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Motion du groupe démocrate-chrétien 1256 N 22 juin 1990 #ST# 90.383 Motion der Fraktion der Schweizerischen Volkspartei Neukonzeption des Staatsschutzes Motion du groupe de l'Union démocratique du Centre Redéfinition de la sécurité de l'Etat Wortlaut der Motion vom 6. März 1990 Der Bundesrat wird beauftragt, gestütztauf eine neue Konzep- tion eine wirksame gesetzliche Grundlage für einen modernen Staatsschutz zu erarbeiten. Diese Konzeption muss eine flexi- ble Anpassung an sich verändernde Bedrohungslagen und Gefahrenpotentiale gewährleisten. Sie muss so ausgestaltet sein, dass sie eine ständige Ueberprüfung der Grenzen des Freiheitsbereichs des Bürgers und des Staatsschutzes er- laubt. Eine Neukonzeption des Staatsschutzes hat insbesondere die folgenden Aspekte zu berücksichtigen:
a. die Formulierung eines klaren, an den Bedürfnissen des modernen Rechtsstaates ausgerichteten Auftrags des Staats- schutzes, insbesondere auch des präventiven Staatsschut- zes, in Bereichen wie der Spionage, des Terrorismus oder des organisierten Verbrechens;
b. eine klare Regelung der Kompetenzen und Zuständigkei- ten sowie des für die Erfüllung des Auftrags notwendigen In- strumentariums;
c. eine einfache, durchschaubare und am Auftrag orientierte Organisation der zivilen und militärischen, mit dem Staats- schutz betrauten Stellen;
d. die Gewährleistung einer wirksamen, systematischen und an demokratischen und rechtsstaatlichen Massstäben aus- gerichteten Kontrolle durch Regierung und Parlament;
e. die gesetzliche Verankerung eines wirksamen Rechtsschut- zes des Bürgers vor Uebergriffen des Staates. Texte de la motion du 6 mars 1990 Le Conseil fédéral est chargé d'élaborer, en se fondant sur une nouvelle conception, une base légale efficace sur laquelle pourrait s'appuyer une stratégie moderne de sécurité de l'Etat. Cette conception devrait garantir une adaptation souple aux dangers potentiels et aux différentes menaces susceptibles de planer sur notre pays tout en permettant un contrôle perma- nent des limites de la liberté des citoyens et de la sécurité de l'Etat. La nouvelle conception de la sécurité de l'Etat devra no- tamment:
a. Définir clairement la mission de la sécurité de l'Etat; cette mission devra être axée sur les besoins d'un Etat moderne fondé sur le droit et porter notamment sur la prévention en ma- tière de sécurité pour ce qui est par exemple de l'espionnage, du terrorisme et du crime organisé;
b. Délimiter clairement les compétences et attributions et préciser les moyens nécessaires à l'accomplissement de cette mission;
c. Prévoir une organisation simple, transparente et adéquate des services civils et militaires responsables de la sécurité de l'Etat;
d. Garantir un contrôle efficace, systématique et axé sur les principes démocratiques d'un Etat fondé sur le droit, contrôle devant être exercé par le gouvernement et le Parlement;
e. Prévoir des dispositions légales assurant une protection ju- ridique efficace du citoyen contre les abus de pouvoir de l'Etat. Sprecher-Porte-parole: Fischer-Hägglingen Schriftliche Begründung - Développement par écrit Der Puk-Bericht sowie die jüngsten Aufdeckungen im EJPD, insbesondere aber auch im EMD, haben massive und ekla- tante Missstände, Fehlleistungen und Defizite im Bereich des Staatsschutzes aufgedeckt. Die Defizite sind auf unterschiedli- chen Ebenen anzusiedeln: im konzeptionellen Bereich durch das Fehlen eines klaren und begrenzten Auftrags, klarer Rege- lungen der Kompetenzen und zeitgemässer Kriterien, aber auch im personellen und im organisatorischen Bereich sowie bei der Aufsicht und der Kontrolle. Diese Defizite ermöglichten die bekanntgewordene verhängnisvolle Eigendynamik und das Festsetzen äusserst fragwürdiger, unhinterfragter Auto- matismen, die den Staatsschutz zur Gesinnungsschnüffelei verkommen liessen. Die Notwendigkeit eines funktionierenden Staatsschutzes, auch eines präventiv tätigen Staatsschatzes, im Sinne des De- mokratieschutzes steht für die SVP ausser Frage. Ausser Frage steht für sie aber auch, dass der Staatsschutz auf eine rechtliche Basis gestellt werden muss, die demokratischen und rechtsstaatlichen Prinzipien gerecht wird. Eine Neukon- zeption des Staatsschutzes muss der schwierigen Aufgabe gerecht werden, Flexibilität - im Sinne einer Anpassung an sich verändernde Situationen - mit klaren Begrenzungen und Aufsichtsmechanismen zu verbinden. Schriftliche Erklärung des Bundesrates vom 11. Juni 1990 Déclaration écrite du Conseil fédéral du 11 juin 1990 Der Bundesrat ist bereit, die Motion entgegenzunehmen. Le président: MM. Rechsteiner et Leuenberger-Soleure ainsi que le groupe écologiste combattent la motion du groupe de l'Union démocratique du Centre. La discussion est renvoyée à une date ultérieure. Verschoben - Renvoyé #ST# 90.400 Motion der christlichdemokratischen Fraktion Gesetz zum Schutz der demokratischen Grundrechte (Staatsschutzgesetz) Motion du groupe démocrate-chrétien Loi sur la sécurité de l'Etat Wortlaut der Motion vom 12. März 1990 Der Bundesrat wird beauftragt, dem Parlament einen Geset- zesentwurf vorzulegen zum Schutz der demokratischen Grundordnung (Staatsschutzgesetz). Insbesondere sind darin folgende Punkte zu regeln:
- die Prävention und die Verfolgung von Straftaten im Zusam- menhang mit Spionage, Terror, Gewalttaten und organisier- tem Verbrechen;
- die ständige Kontrolle der mit dieser Aufgabe betrauten Or- gane und ihrer Tätigkeit durch den Bundesrat und das Parla- ment;
- die Zusammenarbeit und die Abgrenzung der Zuständigkei- ten zwischen Bund und Kantonen;
- eine richterliche Kontrolle der Gesetzrnässigkeit von Daten- sammlungen. Texte de la motion du 12 mars 1990 Le Conseil fédéral est chargé de présenter au Parlement un projet de loi visant à protéger notre régime démocratique (loi sur la sécurité de l'Etat). Ce projet devra notamment régler les points suivants:
- la prévention et la poursuite des infractions liées à l'espion- nage, au terrorisme, à la violence et au crime organisé;
- le contrôle permanent par le Conseil fédéral et le Parlement
22. Juni 1990 N 1257 Motion Haering Binder des organes chargés de ces tâches ainsi que de leurs acti- vités;
- la collaboration entre la Confédération et les cantons et la délimitation de leurs compétences respectives;
- le contrôle judiciaire de la légalité des fichiers. Sprecherin - Porte-parole: Segmüller Schriftliche Begründung - Développement par écrit Das Recht auf Entfaltung der Bürgerinnen und Bürger in einer freiheitlichen und demokratischen Staatsordnung beinhaltet auch den Schutzanspruch vor gewaltsamen Uebergriffen durch terroristische und/oder verbrecherische Organisatio- nen bzw. vor Vorbereitungstätigkeiten für nachfolgende Ge- waltakte. Dieser Schutz bedingt neben der Verfolgung auch ein kontrol- liertes und umschriebenes Mass an Prävention vor Straftaten. Prävention und jede Art der zeitweiligen oder längerdauern- den Beeinträchtigung individueller Grundrechte bedürfen ein- deutiger gesetzlicher Grundlagen, müssen überwiegenden öffentlichen Interessen entsprechen und verhältnismässig sein. Die Interpretationsfähigkeit dieser Kriterien ruft nach Sicher- stellung der politischen Kontrolle durch Exekutive und Parla- ment und bedarf einer Regelung der Einsichtsrechte durch die betroffenen Bürgerinnen und Bürger. Ausserdem soll eine un- abhängige richterliche Behörde im Streitfalle über die Geset- zesmässigkeit von Datensammlungen und das Einsichtsrecht des einzelnen entscheiden können. Auf dem Weg einer klaren gesetzlichen Grundlage kann für den notwendigen Schutz unserer demokratischen Grundord- nung die Vertrauensbasis wiedergeschaffen werden, die durch einzelne Fehlleistungen, durch individuellen Ueberei- fer, durch Fehlbeurteilungen und durch mangelnde politische Kontrolle angeschlagen worden ist. Mit dieser Motion werden nur die zentralen Elemente eines künftigen Gesetzes angesprochen. Die Aufnahme weiterer re- gelungsbedürftiger Bereiche (z. B. Sicherheitsprüfungen) bleibt vorbehalten. Schriftliche Erklärung des Bundesrates vom 11. J un H 990 Déclaration écrite du Conseil fédéral du 11 juin 1990 Der Bundesrat ist bereit, die Motion entgegenzunehmen. Le président: MM. Rechsteiner et Leuenberger-Soleure ainsi que le groupe écologiste combattent la motion du groupe démocrate-chrétien. La discussion est renvoyée aune date ul- térieure. Verschoben - Renvoyé #ST# 90.442 Motion Haering Binder Publikation von Bauentscheiden Autorisations de construire. Publication Wortlaut der Motion vom 21. März 1990 Der Bundesrat wird eingeladen, das Bundesgesetz über die Raumplanung wie folgt zu ergänzen: Artikel 22 Baubewilligungen Absatz 3 (neu) Bauentscheide müssen im Amtsblatt veröffentlicht werden. Texte de la motion du 21 mars 1990 Le Conseil fédéral est chargé de compléter la loi fédérale sur l'aménagement du territoire comme il suit: Article 22 Autorisation de construire Alinéas (nouvelleteneur) La décision relative à l'autorisation de construire est publiée dans l'organe officiel du canton. Mitunterzeichner- Cosignataires: Aguet, Bäumlin Ursula, Bo- denmann, Bundi, Hafner Ursula, Ledergerber, Longet, Rech- steiner, Zbinden Hans, Züger (10) Schriftliche Begründung - Développement par écrit Mit der vorgeschlagenen Publikationspflicht für Bauent- scheide werden folgende Ziele verfolgt:
- Die Verankerung dieser Publikationspflicht im Bundesge- setz garantiert eine einheitliche Publikation in allen Kantonen.
- Die Publikationspflichtfür Bauentscheide bringt administra- tive Vereinfachungen mit sich, indem potentielle Rekurrenten nicht mehr, wie bis anhin in vielen Kantonen, bereits bei der Publikation der Baueingaben ein Gesuch um Zustellung des Bauentscheids stellen müssen - ein Gesuch, das, je nach Aus- gang des Baubewilligungsverfahrens, in vielen Fällen hinfällig werden kann. Es ist im weiteren auf folgende Punkte hinzuweisen:
- Diese Bestimmung gilt sowohl für Baubewilligungen inner- halb als auch für Ausnahmebewilligungen ausserhalb der Bauzone.
- Die Frage der Rekursfristen ist auf Verordnungsebene ent- sprechend anzupassen.
- Die Möglichkeit der zusätzlichen Publikation der Baueinga- ben bleibt den Kantonen und Gemeinden vorbehalten. Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 23. Mai 1990 Rapport écrit du Conseil fédéral du 23 mai 1990 Nach der heute geltenden Kompetenzaufteilung ist die Rege- lung des Baubewilligungsverfahrens weitgehend Aufgabe der Kantone (Art. 25 Abs. 1 RPG). Abgewichen wird von diesem Grundsatz einzig bei den Rechtsschutzbestimmungen und bei den Ausnahmebewilligungen nach Artikel 24 RPG. Aus- nahmebewilligungen ausserhalb der Bauzonen dürfen nur von einer kantonalen Behörde oder mit deren förmlichen Zu- stimmung erteilt werden (Art. 25 Abs. 2 RPG). Zudem sind die Kantone seit der Revision der Raumplanungsverordnung im Jahre 1986 verpflichtet, die erstinstanzlich erteilten Bewilligun- gen im Sinne von Artikel 24 RPG im kantonalen Publikations- organ gesondert anzuzeigen. Nebst einer gewissen aufsichtsrechtlichen Funktion - der Bun- desrat kann sich aufgrund der Publikationen über den Vollzug von Artikel 24 RPG in den Kantonen ins Bild setzen - ersetzt diese Publikationspflicht die Mitteilungspflicht dieser Verfü- gungen an die beschwerdeberechtigten Verbände und Behör- den (Art. 103 Bst. b und cOG; Art. 34Abs. 1 und 2 RPG; Art. 36 Bst. c VwVG). Bei den innerhalb der Bauzone erteilten Baube- willigungen bestand bisher kein Anlass, eine Veröffentlichung vorzuschreiben, weil der Kreis der Beschwerdeberechtigten enger ist. In neuerer Zeit entwickelt sich das Baubewilligungs- verfahren aber tatsächlich immer mehr zum Trägerverfahren auch für andere Bewilligungen, besonders aus den Gebieten des Umweltschutzes, des Waldrechts, des Natur- und Heimat- schutzes oder des Fischereirechts. All diese Gesetze sehen ein mehr oder weniger weit gehendes Verbands- und Behör- denbeschwerderecht vor, was oft zu unerfreulichen Abgren- zungsschwierigkeiten im Rechtsschutzverfahren führt, des- sen Aufgabe doch eine umfassende, gesamtheitliche Ueber- prüfung eines Projektes ist (so etwa BGE 114 Ib 224ff.). Diese Situation war für den Bundesrat Anlass, auch den entschei- denden Artikel 12 NHG in die Revision dieses Gesetzes mitein- zubeziehen. Der Revisionsentwurf- er befindet sich zurzeit im Vernehmlassungsverfahren - statuiert eine generelle Publika- tionspflicht und beauftragt den Bundesrat, in einer Verord- nung die Einzelheiten zu regeln. Diese Ausführungen zeigen, dass der Bundesrat die berech- tigten Anliegen der Motionärin erkannt und auch bereits ent-
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali Motion der christlichdemokratischen Fraktion Gesetz zum Schutz der demokratischen Grundrechte (Staatsschutzgesetz) Motion du groupe démocrate-chrétien Loi sur la sécurité de l'Etat In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale Jahr 1990 Année Anno Band III Volume Volume Session Sommersession Session Session d'été Sessione Sessione estiva Rat Nationalrat Conseil Conseil national Consiglio Consiglio nazionale Sitzung 16 Séance Seduta Geschäftsnummer 90.400 Numéro d'objet Numero dell'oggetto Datum 22.06.1990 - 08:00 Date Data Seite 1256-1257 Page Pagina Ref. No 20 018 729 Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung. Ce document a été numérisé par le Service du Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale. Questo documento è stato digitalizzato dal Servizio del Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale.