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10. März 1997 N 131 Fragestunde Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Sechste Sitzung – Sixième séance Montag, 10. März 1997 Lundi 10 mars 1997 14.30 h Vorsitz – Présidence: Stamm Judith (C, LU)/ Leuba Jean-François (L, VD)/Leuenberger Ernst (S, SO) ___________________________________________________________ Fragestunde Heure des questions ___________________________________________________________ 97.5017 Frage Thür Schweizer Reaktion auf die Unruhen in Albanien Question Thür Réaction de la Suisse aux troubles en Albanie ___________________________________________________________ Wortlaut der Frage vom 10. März 1997 Albanien ist bekanntlich ein Schwerpunktland der schweize- rischen Osthilfe (45 Millionen Franken als Finanzhilfe und 30 Millionen Franken für Projekte). Sieht sich der Bundesrat angesichts der jüngsten bürger- kriegsähnlichen Auseinandersetzungen und der undurch- sichtigen Politik des Präsidenten Berisha veranlasst, die Fortsetzung dieser Hilfe zu überdenken? Texte de la question du 10 mars 1997 On sait que l’Albanie est un des bénéficiaires prioritaires de l’aide suisse aux pays de l’Est (45 millions de francs d’aides financières et près de 30 millions de francs affectés à des projets). Au vu des troubles quasi insurrectionnels qui agitent le pays et de la politique peu transparente du président Berisha, le Conseil fédéral entend-il remettre l’aide de la Suisse en ques- tion? Cotti Flavio, Bundesrat: Wir betrachten die innenpolitische Entwicklung in Albanien nicht erst seit wenigen Tagen mit grosser Besorgnis, und zwar nicht nur wegen der Situation im Innern des Landes, sondern auch aufgrund ihrer Auswirkun- gen auf die ganze Region. Der Bundesrat hat in den letzten Tagen die Anstrengungen der OSZE und des Europarates zur Beilegung der Krise unterstützt. Ich erinnere Sie daran, dass Herr Botschafter Kunz, der Chef der OSZE-Task-force, im Rahmen der Vranitzky-Mission und Herr Ruffy im Rahmen einer Mission des Europarates in Albanien waren. Die Frage, die Sie stellen, prüft der Bundesrat in folgendem Sinne: Soll die weitere Zusammenarbeit mit Albanien beste- hen bleiben oder nicht? Diese Frage hat einen klaren Zusam- menhang mit der politischen Konditionalität, welche gemäss Bundesbeschluss vom 24. März 1995 über die Zusammenar- beit mit den Staaten Osteuropas zu beachten ist. Schon im vergangenen Jahr hatte die Bundesverwaltung nach den von der OSZE scharf kritisierten Unregelmässigkei- ten bei den Wahlen Entscheide über neue Projekte ausge- setzt. Die Zusammenarbeit wurde erst weitergeführt, als sich die politische Lage zu entspannen schien. In der Realität blei- ben die Befürchtungen weiter bestehen, und wir stehen vor der Prüfung der Frage, die Sie stellen. Ich betone, Herr Thür, dass solche Unterbrüche selbstver- ständlich nicht jählings geschehen können. Wenn schon ein Entscheid dieser Art getroffen wird, dann muss er langfristig sein. In diesem Sinne muss schon eine gesamte Bewertung der Lage gemacht werden, unabhängig von dramatischen Si- tuationen, die sich zuspitzen und auch entspannen können. 97.5022 Frage Banga Erhöhung des Kopfgeldes für die Ermordung von Salman Rushdie Question Banga Augmentation de la récompense offerte pour l’assassinat de Salman Rushdie __________________________________________________________ Wortlaut der Frage vom 10. März 1997 Vor einigen Tagen konnte der Presse entnommen werden, dass im Iran das auf den Schriftsteller Salman Rushdie aus- gesetzte Kopfgeld auf 2,5 Millionen US-Dollar erhöht worden sei. Anlass dazu sei angeblich der achte Jahrestag der Ver- hängung der «Fatwah» durch Khomeini. Was hat der Bundesrat gegenüber dem iranischen Staat kon- kret unternommen, um gegen diese wiederholte, skandalös schwere Verletzung von Regeln des Völkerrechts und der Souveränität anderer Staaten zu protestieren bzw. den gra- vierenden Angriff auf die Meinungsfreiheit zu verurteilen? Texte de la question du 10 mars 1997 On a pu lire récemment dans la presse que l’Iran avait porté à 2,5 millions de dollars la récompense offerte pour l’assas- sinat de l’écrivain Salman Rushdie. Cette décision aurait été prise à l’occasion du huitième anniversaire de la «fatwah» décrétée par Khomeini. Sous quelle forme le Conseil fédéral est-il intervenu auprès des autorités iraniennes pour protester contre cette nouvelle scandaleuse et grave violation du droit international et de la souveraineté d’autres Etats et condamner cette atteinte into- lérable à la liberté de pensée? Cotti Flavio, Bundesrat: Herr Banga, Ihrer heutigen Frage sind eine Reihe von parlamentarischen Vorstössen voraus- gegangen, angefangen von einer Interpellation Rychen 1989 (89.339) bis hin zur Frage Ruffy 1996 (96.5201). Immer miss- billigte der Bundesrat die am 15. Februar 1989 von Ajatollah Khomeini über Salman Rushdie erlassene «Fatwah» in kla- rer und unmissverständlicher Art und Weise. Der Bundesrat hat auch mit aller Schärfe und mehrere Male bei den irani- schen Behörden gegen diese schwere Verletzung von Re- geln des Völkerrechtes und der Souveränität eines anderen Staates protestiert. Wir haben unsere Haltung natürlich nicht geändert. Der Stell- vertretende Direktor der Politischen Direktion des EDA, Bot- schafter Boulgaris, empfing Ende Februar den iranischen Botschafter und äusserte ihm gegenüber ein weiteres Mal unsere Kritik. Der Bundesrat betrachtet den Aufruf zur Tötung gegen Salman Rushdie als eine grobe Menschenrechtsverletzung und wird die Gelegenheit haben, diese Position anlässlich der 53. Sitzung der Uno-Menschenrechtskommission, wel- che gerade heute beginnt, zu bestätigen. Die Schweiz wird sich an der Ausarbeitung einer Resolution über die Situation der Menschenrechte im Iran beteiligen. Sie wird sich dabei dafür einsetzen, dass die iranische Haltung in der Affäre Rushdie wieder in die Traktanden aufgenommen wird. Banga Boris (S, SO): Ich bin Herrn Bundesrat Cotti dankbar für diese Information. Ich möchte aber fragen, ob es ange- sichts dieser Eskalation nicht langsam an der Zeit wäre, nicht nur mit diplomatischen Massnahmen zu drohen, sondern sie durchzusetzen.
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali Frage Thür Schweizer Reaktion auf die Unruhen in Albanien Question Thür Réaction de la Suisse aux troubles en Albanie In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale Jahr 1997 Année Anno Band I Volume Volume Session Frühjahrssession Session Session de printemps Sessione Sessione primaverile Rat Nationalrat Conseil Conseil national Consiglio Consiglio nazionale Sitzung 06 Séance Seduta Geschäftsnummer 97.5017 Numéro d'objet Numero dell'oggetto Datum 10.03.1997 - 14:30 Date Data Seite 131-131 Page Pagina Ref. No 20 041 600 Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung. Ce document a été numérisé par le Service du Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale. Questo documento è stato digitalizzato dal Servizio del Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale.