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85.552

Ch Vb · 1987-03-02 · Deutsch CH
Erwägungen (1 Absätze)

E. 20 mars 1987

#ST# Siebzehnte Sitzung - Dix-septième séance

Freitag, 20. März 1987, Vormittag

Vendredi 20 mars 1987, matin

8.00h

Vorsitz - Présidence: M. Cevey

87.306

Dringliche Interpellation Ruckstuhl

Ungenügende Präventions-Kampagne

gegen Aids

Interpellation urgente Ruckstuhl

Lutte contre le SIDA.

Campagne de prévention

Wortlaut der Interpellation vom 2. März 1987

Die Infektionskrankheit Aids verbreitet sich mit erschrecken-

der Geschwindigkeit. Die Zahl der durch den Aids-Virus

infizierten oder akut erkrankten Personen nimmt erheblich

zu. Medikamente gegen Aids oder auch Impfstoffe konnten

trotz intensiver Forschung bis heute keine entwickelt wer-

den. Unsere Möglichkeiten beschränken sich momentan auf

Prävention und Hilfeleistung für die Betroffenen. Die Aids-

Hilfe Schweiz und das Bundesamt für Gesundheitswesen

starteten daher eine breit angelegte Präventions-Kampagne.

Die Kampagne versucht, Aids mittels Aufklärung und techni-

schen Präventivmassnahmen (namentlich Präservative, sau-

bere Spritzen für Drogenabhängige) zu bekämpfen. Diese

vorgeschlagenen Massnahmen sind zur Verhinderung einer

weiteren, unkontrollierbaren Verbreitung von Aids geeignet

und zu unterstützen. In gleichem Masse wäre es aber auch

Sache des Staates - ohne in die Rolle eines Moralapostels

zu treten -, auf ein verantwortbares, monogames Sexualver-

halten aufmerksam zu machen. Dies umso mehr, als jede

Gesellschaft auf einem Minimum an Werten aufbaut.

Ich bitte daher den Bundesrat um die Beantwortung folgen-

der Fragen:

1. Teilt der Bundesrat die Ansicht, dass eine derart grossan-

gelegte und informierende Kampagne zusätzlich1 auch die

Aufgabe hätte, neben technischen Vorbeugemassnahmen

ebenso auf die präventive Wirkung eines monogamen Sexu-

alverhaltens hinzuweisen?

2. Nach neuesten Studien bestehtauch bei der Verwendung

von Kondomen noch ein erhebliches Restrisiko.

Ist der Bundesrat gewillt, die angelaufene Kampagne in

diesem Sinne zu ergänzen und über die Kondomempfeh-

lung hinaus auf eine langfristig notwendige Aenderung im

allgemeinen Sexualverhalten hinzuweisen?

3. Welche Massnahmen ergreift der Bundesrat, um die virus-

infizierten und akut erkrankten Aids-Patienten zu beraten,

zu betreuen und zu begleiten?

Texte de l'interpellation du 2 mars 1987

Le SIDA se propage avec une rapidité alarmante et le nom-

bre des personnes porteuses du virus, séropositives ou

atteintes de la maladie, est en augmentation constante.

Malgré des recherches intensives, ni médicament ni vaccin

n'ont pu être mis au point à ce jour et nos possibilités se

limitent actuellement à la prévention et à l'assistance des

malades. C'est pourquoi l'Aide suisse contre le SIDA et

l'Office fédéral de la santé publique ont lancé une vaste

campagne de prévention dans le but de lutter contre le SIDA

par le moyen de l'information et de mesures techniques de

prophylaxie (notamment l'utilisation de préservatifs et l'em-

ploi de seringues stériles par les drogués). Ces dispositions

destinées à mettre un frein à la propagation débridée du

SIDA sont efficaces et doivent être soutenues. Cependant, il

incomberait également à l'Etat de souligner l'importance de

la sexualité monogamique, sans pour autant tomber dans le

moralisme. En effet, toute société ne repose-t-elle pas sur un

minimum de valeurs?

