Volltext (verifizierbarer Originaltext)
Eidgenössische Schiedskommission für die Verwertung von Urheberrechten und verwandten Schutzrechten ESchK Commission arbitrale fédérale pour la gestion de droits d'auteur et de droits voisins CAF Commissione arbitrale federale per la gestione dei diritti d'autore e dei diritti affini CAF Cumissiun federala da cumpromiss per la gestiun da dretgs d'autur e da dretgs cunfinants CFDC
Beschluss vom 11. Juli 2013 betreffend den Tarif VI Aufnehmen von Musik auf Tonbildträger, die ans Publikum abgegeben werden
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I. In tatsächlicher Hinsicht hat sich ergeben: 1. Die Gültigkeitsdauer des mit Beschluss vom 1. Dezember 2008 genehmigten und am
3. Oktober 2011 verlängerten Tarifs VI (Aufnehmen von Musik auf Tonbildträger, die ans Publikum abgegeben werden) läuft am 31. Dezember 2013 ab. Mit Eingabe vom
11. März 2013 hat die Verwertungsgesellschaft SUISA der Schiedskommission den Antrag gestellt, den Tarif VI um weitere zwei Jahre, bis zum 31. Dezember 2015 zu verlängern.
2. Die Einnahmen aus dem Tarif VI in den letzten zwei Jahren werden von der SUISA mit Fr. 760‘908 (2011) bzw. mit Fr. 121‘974 (2012) angegeben. Dazu erläutert die SUISA, dass der Rückgang im vergangenen Jahr auf einmalige Lizenzierungen im Jahre 2011, die im folgenden Jahr nicht wiederholt werde konnten, sowie auf die Verrechnung von Gutschriften zurückzuführen sei. Auch ohne diese Sondereffekte weise die Nutzung in diesem Bereich eine rückläufige Tendenz auf.
3. Der Tarif VI wurde gemäss Eingabe der SUISA mit dem Schweizerischen Videover- band (SVV) als einzigem Verhandlungspartner in diesem Nutzungsbereich verhandelt. Dieser Verband hat der Verlängerung des Tarifs VI um zwei weitere Jahre zugestimmt (vgl. Gesuchsbeilage 5).
4. Hinsichtlich der Angemessenheit des Tarifs verweist die SUISA somit auf die ausdrück- liche Zustimmung des Verhandlungspartners zu dieser Verlängerung. Insbesondere gebe es im vorliegenden Fall keine Umstände, die der Vermutung widersprechen wür- den, wonach der Tarif einer unter einem Konkurrenzverhältnis zustande gekommenen Einigung gleichkomme. Im Übrigen habe die Schiedskommission diesen Tarif mit Be- schluss vom 1. Dezember 2008 genehmigt. Hinsichtlich der Angemessenheit des zu verlängernden Tarifs wird daher auf das Genehmigungsverfahren zum geltenden Tarif VI verwiesen und nötigenfalls der Beizug der damaligen Verfahrensakten beantragt.
5. Auf Grund der dem Gesuch beiliegenden Zustimmungserklärung des SVV konnte ge- stützt auf Art. 10 Abs. 3 URV auf die Durchführung einer Vernehmlassung verzichtet und die Tarifeingabe gemäss Art. 15 Abs. 2bis des Preisüberwachungsgesetzes unmit- telbar dem Preisüberwacher zur Abgabe einer allfälligen Empfehlung unterbreitet wer-
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den. Gleichzeitig wurde gemäss Art. 57 Abs. 2 URG in Verbindung mit Art. 10 Abs. 1 URV die Spruchkammer zur Behandlung der Tarifeingabe eingesetzt.
6. In seiner Antwort vom 27. März 2013 verzichtete der Preisüberwacher auf die Abgabe einer formellen Empfehlung zum beantragten Tarif VI. Dies begründet er mit dem Um- stand, dass sich die SUISA mit dem massgebenden Nutzerverband auf eine Verlänge- rung des Tarifs einigen konnte.
7. Da der Verhandlungspartner SVV der Verlängerung des vorgelegten Tarifs VI aus- drücklich zugestimmt hat und gestützt auf die Präsidialverfügung vom 4. April 2013 auch seitens der Mitglieder der Spruchkammer keine Sitzung verlangt wurde, erfolgt die Behandlung der Tarifeingabe gemäss Art. 11 URV auf dem Zirkulationsweg.
II. Die Schiedskommission zieht in Erwägung: 1. Die Verwertungsgesellschaft SUISA hat ihren Antrag auf Verlängerung des Tarifs VI (Aufnehmen von Musik auf Tonbildträger, die ans Publikum abgegeben werden) in der bisherigen Fassung am 11. März 2013 und damit innert der Eingabefrist von Art. 9 Abs. 2 URV eingereicht. Aus den Gesuchsunterlagen geht zudem hervor, dass die Tarifver- längerung mit dem SVV im Sinne von Art. 46 Abs. 2 URG abgesprochen worden ist.
2. Die Schiedskommission genehmigt einen ihr vorgelegten Tarif, wenn er in seinem Auf- bau und in den einzelnen Bestimmungen angemessen ist (Art. 59 Abs. 1 URG), wobei sich die Angemessenheit der Entschädigung nach Art. 60 URG richtet.
Nach ständiger Rechtsprechung der Schiedskommission wird die Zustimmung der un- mittelbar Betroffenen als Indiz für die Angemessenheit und damit die Genehmigungs- fähigkeit eines Tarifes aufgefasst. Im Falle der Zustimmung der hauptsächlichen Nut- zerverbände verzichtet sie demnach auf eine eingehende Prüfung gemäss Art. 59 f. URG. Die Schiedskommission stützt ihre diesbezügliche Praxis auf einen Entscheid des Bundesgerichts vom 7. März 1986, in dem festgestellt wurde, dass im Falle der Zustimmung der Nutzerseite zu einem Tarif davon ausgegangen werden kann, dass dieser Tarif annähernd einem unter Konkurrenzverhältnissen zustande gekommenen Vertrag entspricht (Entscheide und Gutachten der ESchK, Bd. III, 1981-1990, S. 190).
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Das Bundesverwaltungsgericht hat in seinem Entscheid vom 21. Februar 2011 betr. den GT 3c (E. 6.2., S. 17 f.) befunden, dass eine solche Vermutung nicht bedeuten kann, dass gewichtige Anzeichen, die gegen eine solche Annahme sprechen, ausser Acht gelassen werden dürfen. Die Zustimmung der Nutzerverbände sei gemäss dem Entscheid des Bundesgerichts nicht als Anlass für eine formelle Kognitionsbeschrän- kung, sondern bloss als Indiz für die wahrscheinliche Zustimmung aller massgeblichen Berechtigtengruppen unter Konkurrenzverhältnissen anzusehen. Gewichtige Indizien, die gegen diese Annahme sprechen, dürften darum nicht ausgeklammert werden.
Unter Berücksichtigung des Einverständnisses der beteiligten Nutzerorganisation zur beantragten Verlängerung des Tarifs VI und des Umstandes, dass der Schiedskom- mission keine weiteren Anhaltspunkte vorliegen, die dagegen sprechen, dass der Tarif nicht annähernd einem unter Konkurrenzverhältnissen zustande gekommenen Vertrag entspricht und es auch keinerlei Indizien für eine Unangemessenheit nach Art. 59 f. URG gibt, ist beim Tarif VI von einem Einigungstarif auszugehen. Die Schiedskommis- sion kann deshalb voraus setzen, dass der Tarif in seinem Aufbau und in seinen ein- zelnen Bestimmungen angemessen ist. Dies muss hier umso mehr gelten, als es sich um die Verlängerung eines Tarifs handelt, den die Schiedskommission bereits mit Be- schluss vom 1. Dezember 2008 genehmigt hat. Dass der Zustimmung der massge- benden Nutzerverbände und -organisationen anlässlich eines Tarifverfahrens ein hoher Stellenwert beizumessen ist, ergibt sich auch daraus, dass in diesem Fall gemäss Art. 11 URV keine Sitzung zur Behandlung der Vorlage einberufen werden muss, sondern die Genehmigung auf dem Zirkulationsweg erfolgen kann.
3. Da der Preisüberwacher auf die Abgabe einer formellen Empfehlung verzichtet hat, gibt die Tarifeingabe der SUISA zu keinen weiteren Bemerkungen Anlass. Die Verlän- gerung des Tarifs VI bis zum 31. Dezember 2015 ist somit, soweit er der Kognition der Schiedskommission unterliegt (vgl. dazu den Beschluss der ESchK vom 13. Dezember 1999, Ziff. II/4), zu genehmigen.
4. Die Gebühren und Auslagen dieses Verfahrens richten sich nach Art. 16a Abs. 1 und Abs. 2 Bst. a und d URV (in der Fassung vom 1. Juli 2008) und sind gemäss Art. 16b URV von der SUISA zu tragen.
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III. Demnach beschliesst die Eidg. Schiedskommission: 1. Die Gültigkeitsdauer des mit Beschluss vom 1. Dezember 2008 genehmigten Tarifs VI (Aufnehmen von Musik auf Tonbildträger, die ans Publikum abgegeben werden) wird – soweit dieser Tarif der Kognition der Schiedskommission unterliegt – bis zum 31. De- zember 2015 verlängert.
2. Der Verwertungsgesellschaft SUISA werden die Verfahrenskosten bestehend aus: a) einer Spruch- und Schreibgebühr von Fr. 1'400.00 b) sowie dem Ersatz der Auslagen von Fr. 2'298.00 total Fr. 3'698.00 auferlegt.
3. Schriftliche Mitteilung an:
– die Mitglieder der Spruchkammer
– SUISA, Zürich (Einschreiben)
– Schweizerischer Videoverband (SVV), Pratteln (Einschreiben)
– den Preisüberwacher (zur Kenntnis)
4. Gegen diesen Beschluss kann innert 30 Tagen nach Eröffnung beim Bundesverwal- tungsgericht (Postfach, 9023 St. Gallen) Beschwerde geführt werdeni. Die Rechts- schrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Un- terschrift zu enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit sie die beschwerdeführende Partei in Händen hat, beizulegenii.
Eidg. Schiedskommission für die Verwertung von Urheberrechten und verwandten Schutzrechten Die Präsidentin:
Der Kommissionssekretär:
L. Hunziker Schnider A. Stebler
i Art. 74 Abs. 1 URG i.V.m. Art. 33 Bst. f und Art. 37 VGG sowie Art. 50 Abs. 1 VwVG. ii Art. 52 Abs. 1 VwVG.