Erwägungen (3 Absätze)
E. 15 Dezember 1989
N-
2215
EG, Efta und Osteuropa
#ST# Fünfzehnte Sitzung - Quinzième séance
Freitag, 15. Dezember 1989, Vormittag
Vendredi 15 décembre 1989, matin
08.00h
Vorsitz - Présidence: M. Ruffy
89.717
Dringliche Interpellation
der christlichdemokratischen Fraktion
EG-Efta-Ministertreffen. Efta-Osterweiterung.
Haltung des Bundesrates
Interpellation urgente du groupe
démocrate-chrétien
CE, AELE et Europe de l'Est.
Position du Conseil fédéral
Wortlaut der Interpellation vom 28. November 1989
Der Bundesrat wird eingeladen, dem Parlament seine Position
bezüglich des Ministertreffens der EG-Efta-Staaten im Dezem-
ber sowie einer allfälligen Erweiterung der Efta gegenüber den
osteuropäischen Staaten bekanntzumachen.
Texte de l'interpellation du 28 novembre 1989
Le Conseil fédéral est prié de faire connaître sa position con-
cernant la réunion ministérielle CE-AELE de décembre et
quant à une éventuelle extension de l'AELE à des Etats de l'Eu-
rope de l'Est.
Sprecher-Porte-parole: Cotti
#ST# 89.679
Postulat Bircher
Initiative der Schweiz
zur Oeffnung der Efta Richtung Osteuropa
Relations de l'AELE
avec l'Europe de l'Est.
Initiative de la Suisse
Wortlaut des Postulates vom 6. Oktober 1989
Nachdem der Europarat bereits Beziehungen zu osteuropäi-
schen Staaten aufgenommen hat, drängt sich zur Unterstüt-
zung der Reformbemühungen dieser Länder auch eine en-
gere wirtschaftliche Kooperation mit Westeuropa auf. Die Efta,
welche keine politische Ausrichtung mit supranationalen Ziel-
setzungen hat, eignet sich mit ihrem Block von neutralen Mit-
gliedstaaten ideal für diese Unterstützungs- und Brückenfunk-
tion.
Der Bundesrat wird aufgefordert, im Rahmen der Efta die Initia-
tive zu ergreifen, um mit den mittel- und osteuropäischen Staa-
ten über die bereits bestehende relativ liberale Handelspolitik
und den in Gang gekommenen Hilfsprozess hinaus dauer-
hafte Bindungen anzustreben. Dabei sind grundsätzlich alle
Varianten vom Abkommen über Assoziationen bis zu Vollmit-
gliedschaften als Möglichkeiten offenzuhalten. Selbstver-
ständlich ist die Stärkung des gesamteuropäischen Eini-
gungsprozesses als längerfristige Perspektive nicht aus dem
Blickfeld zu verlieren.
Texte du postulat du 6 octobre 1989
Après rétablissement de relations entre le Conseil de l'Europe
et les Etats de l'Est, il devient nécessaire pour l'Europe occi-
dentale d'instaurer une coopération économique à l'appui des
réformes entamées par les pays de l'Est. L'AELE, dépourvue
de tout projet politique supranational, est la structure la plus
apte à jouer un rôle de tête de pont et à apporter un soutien en
ce sens, d'autant qu'elle compte au nombre de ses membres
un bloc de pays neutres.
'
Le Conseil fédéral est invité, dans le cadre de l'AELE, à pren-
dre l'initiative d'un resserrement durable des liens avec les
Etats d'Europe centrale et orientale, au-delà de l'actuelle politi-
que commerciale assez libérale et des programmes d'aide en
cours. Par principe, toutes les variantes doivent pouvoir être
envisagées, du traité au statut de membre à part entière en
passant par d'autres formes d'association. Le renforcement
du processus d'unification de l'Europe entière doit évidem-
ment rester la perspective à long terme.
