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0 EIDGENÖSSISCHE SCHIEDSKOMMISSION FÜR DIE VERWERTUNG VON URHEBERRECHTEN COMMISSION ARBITRALE FEDERALE EN MATllRE DE PERCEPTION DE DROITS D'AUTEUR COMMISSIONE ARBITRALE FEDERALE PER LA RISCOSSIONE DEI DIRITTI D'AUTORE Beschluss vom 9. Dezember 1993 betreffend den Tarif D (Konzertgesellschaften) Besetzung: Präsident • Dr. Franz Schmid, Luzern Neutrale Beisitzer: • Pierre Greber, Geneve • Verena Bräm-Burckhardt, Zürich Vertreter der Urheber: • Dr. Martina Altenpohl, Zürich Vertreter der Werknutzer: • Lic.iur. Peter Wipf, Hermetschwil Sekretär: • C. Govoni, Bern
ESchK 2 In tatsächlicher Hinsicht hat sich ergeben:
1. Die Gültigkeitsdauer des Tarifs D, den die Schiedskommission am 18. Juni 1986 genehmigt und mit Beschluss vom 1. Juli 1991 um zweieinhalb Jahre verlängert hat, läuft am 31. Dezember 1993 ab. Mit Eingabe vom 29. Juni 1993 hat die SUISA der Schiedskommission Antrag gestellt, einen neuen Tarif D in der Fassung vom 17. März 1993 zu genehmigen. Die Anwendung des geltenden Tarifs hat sich nach Ansicht der SUISA be währt und deshalb entspricht der neue Tarif in materieller Hinsicht auch weit gehend dem bestehenden. Die Einnahmen aus dem Tarif D beliefen sich auf: 1989 1990 Fr. 612756.20 Fr. 633'616.25 1991 1992 Fr. 848'826.55 Fr. 704'687.30
2. In ihrem Antrag hat die SUISA auch über die mit den hauptsächlichen Nutzer verbänden geführten Verhandlungen Bericht erstattet. Daraus geht hervor, dass der Verband Schweiz. Berufsorchester (VESBO) zu den Vorschlägen der SUISA nicht endgültig Stellung genommen hat.
3. Aufgrund der unklaren Situation nach Abschluss der Verhandlungen wurde mit Präsidialverfügung vom 3. August 1993 die Durchführung eines Vernehm lassungsverfahrens eingeleitet. Gestützt auf Art. 1 o Abs. 2 URV1 wurde der VESBO als der massgebliche Nutzerverband im Konzertbereich eingeladen, zum Antrag der SUISA auf Genehmigung des neuen Tarifs D Stellung zu neh men. Es wurde ihm Frist bis zum 14. September 1993 angesetzt unter Hinweis dar auf, dass ein Verzicht auf Äusserung als Zustimmung zum neuen Tarif gelte. In seiner Stellungnahme vom 14. September 1993 beantragte der VESBO eine Verlängerung der Gültigkeitsdauer des geltenden Tarifs um ein halbes Jahr, um mit der SUISA nochmals über die Tarifrevision und den Entschädi gungsansatz von 8% verhandeln zu können.
4. Gestützt auf das Vernehmlassungsergebnis stellte die SUISA der Schieds kommission im Einvernehmen mit der VESBO am 21. Oktober 1993 den An trag, den neuen Tarif D mit einer reduzierten Gültigkeitsdauer bis 30. Juni 1995 zu genehmigen. Der VESBO bestätigte der Schiedskommission seine Zustimmung zum abgeänderten Genehmigungsantrag der SUISA mit Schrei ben vom 21. Oktober 1993. 1 Verordnung über das Urheberrecht und verwandte Schutzrechte vom 26. April 1993 (AS 1993 1821; SR 231.11)
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5. Da die hauptsächliche Nutzerorganisation dem neuen Genehmigungsantrag der SUISA ausdrücklich zugestimmt hat und kein Antrag auf Durchführung ei ner Sitzung gestellt worden ist, erfolgte die Behandlung des Geschäfts ge mäss Art. 11 URV auf dem Zirkularweg.
6. Die zur Genehmigung vorgeschlagene Fassung des neuen SUISA-Tarifs D hat in den drei Amtssprachen den folgenden Wortlaut:
1 2 3 4 5 6 7 8 S U I S A Fassung vom 21.10.1993 Tarif D Konzertgesellschaften A. Kundenkreis Dieser Tarif richtet sich an Konzertgesellschaften der Schweiz und Liechtensteins. Sie werden nachstehend als Kunden bezeichnet. Konzertgesellschaften sind Vereinigungen, die über ein Be rufsorchester verfügen und mit diesem regelmässig Konzerte ernster Musik durchführen. B. Verwendung der Musik Dieser Tarif bezieht sich auf die Aufführung von Musik an eigenen Konzerten der Kunden in der Schweiz und in Liech tenstein. Von diesem Tarif ausgeschlossen ist
- die Verbindung von Musik mit anderen Werken (Synchroni sation)
- die Verwendung der Musik zu Werbezwecken.
c. Entschädigung Die Entschädigung wird in einem Prozentsatz der Einnahmen festgelegt
- aus dem Billett- und Abonnementsverkauf
- aus den Mitgliederbeiträgen, soweit die Mitglieder An- recht auf unentgeltliche oder verbilligte Billetts oder Abonnements haben. Die Billettsteuern sind abzuziehen. Der Prozentsatz beträgt 8%. Zu den Einnahmen zählen auch diejenigen aus Konzerten mit ganz oder teilweise urheberrechtlich freier Musik. Die Entschädigungen verstehen sich exklusive einer allfäl ligen Mehrwertsteuer. D. Abrechnung Die Kunden geben der SUISA innert zwei Monaten nach Ab- 4
schluss des Geschäftsjahres die Einnahmen und Mitglieder beiträge bekannt. 9 Die SUISA kann zur Prüfung dieser Angaben Belege (insbe sonders eine Bestätigung der Revisionsstelle des Kunden) verlangen. 10 Wenn die Angaben oder die verlangten Belege auch nach ei- 11 12 13 14 15 16 17 18 ner schriftlichen Mahnung nicht innert Frist eingereicht _werden, so kann die SUISA die zur Berechnung der Entschä digung erforderlichen Angaben schätzen und gestützt darauf die Entschädigung berechnen. E. Zahlung Die SUISA stellt für die Entschädigungen gestützt auf die Angaben gemäss Ziffer 8 Rechnung, die innert 30 Tagen zu begleichen ist. Die SUISA kann für das laufende Jahr eine Akontozahlung in der Höhe der Hälfte der Entschädigung für das Vorjahr ver langen. Die SUISA kann ferner Sicherheiten verlangen. F. Verzeichnisse der verwendeten Musik Die Kunden stellen der SUISA zwei Exemplare ihres General programms und ihres Jahresberichts bei Erscheinen zu. Die Kunden übergeben der SUISA innerhalb von zwei Monaten nach Abschluss des Geschäftsjahres ein Verzeichnis aller aufgeführten Musikwerke. Wenn diese Verzeichnisse auch nach schriftlicher Mahnung nicht innert Frist eingereicht werden, kann die SUISA eine Entschädigung von Fr. 40.- pro Konzert oder von Fr. 650. pro Jahr verlangen. Sie wird im Wiederholungsfall verdop pelt. G. Gültigkeitsdauer Dieser Tarif gilt vom 1. Januar 1994 bis zum 30. Juni 1995. Bei wesentlicher Änderung der Verhältnisse kann er vorzei tig revidiert werden. 5
S U I S A Version du 21.10.1993 Tarif D Societes de concerts A. Cercle des clients 1 Ce tarif s'adresse ä toutes les societes de concert de Suisse et du Liechtenstein. Elles sont denommees ci-apres "clients". 2 Les societes de concert sont des organisations qui disposent d'un orchestre professionnel et qui organisent regulierement avec ce dernier des concerts de musique serieuse. B. Utilisation de la musique 3 Ce tarif se rapporte ä l'execution de musique lors des pro pres concerts des clients en Suisse et au Liechtenstein. 4 Sont exlues de ce tarif
- l'association de musique avec d'autres oeuvres (synchro nisation)
- l'utilisation de musique ä des fins publicitaires.
c. Redevance 5 La redevance est fixee sous la forme d'un pourcentage des recettes
- provenant de la vente des billets et des abonnements
- provenant de la cotisation des membres, dans la mesure oü les membres ont droit ä des billets ou abonnements gratuits ou ä prix reduit. Les impöts sur les billets sont ä deduire. Le pourcentage s'eleve ä 8%. 6 Au nombre des recettes comptent aussi celles decoulant de concerts avec de la musique totalement ou partiellement libre de droits d'auteur. 7 Les redevances sont comprises sans une eventuelle taxe sur la valeur ajoutee. D. Decompte 8 Dans les deux mois qui suivent la clöture de l'exercice, les clients communiquent ä SUISA, le montant des recettes et des cotisations de membres. 6
9 Afin de contröler les indications du client, SUISA peut exi ger des preuves (notamment la confirmation d'un organe de contröle du client). 1 •• 10 Au cas ou'..les informations ou les preuves exigees par ecrit ne seraient pas parvenues dans les delais prevus, SUISA peut alors evaluer les indications necessaires et s'appuyer sur celles-ci pour calculer la redevance. E. Paiement 11 Sur la base des donnees du chiffre 8, SUISA etablit une fac ture pour les redevances, payable dans les 30 jours. 12 SUISA peut exiger un acompte pour l'annee en cours, s'elevant a la moitie de la redevance payee pour l'annee precedente. 13 SUISA peut egalement exiger des garanties. F. Releves de la musique executee 14 Les clients remettent a SUISA, des leur parution, deux exemp laires de leur programme general et de leur rapport annuel. 15 Dans les deux mois qui suivent la clöture de l'exercice, les clients remettent a SUISA un releve de toutes les oeuvres mu sicales executees. 16 Si ces releves ne sont pas communiques dans les delais prevus apres demande faite pas ecrit, SUISA peut exiger une redevan ce de Fr. 40.- par concert ou de Fr. 650.- par an. Elle sera doublee en cas de recidive. G. Duree de validite 17 Ce tarif est valable du ler janvier 1994 jusqu'a 30 juin 1995. 18 En cas de modifications profondes des circonstances, il peut etre revise avant son echeance. 7
1 2 3 4 5 6 7 S U I S A Versione del 21.10.1993 Tariffa D Societä di concerto A. Sfera di clienti Questa tariffa concerne le societa di concerto della Sviz zera e del Liechtenstein, qui di seguito denominate "clienti". Le societä di concerto sono associazioni ehe dispongono di un'orchestra professionale con cui organizzano regolarmen te concerti di musica seria. B. Utilizzazione della musica La presente tariffa concerne l'esecuzione di musica duran te i concerti propri del cliente in Svizzera e nel Liech tenstein. Sone esclusi da questa tariffa
- l'abbinamento della musica ad altre apere (sincronizza zione) l'utilizzazione della musica per scopi pubblicitari C. Indennitä L'indennitä viene fissata quale percentuale degli introiti
- provenienti dalla vendita di biglietti e abbonamenti
- provenienti dalle quote dei membri, purche questi abbia- no diritto a biglietti o abbonamenti gratuiti o a prezzo ridotto. Le tasse sui biglietti vanno dedotte. La percentuale e pari all'8%. Per introiti s'intendono anche quelli provenienti da con certi con musica totalmente o parzialmente libera dal di ritto d'autore. Le indennitä s'intendono non comprendenti un'eventuale im posta sul valore aggiunto. 8
8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 D. Conteggio I clienti comunicano alla SUISA entro due mesi dalla chiu sura dell'änno d'esercizio gli introiti e le quote dei membri. La SUISA puo richiedere dei giustificativi (in particolare una conferma da parte dell'organo di revisione del clien te), per motivi di controllo. Se le indicazioni o i giustificativi richiesti non vengono inoltrati neanche dopo sollecito per iscritto entro il termine stabilito, la SUISA puo effettuare una stima delle indicazioni necessarie per il calcolo dell'indennita e, sulla base di queste, calcolare l'indennita. E. Pagamento La SUISA appronta una fattura per le indennita basata sul le indicazioni della cifra 8 e da pagarsi entre 30 giorni. La SUISA puo richiedere un acconto per l'anno corrente pa ri alla meta dell'indennita per l'anno precedente. La SUISA puo inoltre richiedere delle garanzie. F. Elenchi della musica utilizzata I clienti inoltrano alla SUISA due esemplari del loro pro gramma generale e del loro rapporto annuo, non appena que sti vengono pubblicati. I clienti trasmettono alla SUISA, entre due mesi dalla chiusura dell'anno d'esercizio, un elenco di tutte le ope re musicali eseguite. Qualora questi elenchi non vengano inoltrati neanche dope sollecito per iscritto entro il termine stabilito, la SUI SA puo richiedere un'indennitä di Fr. 40.- per concerto o di Fr. 650.- per anno, raddoppiata in caso di recidiva. G. Periode di validitä Questa tariffa e valevole dal 1 ° gennaio 1994 al 30 giugno 1995. In caso di cambiamento sostanziale delle circostanze, essa puo essere riveduta prima della scadenza. 9
ESchK II Die Schiedskommission zieht in Erwägung: 10
1. Die SUISA hat ihren Antrag auf Genehmigung des neuen Tarifs D unter Ein haltung der einschlägigen Verfahrensvorschriften eingereicht.
2. Gemäss Art. 59 Abs. 1 URG genehmigt die Schiedskommission einen Tarif, wenn er in seinem Aufbau und in den einzelnen Bestimmungen angemessen ist. Ein wichtiges Indiz für die Angemessenheit eines Tarifs ist gemäss ständi ger Rechtsprechung der Schiedskommission in der Zustimmung der haupt sächlichen Organisationen der Werknutzer zu sehen, die hier vorliegt. Diese Praxis ist vom Bundesgericht bestätigt worden. In seinem Entscheid vom 7. März 1986 hat das Bundesgericht festgestellt, dass bei einer Zustim mung der Nutzerseite davon ausgegangen werden kann, dass der Tarif an nähernd einem unter Konkurrenzverhältnissen zustande gekommenen Ver trag entsprechen dürfte (Entscheide und Gutachten der Schiedskommission, Bd. 111, 1981-1990, S. 190). Unter diesen Umständen ist der Tarif auch unter dem Gesichtspunkt eines Preismissbrauchs nicht zu beanstanden.
3. Die Entschädigung wird wie bis anhin in einem Prozentsatz der Einnahmen aus dem Billett- und Abonnementsverkauf festgelegt. Miteinbezogen werden auch die Mitgliederbeiträge, soweit die Mitglieder Anrecht auf unentgeltliche oder verbilligte Billetts oder Abonnements haben. Der Prozentsatz beträgt un verändert 8%. Die Schiedskommission hat diesen Entschädigungsansatz im Rahmen ihres Beschlusses vom 18. Juni 1986 gestützt auf die 10%-Regel beurteilt und ge nehmigt. Davon abgesehen, dass sich die Zustimmung des Nutzerverbandes auch auf den Tarifansatz bezieht, hält dieser somit auch den in Art. 60 URG enthaltenen Prüfungskriterien stand.
4. Der neue Tarif D weicht eigentlich nur dadurch vom bestehenden ab, dass er sich nicht mehr auf den Al/gemeinen Teil der Tarifordnung bezieht und des halb in einigen Punkten, welche die Geschäftsabwicklung betreffen, eine et was ausführlichere Regelung vorsieht. Auch dagegen ist nichts einzuwenden, zumals sich die Verhandlungsparteien einig geworden sind. III Demnach beschliesst die Eidg. Schiedskommission:
1. Der neue Tarif D (Konzertgesellschaften), in der Fassung vom 21. Oktober 1993, wird genehmigt.
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2. Der SUISA wird gestützt auf Art. 2a Abs. 2 der Gebührenverordnung vom 17.2.1993 eine Spruchgebühr von Fr. 1'100.- auferlegt.
3. Schriftliche Mitteilung an:
- die Mitglieder der Spruchkammer
- die SUISA, Zürich
- VESBO, Bern Rechtsmittel: Eidg. Schiedskommission für die Verwertung von Urheberrechten Der Präsident Der Sekretär &M C.L Dr. F. Schmid C. Govoni Gegen diesen Beschluss kann innerhalb von 30 Tagen seit der Zustellung beim Bundesgericht Verwaltungsgerichtsbeschwerde erhoben werden (Art. 98 lit. e und Art. 106 des Bundesgesetzes über die Organisation der Bundesrechtspflege, Fassung vom 20. Dezember 1968). -