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DGV.2023.4

Revisionsgesuch

Basel-Stadt · 2023-11-16 · Deutsch BS
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Erwägungen (5 Absätze)

E. 1 1.1Die Revision von rechtskräftigen Urteilen des Verwaltungsgerichts wird im Verwaltungsrechtspflegegesetz (VRPG, SG 270.100) nicht geregelt. Gemäss der seit dem 1. Juli 2016 geltenden Fassung von § 21 Abs. 1 VRPG gelten für die Verhandlung und das Verfahren vor dem Verwaltungsgericht ergänzend die Vorschriften des Gerichtsorganisationsgesetzes (GOG, SG 154.100) sowie die Bestimmungen des Verwaltungsverfahrensgesetzes (VwVG, SR 172.021), soweit deren Anwendung auf die im VRPG vorgesehenen Rekurse und Beschwerden möglich ist und dieses Gesetz nichts anderes bestimmt. § 92 Abs. 1 Ziff. 3 GOG bestimmt zwar, dass für Revisionsgesuche betreffend Urteile eines Dreiergerichts des Appellationsgerichts ein Dreiergericht des Appellationsgerichts zuständig ist. Bestimmungen zu den Voraussetzungen und zum Verfahren der Revision enthält das GOG aber nicht. Hingegen ist die Revision ausführlich in Art. 66–68 VwVG geregelt. Diese Bestimmungen wurden bereits bisher zur Konkretisierung des aus Art. 29 Abs. 1 und 2 der Bundesverfassung (BV, SR 101) abgeleiteten Anspruchs auf Revision herangezogen (VGE DG.2014.23 vom 20. Januar 2015 E. 1 und DG.2014.27 vom 8. Dezember 2014 E. 1.2.1). Die Revisionsgründe bestimmen sich damit nach Art. 66 VwVG (VGE DG.2018.35 vom 15. Oktober 2018 E. 1.1, DG.2017.37 vom 22. März 2018 E. 1.3.1 und DG.2017.47 vom 8. März 2018 E. 1.1.1). Zuständig zur Behandlung eines Revisionsgesuchs ist die Rechtsmittelinstanz, die sich zuletzt im fraglichen Punkt mit der Sache befasst hat (vgl.Kölz/ Häner/Bertschi, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Auflage, Zürich 2013, N 1324).

1.2Abgesehen von im vorliegenden Fall von vornherein nicht einschlägigen Gründen, zieht das Verwaltungsgericht sein Urteil in sinngemässer Anwendung von Art. 66 Abs. 2 lit. a VwVG in Revision, wenn die Partei neue erhebliche Tatsachen oder Beweismittel vorbringt (VGE DG.2018.35 vom 15. Oktober 2018 E. 1.2, DG.2017.37 vom 22. März 2018 E. 1.3.2 und DG.2017.47 vom 8. März 2018 E. 1.1.2). Als neue Tatsachen kommen nur solche in Betracht, die im Zeitpunkt des Urteils bereits vorhanden gewesen sind (VGE DG.2018.35 vom 15. Oktober 2018 E. 1.2, DG.2017.37 vom 22. März 2018 E. 1.3.2 und DG.2017.47 vom 8. März 2018 E. 1.1.2; vgl.Kölz/Häner/ Bertschi, a.a.O., N 1332;Kiener/Rütsche/Kuhn, Öffentliches Verfahrensrecht, 3. Auflage, Zürich 2021, N 1992 f.;Mächler, in: Auer et al. [Hrsg.], Kommentar zum VwVG, 2. Auflage, Zürich 2019, Art. 66 N 18 undScherrer Reber, in: Waldmann/ Krauskopf [Hrsg.], Praxiskommentar VwVG, 3. Auflage, Zürich 2023, Art. 66 N 25 f.). Eine Tatsache, die erst nach der Urteilsfällung eingetreten ist, stellt keinen Revisionsgrund dar (vgl.Kiener/Rütsche/Kuhn, a.a.O., N 1993;Kölz/Häner/Bertschi, a.a.O., N 1332;Mächler, a.a.O., Art. 66 N 18 undScherrer Reber, a.a.O., Art. 66 N 26). Eine solche Tatsache kann höchstens Gegenstand eines Wiedererwägungsgesuchs sein, für dessen Behandlung die erstinstanzlich verfügende Behörde zuständig ist (vgl.Kölz/ Häner/Bertschi, a.a.O., N 1332 undScherrer Reber, a.a.O., Art. 66 N 26). Die neuen Beweismittel müssen dem Beweis von Tatsachen dienen, die bereits im Urteilszeitpunkt bestanden haben (VGE DG.2018.35 vom 15. Oktober 2018 E. 1.2, DG.2017.37 vom 22. März 2018 E. 1.3.2 und DG.2017.47 vom 8. März 2018 E. 1.1.2; vgl.Kiener/Rütsche/Kuhn, a.a.O., N 1994;Kölz/Häner/ Bertschi, a.a.O., N 1333 undMächler, a.a.O., Art. 66 N 19). Sie müssen aber im Gegensatz zu den neuen Tatsachen nicht aus der Zeit vor der Urteilsfällung stammen (VGE DG.2018.35 vom

15. Oktober 2018 E. 1.2; vgl. VGE VD.2018.57 vom 19. Juli 2018 E. 4.2;Kiener/Rüt-sche/Kuhn, a.a.O., N 1994;Kölz/Häner/Bertschi, a.a.O., N 1333 undMächler, a.a.O., Art. 66 N 19). Mögliche Beweisgegenstände sind sowohl neue erhebliche Tatsachen als auch Tatsachen, die im früheren Verfahren bekannt gewesen, aber zum Nachteil des Gesuchstellers unbewiesen geblieben sind (VGE DG.2018.35 vom 15. Oktober 2018 E. 1.2; vgl. VGE VD.2018.57 vom 19. Juli 2018 E. 4.2;Kölz/Häner/ Bertschi, a.a.O., N 1333 undMächler, a.a.O., Art. 66 N 19). Neue Tatsachen und Beweismittel sind erheblich, wenn sie geeignet sind, zu einem für den Gesuchsteller günstigeren Entscheid zu führen (VGE DG.2018.35 vom

15. Oktober 2018 E. 1.2, DG.2017.37 vom 22. März 2018 E. 1.3.2 und DG.2017.47 vom 8. März 2018 E. 1.1.2; vgl.Kölz/Häner/Bertschi, a.a.O., N 1332 f.;Mächler, a.a.O., Art. 66 N 20 undMoser/ Beusch/Kneubühler/Kayser, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht,

3. Auflage, Basel 2022, N 5.51). Ein Beweismittel, das nicht geeignet ist, die behauptete Tatsache zu beweisen, ist nicht erheblich (vgl.Moser/Beusch/Kneubühler/ Kayser, a.a.O., N 5.51).

1.3Neue erhebliche Tatsachen oder Beweismittel gelten in sinngemässer Anwendung von Art. 66 Abs. 3 VwVG nur dann als Revisionsgründe, wenn die Partei sie im Rahmen des Verfahrens, das dem Urteil des Verwaltungsgerichts voranging, oder auf dem Wege einer Beschwerde, die ihr gegen das Urteil zustand, nicht geltend machen konnte. Diese Voraussetzung ist erfüllt, wenn die Tatsache oder das Beweismittel der Partei nicht bekannt war und bei Anwendung zumutbarer Sorgfalt nicht bekannt sein konnte, wenn es der Partei rechtlich oder tatsächlich nicht möglich war, die Tatsache oder das Beweismittel geltend zu machen, oder wenn objektiv keine Veranlassung zur Geltendmachung der Tatsache oder des Beweismittels bestand (VGE DG.2018.35 vom 15. Oktober 2018 E. 1.3, DG.2017.37 vom 22. März 2018 E. 1.3.2 und DG.2017.47 vom 8. März 2018 E. 1.1.2; vgl. BGE 127 I 133 E. 6 S. 137;Mächler, a.a.O., Art. 66 N 29 und 32;Scherrer Reber, a.a.O., Art. 66 N 44 undStamm, Die Verwaltungsgerichtsbarkeit, in: Buser [Hrsg.], Neues Handbuch des Staats- und Verwaltungsrechts des Kantons Basel-Stadt, Basel 2008, S. 477, 517). Wenn der Gesuchsteller glaubhaft macht, dass der Vollzug des ursprünglichen Entscheids gegen zwingendes Völkerrecht, insbesondere Art. 3 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (Europäische Menschenrechtskonvention [EMRK, SR 0.101]) verstossen würde, muss dieses Vorbringen im Rahmen des Revisionsverfahrens auch dann geprüft werden, wenn der Gesuchsteller die geltend gemachten Revisionsgründe bei Anwendung der ihm zumutbaren Sorgfalt bereits im dem Entscheid vorangegangenen Verfahren oder mit einem ordentlichen Rechtsmittel gegen den Entscheid hätte geltend machen können (VGE VD.2018.57 vom 19. Juli 2018 E. 4.4 mit Nachweisen).

1.4Auf ein Revisionsgesuch ist einzutreten, wenn der Gesuchsteller einen zulässigen Revisionsgrund geltend macht und auch die übrigen Sachurteilsvoraussetzungen erfüllt sind (VGE DG.2018.35 vom 15. Oktober 2018 E. 1.4; vgl.Kölz/Häner/ Bertschi, a.a.O., N 1346;Mächler, a.a.O., Art. 68 N 2 f. undScherrer/Reber, a.a.O., Art. 68 N 2). Macht der Gesuchsteller keinen zulässigen Revisionsgrund geltend, hätte er einen Grund im Sinn von Art. 66 Abs. 2 lit. a–c VwVG bereits in einem früheren Verfahren vorbringen können oder fehlt eine andere Sachurteilsvoraussetzung, so tritt das Verwaltungsgericht auf das Revisionsgesuch nicht ein (vgl.Kiener/ Rütsche/Kuhn, a.a.O., N 2007;Kölz/Häner/Bertschi, a.a.O., N 1342 und 1346;Mächler, a.a.O., Art. 66 N 33 und Art. 68 N 2 f. undScherrer Reber, a.a.O., Art. 66 N 44 und Art. 68 N 2). Wenn das Verwaltungsgericht auf das Revisionsgesuch eintritt, prüft es das Vorliegen des geltend gemachten Revisionsgrunds. Gegenstand dieser Prüfung ist insbesondere die Frage, ob die neuen Tatsachen und Beweismittel erheblich sind. Bejaht das Verwaltungsgericht den Revisionsgrund, so heisst es das Revisionsgesuch gut, hebt das angefochtene Urteil ganzoder teilweise auf und entscheidet in der Sache neu (VGE DG.2018.35 vom 15. Oktober 2018 E. 1.4; vgl.Kölz/Häner/ Bertschi, a.a.O., N 1346;Mächler, a.a.O., Art. 68 N 4 f. und 11 undScherrer Reber, a.a.O., Art. 68 N 3 f.). Wenn der geltend gemachte Revisionsgrund nicht vorliegt, weist das Verwaltungsgericht das Revisionsgesuch ab (vgl.Mächler, a.a.O., Art. 68 N 4 undScherrer Reber, a.a.O., Art. 68 N 3).

E. 2 2.2Der Gesuchsteller macht zwar geltend, er werde «durch völkerstaatsvertragswidrige Eingriffe/Einwirkungen in seiner Völkerrechtspersönlichkeit […] unhaltbar verletzt», macht aber keinen Sachverhalt glaubhaft, welcher den Vollzug der Verfügung des Bereichs BdM vom 8. April 2022 als Verstoss gegen zwingendes Völkerrecht erscheinen liesse. Damit gelten neue erhebliche Tatsachen oder Beweismittel im vorliegenden Fall in sinngemässer Anwendung von Art. 66 Abs. 3 VwVG nur dann als Revisionsgründe, wenn der Gesuchsteller sie nicht im Rahmen des Verfahrens, das der Verfügung des Bereichs BdM vom 8. April 2022 bzw. dem Urteil des Verwaltungsgerichts vom 6. März 2023 voranging, oder auf dem Wege eines Rekurses bzw. einer Beschwerde gegen die Verfügung des Bereichs BdM oder das Urteil des Verwaltungsgerichts geltend machen konnte.

E. 2.3 2.4Wie sich aus den vorstehenden Erwägungen ergibt, behauptet der Gesuchsteller mehrere neue Tatsachen, die erst nach dem Urteil des Verwaltungsgerichts vom

6. März 2023 eingetreten sind. Diese stellen keine Revisionsgründe dar. Sie können aber möglicherweise Gegenstand eines Wiedererwägungsgesuchs sein. Für die Behandlung eines solchen Gesuchs ist der Bereich BdM als erstinstanzlich verfügende Behörde zuständig (vgl. oben E. 1.2). Daher wird das Revisionsgesuch in sinngemässer Anwendung von Art. 8 Abs. 1 VwVG (vgl. dazuDaum/Bieri, in: Auer et al. [Hrsg.], VwVG Kommentar, 2. Auflage, Zürich 2019, Art. 8 N 3 und Art. 9 N 8;Kiener/Rütsche/ Kuhn, a.a.O., N 505 undMoser/Beusch/Kneubühler/Kayser, a.a.O., N 3.10) in Verbindung mit § 21 Abs. 1 VRPG an den Bereich BdM weitergeleitet zur Prüfung, ob es betreffend nach der Urteilsfällung eingetretene Tatsachen als Wiedererwägungsgesuch entgegenzunehmen ist. Diesbezüglich wird der Gesuchsteller daran erinnert, dass nur ausnahmsweise ein Anspruch auf Eintreten auf ein Wiedererwägungsgesuch besteht (vgl. VGE VD.2022.161 vom 6. März 2023 E.

E. 3 ://:        Das Revisionsgesuch vom 3. August 2023 wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird.

Das Revisionsgesuch vom 3. August 2023 wird an den Bereich Bevölkerungsdienste und Migration weitergeleitet zur Prüfung, ob es betreffend nach dem Urteil des Verwaltungsgerichts vom 6. März 2023 (VD.2022.161) eingetretene Tatsachen als Gesuch um Wiedererwägung der Verfügung des Bereichs Bevölkerungsdienste und Migration vom 8. April 2022 entgegenzunehmen ist.

Der Gesuchsteller trägt die Gerichtskosten des verwaltungsgerichtlichen Revisionsverfahrens mit einer Gebühr von CHF 800.–, einschliesslich Auslagen.

Mitteilung an:

Gegen diesen Entscheid kann unter den Voraussetzungen von Art. 82 ff. des Bundesgerichtsgesetzes (BGG) innert 30 Tagen seit schriftlicher EröffnungBeschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheitenerhoben werden. Die Beschwerdeschrift ist fristgerecht dem Bundesgericht (1000 Lausanne 14) einzureichen. Für die Anforderungen an deren Inhalt wird auf Art. 42 BGG verwiesen. Über die Zulässigkeit des Rechtsmittels entscheidet das Bundesgericht.

Volltext (verifizierbarer Originaltext)

Appellationsgericht

des Kantons Basel-Stadt

als Verwaltungsgericht

Dreiergericht

DGV.2023.4

URTEIL

vom 16. November 2023

Mitwirkende

Dr. Stephan Wullschleger, lic. iur. André Equey, Dr. Andreas Traub

und a.o. Gerichtsschreiberin MLaw Lilith Fluri

Beteiligte

A____Gesuchsteller

[...]

gegen

Bereich Bevölkerungsdienste und Migration

Migrationsamt

Spiegelgasse 12, 4001 Basel

Gegenstand

Revisionsgesuch

betreffend das Urteil des Verwaltungsgerichts

vom 6. März 2023 (VD.2022.161)

1.

1.1Die Revision von rechtskräftigen Urteilen des Verwaltungsgerichts wird im Verwaltungsrechtspflegegesetz (VRPG, SG 270.100) nicht geregelt. Gemäss der seit dem 1. Juli 2016 geltenden Fassung von § 21 Abs. 1 VRPG gelten für die Verhandlung und das Verfahren vor dem Verwaltungsgericht ergänzend die Vorschriften des Gerichtsorganisationsgesetzes (GOG, SG 154.100) sowie die Bestimmungen des Verwaltungsverfahrensgesetzes (VwVG, SR 172.021), soweit deren Anwendung auf die im VRPG vorgesehenen Rekurse und Beschwerden möglich ist und dieses Gesetz nichts anderes bestimmt. § 92 Abs. 1 Ziff. 3 GOG bestimmt zwar, dass für Revisionsgesuche betreffend Urteile eines Dreiergerichts des Appellationsgerichts ein Dreiergericht des Appellationsgerichts zuständig ist. Bestimmungen zu den Voraussetzungen und zum Verfahren der Revision enthält das GOG aber nicht. Hingegen ist die Revision ausführlich in Art. 66–68 VwVG geregelt. Diese Bestimmungen wurden bereits bisher zur Konkretisierung des aus Art. 29 Abs. 1 und 2 der Bundesverfassung (BV, SR 101) abgeleiteten Anspruchs auf Revision herangezogen (VGE DG.2014.23 vom 20. Januar 2015 E. 1 und DG.2014.27 vom 8. Dezember 2014 E. 1.2.1). Die Revisionsgründe bestimmen sich damit nach Art. 66 VwVG (VGE DG.2018.35 vom 15. Oktober 2018 E. 1.1, DG.2017.37 vom 22. März 2018 E. 1.3.1 und DG.2017.47 vom 8. März 2018 E. 1.1.1). Zuständig zur Behandlung eines Revisionsgesuchs ist die Rechtsmittelinstanz, die sich zuletzt im fraglichen Punkt mit der Sache befasst hat (vgl.Kölz/ Häner/Bertschi, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Auflage, Zürich 2013, N 1324).

1.2Abgesehen von im vorliegenden Fall von vornherein nicht einschlägigen Gründen, zieht das Verwaltungsgericht sein Urteil in sinngemässer Anwendung von Art. 66 Abs. 2 lit. a VwVG in Revision, wenn die Partei neue erhebliche Tatsachen oder Beweismittel vorbringt (VGE DG.2018.35 vom 15. Oktober 2018 E. 1.2, DG.2017.37 vom 22. März 2018 E. 1.3.2 und DG.2017.47 vom 8. März 2018 E. 1.1.2). Als neue Tatsachen kommen nur solche in Betracht, die im Zeitpunkt des Urteils bereits vorhanden gewesen sind (VGE DG.2018.35 vom 15. Oktober 2018 E. 1.2, DG.2017.37 vom 22. März 2018 E. 1.3.2 und DG.2017.47 vom 8. März 2018 E. 1.1.2; vgl.Kölz/Häner/ Bertschi, a.a.O., N 1332;Kiener/Rütsche/Kuhn, Öffentliches Verfahrensrecht, 3. Auflage, Zürich 2021, N 1992 f.;Mächler, in: Auer et al. [Hrsg.], Kommentar zum VwVG, 2. Auflage, Zürich 2019, Art. 66 N 18 undScherrer Reber, in: Waldmann/ Krauskopf [Hrsg.], Praxiskommentar VwVG, 3. Auflage, Zürich 2023, Art. 66 N 25 f.). Eine Tatsache, die erst nach der Urteilsfällung eingetreten ist, stellt keinen Revisionsgrund dar (vgl.Kiener/Rütsche/Kuhn, a.a.O., N 1993;Kölz/Häner/Bertschi, a.a.O., N 1332;Mächler, a.a.O., Art. 66 N 18 undScherrer Reber, a.a.O., Art. 66 N 26). Eine solche Tatsache kann höchstens Gegenstand eines Wiedererwägungsgesuchs sein, für dessen Behandlung die erstinstanzlich verfügende Behörde zuständig ist (vgl.Kölz/ Häner/Bertschi, a.a.O., N 1332 undScherrer Reber, a.a.O., Art. 66 N 26). Die neuen Beweismittel müssen dem Beweis von Tatsachen dienen, die bereits im Urteilszeitpunkt bestanden haben (VGE DG.2018.35 vom 15. Oktober 2018 E. 1.2, DG.2017.37 vom 22. März 2018 E. 1.3.2 und DG.2017.47 vom 8. März 2018 E. 1.1.2; vgl.Kiener/Rütsche/Kuhn, a.a.O., N 1994;Kölz/Häner/ Bertschi, a.a.O., N 1333 undMächler, a.a.O., Art. 66 N 19). Sie müssen aber im Gegensatz zu den neuen Tatsachen nicht aus der Zeit vor der Urteilsfällung stammen (VGE DG.2018.35 vom

15. Oktober 2018 E. 1.2; vgl. VGE VD.2018.57 vom 19. Juli 2018 E. 4.2;Kiener/Rüt-sche/Kuhn, a.a.O., N 1994;Kölz/Häner/Bertschi, a.a.O., N 1333 undMächler, a.a.O., Art. 66 N 19). Mögliche Beweisgegenstände sind sowohl neue erhebliche Tatsachen als auch Tatsachen, die im früheren Verfahren bekannt gewesen, aber zum Nachteil des Gesuchstellers unbewiesen geblieben sind (VGE DG.2018.35 vom 15. Oktober 2018 E. 1.2; vgl. VGE VD.2018.57 vom 19. Juli 2018 E. 4.2;Kölz/Häner/ Bertschi, a.a.O., N 1333 undMächler, a.a.O., Art. 66 N 19). Neue Tatsachen und Beweismittel sind erheblich, wenn sie geeignet sind, zu einem für den Gesuchsteller günstigeren Entscheid zu führen (VGE DG.2018.35 vom

15. Oktober 2018 E. 1.2, DG.2017.37 vom 22. März 2018 E. 1.3.2 und DG.2017.47 vom 8. März 2018 E. 1.1.2; vgl.Kölz/Häner/Bertschi, a.a.O., N 1332 f.;Mächler, a.a.O., Art. 66 N 20 undMoser/ Beusch/Kneubühler/Kayser, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht,

3. Auflage, Basel 2022, N 5.51). Ein Beweismittel, das nicht geeignet ist, die behauptete Tatsache zu beweisen, ist nicht erheblich (vgl.Moser/Beusch/Kneubühler/ Kayser, a.a.O., N 5.51).

1.3Neue erhebliche Tatsachen oder Beweismittel gelten in sinngemässer Anwendung von Art. 66 Abs. 3 VwVG nur dann als Revisionsgründe, wenn die Partei sie im Rahmen des Verfahrens, das dem Urteil des Verwaltungsgerichts voranging, oder auf dem Wege einer Beschwerde, die ihr gegen das Urteil zustand, nicht geltend machen konnte. Diese Voraussetzung ist erfüllt, wenn die Tatsache oder das Beweismittel der Partei nicht bekannt war und bei Anwendung zumutbarer Sorgfalt nicht bekannt sein konnte, wenn es der Partei rechtlich oder tatsächlich nicht möglich war, die Tatsache oder das Beweismittel geltend zu machen, oder wenn objektiv keine Veranlassung zur Geltendmachung der Tatsache oder des Beweismittels bestand (VGE DG.2018.35 vom 15. Oktober 2018 E. 1.3, DG.2017.37 vom 22. März 2018 E. 1.3.2 und DG.2017.47 vom 8. März 2018 E. 1.1.2; vgl. BGE 127 I 133 E. 6 S. 137;Mächler, a.a.O., Art. 66 N 29 und 32;Scherrer Reber, a.a.O., Art. 66 N 44 undStamm, Die Verwaltungsgerichtsbarkeit, in: Buser [Hrsg.], Neues Handbuch des Staats- und Verwaltungsrechts des Kantons Basel-Stadt, Basel 2008, S. 477, 517). Wenn der Gesuchsteller glaubhaft macht, dass der Vollzug des ursprünglichen Entscheids gegen zwingendes Völkerrecht, insbesondere Art. 3 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (Europäische Menschenrechtskonvention [EMRK, SR 0.101]) verstossen würde, muss dieses Vorbringen im Rahmen des Revisionsverfahrens auch dann geprüft werden, wenn der Gesuchsteller die geltend gemachten Revisionsgründe bei Anwendung der ihm zumutbaren Sorgfalt bereits im dem Entscheid vorangegangenen Verfahren oder mit einem ordentlichen Rechtsmittel gegen den Entscheid hätte geltend machen können (VGE VD.2018.57 vom 19. Juli 2018 E. 4.4 mit Nachweisen).