Mitunterzeichner - Cosignataires: Aguet, Bäumlin Richard,
Bäumlin Ursula, Béguelin, Bodenmann, Borei, Braunschweig,
Brügger, Bundi, Carobbio, Danuser, Euler, Fankhauser, Haf-
ner Ursula, Jeanprêtre, Ledergerber, Mauch Ursula, Morf,
Neukomm, Pitteloud, Rechsteiner, Reimann Fritz, Stappung
(23)
Cotti: Gelegentlich bewegt sich die Geschichte langsam wie
Gletscherzungen, dann wieder rasch undheftig wie ein Sturz-
bach. Seit Jahrzehnten, seit dem Ende des Zweiten Weltkrie-
ges, bewegte sich die Geschichte Europas kaum. Gelegent-
liche Eruptionen änderten an den durch den Krieg geschaffe-
nen Gegebenheiten nichts. Jetzt plötzlich - in diesem Jahr, in
diesen Monaten, sogar in diesen Tagen - überstürzen sich die
Ereignisse wie der Lauf eines heftigen Wildbaches, der Mau-
ern sprengt und neue Wege sucht.
Der Bericht des Bundesrates über die europäische Integration
vom August 1988 wird angesichts der europäischen Dynamik
zur Zeitdokumentation, zur notariellen Beurkundung eines frü-
heren, eher statischen Zustandes. Politik heisst aber nicht nur
Festschreiben, sondern mehr denn je Entwicklungen auf-
decken, die nächsten Szenarien vorwegnehmen, mit etwas
Glück sogar die übernächsten.
Schon anlässlich der Debatte des Europaberichtes 1988
konnte ich hervorheben, dass eine statische Betrachtungs-
weise der Schweiz und ihres Verhältnisses zu Europa nicht
sachgerecht wäre. Die gegenwärtige Dynamik der Demokrati-
sierung in Osteuropa allerdings hat wohl niemand erahnen
können. Dabei gerät gelegentlich aus dem Blickfeld, dass
auch die Anstrengungen zur Schaffung eines Europäischen
Wirtschaftsraumes neue, ungeahnte Impulse erfahren haben.
Einige Daten mögen diese Entwicklung dokumentieren:
Meine Beispiele setzen mit der Rede von Jacques Delors am
E. 17 Januar 1989 ein-also noch vor unserer Debatte über den Bericht des Bundesrates -, wo Delors die Möglichkeit einer verstärkten Kooperation zwischen Efta und EG zur Diskussion stellt. Am 20. Oktober 1989 wird die Idee eines Europäischen Wirtschaftsraumes der 18 EG- und Efta-Länder aufgeworfen. Am 27. Oktober 1989 erklären die Efta-Minister ihre Bereit- schaft, Verhandlungen zur Bildung eines Europäischen Wirt- schaftsraumes zu führen. Am 27. November erörtern die Aus- senminister der EG-Staaten die politischen Veränderungen in Osteuropa und die möglichen Auswirkungen auf das Nach- kriegseuropa, inklusive die deutsche Trennung. Am 8. und 9. Dezember beschliesst der Rat der Regierungschefs der EG in Strassburg die Einberufung einer übergouvernementalen Konferenz über die Verwirklichung einer Währungsunion. Am 19. Dezember, in wenigen Tagen, wird die EG-Efta-Mini- sterkonferenz voraussichtlich grünes Licht geben für die Aus-
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali Dringliche Interpellation der christlichdemokratischen Fraktion EG-Efta-Ministertreffen. Efta-Osterweiterung. Haltung des Bundesrates Interpellation urgente du groupe démocrate-chrétien CE, AELE et Europe de l'Est. Position du Conseil fédéral In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale Jahr 1989 Année Anno Band V Volume Volume Session Wintersession Session Session d'hiver Sessione Sessione invernale Rat Nationalrat Conseil Conseil national Consiglio Consiglio nazionale Sitzung 15 Séance Seduta Geschäftsnummer 89.717 Numéro d'objet Numero dell'oggetto Datum 15.12.1989 - 08:00 Date Data Seite 2215-2215 Page Pagina Ref. No
E. 20 018 082 Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung. Ce document a été numérisé par le Service du Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale. Questo documento è stato digitalizzato dal Servizio del Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale.
Volltext (verifizierbarer Originaltext)
15. Dezember 1989 N- 2215 EG, Efta und Osteuropa #ST# Fünfzehnte Sitzung - Quinzième séance Freitag, 15. Dezember 1989, Vormittag Vendredi 15 décembre 1989, matin 08.00h Vorsitz - Présidence: M. Ruffy 89.717 Dringliche Interpellation der christlichdemokratischen Fraktion EG-Efta-Ministertreffen. Efta-Osterweiterung. Haltung des Bundesrates Interpellation urgente du groupe démocrate-chrétien CE, AELE et Europe de l'Est. Position du Conseil fédéral Wortlaut der Interpellation vom 28. November 1989 Der Bundesrat wird eingeladen, dem Parlament seine Position bezüglich des Ministertreffens der EG-Efta-Staaten im Dezem- ber sowie einer allfälligen Erweiterung der Efta gegenüber den osteuropäischen Staaten bekanntzumachen. Texte de l'interpellation du 28 novembre 1989 Le Conseil fédéral est prié de faire connaître sa position con- cernant la réunion ministérielle CE-AELE de décembre et quant à une éventuelle extension de l'AELE à des Etats de l'Eu- rope de l'Est. Sprecher-Porte-parole: Cotti #ST# 89.679 Postulat Bircher Initiative der Schweiz zur Oeffnung der Efta Richtung Osteuropa Relations de l'AELE avec l'Europe de l'Est. Initiative de la Suisse Wortlaut des Postulates vom 6. Oktober 1989 Nachdem der Europarat bereits Beziehungen zu osteuropäi- schen Staaten aufgenommen hat, drängt sich zur Unterstüt- zung der Reformbemühungen dieser Länder auch eine en- gere wirtschaftliche Kooperation mit Westeuropa auf. Die Efta, welche keine politische Ausrichtung mit supranationalen Ziel- setzungen hat, eignet sich mit ihrem Block von neutralen Mit- gliedstaaten ideal für diese Unterstützungs- und Brückenfunk- tion. Der Bundesrat wird aufgefordert, im Rahmen der Efta die Initia- tive zu ergreifen, um mit den mittel- und osteuropäischen Staa- ten über die bereits bestehende relativ liberale Handelspolitik und den in Gang gekommenen Hilfsprozess hinaus dauer- hafte Bindungen anzustreben. Dabei sind grundsätzlich alle Varianten vom Abkommen über Assoziationen bis zu Vollmit- gliedschaften als Möglichkeiten offenzuhalten. Selbstver- ständlich ist die Stärkung des gesamteuropäischen Eini- gungsprozesses als längerfristige Perspektive nicht aus dem Blickfeld zu verlieren. Texte du postulat du 6 octobre 1989 Après rétablissement de relations entre le Conseil de l'Europe et les Etats de l'Est, il devient nécessaire pour l'Europe occi- dentale d'instaurer une coopération économique à l'appui des réformes entamées par les pays de l'Est. L'AELE, dépourvue de tout projet politique supranational, est la structure la plus apte à jouer un rôle de tête de pont et à apporter un soutien en ce sens, d'autant qu'elle compte au nombre de ses membres un bloc de pays neutres. ' Le Conseil fédéral est invité, dans le cadre de l'AELE, à pren- dre l'initiative d'un resserrement durable des liens avec les Etats d'Europe centrale et orientale, au-delà de l'actuelle politi- que commerciale assez libérale et des programmes d'aide en cours. Par principe, toutes les variantes doivent pouvoir être envisagées, du traité au statut de membre à part entière en passant par d'autres formes d'association. Le renforcement du processus d'unification de l'Europe entière doit évidem- ment rester la perspective à long terme. Mitunterzeichner - Cosignataires: Aguet, Bäumlin Richard, Bäumlin Ursula, Béguelin, Bodenmann, Borei, Braunschweig, Brügger, Bundi, Carobbio, Danuser, Euler, Fankhauser, Haf- ner Ursula, Jeanprêtre, Ledergerber, Mauch Ursula, Morf, Neukomm, Pitteloud, Rechsteiner, Reimann Fritz, Stappung (23) Cotti: Gelegentlich bewegt sich die Geschichte langsam wie Gletscherzungen, dann wieder rasch undheftig wie ein Sturz- bach. Seit Jahrzehnten, seit dem Ende des Zweiten Weltkrie- ges, bewegte sich die Geschichte Europas kaum. Gelegent- liche Eruptionen änderten an den durch den Krieg geschaffe- nen Gegebenheiten nichts. Jetzt plötzlich - in diesem Jahr, in diesen Monaten, sogar in diesen Tagen - überstürzen sich die Ereignisse wie der Lauf eines heftigen Wildbaches, der Mau- ern sprengt und neue Wege sucht. Der Bericht des Bundesrates über die europäische Integration vom August 1988 wird angesichts der europäischen Dynamik zur Zeitdokumentation, zur notariellen Beurkundung eines frü- heren, eher statischen Zustandes. Politik heisst aber nicht nur Festschreiben, sondern mehr denn je Entwicklungen auf- decken, die nächsten Szenarien vorwegnehmen, mit etwas Glück sogar die übernächsten. Schon anlässlich der Debatte des Europaberichtes 1988 konnte ich hervorheben, dass eine statische Betrachtungs- weise der Schweiz und ihres Verhältnisses zu Europa nicht sachgerecht wäre. Die gegenwärtige Dynamik der Demokrati- sierung in Osteuropa allerdings hat wohl niemand erahnen können. Dabei gerät gelegentlich aus dem Blickfeld, dass auch die Anstrengungen zur Schaffung eines Europäischen Wirtschaftsraumes neue, ungeahnte Impulse erfahren haben. Einige Daten mögen diese Entwicklung dokumentieren: Meine Beispiele setzen mit der Rede von Jacques Delors am
17. Januar 1989 ein-also noch vor unserer Debatte über den Bericht des Bundesrates -, wo Delors die Möglichkeit einer verstärkten Kooperation zwischen Efta und EG zur Diskussion stellt. Am 20. Oktober 1989 wird die Idee eines Europäischen Wirtschaftsraumes der 18 EG- und Efta-Länder aufgeworfen. Am 27. Oktober 1989 erklären die Efta-Minister ihre Bereit- schaft, Verhandlungen zur Bildung eines Europäischen Wirt- schaftsraumes zu führen. Am 27. November erörtern die Aus- senminister der EG-Staaten die politischen Veränderungen in Osteuropa und die möglichen Auswirkungen auf das Nach- kriegseuropa, inklusive die deutsche Trennung. Am 8. und 9. Dezember beschliesst der Rat der Regierungschefs der EG in Strassburg die Einberufung einer übergouvernementalen Konferenz über die Verwirklichung einer Währungsunion. Am 19. Dezember, in wenigen Tagen, wird die EG-Efta-Mini- sterkonferenz voraussichtlich grünes Licht geben für die Aus-
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali Dringliche Interpellation der christlichdemokratischen Fraktion EG-Efta-Ministertreffen. Efta-Osterweiterung. Haltung des Bundesrates Interpellation urgente du groupe démocrate-chrétien CE, AELE et Europe de l'Est. Position du Conseil fédéral In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale Jahr 1989 Année Anno Band V Volume Volume Session Wintersession Session Session d'hiver Sessione Sessione invernale Rat Nationalrat Conseil Conseil national Consiglio Consiglio nazionale Sitzung 15 Séance Seduta Geschäftsnummer 89.717 Numéro d'objet Numero dell'oggetto Datum 15.12.1989 - 08:00 Date Data Seite 2215-2215 Page Pagina Ref. No 20 018 082 Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung. Ce document a été numérisé par le Service du Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale. Questo documento è stato digitalizzato dal Servizio del Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale.