafschãrfung gemãss Art. 34 MStG und 33 BStR bei Idealkonkurrenz ausschliess~n wollte, dann ware nicht zu verstehen, warum er in diesen Artikeln den Ausdruck > braucht, wãhrend er sich in den voraus- gegangenen Bestimmungen zur Bezeichnung des einzelnen strafbaren Vor- falles sprachlich zutreffend des Terminus >, >, bediente. - Übrigens geben Art. 31 BStR und 32 MStG ganz klare Auskunft darüber, dass die Idealkonkurrenz nach dem Willen des Gesetzes nicht belanglos für die Strafbemessung ist. Nach Art. 31, lit. b, BStG und Art. 32, lit. b, MStG wird die Strafe (innerhalb der gesetzlichen Grenzen) erhõht, je mehr und dringendere Verpflichtungen durch die gleiche strafbare Handlung verletzt worden sind. Es wãre widersinnig, anzuneh- men, dass diese Straferhõhung dann nicht zulassig sei, wenn die einzelnen Pflichtverletzungen sogar eigene Straftatbestãnde verwirklichen: im Gegenteil ist es Iogisch und liegt im System des Gesetzes, dass in diesem I~"'all über den Strafrahmen, der für das einzelne Delikt gesetzt ist, hinaus- gegangen werden darf. (12. November 1920, Kobler e. D. G. 6 b.) 124. Die Verordnung vom 30. November 1917 iindet 1·ückwirkend Anwendung auf alle seit Anfang August 1914 begangenen Ver- saumnisse des Aktivdienstes. For1n des Aufgebotes (MStGB Art. 97), speziell für Schweizer im Ausland. Diligenzpflicht der Wehr- mãnner. Die Mannschaftslíontrollen (MO Art. 151) sind Grund- Iage. des Kontrollwesens, ni eh t d er Dienstpflicht. L'ordonnance du 30 novembre 1917 s;applique rétroactivement à toutes les absences au serviee actif qui se sont produites depuis le début d'aoiit 1914. Forme de l'appel au serviee (art. 97 CPM),
207 No. 124 sp~cialen1ent pou1· les Suisses à l'étranger. Devoir des· n1ilitaires de s'info1·mer. Les contrôles de corps (OM art. 151) son t la base du contrôle, non de l'obligation de servir. L'ordinanza del 30 novembre 1917 deve applicarsi retro-attiva- mente a tutte le mancanze dai servizio attivo verificatesi dopo il principio dell'agosto 1914. Fo1·ma della chiamata in servizio (art. 97 OPM) specialmente p er g li Svizzeri all'estero. Dovet·e d ei militari d'informarsi. I controlli di corpo (OM art. 151) eostitui- scono la base dei eontrolli, non dell'obbligo di prestare servizio. A .... Hat das Milibirkassationsgericht in seinem Entscheid in Sachen Meyer vom 19.Mai 1919 1) die rückwirkende Kraft der Verordnung vom
30. November 1917 schon daraus abgeleitet, dass die Verordnung gegen- über den bisher in Kraft stehenden Normen milderes Recht einführte~ so hat der BRB vom 30. Mai 1919 in dieser Beziehung jeden Zweifel ausgeschlossen, in d em er in Art. 2 vorschreibt: > Di ese Bestimmung nimmt la u t Art. l des BRB Bezug auf den BRB vom 5. Oktober 1916 betreffend die Behandlung derjenigen Wehrmanner, >. Damit ist festgestellt, dass von1 15. Juni 1919 an (dem Tag des Ausserkrafttretens des Bundesratsbeschlusses vom 5. Oktober 1916) samtliche seit Anfang August 1914 begangenen Versãumnisse des aktiven Dienstes nach den Vorschriften d er Verordnung vom 30. N ovember 1917 z u beurteilen sin d. C. Der Rekurrent macht geltend, er sei nicht aufgeboten worden Nach Art. 97 MStG wird bestraft: >. Hat d er Gesetzgeber vielleicht damit, entsprechend den zu seiner Zeit vorwiegend gebrauchten Formen militarischen Aufgebots, in erster Linie den pe.rsõnlichen Stellungsbefehl im Auge gehabt, so hat er doch alle nach den jeweiligen Vorschriften ergehenden Mobilisationsbefehle in den strafrechtlichen Schutz einbe- ziehen wollen; es ist also au eh d er heute übliche õffentliche Anschlag, verbunden mit andern Publikationsmitteln, eine an den Wehrpflichtigen ergehende Aufforderung im Sinne des Art. 97 MStG. Die Rechtswirkung jeder Publizitat aber fusst auf der Vermutung, dass derjenige, den die Kundmachung angeht, davon Kenntnis erhalte. Damit hãngt die in zahlreichen militãrgerichtlichen Urteilen festgestellte Pflicht des Wehr- mannes zusammen, sich um õffentliche Kollektivaufgebote zu kümmern
1) Oben No. 100.