Je prie donc le Conseil fédéral de répondre aux questions

suivantes:

Dispositiv
  1. Le Conseil fédéral est-il d'avis qu'une campagne d'infor- mation aussi vaste devrait non seulement encourager l'ap- plication de mesures techniques de prévention, mais égale- ment souligner l'effet prophylactique de la sexualité mono- gamique?
  2. Selon des études récentes, l'utilisation du préservatif est loin de supprimer tout risque de contagion. Le Conseil fédéral est-il disposé à mentionner ce risque dans le cadre de sa campagne et, au delà de l'exhortation à l'emploi de préservatifs, à mettre l'accent sur la nécessité, à long terme, de modifier les comportements en matière de sexualité?
  3. Quelles sont les mesures prises par le Conseil fédéral pour conseiller et assister les personnes porteuses du virus du SIDA, séropositives ou atteintes de la maladie? Mitunterzeichner- Cosignataires: Blunschy, Bürer-Walen- stadt, Camenzind, Cantieni, de Chastonay, Cotti, Darbellay, Dirren, Geissbühler, Hess, Hofmann, Humbel, Kühne, Lan- doli, Müller-Scharnachtal, Nussbaumer, Oester, Ogi, Reich- ling, Risi-Schwyz, Rutishauser, Rüttimann, Schärli, Schmid- halter, Schnider-Luzern, Seiler, Stamm Judith, Uhlmann, Weber Leo, Wick, Ziegler, Zwygart (32) #ST# 85.552 Postulat Meyer-Bern Bekämpfung von Aids Postulat Meyer-Berne Lutte contre le SIDA Wortlaut des Postulates vom 18. September 1985 Der Bundesrat wird beauftragt, in Ergänzung der bereits getroffenen Massnahmen zur Bekämpfung von Aids fol- gende weitere Massnahmen zu prüfen:
  4. Förderung und gesamtschweizerische Koordination der laufenden Forschungsprojekte der Universitäten und der Industrie zur Bekämpfung von Aids und seinen Folgen.
  5. Durchführung eines nationalen Forschungsprogramms.
  6. Unterstellung von Aids unter die Meldepflicht (Gruppe C) gemäss der Epidemiengesetzgebung. Texte du postulat du 18 septembre 1985 Le Conseil fédéral est prié d'examiner les mesures sui- vantes, destinées à compléter celles qui ont déjà été prises en matière de lutte contre le SIDA. En effet, il conviendrait:
  7. d'encourager les projets de recherche sur la lutte contre le SIDA et ses conséquences et de coordonner, à l'échelle nationale, les projets en cours d'exécution dans les univer- sités et dans l'industrie.
  8. de lancer un programme national de recherche.
  9. d'inclure le SIDA dans le groupe C des maladies transmis- sibles de l'homme soumises à une déclaration obligatoire, conformément à la loi sur les épidémies. Mitunterzeichner - Cosignataires: Ammann-St. Gallen, Bäumlin, Bratschi, Chopard, Clivaz, Eggli-Winterthur, Fank- hauser, Hubacher, Lanz, Leuenberger-Solothurn, Leuenber-
  10. März 1987 N 477 Aids. Persönliche Vorstösse ger Moritz, Mauch, Renschier, Robert, Rohrer, Rubi, Ruch- Zuchwil, Stamm Walter, Wagner, Weber-Arbon (20) Schriftliche Begründung - Développement par écrit
  11. Unser Land verfügt über ein beachtliches Forschungs- potential, das in Anbetracht der weiteren Verbreitung von Aids und der damit verbundenen Beeinträchtigung der Volksgesundheit möglichst koordiniert eingesetzt werden sollte. Die Förderung und Koordination der laufenden For- schungsprojekte müsste nötigenfalls in Ergänzung der bereits vorhandenen Instrumente der Forschungsförderung erfolgen.
  12. Wie Zeitungsmeldungen entnommen werden kann, ist zweifelhaft, ob die chemische Industrie die Marktaussichten als genügend beurteilt, um grössere spezielle Forschungs- projekte zur Bekämpfung von Aids betriebswirtschaftlich zu rechtfertigen. In Anbetracht der möglichen erheblichen Gefährdung der Volksgesundheit durch Aids und der damit verbundenen sozialen Probleme rechtfertigt sich deshalb die Auslösung eines besonderen nationalen Forschungsprogramms. Hier- fürwären mindestens 10 Millionen Franken aus öffentlichen Mitteln einzusetzen.
  13. Wenn es auch zurzeit noch vertretbare Gründe gibt, test- positive Personen nicht gemäss den Bestimmungen der Verordnung über die Meldung übertragbarer Krankheiten namentlich zu erfassen, sollte doch unverzüglich das gegen- wärtig auf völlig freiwilliger Basis abgewickelte Meldewesen verbessert werden durch ein ebenfalls in der obenerwähn- ten Verordnung (Art. 3) vorgesehenes Meldeverfahren gemäss Gruppe C. Dies ermöglichte ohne Namenserfassung die Ermittlung der Zahl der Fälle (testpositive oder erkrankte Personen) nach Ortschaften, der getroffenen oder vorge- schlagenen Massnahmen sowie gegebenenfalls der Anstek- kungsquelle. Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 19. Februar 1986 Rapport écrit du Conseil fédéral du 19 février 1986 Der Bundesrat hat in seinem Beschluss vom 11. September 1985 für Aufklärung und Förderung der Prävention der Immunschwächekrankheit Aids aufgrund des Epidemienge- setzes finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt. Dies aus der Kenntnis heraus, dass, solange Impfstoffe oder Medika- mente zur Behandlung der Krankheit fehlen, der Prävention erste Priorität zukommt. Die seit mehr als zwei Jahren beste- hende Fachkommission für Aids-Fragen im Bundesamt für Gesundheitswesen vermittelt die Information zu laufenden klinischen Forschungsprojekten der Universitäten und unterhält wissenschaftliche Kontakte zu ausländischen For- schungszentren, insbesondere auch durch das nationale Referenzlabor am Institut für Virologie und Immunologie der Universität Zürich. Ferner sind mehrere Forschungsprojekte beim Nationalfonds eingegangen. Obschon die Schweiz über hochqualifizierte Molekularbio- logen verfügt, kann nicht in kurzer Zeit ein nationales For- schungsprogramm in diesem Bereich Operationen werden. Viel wichtiger ist der internationale Erfahrungsaustausch, um Doppelspurigkeiten in der Forschung und Entwicklung zu vermeiden. Sowohl Frankreich als auch die Vereinigten Staaten von Amerika haben in der Grundlagenforschung über Aids einen mehrjährigen Vorsprung, der auch bei grösster finanzieller Unterstützung von der Schweiz nicht mehr aufgeholt werden kann. Es ist wenig sinnvoll. Aids unter die Meldepflicht, Gruppe C, gemäss der Epidemiengesetzgebung zu stellen, denn die Gruppe C entspricht einer Sammelmeldung, anhand derer es nicht möglich ist, Zusatzinformationen zu den einzelnen Fällen zu erhalten. Heute schon werden Aids-Patienten auf freiwilliger Basis durch die behandelnden Aerzte dem BAG auf speziellen Formularen und absolut anonym gemeldet. Vorgesehen ist in der neuen Verordnung über das Meldewe- sen auch Aids ab 1986 in die Liste der meldepflichtigen Krankheiten einzureihen unter Beachtung der Anonymität des Erkrankten. Schriftliche Erklärung des Bundesrates Déclaration écrite du Conseil fédéral Der Bundesrat beantragt, das Postulat abzulehnen. #ST# 86.321 Interpellation Stamm Judith Aids. Intensivierung der Präventivmassnahmen SIDA. Renforcement des mesures prophylactiques Siehe Jahrgang 1986, Seite 1507 - Voir année 1986, page 1507 Diskussion - Discussion 86.195 Motion Günter Bekämpfung von Aids. Dringlicher Bundesbeschluss Lutte contre le SIDA. Arrêté fédéral urgent Wortlaut der Motion vom 18. Dezember 1986 Der Bundesrat wird ersucht, dem Parlament einen dringli- chen Bundesbeschluss über die Bekämpfung von Aids zu unterbreiten. Dieser Beschluss soll folgende Punkte sinngemäss enthalten:
  14. Die Schaffung eines Fonds (oder Stiftung), aus dem die Bekämpfung von Aids und damit zusammenhängender Erkrankungen und Folgen finanziert werden kann. Der Fonds soll jährlich aus der Bundeskasse geäufnet werden. Er kann durch private Spenden ergänzt werden. Der Fonds soll dem Bundesrat ermöglichen, rasch und unkompliziert alle Massnahmen treffen zu können, welche Erfolg verspre- chen.
  15. Die Möglichkeit zur Anordnung bzw. Unterstützung allge- meiner Vorbeugungsmassnahmen, um die Verbreitung der Krankheit zu bekämpfen durch: - Informationskampagnen über möglichst sicheres Sexual- verhalten und über die möglichen Infektionswege; -Schaffen von Informationsblättern für spezielle Bevölke- rungsgruppen (z. B. Heime, Anstalten); -Sicherstellen, dass Präservative jedermann zugänglich sind; - Förderung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen; -weitere Massnahmen, welche Erfolg versprechen.
  16. Spezielle Vorbeugungsmassnahmen bei Risikogruppen in Zusammenarbeit mit den Kantonen, z. B: - Obligatorische Abgabe von sterilem Spritzmaterial an Dro- gensüchtige; -Abgabe von Drogen (oder Ersatzdrogen) an infizierte dro- gensüchtige Prostituierte.
  17. Mit Hilfe des Fonds soll die Forschung auf dem Gebiete der Immunisierung der noch nicht Betroffenen, aber auch der Behandlung der Erkankten und Infizierten sowie Präven- tion und Aufklärung verstärkt werden, insbesondere soll damit: - die Grundlagenforschung angeregt und gefördert werden; Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali Postulat Meyer-Bern Bekämpfung von Aids Postulat Meyer-Berne Lutte contre le SIDA In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale Jahr 1987 Année Anno Band I Volume Volume Session Frühjahrssession Session Session de printemps Sessione Sessione primaverile Rat Nationalrat Conseil Conseil national Consiglio Consiglio nazionale Sitzung 17 Séance Seduta Geschäftsnummer 85.552 Numéro d'objet Numero dell'oggetto Datum 20.03.1987 - 08:00 Date Data Seite 476-477 Page Pagina Ref. No 20 015 221 Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung. Ce document a été numérisé par le Service du Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale. Questo documento è stato digitalizzato dal Servizio del Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale.
Volltext (verifizierbarer Originaltext)

SIDA. Interventions personnelles 476 N 20 mars 1987 #ST# Siebzehnte Sitzung - Dix-septième séance Freitag, 20. März 1987, Vormittag Vendredi 20 mars 1987, matin 8.00h Vorsitz - Présidence: M. Cevey 87.306 Dringliche Interpellation Ruckstuhl Ungenügende Präventions-Kampagne gegen Aids Interpellation urgente Ruckstuhl Lutte contre le SIDA. Campagne de prévention Wortlaut der Interpellation vom 2. März 1987 Die Infektionskrankheit Aids verbreitet sich mit erschrecken- der Geschwindigkeit. Die Zahl der durch den Aids-Virus infizierten oder akut erkrankten Personen nimmt erheblich zu. Medikamente gegen Aids oder auch Impfstoffe konnten trotz intensiver Forschung bis heute keine entwickelt wer- den. Unsere Möglichkeiten beschränken sich momentan auf Prävention und Hilfeleistung für die Betroffenen. Die Aids- Hilfe Schweiz und das Bundesamt für Gesundheitswesen starteten daher eine breit angelegte Präventions-Kampagne. Die Kampagne versucht, Aids mittels Aufklärung und techni- schen Präventivmassnahmen (namentlich Präservative, sau- bere Spritzen für Drogenabhängige) zu bekämpfen. Diese vorgeschlagenen Massnahmen sind zur Verhinderung einer weiteren, unkontrollierbaren Verbreitung von Aids geeignet und zu unterstützen. In gleichem Masse wäre es aber auch Sache des Staates - ohne in die Rolle eines Moralapostels zu treten -, auf ein verantwortbares, monogames Sexualver- halten aufmerksam zu machen. Dies umso mehr, als jede Gesellschaft auf einem Minimum an Werten aufbaut. Ich bitte daher den Bundesrat um die Beantwortung folgen- der Fragen:

1. Teilt der Bundesrat die Ansicht, dass eine derart grossan- gelegte und informierende Kampagne zusätzlich1 auch die Aufgabe hätte, neben technischen Vorbeugemassnahmen ebenso auf die präventive Wirkung eines monogamen Sexu- alverhaltens hinzuweisen?

2. Nach neuesten Studien bestehtauch bei der Verwendung von Kondomen noch ein erhebliches Restrisiko. Ist der Bundesrat gewillt, die angelaufene Kampagne in diesem Sinne zu ergänzen und über die Kondomempfeh- lung hinaus auf eine langfristig notwendige Aenderung im allgemeinen Sexualverhalten hinzuweisen?

3. Welche Massnahmen ergreift der Bundesrat, um die virus- infizierten und akut erkrankten Aids-Patienten zu beraten, zu betreuen und zu begleiten? Texte de l'interpellation du 2 mars 1987 Le SIDA se propage avec une rapidité alarmante et le nom- bre des personnes porteuses du virus, séropositives ou atteintes de la maladie, est en augmentation constante. Malgré des recherches intensives, ni médicament ni vaccin n'ont pu être mis au point à ce jour et nos possibilités se limitent actuellement à la prévention et à l'assistance des malades. C'est pourquoi l'Aide suisse contre le SIDA et l'Office fédéral de la santé publique ont lancé une vaste campagne de prévention dans le but de lutter contre le SIDA par le moyen de l'information et de mesures techniques de prophylaxie (notamment l'utilisation de préservatifs et l'em- ploi de seringues stériles par les drogués). Ces dispositions destinées à mettre un frein à la propagation débridée du SIDA sont efficaces et doivent être soutenues. Cependant, il incomberait également à l'Etat de souligner l'importance de la sexualité monogamique, sans pour autant tomber dans le moralisme. En effet, toute société ne repose-t-elle pas sur un minimum de valeurs? Je prie donc le Conseil fédéral de répondre aux questions suivantes:

1. Le Conseil fédéral est-il d'avis qu'une campagne d'infor- mation aussi vaste devrait non seulement encourager l'ap- plication de mesures techniques de prévention, mais égale- ment souligner l'effet prophylactique de la sexualité mono- gamique?

2. Selon des études récentes, l'utilisation du préservatif est loin de supprimer tout risque de contagion. Le Conseil fédéral est-il disposé à mentionner ce risque dans le cadre de sa campagne et, au delà de l'exhortation à l'emploi de préservatifs, à mettre l'accent sur la nécessité, à long terme, de modifier les comportements en matière de sexualité?

3. Quelles sont les mesures prises par le Conseil fédéral pour conseiller et assister les personnes porteuses du virus du SIDA, séropositives ou atteintes de la maladie? Mitunterzeichner- Cosignataires: Blunschy, Bürer-Walen- stadt, Camenzind, Cantieni, de Chastonay, Cotti, Darbellay, Dirren, Geissbühler, Hess, Hofmann, Humbel, Kühne, Lan- doli, Müller-Scharnachtal, Nussbaumer, Oester, Ogi, Reich- ling, Risi-Schwyz, Rutishauser, Rüttimann, Schärli, Schmid- halter, Schnider-Luzern, Seiler, Stamm Judith, Uhlmann, Weber Leo, Wick, Ziegler, Zwygart (32) #ST# 85.552 Postulat Meyer-Bern Bekämpfung von Aids Postulat Meyer-Berne Lutte contre le SIDA Wortlaut des Postulates vom 18. September 1985 Der Bundesrat wird beauftragt, in Ergänzung der bereits getroffenen Massnahmen zur Bekämpfung von Aids fol- gende weitere Massnahmen zu prüfen:

1. Förderung und gesamtschweizerische Koordination der laufenden Forschungsprojekte der Universitäten und der Industrie zur Bekämpfung von Aids und seinen Folgen.

2. Durchführung eines nationalen Forschungsprogramms.

3. Unterstellung von Aids unter die Meldepflicht (Gruppe C) gemäss der Epidemiengesetzgebung. Texte du postulat du 18 septembre 1985 Le Conseil fédéral est prié d'examiner les mesures sui- vantes, destinées à compléter celles qui ont déjà été prises en matière de lutte contre le SIDA. En effet, il conviendrait:

1. d'encourager les projets de recherche sur la lutte contre le SIDA et ses conséquences et de coordonner, à l'échelle nationale, les projets en cours d'exécution dans les univer- sités et dans l'industrie.

2. de lancer un programme national de recherche.

3. d'inclure le SIDA dans le groupe C des maladies transmis- sibles de l'homme soumises à une déclaration obligatoire, conformément à la loi sur les épidémies. Mitunterzeichner - Cosignataires: Ammann-St. Gallen, Bäumlin, Bratschi, Chopard, Clivaz, Eggli-Winterthur, Fank- hauser, Hubacher, Lanz, Leuenberger-Solothurn, Leuenber-

20. März 1987 N 477 Aids. Persönliche Vorstösse ger Moritz, Mauch, Renschier, Robert, Rohrer, Rubi, Ruch- Zuchwil, Stamm Walter, Wagner, Weber-Arbon (20) Schriftliche Begründung - Développement par écrit

1. Unser Land verfügt über ein beachtliches Forschungs- potential, das in Anbetracht der weiteren Verbreitung von Aids und der damit verbundenen Beeinträchtigung der Volksgesundheit möglichst koordiniert eingesetzt werden sollte. Die Förderung und Koordination der laufenden For- schungsprojekte müsste nötigenfalls in Ergänzung der bereits vorhandenen Instrumente der Forschungsförderung erfolgen.

2. Wie Zeitungsmeldungen entnommen werden kann, ist zweifelhaft, ob die chemische Industrie die Marktaussichten als genügend beurteilt, um grössere spezielle Forschungs- projekte zur Bekämpfung von Aids betriebswirtschaftlich zu rechtfertigen. In Anbetracht der möglichen erheblichen Gefährdung der Volksgesundheit durch Aids und der damit verbundenen sozialen Probleme rechtfertigt sich deshalb die Auslösung eines besonderen nationalen Forschungsprogramms. Hier- fürwären mindestens 10 Millionen Franken aus öffentlichen Mitteln einzusetzen.

3. Wenn es auch zurzeit noch vertretbare Gründe gibt, test- positive Personen nicht gemäss den Bestimmungen der Verordnung über die Meldung übertragbarer Krankheiten namentlich zu erfassen, sollte doch unverzüglich das gegen- wärtig auf völlig freiwilliger Basis abgewickelte Meldewesen verbessert werden durch ein ebenfalls in der obenerwähn- ten Verordnung (Art. 3) vorgesehenes Meldeverfahren gemäss Gruppe C. Dies ermöglichte ohne Namenserfassung die Ermittlung der Zahl der Fälle (testpositive oder erkrankte Personen) nach Ortschaften, der getroffenen oder vorge- schlagenen Massnahmen sowie gegebenenfalls der Anstek- kungsquelle. Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 19. Februar 1986 Rapport écrit du Conseil fédéral du 19 février 1986 Der Bundesrat hat in seinem Beschluss vom 11. September 1985 für Aufklärung und Förderung der Prävention der Immunschwächekrankheit Aids aufgrund des Epidemienge- setzes finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt. Dies aus der Kenntnis heraus, dass, solange Impfstoffe oder Medika- mente zur Behandlung der Krankheit fehlen, der Prävention erste Priorität zukommt. Die seit mehr als zwei Jahren beste- hende Fachkommission für Aids-Fragen im Bundesamt für Gesundheitswesen vermittelt die Information zu laufenden klinischen Forschungsprojekten der Universitäten und unterhält wissenschaftliche Kontakte zu ausländischen For- schungszentren, insbesondere auch durch das nationale Referenzlabor am Institut für Virologie und Immunologie der Universität Zürich. Ferner sind mehrere Forschungsprojekte beim Nationalfonds eingegangen. Obschon die Schweiz über hochqualifizierte Molekularbio- logen verfügt, kann nicht in kurzer Zeit ein nationales For- schungsprogramm in diesem Bereich Operationen werden. Viel wichtiger ist der internationale Erfahrungsaustausch, um Doppelspurigkeiten in der Forschung und Entwicklung zu vermeiden. Sowohl Frankreich als auch die Vereinigten Staaten von Amerika haben in der Grundlagenforschung über Aids einen mehrjährigen Vorsprung, der auch bei grösster finanzieller Unterstützung von der Schweiz nicht mehr aufgeholt werden kann. Es ist wenig sinnvoll. Aids unter die Meldepflicht, Gruppe C, gemäss der Epidemiengesetzgebung zu stellen, denn die Gruppe C entspricht einer Sammelmeldung, anhand derer es nicht möglich ist, Zusatzinformationen zu den einzelnen Fällen zu erhalten. Heute schon werden Aids-Patienten auf freiwilliger Basis durch die behandelnden Aerzte dem BAG auf speziellen Formularen und absolut anonym gemeldet. Vorgesehen ist in der neuen Verordnung über das Meldewe- sen auch Aids ab 1986 in die Liste der meldepflichtigen Krankheiten einzureihen unter Beachtung der Anonymität des Erkrankten. Schriftliche Erklärung des Bundesrates Déclaration écrite du Conseil fédéral Der Bundesrat beantragt, das Postulat abzulehnen. #ST# 86.321 Interpellation Stamm Judith Aids. Intensivierung der Präventivmassnahmen SIDA. Renforcement des mesures prophylactiques Siehe Jahrgang 1986, Seite 1507 - Voir année 1986, page 1507 Diskussion - Discussion 86.195 Motion Günter Bekämpfung von Aids. Dringlicher Bundesbeschluss Lutte contre le SIDA. Arrêté fédéral urgent Wortlaut der Motion vom 18. Dezember 1986 Der Bundesrat wird ersucht, dem Parlament einen dringli- chen Bundesbeschluss über die Bekämpfung von Aids zu unterbreiten. Dieser Beschluss soll folgende Punkte sinngemäss enthalten:

1. Die Schaffung eines Fonds (oder Stiftung), aus dem die Bekämpfung von Aids und damit zusammenhängender Erkrankungen und Folgen finanziert werden kann. Der Fonds soll jährlich aus der Bundeskasse geäufnet werden. Er kann durch private Spenden ergänzt werden. Der Fonds soll dem Bundesrat ermöglichen, rasch und unkompliziert alle Massnahmen treffen zu können, welche Erfolg verspre- chen.

2. Die Möglichkeit zur Anordnung bzw. Unterstützung allge- meiner Vorbeugungsmassnahmen, um die Verbreitung der Krankheit zu bekämpfen durch:

- Informationskampagnen über möglichst sicheres Sexual- verhalten und über die möglichen Infektionswege; -Schaffen von Informationsblättern für spezielle Bevölke- rungsgruppen (z. B. Heime, Anstalten); -Sicherstellen, dass Präservative jedermann zugänglich sind;

- Förderung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen; -weitere Massnahmen, welche Erfolg versprechen.

3. Spezielle Vorbeugungsmassnahmen bei Risikogruppen in Zusammenarbeit mit den Kantonen, z. B:

- Obligatorische Abgabe von sterilem Spritzmaterial an Dro- gensüchtige; -Abgabe von Drogen (oder Ersatzdrogen) an infizierte dro- gensüchtige Prostituierte.

4. Mit Hilfe des Fonds soll die Forschung auf dem Gebiete der Immunisierung der noch nicht Betroffenen, aber auch der Behandlung der Erkankten und Infizierten sowie Präven- tion und Aufklärung verstärkt werden, insbesondere soll damit: - die Grundlagenforschung angeregt und gefördert werden;

Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali Postulat Meyer-Bern Bekämpfung von Aids Postulat Meyer-Berne Lutte contre le SIDA In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale Jahr 1987 Année Anno Band I Volume Volume Session Frühjahrssession Session Session de printemps Sessione Sessione primaverile Rat Nationalrat Conseil Conseil national Consiglio Consiglio nazionale Sitzung 17 Séance Seduta Geschäftsnummer 85.552 Numéro d'objet Numero dell'oggetto Datum 20.03.1987 - 08:00 Date Data Seite 476-477 Page Pagina Ref. No 20 015 221 Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung. Ce document a été numérisé par le Service du Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale. Questo documento è stato digitalizzato dal Servizio del Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale.