Praxis Kantonsgericht |
Regeste: siehe PKG-Dokument\x3Cbr\x3E | java.util.HashMap/1797211028
Volltext (verifizierbarer Originaltext)
3 PKG 2012 11 – Im summarischen Verfahren auf Erlass vorsorglicher Massnahmen ergangener Entscheid über die Höhe der Gerichtskosten, die Kostenverteilung und die Höhe der aussergerichtlichen Entschädigung. Beim Weiterzug sol- cher Entscheide des Einzelrichters am Bezirksgericht mit- tels zivilrechtlicher Beschwerde ans Kantonsgericht kann gemäss Art. 320 ZPO die unrichtige Feststellung des Sachverhalts sowie die unrichtige Rechtsanwendung gerügt werden, wobei Letztere auch den Vorwurf der Un- angemessenheit umfasst. Die Kognitionsbefugnis des Kantonsgerichts ist somit in solchen Fällen umfassender, als sie es seinerzeit bei der Beschwerde nach Art. 232 der bündnerischen Zivilprozessordnung war. Aus den Erwägungen:
2. Entscheide über die Höhe der Gerichtskosten, die Kostenvertei- lung sowie die Höhe der aussergerichtlichen Entschädigung sind typische Ermessensentscheide. Gemäss Art. 320 ZPO kann mit Beschwerde die un- richtige Rechtsanwendung sowie die offensichtlich unrichtige Feststellung des Sachverhalts gerügt werden. Der Begriff der unrichtigen Rechtsanwen- dung beinhaltet jeden Verstoss gegen das geschriebene und ungeschriebene Recht (Freiburghaus/Afheldt, in: Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger, Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung, Zürich 2010, N. 3 zu Art. 320 ZPO; vgl. Spühler, in: Spühler/Tenchio/Infanger, Basler Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung, Basel 2010, N. 2 zu Art. 310 ZPO; Botschaft ZPO, 7372). Unrichtige Rechtsanwendung umfasst auch Unange- messenheit (Kurt Blickenstorfer, in: Brunner/Gasser/Schwander, DIKE- Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung, Zürich/St. Gallen 2011, N. 5 zu Art. 310 ZPO). Unangemessenheit ist gegeben, wenn ein ge- richtlicher Entscheid, der auf sachlichen Kriterien beruht und die Grenzen der Ermessensausübung beachtet, unter Berücksichtigung der Gegebenhei- ten des konkreten Falles dennoch als unzweckmässig erscheint (Reetz/Thei- ler, in: Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger, Kommentar zur Schweizeri- schen Zivilprozessordnung, Zürich 2010, N. 36 zu Art. 310 ZPO; Schott, in: Niggli/Uebersax/Wiprächtiger, Basler Kommentar zum Bundesgerichtsge- setz, 2. Aufl., Basel 2011, N. 32 zu Art. 95 BGG). Die Rechtsmittelinstanz hätte folglich einen anderen, zweckmässigeren Entscheid getroffen, hätte sie anstelle der Vorinstanz zu entscheiden gehabt (Reetz/Theiler, a.a.O., N. 36 zu Art. 310 ZPO). Die Kognitionsbefugnis des Kantonsgerichts geht somit bei der Beschwerde nach Art. 320 ZPO weiter als diejenige bei der Beschwerde nach Art. 232 ZPO-GR, welche nur bei einer Gesetzesverletzung und damit 93 11
3 PKG 2012 nicht bei Unangemessenheit ergriffen werden konnte (Urteil der II. Zivil- kammer des Kantonsgerichts Graubünden ZK2 11 55 vom 13. Dezember 2011 E. 3). Das Kantonsgericht überprüft die Rüge der unrichtigen Rechts- anwendung nach Art. 320 ZPO mit freier Kognition (vgl. Freiburghaus/Af- heldt, a.a.O., N. 4 zu Art. 320 ZPO; Botschaft ZPO, 7372). Mit dieser Ände- rung kommt der Gesetzgeber Art. 111 Abs. 3 des Bundesgerichtsgesetzes (BGG; SR 173.110) nach, wonach die unmittelbare Vorinstanz des Bundes- gerichts mindestens die gleiche Kognition haben müsse, wie dem Bundesge- richt nach Art. 95 und 96 BGG zukommt (Kurt Blickenstorfer, a.a.O., N. 5 zu Art. 320 ZPO; vgl. Freiburghaus/Afheldt, a.a.O., N. 4 zu Art. 320 ZPO). Die Rechtsmittelinstanz hat bei der Überprüfung der Angemessenheit jedoch Zurückhaltung zu üben (Kurt Blickenstorfer, a.a.O., N. 5 zu Art. 320 ZPO). Unter diesen Gesichtspunkten ist die vorliegende Beschwerde zu prüfen. ZK1 11 88 Urteil vom 10. Januar 2012 94 11