No. 124 208 und sich i"n Zweifelsfãllen zu erkundigen. Vgl. z. B. MKG in Sachen Nõtzli 1), Bii.chli 2); Weiss und Biefer vom 25. Februar 1920; Eber-· hardt vom 3. November 1915; Zweifel vom
18. Oktober 1917; Brodmann vom 21. Januar 1920; Wyss vom 18. Juni 1919. - Die Pflicht, sich nach dem Aufgebot zu erkundigen, ist wiederholt auch für V erhãltnisse festgestellt worden, in d en en regelmãssig persõnliche Marschbefehle erlassen werden, wie bei der Fliegertruppe (Fali Wyss) und vor allem für Wehrpflichtige im Ausland (Falle Zweifel, Éberhardt, Nõtzli). Die Verordnung vom 30. November 1917 verlangt vom Wehr- pflichtigen im Ausland eine gewisse Diligenz: er muss Dispensierung von1 Dienst verlangen, wenn er sein Ausbleiben nach Art. 2, Abs. 2, will ent- schuldigen lassen; das setzt v ora us, dass er si eh rechtzeitig Kenntnis vom Aufgebot verschaffen muss. Überhaupt kann die Zustellung per- sõnlicher Aufgebote an Schweizer im Ausland nur als eine Verstarkung .d,es allgemeinen Aufgebots, nicht aber in dem Sinne ausgelegt werden, dass das allge1neine Aufgebot den Schweizer im Ausland so lange nichts angehe, bis er persõnlich begrüsst werde. Die Mobilisierung der schweize- rischen Armee ist übrigens im Ausland, und gerade in Ostpreussen, auch durch Zeitungsinserate bekannt gemacht worden. - Es ist also nachge- wiesen, dass an D. nach den bestehenden Vorschriften eine Aufforderung, sich in Dienst zu stellen, ergangen ist, und da das Divisionsgericht über- dies festgestellt hat, dass D. von d er Mobilisation tatsãchlich Kennt- nis gehabt hat und das Ausbleiben eines persõnlichen Aufgebots nur dem Umstande zuzuschreiben ist, dass er sich pflichtwidrig beim Konsulat nicht gemeldet hat, so kann mit Recht nicht behauptet werden, der ob- jektive Tatbestand des Art. 97 MStG sei nicht erfüllt. D. Auch der für den Ablõsungsdienst vom 31. August 1915 bis 20. Ja- nuar 1916 geltend gemachte besondere Einwand, dass D. wãhrend dieser Zeit nicht eingeteilt gewesen sei, ist nicht durchschlagend. Aus Art. 6 d er Verordnung vom 30. N ovember 1917 ergibt si eh, dass au eh Nicht- eingeteilte dienstpflichtig un d einrückungspflichtig sein kõnnen; di e Ver- ordnung hat in dieser Beziehung au eh ni eh t etwa neues Recht geschaffen; denn die Auftragung eines Wehrmannes auf die Mannschaftskontrollen gemãss Art. 151 MO ist nur Grundlage des Kontrollwesens, nicht Grund- lage der Dienstpflicht (s. MKG in Sachen Siegenthaler 3). - Es ist namentlich z u berücksichtigen, dass D. im Zeitpunkte sein er Ausreise aus der Schweiz im Jahre 1904 in die Verpflegungstrainkompagnie 8 eingeteilt war und diese Zuteilung in seinem Dienstbüchlein bis zum
20. Januar 1916 keine Ã.nderung erfahren hat. Er konnte sich also jeden- falls anhand seines eigenen Ausweises nichtals aus der Armee ausgeschaltet
1) Oben No. 114.
2) Oben No. 116.
3) Oben No. 34.