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87.588

Ch Vb · 1988-03-18 · Deutsch CH
Erwägungen (2 Absätze)

E. 18 März 1988 N 441 Postulat Bundi die Frage nach dem Wirken, der «Sendung» der Eidgenos- senschaft in der Welt von heute sollten nicht ausgeklammert werden.

7. Als formales Vorbild für die Erstellung eines derartigen gesellschaftlichen Leitbildes könnte in manchen Hinsichten der «Bericht Clottu» von 1975 über die schweizerische Kul- turpolitik dienen. Die Verfasserschaft müsste breit abge- stützt und repräsentativ sein, mit Vertretern aus wichtigen Organisationen wie Pro Senectute, Pro Juventute, Natur- und Heimatschutz, Schweizerische Stiftung für Land- schaftsschutz usw., aus Universitäten, Kirchen, Institutionen der Erwachsenenbildung, aus der Welt des geistigen Schaf- fens (Schriftsteller). Dass sich bei solchem Pluralismus der Verfasserschaft leicht ein Konsens bezüglich eines derartien «Programms der Schweiz» erreichen und eine einheitliche Vision der Zukunft des Landes gewinnen lässt, ist kaum anzunehmen. Man wird darum streckenweise mit unterschiedlichen Sze- narien arbeiten müssen. Doch auch in dieser Form wäre eine derartige ernsthafte Studie für die periodische Planung der politischen Behörden, bei denen letzlich die Planungs- entscheide liegen, bereits eine wesentliche Hilfe, um die Fragen grundsätzlicher anzugehen. Selbstverständlich wären bei der Erstellung der Studie jeweilen die wirtschaftlichen, politischen, demographischen usw. Voraussetzungen und Folgen der vorgeschlagenen menschlichen Zielvorgaben mitzubedenken. Doch müssen Erwägungen dieser Art nicht zu sehr ins Detail gehen. Der Charakter einer Denkaufgabe, die das ganze hier vorge- schlagene Unterfangen darstellt, darf nicht in zu vielen Details ersticken. Die grossen Konturen müssen sichtbar bleiben. Die ganz bewusste Konzentration auf den menschli- chen Aspekt, auf das menschlich Erlebbare, wird es erlau- ben, die Studie trotz ihres umfassenden Charakters in einem überblickbaren Umfang zu halten. Endlich ist es vielleicht auch nicht realistisch, bis zu einem bestimmten Zeitpunkt die restlose Fertigstellung einer der- art grunsätzlichen Arbeit über Zukunftsplanung einer Nation zu verlangen. Eher könnte es sich als wünschbar erweisen, nach dem Prinzip der rollenden Planung den Denkprozess fortzusetzen und die Studie fortzuschreiben. Doch könnte ein erstes profiliertes Stadium des Prozesses wohl schon in kürzer bemessener Zeit erreicht und ein bedeutsames, brauchbares Dokument für die Reflexion über die Zukunft im Jahre 1991 den Politikern sowie auch allen interessierten Bürgerinnen und Bürgern unseres Landes in die Hände gelegt werden.

8. Weil das Unternehmen, das ich vorschlage, ein Experi- ment ist - allerdings nach meiner Ueberzeugung ein not- wendiges-, mildem man erst Erfahrungen machen und das vielfachen Modifikationen zugänglich bleiben muss, unter- breite ich mein Anliegen dem Bundesrat in der weniger verbindlichen, flexibleren Form des Postulates. Schriftliche Erklärung des Bundesrates vom 29. Februar 1988 Déclaration écrite du Conseil fédéral du 29 février 1988 Der Bundesrat ist bereit, das Postulat entgegenzunehmen. Ueberwiesen - Transmis #ST# 87.980 Postulat Bundi Wirtschaftlich bedrohte Regionen Régions économiquement menacées Wortlaut des Postulates vom 16. Dezember 1987 Der Bundesrat wird eingeladen zu prüfen, ob der Geltungs- bereich des Bundesbeschlusses über Finanzierungsbeihil- fen zugunsten wirtschaftlich bedrohter Regionen vom

