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MKGE 10 Nr. 63

MKGE 10 Nr. 63 — Z. e. DG 11

Mkg · 1983-12-02 · Deutsch CH
Sachverhalt

l.- Am 2. J uni 1983 sprach das Divisionsgericht 11 Füs .z. im Abwesen- heitsverfahren der wiederholten vorsãtzlichen Dienstversãumnis sowie der Nichtbefolgung von Dienstvorschriften schuldig und verurteilte ihn zu vier Monaten Gefãngnis sowie zu den Verfahrenskosten. 2.- Gegen dieses Urteil führt der amtliche Verteidiger form- und frist- gerecht Kassationsbeschwerde. Der Auditor hat auf eine Stellungnahme verzichtet. Erwiigungen: l.- De r amtliche Verteidiger rügt, das Divisionsgericht 11 ha be das Strafgesetz im Sinne von Art. 185 Abs. l Bst. d MStP verletzt, indem es Füs Z. a ue h wegen des N achschiesskurses un d der N achinspektion 1982 de r vor- sãtzlichen Dienstversãumnis schuldig erklãrt ha be, obschon di ese Dienstlei- stungen in die Zeit des ebenfalls versãumten Wiederholungskurses gefallen sete n. Tatsãchlich fanden der Nachschiesskurs am 22. November 1982 und die Nachinspektion am 24. November 1982 statt und fielen damit in die Zeit des WK, der am 8. November 1982 begann und am 27. November 1982 zu Ende ging. Zudem war Füs Z. n ur dann inspektionspflichtig, wenn er aus irgend- einem Grund überhaupt nicht zum WK einrückte. 2.-N ach stãndiger Rechtsprechung bleibt e in militãrisches Aufgebot bis zu seinem Widerruf durch die zustãndige Behorde wãhrend der ganzen

Nr. 63, 64 210 Dauer der Dienstleistung wirksam, zu welcher aufgeboten worden ist (MKGE 7 Nr. 40, 8 Nr. 40; 9 Nr. 44 und 82). Auch wer den Militãrdienst wãhrend e in er lãngeren Zeitspanne versãumt hat, bleibt somit bis zum Ende des einzelnen Militãrdienstes gehalten, zur Truppe einzurücken. Gerade wenn- wie im vorliegenden Fali bei der Nachinspektion- eine Dienstver- sãumnis erst di e V erpflichtung zu e in er andern Dienstleistung na eh sich zieht, ist der Wehrmann solange weder berechtigt noch verpflichtet, die andere Dienstleistung zu erfüllen, als der ursprüngliche Marschbefehl in Kraft bleibt. Darüber hinaus erscheint eine Bestrafung wegen gleichzeitiger Unterlassung verschiedener Militãrdienstleistungen ebenso stossend wie die doppelte Verurteilung wegen ein und desselben Unterlassungsdelikts (vgl. MKGE 4 Nr. 74 Erw. D). Gemãss Regl. 51.23 AOT Ziffer 45 gehen beim Zusammenfallen ver- schiedener Dienste die der Grund- oder Weiterausbildung dienenden Schu- len und Kurse den Truppenkurse~ vor. Es liegt nahe, der umfassenden und langerdauernden Festigung und Uberprüfung der Ausbildung in Truppen- kursen gegenüber dem Nachschiesskurs und der Nachinspektion - beide von bloss eintãgiger Dauer - ebenfalls den Vorrang zu geben. E ine V erurteilung wegen V ersãumnis eines N achschiesskurses o de r einer N achinspektion, die gleichzeitig mit einem WK stattfinden, lãsst sich deshalb mit dem Strafgesetz nicht vereinbaren (MKGE vom 1.6.1983 i.SS. A. Erw. 2; MKGE 10 N r. 49). 3.- Das Urteil des Divisionsgerichts 11 ist mithin insoweit aufzuheben, als es Füs Z. der wiederholten vorsãtzlichen Dienstversaumnis schuldig ge- sprochenhat. Fernerwird dasDivisionsgericht 11 die Strafe neuzuzumessen ha ben, ohne dass indessen notwendigerweise e ine Herabsetzung zu erfolgen hat. 4.- Bei diesem Ausgang des Verfahrens gehen die Kosten zulasten des Bundes (Art. 193 Abs. l MStP). (2. Dezember 1983, Z. e. DG 11) 64. Refus de servir (art. 81, eh. l et 2 CPM) Grave conflit de conscience Témoins de Jéhovah: le seul fait d'appartenir à la secte des Témoins de Jéhovah ou de se déclarer adepte de leur conviction ne suffit pas à faire admettre l'existence d'un grave conflit de conscience, mais il en est toutefois un sérieux indice.

Erwägungen (3 Absätze)

E. 2 Gegen dieses Urteil führt der amtliche Verteidiger form- und frist- gerecht Kassationsbeschwerde. Der Auditor hat auf eine Stellungnahme verzichtet. Erwiigungen: l.- De r amtliche Verteidiger rügt, das Divisionsgericht 11 ha be das Strafgesetz im Sinne von Art. 185 Abs. l Bst. d MStP verletzt, indem es Füs Z. a ue h wegen des N achschiesskurses un d der N achinspektion 1982 de r vor- sãtzlichen Dienstversãumnis schuldig erklãrt ha be, obschon di ese Dienstlei- stungen in die Zeit des ebenfalls versãumten Wiederholungskurses gefallen sete n. Tatsãchlich fanden der Nachschiesskurs am 22. November 1982 und die Nachinspektion am 24. November 1982 statt und fielen damit in die Zeit des WK, der am 8. November 1982 begann und am 27. November 1982 zu Ende ging. Zudem war Füs Z. n ur dann inspektionspflichtig, wenn er aus irgend- einem Grund überhaupt nicht zum WK einrückte. 2.-N ach stãndiger Rechtsprechung bleibt e in militãrisches Aufgebot bis zu seinem Widerruf durch die zustãndige Behorde wãhrend der ganzen

Nr. 63, 64 210 Dauer der Dienstleistung wirksam, zu welcher aufgeboten worden ist (MKGE 7 Nr. 40, 8 Nr. 40; 9 Nr. 44 und 82). Auch wer den Militãrdienst wãhrend e in er lãngeren Zeitspanne versãumt hat, bleibt somit bis zum Ende des einzelnen Militãrdienstes gehalten, zur Truppe einzurücken. Gerade wenn- wie im vorliegenden Fali bei der Nachinspektion- eine Dienstver- sãumnis erst di e V erpflichtung zu e in er andern Dienstleistung na eh sich zieht, ist der Wehrmann solange weder berechtigt noch verpflichtet, die andere Dienstleistung zu erfüllen, als der ursprüngliche Marschbefehl in Kraft bleibt. Darüber hinaus erscheint eine Bestrafung wegen gleichzeitiger Unterlassung verschiedener Militãrdienstleistungen ebenso stossend wie die doppelte Verurteilung wegen ein und desselben Unterlassungsdelikts (vgl. MKGE 4 Nr. 74 Erw. D). Gemãss Regl. 51.23 AOT Ziffer 45 gehen beim Zusammenfallen ver- schiedener Dienste die der Grund- oder Weiterausbildung dienenden Schu- len und Kurse den Truppenkurse~ vor. Es liegt nahe, der umfassenden und langerdauernden Festigung und Uberprüfung der Ausbildung in Truppen- kursen gegenüber dem Nachschiesskurs und der Nachinspektion - beide von bloss eintãgiger Dauer - ebenfalls den Vorrang zu geben. E ine V erurteilung wegen V ersãumnis eines N achschiesskurses o de r einer N achinspektion, die gleichzeitig mit einem WK stattfinden, lãsst sich deshalb mit dem Strafgesetz nicht vereinbaren (MKGE vom 1.6.1983 i.SS. A. Erw. 2; MKGE 10 N r. 49).

E. 3 Das Urteil des Divisionsgerichts 11 ist mithin insoweit aufzuheben, als es Füs Z. der wiederholten vorsãtzlichen Dienstversaumnis schuldig ge- sprochenhat. Fernerwird dasDivisionsgericht 11 die Strafe neuzuzumessen ha ben, ohne dass indessen notwendigerweise e ine Herabsetzung zu erfolgen hat.

E. 4 Bei diesem Ausgang des Verfahrens gehen die Kosten zulasten des Bundes (Art. 193 Abs. l MStP). (2. Dezember 1983, Z. e. DG 11) 64. Refus de servir (art. 81, eh. l et 2 CPM) Grave conflit de conscience Témoins de Jéhovah: le seul fait d'appartenir à la secte des Témoins de Jéhovah ou de se déclarer adepte de leur conviction ne suffit pas à faire admettre l'existence d'un grave conflit de conscience, mais il en est toutefois un sérieux indice.

Volltext (verifizierbarer Originaltext)

209 63. Wiederholte vorsiitzliche Dienstversiiumnis (Art. 81 Ziff. l Abs. 2 MStG) Nr. 63 Ein Wehrmann ist solange weder bereehtigt noeh verpfliehtet, eine andere Dienstleistung zu erfüllen, als ein ursprünglieher Marsehbefehl in Kraft bleibt. Eine Bestrafung wegen gleiehzeitiger Unterlassung versehie- dener Militãrdienstleistungen ist daher stossend. lnsoumission intentionnelle répétée (art. 81, eh. l, 2e alinéa CPM) Un militaire n'a ni le droit, ni l'obligation d'aeeomplir d'autres serviees tant qu'un ordre de marehe pour un serviee déterminé est valable. Une eondamnation pour défaut simultané à différents services n'est pas admissible. Ripetuta omissione intenzionale del serrizio (art. 81 cfr. l cpv. 2 CPM) Un milite no n ha ne il diritto ne l'obbligo di eompiere altri servizi sintanto ebe e in vigore un ordine di mareia per un determinato servizio. Una con- danna per omissione simultanea di servizi diversi e inammissibile. Aus dem Sachverhalt: l.- Am 2. J uni 1983 sprach das Divisionsgericht 11 Füs .z. im Abwesen- heitsverfahren der wiederholten vorsãtzlichen Dienstversãumnis sowie der Nichtbefolgung von Dienstvorschriften schuldig und verurteilte ihn zu vier Monaten Gefãngnis sowie zu den Verfahrenskosten. 2.- Gegen dieses Urteil führt der amtliche Verteidiger form- und frist- gerecht Kassationsbeschwerde. Der Auditor hat auf eine Stellungnahme verzichtet. Erwiigungen: l.- De r amtliche Verteidiger rügt, das Divisionsgericht 11 ha be das Strafgesetz im Sinne von Art. 185 Abs. l Bst. d MStP verletzt, indem es Füs Z. a ue h wegen des N achschiesskurses un d der N achinspektion 1982 de r vor- sãtzlichen Dienstversãumnis schuldig erklãrt ha be, obschon di ese Dienstlei- stungen in die Zeit des ebenfalls versãumten Wiederholungskurses gefallen sete n. Tatsãchlich fanden der Nachschiesskurs am 22. November 1982 und die Nachinspektion am 24. November 1982 statt und fielen damit in die Zeit des WK, der am 8. November 1982 begann und am 27. November 1982 zu Ende ging. Zudem war Füs Z. n ur dann inspektionspflichtig, wenn er aus irgend- einem Grund überhaupt nicht zum WK einrückte. 2.-N ach stãndiger Rechtsprechung bleibt e in militãrisches Aufgebot bis zu seinem Widerruf durch die zustãndige Behorde wãhrend der ganzen

Nr. 63, 64 210 Dauer der Dienstleistung wirksam, zu welcher aufgeboten worden ist (MKGE 7 Nr. 40, 8 Nr. 40; 9 Nr. 44 und 82). Auch wer den Militãrdienst wãhrend e in er lãngeren Zeitspanne versãumt hat, bleibt somit bis zum Ende des einzelnen Militãrdienstes gehalten, zur Truppe einzurücken. Gerade wenn- wie im vorliegenden Fali bei der Nachinspektion- eine Dienstver- sãumnis erst di e V erpflichtung zu e in er andern Dienstleistung na eh sich zieht, ist der Wehrmann solange weder berechtigt noch verpflichtet, die andere Dienstleistung zu erfüllen, als der ursprüngliche Marschbefehl in Kraft bleibt. Darüber hinaus erscheint eine Bestrafung wegen gleichzeitiger Unterlassung verschiedener Militãrdienstleistungen ebenso stossend wie die doppelte Verurteilung wegen ein und desselben Unterlassungsdelikts (vgl. MKGE 4 Nr. 74 Erw. D). Gemãss Regl. 51.23 AOT Ziffer 45 gehen beim Zusammenfallen ver- schiedener Dienste die der Grund- oder Weiterausbildung dienenden Schu- len und Kurse den Truppenkurse~ vor. Es liegt nahe, der umfassenden und langerdauernden Festigung und Uberprüfung der Ausbildung in Truppen- kursen gegenüber dem Nachschiesskurs und der Nachinspektion - beide von bloss eintãgiger Dauer - ebenfalls den Vorrang zu geben. E ine V erurteilung wegen V ersãumnis eines N achschiesskurses o de r einer N achinspektion, die gleichzeitig mit einem WK stattfinden, lãsst sich deshalb mit dem Strafgesetz nicht vereinbaren (MKGE vom 1.6.1983 i.SS. A. Erw. 2; MKGE 10 N r. 49). 3.- Das Urteil des Divisionsgerichts 11 ist mithin insoweit aufzuheben, als es Füs Z. der wiederholten vorsãtzlichen Dienstversaumnis schuldig ge- sprochenhat. Fernerwird dasDivisionsgericht 11 die Strafe neuzuzumessen ha ben, ohne dass indessen notwendigerweise e ine Herabsetzung zu erfolgen hat. 4.- Bei diesem Ausgang des Verfahrens gehen die Kosten zulasten des Bundes (Art. 193 Abs. l MStP). (2. Dezember 1983, Z. e. DG 11) 64. Refus de servir (art. 81, eh. l et 2 CPM) Grave conflit de conscience Témoins de Jéhovah: le seul fait d'appartenir à la secte des Témoins de Jéhovah ou de se déclarer adepte de leur conviction ne suffit pas à faire admettre l'existence d'un grave conflit de conscience, mais il en est toutefois un sérieux indice.