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TPF 2011 163

Bundesstrafgericht · 2011-01-01 · Deutsch CH

Verwaltungsstrafrecht; Beschwerdeverfahren; Fristen.

Volltext (verifizierbarer Originaltext)

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bezüglich kein aktuelles Rechtsschutzinteresse mehr angenommen werden. Überdies sieht Art. 147 Abs. 3 StPO vor, dass die Parteien oder ihr Rechtsbeistand die Wiederholung der Beweiserhebung verlangen können, wenn der Rechtsbeistand oder die Partei ohne Rechtsbeistand aus zwingenden Gründen an der Teilnahme verhindert waren. Folglich hätte der Beschwerdeführer bei der Beschwerdegegnerin zuerst eine Wiederholung der Einvernahme beantragen sollen; gegen einen allfälligen Ablehnungsentscheid hätte ihm dann der Weg an die I. Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts offen gestanden. Daraus ergibt sich, dass der Beschwerdeführer zurzeit nicht beschwert ist, steht ihm doch die Möglichkeit offen, die Wiederholung der Einvernahme bei der Bundesanwaltschaft zu beantragen. Bezüglich des Antrags des Beschwerdeführers, die am 10. Mai 2011 durchgeführte Einvernahme von B. sei zu annullieren und das entsprechende Protokoll aus den Akten zu weisen (Antrag Ziffer 3) gilt es festzuhalten, dass der Beschwerdeführer diesen Antrag bei der Verfahrensleitung hätte stellen müssen und erst gegen einen allfälligen Abweisungsentscheid an die I. Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts hätte gelangen können, weswegen es auch hinsichtlich des Antrags Ziffer 3 an der Beschwer des Beschwerdeführers mangelt. Auf die Beschwerdeanträge Ziffer 1 und Ziffer 3 kann demnach nicht eingetreten werden.

Auf die im Übrigen form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist nach dem Gesagten, mit Ausnahme von Antrag Ziffer 1 und 3 (Teilnahmerecht), einzutreten.

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37. Auszug aus dem Beschluss der I. Beschwerdekammer in Sachen A. gegen Eidgenössisches Finanzdepartement vom 16. März 2011 (BV.2011.2)

Verwaltungsstrafrecht; Beschwerdeverfahren; Fristen.

Art. 31 Abs. 2 VStrR

Das Beschwerdeverfahren vor der I. Beschwerdekammer im Bereich des Verwaltungsstrafrechts ist ein gerichtliches Verfahren im Sinne von Art. 31 Abs. 2 VStrR; die Fristen bestimmen sich daher nach den Regeln der StPO (E. 1.3).

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Droit pénal administratif; procédure de recours; délais.

Art. 31 al. 2 DPA

La procédure de recours devant la Ire Cour des plaintes en matière de droit pénal administratif est une procédure judiciaire au sens de l'art. 31 al. 2 DPA; en conséquence, les délais se déterminent selon les règles du CPP (consid. 1.3).

Diritto penale amministrativa; procedura di ricorso; termini.

Art. 31 cpv. 2 DPA

La procedura di ricorso davanti alla Corte dei reclami penali nell’ambito del diritto penale amministrativo è una procedura giudiziaria ai sensi dell’art. 31 cpv. 2 DPA; i termini sono pertanto disciplinati dalle norme del CPP (consid. 1.3).

Zusammenfassung des Sachverhalts:

Im Rahmen eines gegen A. und dessen Sohn laufenden Verwaltungsstrafverfahrens führte das Eidgenössische Finanzdepartement am 25. Januar 2011 am Domizil von A. eine Hausdurchsuchung durch und beschlagnahmte verschiedene Gegenstände und Vermögenswerte. Mit Schreiben vom 30. Januar 2011, welches A. am 31. Januar 2011 der Post übergab, erhob dieser gegen die Hausdurchsuchung und gegen die Beschlagnahme Beschwerde.

Die I. Beschwerdekammer trat auf die Beschwerde nicht ein.

Aus den Erwägungen:

1.3 Art. 31 Abs. 1 VStrR, welcher sich systematisch innerhalb der allgemeinen Verfahrensbestimmungen des Verwaltungsstrafrechts befindet, erklärt für die Berechnung der Fristen, die Fristverlängerung und die Wiederherstellung gegen die Folgen der Fristversäumnis die Art. 20-24 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (Verwaltungsverfahrensgesetz, VwVG; SR 172.021) für sinngemäss anwendbar. Andererseits richten sich laut Art. 31 Abs. 2 VStrR die Fristen im gerichtlichen Verfahren nach der StPO. Das Beschwerdeverfahren vor der I. Beschwerdekammer ist als ein solches gerichtliches Verfahren zu betrachten (vgl. zu Art. 31 Abs. 2 VStrR in seiner bis 31. Dezember 2010 gültigen Fassung TPF 2008 167 E. 1.3.2 sowie u.a. den Entscheid des Bundesstrafge-

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richts BV.2008.14 vom 30. Januar 2009, E. 1.3, und zur analogen Situation der Anklagekammer des Bundesgerichts als früher zuständige Beschwerdeinstanz HAURI, Verwaltungsstrafrecht, Bern 1998, S. 89 mit Hinweis auf BGE 107 IV 72 E. 2 S. 74).

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38. Extrait de la décision de la Ire Cour des plaintes dans la cause A., B., C. SA contre Administration fédérale des contributions du 27 septembre 2011 (BV.2010.61)

Séquestre; mesures spéciales d’enquête.

Art. 46 DPA, art. 169, 190 ss LIFD

Dans le cadre d’une procédure au sens des art. 190 ss LIFD, l’AFC ne recourt pas à la demande de sûreté puisqu’il s’agit d’une mesure qui n’est pas prévue par les articles 19 à 50 DPA. Seules les administrations fiscales cantonales sont compétentes pour ordonner ce type de mesures. De la même manière, les autorités administratives fiscales cantonales ne peuvent pas ordonner des saisies telles celles prévues par l’art. 46 DPA car elles ne sont pas habilitées à le faire (consid. 3.3).

La LIFD ne contient aucune disposition permettant de conclure que lorsque des mesures de sûretés sont ordonnées par les autorités cantonales, la saisie de l’art. 46 DPA doit être automatiquement révoquée. Par ailleurs, rien n’empêche la coexistence des deux différents types de mesures concernées, même après que l’AFC a terminé son enquête et même si elles portent sur les mêmes valeurs (consid. 4.1).

Une fois les procédures cantonales terminées, il appartient à l’AFC, et non au juge du fond cantonal, de se prononcer sur le sort final des séquestres prononcés en application du DPA (consid. 4.3.2).

Beschlagnahme; besondere Untersuchungsmassnahmen.

Art. 46 VStrR, Art. 169, 190 ff DBG

Im Rahmen eines Verfahrens im Sinne der Art. 190 ff DBG verlangt die EStV keine Sicherheitsleistung, da dies eine Massnahme ist, welche durch die Art. 19 bis 50 VStrR nicht vorgesehen ist. Solche Massnahmen können nur von den kantonalen Steuerverwaltungsbehörden angeordnet werden. Gleichenfalls können die kantonalen Steuververwaltungsbehörden keine Beschlagnahmungen im Sinne des Art. 46 VStrR anordnen, da sie dazu nicht ermächtigt sind (E. 3.3).