6. Oktober 1978 und der zugehörigen Verordnung nicht in folgendem Sinne erweitert werden könnte: Ausweitung des Kriteriums der monostrukturierten Region (Wirtschaft einseitig auf einen Industriezweig ausgerichtet) auf Randregionen im Berggebiet, die im industriell-gewerb- lichen Sektor eine geschwächte Position aufweisen und über einen längeren Zeitraum hinweg eine namhafte Abwan- derung von Arbeitsplätzen und damit eine schleichende Arbeitslosigkeit zu verzeichnen haben. Der Bundesrat möge seine Ueberlegungen in bezug auf eine eventuelle Gesetzesrevision .in einem kurzen Bericht dar- legen. Texte du postulat du 16 décembre 1987 Le Conseil fédéral est invité à examiner s'il ne serait pas possible d'étendre de la manière suivante le champ d'appli- cation de l'arrêté fédéral du 6 octobre 1978 instituant une aide financière en faveur des régions dont l'économie est menacée ainsi que de l'ordonnance y relative: Etendre le critère de la région dont l'économie est axée sur une seule branche industrielle aux régions de montagne économiquement défavorisées, dont le secteur industriel et artisanal est affaibli et qui, depuis longtemps, perdent de nombreux emplois et connaissent, par voie de consé- quence, un chômage latent. Le Conseil fédéral est prié de donner son avis sur une révision éventuelle de la loi dans un bref rapport. Mitunterzeichner- Cosignataires: Aguet, Ammann, Bäumlin Richard, Bäumlin Ursula, Béguelin, Bodenmann, Braunschweig, Bühler, Carobbio, Columberg, Danuser, Euler, Fankhauser, Fehr, Hafner Ursula, Haller, Hubacher, Jeanprêtre, Kühne, Lanz, Ledergerber, Leuenberger-Solo- thurn, Leuenberger Moritz, Longet, Matthey, Mauch Ursula, Meizoz, Morf, Neukomm, Ott, Pitteloud, Portmann, Reimann Fritz, Ruffy, Stappung, Uchtenhagen, Zbinden Hans, Züger (38) Schriftliche Begründung - Développement par écrit Gemäss dem genannten Bundesbeschluss werden Finanzie- rungsbeihilfen auch an einige wenige Berggebietsregionen ausgerichtet, sofern diese den in diesem Gesetz genannten Kriterien der «wirtschaftlichen Bedrohung» entsprechen,

d. h. sofern ihre Wirtschaft einseitig auf einen Industrie- zweig ausgerichtet ist und ein starker Verlust an Arbeitsplät- zen oder eine erhebliche Arbeitslosigkeit eingetreten sind oder bevorstehen. Damit zielt der Bundesbeschluss auf monostrukturierte Regionen, wie die Uhrenindustriegebiete im Jura oder etwa die Textilindustrie in der Ostschweiz. In derart industrialisierten Regionen manifestiert sich ein star- ker Wirtschaftseinbruch in einer auffälligen Arbeitslosigkeit. Demgegenüber gibt es Randregionen im Berggebiet, die zwar gewerblich-industriell geprüft sind, ohne allerdings monostrukturiert zu sein. Ein Wirtschaftseinbruch in sol- chen Gegenden ist ebenso gravierend, als wenn er in einer Agglomeration erfolgt. Die Substanz des sekundären Sek- tors überhaupt droht verlustig zu gehen. Da der Prozess sich hier weniger spektakulär entwickelt, wird der Verlust an Arbeitsplätzen und .die Arbeitslosigkeit nicht so rasch emp- funden und zur Kenntnis genommen. Die Arbeitslosen, ins- besondere wenn es sich um qualifizierte Arbeiter handelt,

Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali Postulat Ott "Lebensqualität 2000" Postulat Ott "Qualité de la vie au-delà de l'an 2000" In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale Jahr 1988 Année Anno Band I Volume Volume Session Frühjahrssession Session Session de printemps Sessione Sessione primaverile Rat Nationalrat Conseil Conseil national Consiglio Consiglio nazionale Sitzung 15 Séance Seduta Geschäftsnummer 87.588 Numéro d'objet Numero dell'oggetto Datum 18.03.1988 - 08:00 Date Data Seite 439-441 Page Pagina Ref. No

E. 20 016 225 Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung. Ce document a été numérisé par le Service du Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale. Questo documento è stato digitalizzato dal Servizio del Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale.

Volltext (verifizierbarer Originaltext)

18. März 1988 N 439 Postulat Ott tées. Dans certains cas, par exemple lors d'une adjudication effectuée dans le cadre de programmes destinés à promou- voir l'emploi, lors de l'acquisition d'armements ou d'ordres d'impression ainsi que d'adjudications des PTT et de l'Admi- nistration des douanes, les acquisitions se font aujourd'hui déjà sur la base d'une compétition limitée à la région concernée, parmi les petites et moyennes entreprises situées à l'écart des grands centres industriels. Pour autant que cela soit acceptable, la commande est adjugée si possi- ble- à offres égales - à la région économiquement la moins favorisée, une certaine rotation étant observée à l'égard des firmes retenues (par exemple des imprimeries). Les services des achats explorent également le marché en multipliant les contacts avec les cantons et les régions ainsi qu'avec les Chambres du commerce et de l'industrie ou les associations industrielles. Il ne serait en outre pas souhaitable que certaines entre- prises dépendent trop étroitement de commandes indus- trielles qu'elles reçoivent de la Confédération (par exemple pour l'armée). Les variations inévitables du volume des commandes causeraient davantage de problèmes aux entre- prises de ces régions économiquement défavorisées qu'elles ne leur procureraient des avantages. Nous estimons qu'il n'est pas nécessaire de créer un groupe d'experts ad hoc chargé d'étudier la répartition des com- mandes fédérales. Les besoins de la politique régionale sont reconnus. Avec les recommandations décidées l'année der- nière, c'est-à-dire les instructions concernant le Cargo domicile, la prise en compte des aspects de l'innovation lors des acquisitions et notamment la cordination des activités de la Confédération en matière de politique régionale, une grande importance est attachée aux impératifs de politique régionale. Le groupe de coordination chargé de sauvegar- der les emplois de DMF dans les régions de montagne, la Commission pour les questions d'achat de la Confédération et, en particulier, la commission du Conseil fédéral qui s'occupe de la politique régionale, tiennent d'ores et déjà compte des désirs formulés dans le postulat. Schriftliche Erklärung des Bundesrates Déclaration écrite du Conseil fédéral Le Conseil fédéral propose de classer le postulat. Atigeschrieben - Classé #ST# 87.476 Postulat Baggi Förderung der Berggebiete. Bericht Postulato Baggi Rapporto sulle regioni di montagna Postulat Baggi Développement des régions de montagne. Rapport Wortlaut des Postulates vom 17. Juni 1987 Der Bundesrat wird eingeladen, einen Bericht über die Aus--. Wirkungen der verschiedenen Gesetze zugunsten der Berg- gebiete vorzulegen, wobei besonders das Gesetz über Inve- stitionen in Bergregionen, das Bundesgesetz über die Gewährung von Bürgschaften und Zinskostenbeiträgen in Berggebieten, das Bundesgesetz über die Förderung des Hotel- und Kurortkredites und die Massnahmen auf dem Gebiet der Landwirtschaft berücksichtigt werden sollen. Testo del postulato del 17 giugno 1987 II Consiglio federale è invitato a presentare un rapporto sugli effetti prodotti dalle varie leggi a favore delle regioni di montagna, con particolare riferimento alla legge sugli inve- stimenti nelle regioni di montagna, alla Legge federale sulla concessione di fidejussioni nelle regioni montane, alle Legge federale sul credito alberghiero ed alle disposizioni in materia agricola. Texte du postulat du 17 juin 1987 Le Conseil fédéral est invité à présenter un rapport sur les effets des diverses lois édictées en faveur des régions de montagne, notamment ceux de la loi sur les investissements dans ces régions, de la loi fédérale encourageant l'octroi de cautionnements dans ces régions, de la loi fédérale sur les crédits d'investissements dans l'agriculture et des disposi- tions régissant celle-ci. Mitunterzeichner-Cofirmatari-Cosignataires: Columberg, Cotti, Darbellay, Giudici, Grassi, Pini, Salvioni, Savary-Fri- bourg (8) Schriftliche Begründung Motivazione scritta - Développement par écrit La Confederazione ha assunto il giusto compito di interve- nire per favorire lo sviluppo économico-régionale, tenendo in particolare considerazione le regioni economicamente deboli, fra le quali troviamo in modo ancor più particolare la regione della montagna svizzera. Malgrado gli interventi, malgrado le leggi, la montagna si spopola sempre più ed il reddito della sua populazione è sempre ridotto per rispetto alle altre zone. Le statistiche ufficiali non danno sempre l'esatta misura del fenomeno. Infatti possono trarre in inganno per il fatto dell'esser le regioni considerate in modo da conglobare situazioni del tutto diverse. Pensiamo ad esempio alla regione del Locar- nese e Vallemaggia: nella stessa regione sono compresi i comuni turistici di Locamo ed Ascona, di Orselina e Brione, come pure i comuni più industrializzati di Tenero e Gordola, ed infine i veri comuni della montagna, in Valle Maggia, in Onsernone, nelle Centovalli e in Verzasca. La statistica, che da per la regione del Locarnese e Centovalli un aumento nella popolazione e del reddito, non informa correttamente. Il rapporto che si chiede deve quindi dare un rendiconto degli effetti prodotti dalle varie citate leggi per i singoli comuni della montagna, deve indicare quale intervento ha dato frutti positivi e quale non ha dato gli esiti sperati. Dopo l'esame del rapporto-dal quale apparirà certamente il continuato spopolamento ed il continuato impoverimento- sarà possibile avere un'idea degli effetti (e quindi della bontà o meno) dei singoli interventi e si potrà allora ricercare una nuova via, con altri provvedimenti efficaci e coordinati. La regione della montagna è troppo importante per la Svizzera, perché si possa attendere più oltre. Schriftliche Erklärung des Bundesrates vom 2. September 1987 Dichiarazione del Consiglio federale dei 2 settembre 1987 Déclaration écrite du Conseil fédéral du 2 septembre 1987 II Consiglio federale è disposto ad accogliere il postulato. Ueberwiesen - Transmis #ST# 87.588 Postulat Ott »Lebensqualität 2000» »Qualité de la vie au-delà de l'an 2000» Wortlaut des Postulates vom 8. Oktober 1987 Die näherrückende Zentenarfeier der Gründung der Eidge-

Postulat Ott 440 N 18 mars 1988 nossenschaft lässt uns vermehrt an die Zukunft unseres Landes denken. Der Bundesrat wird eingeladen, möglichst bis zum Jahre 1991 eine umfassende Studie über die wünschbare und erreichbare Lebensqualität für die Bewohner unseres Lan- des im'nächsten Jahrhundert erstellen zu lassen. Die Studie soll so abgefasst sein, dass sie als konkretes Leitbild und Hilfsmittel für eine zielgerichtete politische Pla- nung in den kommenden Legislaturperioden dienen kann. Texte du postulat du 8 octobre 1987 L'approche du 700e anniversaire de la fondation de la Confédération suscite des réflexions de plus en plus nom- breuses sur l'avenir de notre pays. Le Conseil fédéral est prié de faire entreprendre si possible d'ici 1991 une étude approfondie sur la qualité de la vie souhaitable pour les habitants de notre pays au siècle pro- chain. L'étude doit être conçue de telle sorte qu'elle puisse servir de référence pour la définition des options politiques vala- bles pour les prochaines législatures. Mitunterzeichner - Cosignataires: Ammann-St. Gallen, Auer, Bäumlin, Biel, Bircher, Blunschy, Braunschweig, Bundi, Camenzind, Columberg, Dünki, Eggly-Genève, Eppenberger-Nesslau, Fankhauser, Fehr, Fierz, Grendel- meier, Günter, Hess, Jaeger, Lanz, Leuenberger-Solothurn, Loretan, Lüchinger, Maeder-Appenzell, Mauch, Meizoz, Mühlemann, Müller-Aargau, Müller-Bachs, Müller-Schar- nachtal, Nef, Nussbaumer, Oehen, Oester, Ruch-Zuchwil, Ruckstuhl, Ruffy, Seiler, Stamm Judith, Stappung, Weber Monika, Weber-Arbon, Weder-Basel, Wellauer, Widmer, Wyss, Ziegler, Zwygart (49) Schriftliche Begründung - Développement par écrit

1. Die politische Planung der Zukunft unseres Landes, wie wir sie alle vier Jahre wieder im Legislaturprogramm versu- chen, müsste mehr sein als ein blosses Fortschreiben von Vorhaben der Gesetzgebung und anderen Vorhaben staatli- cher Tätigkeit, die sich im Lauf der Zeit angesammelt haben und die dann jeweils durch Setzung punktueller, durch die Optik der augenblicklichen Lagebeurteilung bedingter Prio- ritäten selektioniert und den prognostizierbaren finanziellen Möglichkeiten des Bundes angepasst werden. Darum ist mit Recht eine zielgerichtete politische Planung gefordert worden (vgl. das P Bäumlin «Bericht Global 2000» vom 24. Juni 1982, sowie die M Bäumlin «Zielorientierte Regierungspolitik» vom 14. März 1984). Die letztgenannte Motion steht zurzeit noch in einer national rätlichen Kommis- sion zur Beratung, wie überhaupt das ganze Problem der politischen Planung, soweit sie das Parlament betrifft.

2. Wohl ist jede politische Planung der gesellschaftlichen Zukunft problematisch, weil sich die Zukunft der Gesell- schaft nicht politisch organisieren lässt. Dennoch haben wir das Unternehmen in den letzten Legislaturperioden stets weitergeführt, und dies zu Recht: denn mindestens gewisse Rahmenbedingungen, bestimmte Stimuli für eine gewünschte gesellschaftliche Entwicklung lassen sich durch politische Massnahmen doch herbeiführen.

3. Eine zielorientierte politische Planung bedarf nun aber eines politischen Leitbildes bzw. verschiedener sektoraler Teil-Leitbilder. Dieses Bedürfnis ist denn auch schon seit geraumer Zeit empfunden worden, und man hat ihm durch «Gesamtkonzeptionen» auf verschiedenen Gebieten Rech- nung zu tragen versucht. Dabei konnte der gute Sinn von Gesamtkonzeptionen freilich zuweilen in der Weise missver- standen und entstellt werden, dass das Warten auf die Fertigstellung einer Gesamtkonzeption als Vorwand angeru- fen wurde, um die Behandlung vordringlicher Massnahmen hinauszuschieben. Der richtige Umgang mit Gesamtkonzep- tionen würde demgegenüber in einer «rollenden Planung» bestehen, welche notwendige Zukunftsperspektiven und erforderliche Gegenwartsschritte sinnvoll aufeinander ab- stimmt.

4. Die Jahrhundertfeier des Jahres 1991, ein Ereignis, des- sen Bedeutung nicht mit Schweigen oder mit ideenlosen Deklarationen übergangen werden darf, gibt uns nun einen konkreten Anlass, um Gesamtkonzeptionen - schon bear- beitete und auch solche, die erst noch in Angriff genommen werden müssten - einmal zu einer Gesamtvision von der Zukunft der Schweiz zu verbinden. Denn das Jubiläumsjahr sollte dokumentieren, dass wir nicht nur die Vergangenheit feiern, sondern uns auch der Zukunft der Heimat gründlich nachdenkend zuwenden. Ein einzelner, wichtiger Schritt in Richtung auf eine solche Zusammenfassung ist allerdings bereits unternommen wor- den, in dem durch ein Postulat Ziegler-SO vom 19. Juni 1980 veranlassten Bericht «Qualitatives Wachstum», verfasst durch eine Expertenkommission des EVD, der sich laut bundesrätlicher Antwort auf eine Einfache Anfrage Allenspach vom 15. Dezember 1986 auch schon in den dem- nächst erscheinenden Legislaturzielen 1987-1991 reflektie- ren soll.

5. Nun müsste allerdings ein Leitbild, das bei der Erstellung künftiger Legislaturprogramme dienlich sein und überdies im Jubiläumsjahrden Willen der eidgenössischen Behörden zur Zukunftsgestaltung dokumentieren soll, in einer nicht allzu technischen, sondern möglichst anschaulichen, auch für den gewöhnlichen Bürger und Politiker verständlichen und einprägsamen Diktion abgefasst sein. Vor allem kann es auch nicht einfach darum gehen, extrapolierte Zukunfts- trends und Statistiken (die ohnehin immer unsicher bleiben) zusammenzufügen, sondern es muss sichtbar werden, dass politische Zukunftsplanung grundlegend eine Frage des politischen Willens ist: Wie sollen nach unserem Willen und in Veranschlagung realistischer Prognosen dessen, was in Zukunft überhaupt möglich ist, die konkreten Lebensver- hältnisse der Menschen in der Schweiz nach der Ueber- schreitung der Jahrhundertgrenze aussehen?

6. Das Postulat wählt darum bewusst den Leitbegriff «Lebensqualität». Denn der Begriff «Lebensqualität» zielt auf das, was nicht einfach quantifizierbar ist, sondern was der einzelne Mensch erlebt. Ein umfassendes politisches Leitbild muss auf den Menschen zentriert sein, es muss menschliche Werte enthalten und konkretisieren: Wie sollen die Bewohner der Schweiz nach 2000 das Leben in diesem Land erleben können? Dabei müssen verschiedene Bereiche mitbedacht werden, die die erlebbare Umwelt des Menschen ausmacherj. Zum Beispiel: die Gestalt der Landschaft und der Siedlungen. Wie müssen Landschaft und Siedlungsformen aussehen, in denen sich die Menschen noch heimisch fühlen können? Im Blick auf solche menschlichen Gesichtspunkte des Erlebens und des Lebenssinnes müssten - so weit Politik überhaupt etwas zu erreichen vermag - die politischen Weichen recht- zeitig gestellt werden. Es müssen dann die Anschlussfragen gestellt werden, wie z. B.: Was erfordern solche Zielvorga- ben für Massnahmen auf Gebieten wie Raumplanung, Bodennutzung und Bodenrecht, Verkehr usw.? Was können wir uns an Kulturlandverlust überhaupt noch leisten? Andere Lebensgebiete, auf denen die wünschbare Entwick- lung zu bedenken und anschaulich darzustellen ist, sind - ohne abschliessende Aufzählung - die Lebensformen der jungen Menschen und insbesondere dann auch der Betag- ten, die dannzumal einen noch grösseren Anteil der Gesamt- bevölkerung ausmachen werden. Dabei geht es nicht nur um Vorsorge und Fürsorge, Rentenhöhe, Alterswohnungen und Pflegebetten, sondern darüber hinaus um die Stellung der Betagten in der Gesellschaft überhaupt. (Ich verweise hier auf die Perspektiven der Uno-Weltversammlung über das Alter, 1982 in Wien.) Weitere zu durchdenkende Lebens- gebiete sind: Arbeitsverhältnisse am Arbeitsplatz, im Betrieb (wie wird die Arbeitswelt vom Menschen erlebt?); die Bil- dungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten; die Ausgestal- tung der Felder kultureller Erfahrung und Betätigung, des Vereins- und Gemeinschaftslebens. Auch die Fragen um die Erlebbarkeit echter Demokratie (die z. T. identisch sind mit dem staatspolitischen Problem, wie man unsere demokrati- schen Institutionen erhalten und stärken kann), sowie auch

18. März 1988 N 441 Postulat Bundi die Frage nach dem Wirken, der «Sendung» der Eidgenos- senschaft in der Welt von heute sollten nicht ausgeklammert werden.

7. Als formales Vorbild für die Erstellung eines derartigen gesellschaftlichen Leitbildes könnte in manchen Hinsichten der «Bericht Clottu» von 1975 über die schweizerische Kul- turpolitik dienen. Die Verfasserschaft müsste breit abge- stützt und repräsentativ sein, mit Vertretern aus wichtigen Organisationen wie Pro Senectute, Pro Juventute, Natur- und Heimatschutz, Schweizerische Stiftung für Land- schaftsschutz usw., aus Universitäten, Kirchen, Institutionen der Erwachsenenbildung, aus der Welt des geistigen Schaf- fens (Schriftsteller). Dass sich bei solchem Pluralismus der Verfasserschaft leicht ein Konsens bezüglich eines derartien «Programms der Schweiz» erreichen und eine einheitliche Vision der Zukunft des Landes gewinnen lässt, ist kaum anzunehmen. Man wird darum streckenweise mit unterschiedlichen Sze- narien arbeiten müssen. Doch auch in dieser Form wäre eine derartige ernsthafte Studie für die periodische Planung der politischen Behörden, bei denen letzlich die Planungs- entscheide liegen, bereits eine wesentliche Hilfe, um die Fragen grundsätzlicher anzugehen. Selbstverständlich wären bei der Erstellung der Studie jeweilen die wirtschaftlichen, politischen, demographischen usw. Voraussetzungen und Folgen der vorgeschlagenen menschlichen Zielvorgaben mitzubedenken. Doch müssen Erwägungen dieser Art nicht zu sehr ins Detail gehen. Der Charakter einer Denkaufgabe, die das ganze hier vorge- schlagene Unterfangen darstellt, darf nicht in zu vielen Details ersticken. Die grossen Konturen müssen sichtbar bleiben. Die ganz bewusste Konzentration auf den menschli- chen Aspekt, auf das menschlich Erlebbare, wird es erlau- ben, die Studie trotz ihres umfassenden Charakters in einem überblickbaren Umfang zu halten. Endlich ist es vielleicht auch nicht realistisch, bis zu einem bestimmten Zeitpunkt die restlose Fertigstellung einer der- art grunsätzlichen Arbeit über Zukunftsplanung einer Nation zu verlangen. Eher könnte es sich als wünschbar erweisen, nach dem Prinzip der rollenden Planung den Denkprozess fortzusetzen und die Studie fortzuschreiben. Doch könnte ein erstes profiliertes Stadium des Prozesses wohl schon in kürzer bemessener Zeit erreicht und ein bedeutsames, brauchbares Dokument für die Reflexion über die Zukunft im Jahre 1991 den Politikern sowie auch allen interessierten Bürgerinnen und Bürgern unseres Landes in die Hände gelegt werden.

8. Weil das Unternehmen, das ich vorschlage, ein Experi- ment ist - allerdings nach meiner Ueberzeugung ein not- wendiges-, mildem man erst Erfahrungen machen und das vielfachen Modifikationen zugänglich bleiben muss, unter- breite ich mein Anliegen dem Bundesrat in der weniger verbindlichen, flexibleren Form des Postulates. Schriftliche Erklärung des Bundesrates vom 29. Februar 1988 Déclaration écrite du Conseil fédéral du 29 février 1988 Der Bundesrat ist bereit, das Postulat entgegenzunehmen. Ueberwiesen - Transmis #ST# 87.980 Postulat Bundi Wirtschaftlich bedrohte Regionen Régions économiquement menacées Wortlaut des Postulates vom 16. Dezember 1987 Der Bundesrat wird eingeladen zu prüfen, ob der Geltungs- bereich des Bundesbeschlusses über Finanzierungsbeihil- fen zugunsten wirtschaftlich bedrohter Regionen vom

6. Oktober 1978 und der zugehörigen Verordnung nicht in folgendem Sinne erweitert werden könnte: Ausweitung des Kriteriums der monostrukturierten Region (Wirtschaft einseitig auf einen Industriezweig ausgerichtet) auf Randregionen im Berggebiet, die im industriell-gewerb- lichen Sektor eine geschwächte Position aufweisen und über einen längeren Zeitraum hinweg eine namhafte Abwan- derung von Arbeitsplätzen und damit eine schleichende Arbeitslosigkeit zu verzeichnen haben. Der Bundesrat möge seine Ueberlegungen in bezug auf eine eventuelle Gesetzesrevision .in einem kurzen Bericht dar- legen. Texte du postulat du 16 décembre 1987 Le Conseil fédéral est invité à examiner s'il ne serait pas possible d'étendre de la manière suivante le champ d'appli- cation de l'arrêté fédéral du 6 octobre 1978 instituant une aide financière en faveur des régions dont l'économie est menacée ainsi que de l'ordonnance y relative: Etendre le critère de la région dont l'économie est axée sur une seule branche industrielle aux régions de montagne économiquement défavorisées, dont le secteur industriel et artisanal est affaibli et qui, depuis longtemps, perdent de nombreux emplois et connaissent, par voie de consé- quence, un chômage latent. Le Conseil fédéral est prié de donner son avis sur une révision éventuelle de la loi dans un bref rapport. Mitunterzeichner- Cosignataires: Aguet, Ammann, Bäumlin Richard, Bäumlin Ursula, Béguelin, Bodenmann, Braunschweig, Bühler, Carobbio, Columberg, Danuser, Euler, Fankhauser, Fehr, Hafner Ursula, Haller, Hubacher, Jeanprêtre, Kühne, Lanz, Ledergerber, Leuenberger-Solo- thurn, Leuenberger Moritz, Longet, Matthey, Mauch Ursula, Meizoz, Morf, Neukomm, Ott, Pitteloud, Portmann, Reimann Fritz, Ruffy, Stappung, Uchtenhagen, Zbinden Hans, Züger (38) Schriftliche Begründung - Développement par écrit Gemäss dem genannten Bundesbeschluss werden Finanzie- rungsbeihilfen auch an einige wenige Berggebietsregionen ausgerichtet, sofern diese den in diesem Gesetz genannten Kriterien der «wirtschaftlichen Bedrohung» entsprechen,

d. h. sofern ihre Wirtschaft einseitig auf einen Industrie- zweig ausgerichtet ist und ein starker Verlust an Arbeitsplät- zen oder eine erhebliche Arbeitslosigkeit eingetreten sind oder bevorstehen. Damit zielt der Bundesbeschluss auf monostrukturierte Regionen, wie die Uhrenindustriegebiete im Jura oder etwa die Textilindustrie in der Ostschweiz. In derart industrialisierten Regionen manifestiert sich ein star- ker Wirtschaftseinbruch in einer auffälligen Arbeitslosigkeit. Demgegenüber gibt es Randregionen im Berggebiet, die zwar gewerblich-industriell geprüft sind, ohne allerdings monostrukturiert zu sein. Ein Wirtschaftseinbruch in sol- chen Gegenden ist ebenso gravierend, als wenn er in einer Agglomeration erfolgt. Die Substanz des sekundären Sek- tors überhaupt droht verlustig zu gehen. Da der Prozess sich hier weniger spektakulär entwickelt, wird der Verlust an Arbeitsplätzen und .die Arbeitslosigkeit nicht so rasch emp- funden und zur Kenntnis genommen. Die Arbeitslosen, ins- besondere wenn es sich um qualifizierte Arbeiter handelt,

Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali Postulat Ott "Lebensqualität 2000" Postulat Ott "Qualité de la vie au-delà de l'an 2000" In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale Jahr 1988 Année Anno Band I Volume Volume Session Frühjahrssession Session Session de printemps Sessione Sessione primaverile Rat Nationalrat Conseil Conseil national Consiglio Consiglio nazionale Sitzung 15 Séance Seduta Geschäftsnummer 87.588 Numéro d'objet Numero dell'oggetto Datum 18.03.1988 - 08:00 Date Data Seite 439-441 Page Pagina Ref. No 20 016 225 Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung. Ce document a été numérisé par le Service du Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale. Questo documento è stato digitalizzato dal Servizio del Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale.