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90.886

Ch Vb · 1990-12-10 · Deutsch CH
Volltext (verifizierbarer Originaltext)

Turquie. Interpellations urgentes 2244 N 10 décembre 1990 Antrag der Kommission Der Kommission beantragt dem Nationalrat mit 14 zu 0 Stim- men, die parlamentarische Initiative als erfüllt abzuschreiben. Proposition de la commission La commission propose au Conseil national, par 14 voix sans opposition, de classer l'initiative parlementaire, considérant que tous ses objectifs ont été réalisés. Abgeschrieben - Classé #ST# 90.886 Dringliche Interpellation der grünen Fraktion Menschenrechtsverletzungen in der Türkei Interpellation urgente du groupe écologiste Violations des droits de l'homme en Turquie Wortlaut der Interpellation vom 26. November 1990 Die Türkei massiert grosse Truppenverbände im östlichen Teil des Landes. Im Schatten der Golfkrise wird die türkisch-kurdi- sche Grenzregion zum Irak von Kurden freigeräumt. Einmal mehr hat das kurdische Volk unter schwersten Menschen- rechtsverletzungen zu leiden. Wirfragen den Bundesrat an:

1. Welches sind die Gründe, trotz eindeutigen Bestimmungen im Kriegsmaterialgesetz, die Türkei vom Waffenausfuhrverbot, das der Bundesrat über die Krisenregion Naher Osten legte, auszunehmen?

2. Ist dem Bundesrat bekannt, dass in den 13 türkisch-kurdi- schen Provinzen nach wie vor das Kriegsrecht herrscht?

3. Weshalb erlässt der Bundesrat keinen Ausschaffungsstopp für Kurden, gemäss Non-refoulement-Prinzip, die doch bei ei- ner Ausschaffung in die Türkei an Leib und Leben höchst ge- fährdet sind?

4. Ist der Bundesrat bereit, bei der türkischen Regierung schärfstens gegen die Menschenrechtsverletzungen dertürki- schen Regierung gegen das eigene kurdische Volk zu prote- stieren? Texte de l'interpellation du 26 novembre 1990 La Turquie est en train de masser des troupes dans sa partie orientale. Exploitant la crise du Golfe, elle évacue les Kurdes de la région turco-kurde proche de la frontière irakienne. Une fois de plus, le peuple kurde subit de graves violations des droits de la personne. Le Conseil fédéral est invité à répondre aux questions suivan- tes:

1. Pour quelles raisons les mesures d'interdiction d'exporter des armes prises à rencontre des pays du Proche-Orient ne s'appliquent-elles pas à la Turquie, malgré les dispositions pourtant claires de la loi sur le matériel de guerre?

2. Le Conseil fédéral sait-il que les 13 provinces turco-kurdes continuent à être soumises à la loi martiale?

3. Pourquoi ne suspend-il pas les renvois de Kurdes dans leur pays en suivant le principe du non-refoulement, alors que ces personnes sont exposées à de graves dangers pour leur vie et intégrité corporelle si elles retournent en Turquie?

4. Est-il disposé à protester vivement auprès du gouverne- ment de la Turquie contre les violations des droits de la per- sonne commises envers le peuple kurde de son propre pays? Sprecher-Porte-paro/e:Meier-Glattfelden #ST# 90.897 Dringliche Interpellation der sozialdemokratischen Fraktion Waffenexport in die Türkei. Entscheidung des Eiundesrates Interpellation urgente du groupe socialiste Exportation d'arme» vers la Turquie. Décision du Conseil fédéral Wortlaut der Interpellation vom 27. November 1990 In den kurdischen Provinzen der Türkei spielen sich schwer- wiegende Ereignisse ab. Die türkische Regierung hat am

28. August 1990 die Anwendung der Europäischen Men- schenrechtskonvention unter dem Vorwand suspendiert, es gebe zahlreiche terroristische Aktivitäten in unterschiedlich- sten Formen. Während der Bundesrat weiterhin behauptet, die Menschen- rechtssituation in der Türkei habe sich verbessert und die Aus- fuhr von Waffen in dieses Land müsse deshalb nicht verboten werden, gibt es zahlreiche, unwiderlegbare Belege dafür, dass in den kurdischen Provinzen der Türkei eine Bürger- kriegssituation herrscht und eine grosse Gefahr besteht, dass die türkische Regierung die Golfkrise und die damit verbun- dene Truppenkonzentration im Herzen der kurdischen Grenz- gebiete Iraks dazu benutzt, im eigenen Land eine Art Endlö- sung der Kurdenfrage herbeizuführen. Die Massendeportationen der Bevölkerung, die Einäscherung von Dörfern, Morde an Zivilpersonen, grausame Behandlung von Inhaftierten, einschliesslich Frauen und Kinder, sowie will- kürliche Festnahmen und Folterungen haben zur Folge, dass Zehntausende von Kurden Flüchtlinge im eigenen Land sind und zusammengepfercht in Zeltlagern leben. Die Lebensbe- dingungen sind sehr prekär und werden durch den einbre- chenden Winter dramatisch verschärft. Im Widerspruch zu den Genfer Konventionen hat die Türkei dem IKRK das Recht, die Lager zu besuchen, bisher verweigert. Amnesty International ha': dieser Tage die Oeffentlichkeit auf Prozesse hingewiesen, eie beim Staatssicherheitsgericht in Diyarbakir gegen Kinder jnd Jugendliche laufen, von denen einige mit der Todesstrafe rechnen müssen. Diese dramati- sche Sachlage veranlasse uns, dem Bundesrat folgende Fra- gen zu stellen:

1. Will er nicht auf seinen Entscheid in Sachen Waffenausfuhr in die Türkei zurückkommen, da dieses Land im Sinne von Arti- kel 11 Absatz 2 Buchstabe a des Bundesgesetzes über das Kriegsmaterial als Gebiet bezeichnet werden kann, in dem «ein bewaffneter Konflikt herrscht oder auszubrechen droht oder sonstwie gefährliche Spannungen drohen» und es kei- neswegs sicher ist, dass die gelieferten Waffen nicht gegen die kurdische Bevölkerung eingesetzt werden?

2. Ist er bereit, sich für den Schutz der Grundrechte der Bevöl- kerung in den kurdischen Gebieten einzusetzen und zu ver- langen, dass die Europäische Menschenrechtskonvention wieder in Kraft gesetzt wind?

3. Ist er bereit, bei der türk ischen Regierung mit Nachdruck zu intervenieren, um zu erreichen, dass das IKRK die Flüchtlings- lager besuchen kann, und kann er ein Programm für humani- täre Hilfe zugunsten der betroffenen Bevölkerung anbieten?

4. Ist er bereit, sich dafür einzusetzen, dass keine Todesurteile vollstreckt werden?

5. Ist er bereit, falls es sich erhärten sollte, dass unser Bot- schafter in der Türkei, Herr Lacher, Erklärungen zur Unterstüt- zung von Zensurmassnaimen der türkischen Regierung ab- gegeben hat, sich von solchen Erklärungen zu distanzieren? Texte de l'interpellation du 27 novembre 1990 Des événements graves i;e déroulent dans les provinces kur- des de Turquie où le gouvernement turc a suspendu l'applica-

Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali Dringliche Interpellation der grünen Fraktion Menschenrechtsverletzungen in der Türkei Interpellation urgente du groupe écologiste Violations des droits de l'homme en Turquie In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale Jahr 1990 Année Anno Band V Volume Volume Session Wintersession Session Session d'hiver Sessione Sessione invernale Rat Nationalrat Conseil Conseil national Consiglio Consiglio nazionale Sitzung 09 Séance Seduta Geschäftsnummer 90.886 Numéro d'objet Numero dell'oggetto Datum 10.12.1990 - 14:30 Date Data Seite 2244-2244 Page Pagina Ref. No 20 019 298 Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung. Ce document a été numérisé par le Service du Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale. Questo documento è stato digitalizzato dal Servizio del Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale.