Volltext (verifizierbarer Originaltext)
No. 109 188 Beurteilung -ausgeschlossen, welche in Realkonkurrenz mit ·den einge~ klagten Tatsachen standen. V gl. S. 563/69, insbesondere die Stelle: > Das trifft für d en vorliegenden F.,all ohne allen Zweifel zu. Es handelt sich unter àllen Umstãnden nur un1 ei n, un d zwar immer urn das gleiche Delikt, verwirklicht in. einem V or- gang, an dem eine Mehrzahl von Personen in verschiedener Weise, aber alle gleichzeitig und am gleichen Orte, beteiligt waren. - Es ist auch zu beachten, dass eine allzu formalistische Behandlung der Anklageschrift gegen d en Charakter d er Mündlichkeit des Verfahrens verstõsst undgeeignet ist, d en V erhandlungen vor dern urteilenden Gericht einen Teil d er Be- deutung zu nehmen, die ihm nach d em Willen des Gesetzgebers zukommen so li. Aus d er Urteilsbegründung ist ersichtlich, das s si eh di e V erteidigung zu der neuen Sachlage hat aussprechen kõnnen und dies auch getan hat. - Diese Erwagungen rechtfertigen die Einbeziehung der erwahnten Tatsachen in das Urteil. (21. Januar 1920, Walti e. T. G. 4.) 109. « Im Dienst » (1\IStGB Art. 65) heisst: nicbt in d er F1·eizeit. Wesent- liclle Verfahrensvorscbriften (MStGO Art. 188, Ziff. 5, A1·t. 159) sind verletzt, lvenn dem Urteil Tatsachen zugrunde gelegt werden, welche ni eh t in d er (õffentlichen) \r erhandlung, sondern erst in d er (geheimen) UrteilslJeratung zur Kenntnis des Gerichts gelangten. «Dans le service» (CPl\1 art. 65) signifie: lorsque la t1·oupe· n'est p as li b re. 11 y a violation des dispositions essentielles de la procé- dui·e (OJ M art. 188, chiff. 5, a1·t. 159) quand le jugement se fonde, sur des faits qui ont été }JOrtés à la connaissance du tribunal 11011 pas au cours des débats (publics), mais seulemeut pendant la délibération (à lluis-clos). «In servizio» (CPM art. 65) significa: quando la truppa 11011 e libera. Esiste violazione di disposizioui essenziali della procedura (OGM a1·t. 188, n° 5, e 159) quando la sentenza si basa sopra fatti eh e vennero portati a conoseenza del tribunale ll()ll durante i dibatti-- menti (pubblici) ma durante la deliberazione (seg1·eta). A .... Der Ausdruck des Art. 65 > bedeutet nicht >, sondern bezeichnet den Zustand, in dem der \Vehrmann unter d er unnlittelbaren Kommandogewalt sein er Vorgesetzten steht; dazu gehõrt nach der Rechtsprechung auch der Zustand der dienstlich geordneten Nachtruhe, des Aufenthaltes in einem Krankenzim1ner
189 No. 109 usw. > heisst also: nicht in der Freizeit. (V gl. MKG in Sa- ch~n· Tanner.vom 17.Dezenlber1914 1), Waldervom 13.Januar1915 2), Büchivom 11. Mai 1915 .. Pfenninger vom 11. Mai 1915 usw.)·- Nun ist festgestellt, dass I. .den \Vachtmeister beschimpft hat, als die Mannscliaft si eh befehlsgemass in1 Kantonnement aufhielt un d Kantonnementsarbeiten angeordnet waren, also bevor die Mannschaft für den freien Ausgang ent- lassen war. Es liegt son1it eine im Dienst begangene Insubordination vor. D. Es fragt sich also nur noch, ob das Urteil durch Missachtung des Art. 159 MStGO wesentliche Vorschriften über das v·erfahren ver- letze und damit auch eine unzulassige, Beschrankung der Verteidigung in einem für die Entscheidung wesentlichen Punkte verbunden sei. - E s steht, insbesondere na eh d er V ernehn1lassung des .Gro~srichters, fest, dass di e Stelle d er Urteilserwagungen: > nicht das Ergebnis d er V erhandlungen i s t, sondern a us Mittei- lungen herrührt, die erst in der Urteilsberatung, also unter Ausschluss der Parteien, dem Gericht zugekon1men sind. Diese Darstellung enthalt also nicht eine Würdigung des Prozessstoffes, wie er den Verhandlungen zugrunde lag. Es ist klar, dass dadurch Art. 159 l\1StGO verletzt wurde. Das Gericht darf nach Art. 158 MStGO nur nach seiner in der l!aupt- verhandlung geschõpften Überzeugung urteilen, Art. 159 verweist noch einmal ausdrücklich auf das Ergebnis der Verhandlungen. Auch abge- sehen von der allgemeinen Bedeutung dieser Vorschrift war sie gerade in d em vorliegenden Fali wesentlich; denn ihre Verletzung steht offen- bar mit dem Ergebnis des Urteils im Zusammenhang. Das zeigt sich darin, das s das Gericht zugunsten des Angeklagten feststellt, >. - Damit ist gesagt, dass Drittpersonen vom Divisionsgericht als an der Trunkenheit des l. mitschuldig angesehen worden sind. Offenbar wurde die Strafbe1nessung beeinflusst durch das Mass der Mitschuld, die vom Gericht Dritten an der Trunkenheit des L beigemessen worden ist. In das Gebiet dieser Erwagungen gehõrt zweifellos die tatsachliche Fest- stellung betreffend Anordnung und Beaufsichtigung der Mostverteilung einerseits und die Verteilung des Verschuldens an der Trunkenheit ander- seits. Unter den n1õglichen Mitschuldigen, an die das Divisionsgericht dachte, fallen diejenigen in Betracht, die den Alkoholgenuss der Truppen selber angeordnet und geleitet haben. Ob solche Erwagungen sachent- sprechend waren oder nicht, entzieht sieh der N.achprüfung. Es genügt di e Feststellung, dass si e offenbar vom Gericht bei d er U rteilsfindung angestellt worden sind, und dass somit das Urteil in der Strafbemessung, einem wichtigen Punkt des Urteils, auf tatsachliche Annahmen hin gefallt worden ist, die nicht Gegenstand des Beweisverfahrens waren. Es
1) z. 28, s. 182. -
2) z. 28, s. 189.