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Ch Vb · 1994-03-16 · Deutsch CH
Volltext (verifizierbarer Originaltext)

16. März 1994 379 Sprachliche Verständigung #ST# Dreizehnte Sitzung -Treizième séance Mittwoch, 16. März 1994, Vormittag Mercredi 16 mars 1994, matin 08.10h Vorsitz - Présidence: Haller Gret (S, BE) Ordnungsantrag - Motion d'ordre Hess Peter (C, ZG): Angesichts der reichbefrachteten Traktan- denliste - es ist wohl das erste Mal in den letzten zehn Jahren, dass drei Seiten Papier benötigt werden - beantrage ich Ih- nen, das Geschäft 94.007 (Bericht zur Aussenwirtschaftspoli- tik 93/I.II) anstatt in Kategorie III in Kategorie IV zu behandeln. Das würde bedeuten, dass nur die Kommissionssprecher die- sen Bericht darlegen und die Fraktionssprecher auf ihre Kom- mentierung verzichten müssen. Ich gehe davon aus, dass eine Fachkommission aus 27 Mit- gliedern unseres Rates diesen Bericht besprochen hat, so dass wir ausnahmsweise die Zeit etwas straffen können. Ich nehme an, dass die Reihen ohnehin gelichtet sein werden, bis dieser Bericht behandelt wird. Zbinden Hans (S, AG): Eigentlich müsste sich der Präsident der Kommission dafür einsetzen, dass man diesen Bericht be- raten könnte - und zwar nicht, weil ich in der Kommission mit- mache und darin involviert bin, sondern aus einem anderen Grunde: Wir möchten darüber diskutieren, ob man diesen Be- richt das nächste Mal vielleicht in einer integrierten Form, zum Beispiel im Rahmen eines aussenpolitischen Berichtes, be- handeln könnte. Damit wären wir auch in der Lage, die Aus- senpolitik auf ihre Kohärenz hin zu überprüfen, und wir würden sehen, wie es mit der Entwicklungspolitik, mit der AussenWirt- schaftspolitik, mit dem ganzen Finanzverkehr steht. Wir haben diese Bereiche in ganz verschiedenen Berichten abgelegt und sind dennoch nicht in der Lage, die Fragen kohärent, integral zu diskutieren. Wenn Sie diesem Antrag Folge geben, dann wird dieses Ritual das nächste Mal, das übernächste Mal weitergehen, und wir können diesen Bericht über die Aussenwirtschaftspolitik - der notabene einen wichtigen Bereich betrifft, der die momentan laue Entwicklung der Binnenwirtschaft kompensiert - nicht wirklich diskutieren. Mühlemann Ernst (R, TG): Herr Hess Peter hat mich vor sei- nem Ordnungsantrag konsultiert. Ich bin der Meinung, dass wir bezüglich Ratsarbeit an der Grenze dessen angelangt sind, was vernünftig ist Wenn Sie das heutige Programm mit dem doch sehr gewichtigen Problem der Konsequenzen der Alpen-Initiative anschauen, dann muss man halt irgendwo Ökonomie der Kräfte betreiben. Ausnahmsweise kann man meines Erachtens diesen Aussen- wirtschaftsbericht in Kategorie IV behandeln. Wir haben ihn in der Kommission ausführlich besprochen. Wir haben festge- stellt, dass die Schwergewichte aus diesem Bericht in separa- ten Botschaften und Berichten erscheinen, wie etwa der Gatt- Botschaft oder dem Nord-Süd-Bericht. Ausnahmsweise würde ich Ihnen also empfehlen - auch angesichts der Tatsa- che, dass wir eine ausgedehnte Debatte über Aussenpolitik hatten -, hier Kategorie IV zu wählen. Abstimmung - Vote Für den Ordnungsantrag Hess Peter 80 Stimmen Dagegen 41 Stimmen #ST# Sammeltitel - Titre collectif Sprachliche Verständigung Compréhension linguistique Fortsetzung - Suite Siehe Seite 362 hiervor - Voir page 362 ci-devant 92.083 Verbesserung der Verständigung zwischen den Sprachgebieten Amélioration de la compréhension entre les différentes régions linguistiques Fortsetzung- Suite Siehe Seite 362 hiervor -Voir page 362 ci-devant Bühlmann Cécile (G, LU): Ich spreche zu zwei Aspekten des Berichtes, nämlich zum Verhältnis zwischen Mundart und Standardsprache in der deutschsprachigen Schweiz und zur Empfehlung der Kommission an den Bildungsbereich, zwei- sprachige Schulmodelle einzuführen oder zu unterstützen. Mich hat gefreut, dass die Kommission bei den Mitgliedern, die nicht deutsch sprechen, um Verständnis dafür geworben hat, dass in der deutschsprachigen Schweiz die Mundart die Sprache der ganzen Bevölkerung ist, welche unabhängig vom gesellschaftlichen Status von allen gesprochen wird. Ich möchte hier eine kleine Klammer öffnen, denn das ist nicht in allen Ländern so. In Italien zum Beispiel ist die Mundart für den familiären Bereich reserviert und wird nicht in allen gesell- schaftlichen Schichten gesprochen. Ich möchte beifügen, dass der Mundartgebrauch nicht aus böser Absicht gegen- über Anderssprachigen zunimmt, sondern-das mag Sie viel- leicht erstaunen - es ist auch ein Stück Demokratisierung. So hat in der Schule zum Beispiel der Mundartgebrauch im Zu- sammenhang mit den neueren Unterrichtsformen wie Grup- penarbeit, Werkstattunterricht - also insgesamt mit den weni- ger lehrerzentrierten Unterrichtsformen - zugenommen. Eine ähnliche Entwicklung ist bei den Medien festzustellen. Durch den vermehrten Einbezug des Publikums in Form von Inter- views und Telefonbefragungen hat auch dort der Mundartge- brauch zugenommen. Für uns Deutschschweizerinnen und Deutschschweizer ist die schweizerdeutsche Mundart die Sprache, zu der wir die eng- ste emotionale Beziehung haben und in der wir uns am diffe- renziertesten ausdrücken können. Zu ihr werden wir immer ein besonders enges Verhältnis haben. Unsere Erfahrung in der Schule war die, dass immer dort, wo es ernst galt, wo benotet und selektioniert wurde, die Stan- dardsprachegebrauchtwerden müsste. Übrigens spreche ich bewusst nicht von Hochdeutsch, weil dieser Ausdruck sugge- riert, dass Hochdeutsch besser sei als Mundart, und dabei handelt es sich nur um eine andere Norm der gleichen Spra- che. Beide Normen sind gleichwertig. Sie haben beide ihre Bedeutung, ihren Reichtum und ihren je sinnvollen Anwen- dungsbereich. Es zeugt von Dünkel, wenn behauptet wird, schwierige wissenschaftliche Zusammenhänge könnten nur in der Standardsprache ausgedrückt werden. Das stimmt nicht Die schweizerdeutschen Mundarten sind so reichhaltig und differenziert, dass mit ihnen alles ausgedrückt werden kann; wenn aber anderssprachige Leute - Leute, die die Mundart nicht verstehen - anwesend sind, ist es selbstver-

Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali Ordnungsantrag Motion d'ordre In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale Jahr 1994 Année Anno Band I Volume Volume Session Frühjahrssession Session Session de printemps Sessione Sessione primaverile Rat Nationalrat Conseil Conseil national Consiglio Consiglio nazionale Sitzung 13 Séance Seduta Geschäftsnummer --- Numéro d'objet Numero dell'oggetto Datum 16.03.1994 - 08:10 Date Data Seite 379-379 Page Pagina Ref. No 20 023 783 Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung. Ce document a été numérisé par le Service du Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale. Questo documento è stato digitalizzato dal Servizio del Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale.