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MKGE 1 Nr. 103

MKGE 1 Nr. 103 — Frei Leopold e. T. G. 4.

Mkg · 1919-10-15 · Deutsch CH
Volltext (verifizierbarer Originaltext)

No. 103 176 103. Es ist nieht zulassig, in der Ilauptverliandlung Zeugenaussagen aus d en Akten de r V oruntersuchung verlesen .zu lassen, anstatt die Zeugen selbst einzuve1·nehmen, ausser in den von der MStGO ausdi 1ücliJich vorgesehenen Fali en. W esentliche Vorschriften über das Verfahren sind nur dann verletzt, wenn die Verletzung geeignet \Var, die Entscheidung zu beeinflussen. 11 n'est pas admissible de donner lecture aux débats de dé- positions de témoins figurant au dossier de Penquête au lieu d'en- tendre les témoins eux-mêmes, excepté dans les cas expressé- ment prévus par l'OJl\1. 11 n'y a violation des dispositions essen ... tielles de la procédure que lorsque cette violation était de. nature à exercer une influence sur le jugement. L'audizione (lei testimoni non puõ essere al dibattimento sosti- tuita dalla lettura delle loro deposizioni7 iigtiranti nell'inchiesta, salvoche n ei casi esp1·essamente p1 1eveduti dall'O Gl\1 · (art. 148 e 150). La violazione di disposizioni della procedura costituisce Inotivo di cassazione solo quando sia taleda esercitare un' influenza (sul giudizio. E. Dagegen verstõsst das Verfahren der llauptverhandlung gegen die Vorschriften über die Beweisaufnahme. Die Aussage eines Zeugen ist aus den Akten der Voruntersuchung vorgelesen \Vorden, ohne dass die Unmõglichkeit oder eine Schwierigkeit bestanden hatte, den Zeugen zur Hauptverhandlung vorzuladen. Die Verteidigung hat diesen Mangel rechtzeitig gerügt. Die Vorladung unterblieb, wie der Auditor ·schreibt, weil man sie nicht für nõtig erachtete. Es liegt keiner der Falle vor, in denen das Gesetz, praktischen Bedürfnissen Rechnung tragend, die Vorlesung von Verhõrsprotokollen der Voruntersuchung gestattet Art. 148 und 150 MStGO). Da1nit ist auch gesagt, dass der Grundsatz der Mündlichkeit und der Unmittelbarkeit des Beweisverfahrens vo1n Territorialgericht verletzt worden ist. Es lasst sich nicht einwenden, die vorgelesene Aussage entspreehe de1n Inhalt des von den beiden Soldaten erstatteten Rapportes, der eine gemass Art. 153 vorzulesende Urkunde bildet und als Urkunde beweiskraftig sei. Der Rapport bildet die Grund- lage der Anklage, und seine Angaben waren erst noch zu beweisen. F. Eine Kassation gemass Art. 188, Ziff. 5, lVIStGO ist dann gerecht- fertigt, w en n di e Verletzung lVesentlicher Vorschriften über das V erfahren nachgewiesen ist. Es fragt sich also nur noch, ob die festgestellte Ve.r- letzung des Grundsatzes der Unmittelbarkeit und Mündlichkeit der Beweisaufnahme als eine > anzusehen ist. -Das Kassations-

177 No. 104 gericht hat sich bisher auf den Standpunkt gestellt, dass wesentliche Mangel des Verfahrens solche sin d, di e mit dem U rleil in einem kausalen Zusammenhange stehen. Der Mangel muss mindestens geeignet gewesen sein, auf das Ergebnis des Verfahrens einzuwirken. V gl. Stooss, Kommentar, 167, MKG zuletzt in den Urteilen in Sachen Plato 1); Jenny, Kocher und Eggli vom 18. Juni 1919; Mader, Maduz und Müller vom 28. August 1919. -- Diese Auffassung findet eine · Stütze darin, dass auch nicht jede unzulassige Beschran~ung der Vertei- ·digung zur Kassation führt, sondern das Gesetz in Ziff. 6 des Art. 188 MStGO die unzulassige Beschrankung nur dann als Kassa'"" tionsgrund anerkennt, wenn sie in einem für .. die Entscheidung wesent- .lichen Punkt erfolgt ist. Daraus ergibt sich, dass das Kassations- =gericht untersuchen muss, ob die unzulassige Beschrankung der Vertei- ·digung geeignet war, die Entscheidung zu beeinflussen. -. Die gleiche Konsequenz wird für die Auslegung der Ziff. 5 des Art. 188 MStGO ge- .zogen. Es ist demnach nicht damit getan, festzustellen, dass eine Vor- schrift über das V erfahren verletzt worden ist, sondern di e Bedeutung der Verletzung für den positiven Fali muss mit in Betracht gezogen werden. (E s wird nachgewiesen, dass di e V erletzung einer \r erfahrensvor- :schrift nicht von Einfluss auf das Urteil war.) H. Das Verlesen einer Zeugenaussage hat die Verteidigung in ihrem Recht, gemass Art. 146 MStGO Fragen an den Zeugen richten zu lassen, unzuHissig beschrankt; a b er hier ist wieder z u sagen, das s nicht ein für die Entscheidung wesentlicher Punkt in Frage steht. (15. Oktober 1919, Frei Leopold e. T. G. 4.) 104. Verurteilung eines 13jahrigen Taters wegen Diebstahls: Das MStGB kennt keine Grenze der Strafmündigkeit. Es iinden die Bestimmungen über Zurechnungsfahigkeit (Art. 29) Anwendung. Überweisung an die Schulbehõrden statt militargerichtlicller Be- urteilung? Condamnation pour vol d'un prévenu âgé de 13 ans: le CPM ne connait pas de limite d'âge pour la responsabilité pénale. Les ·dispositions sur l'imputabilité (art. 29) son t a}Jplicables. Renvoi .au x autorités scolaires au li e u de jugement p ar la justice militaire? Condanna per furto di un imputato di 13 anni. 11 CPl\1 non sta- .bilisce limiti d'età per la responsabilità penale. Devono applicarsi

1) Oben 'No. 99, Erwãgung A. 12