1.4Auf ein Revisionsgesuch ist einzutreten, wenn der Gesuchsteller einen zulässigen Revisionsgrund geltend macht und auch die übrigen Sachurteilsvoraussetzungen erfüllt sind (VGE DG.2018.35 vom 15. Oktober 2018 E. 1.4; vgl.Kölz/Häner/ Bertschi, a.a.O., N 1346;Mächler, a.a.O., Art. 68 N 2 f. undScherrer/Reber, a.a.O., Art. 68 N 2). Macht der Gesuchsteller keinen zulässigen Revisionsgrund geltend, hätte er einen Grund im Sinn von Art. 66 Abs. 2 lit. a–c VwVG bereits in einem früheren Verfahren vorbringen können oder fehlt eine andere Sachurteilsvoraussetzung, so tritt das Verwaltungsgericht auf das Revisionsgesuch nicht ein (vgl.Kiener/ Rütsche/Kuhn, a.a.O., N 2007;Kölz/Häner/Bertschi, a.a.O., N 1342 und 1346;Mächler, a.a.O., Art. 66 N 33 und Art. 68 N 2 f. undScherrer Reber, a.a.O., Art. 66 N 44 und Art. 68 N 2). Wenn das Verwaltungsgericht auf das Revisionsgesuch eintritt, prüft es das Vorliegen des geltend gemachten Revisionsgrunds. Gegenstand dieser Prüfung ist insbesondere die Frage, ob die neuen Tatsachen und Beweismittel erheblich sind. Bejaht das Verwaltungsgericht den Revisionsgrund, so heisst es das Revisionsgesuch gut, hebt das angefochtene Urteil ganzoder teilweise auf und entscheidet in der Sache neu (VGE DG.2018.35 vom 15. Oktober 2018 E. 1.4; vgl.Kölz/Häner/ Bertschi, a.a.O., N 1346;Mächler, a.a.O., Art. 68 N 4 f. und 11 undScherrer Reber, a.a.O., Art. 68 N 3 f.). Wenn der geltend gemachte Revisionsgrund nicht vorliegt, weist das Verwaltungsgericht das Revisionsgesuch ab (vgl.Mächler, a.a.O., Art. 68 N 4 undScherrer Reber, a.a.O., Art. 68 N 3).

2.

2.2Der Gesuchsteller macht zwar geltend, er werde «durch völkerstaatsvertragswidrige Eingriffe/Einwirkungen in seiner Völkerrechtspersönlichkeit […] unhaltbar verletzt», macht aber keinen Sachverhalt glaubhaft, welcher den Vollzug der Verfügung des Bereichs BdM vom 8. April 2022 als Verstoss gegen zwingendes Völkerrecht erscheinen liesse. Damit gelten neue erhebliche Tatsachen oder Beweismittel im vorliegenden Fall in sinngemässer Anwendung von Art. 66 Abs. 3 VwVG nur dann als Revisionsgründe, wenn der Gesuchsteller sie nicht im Rahmen des Verfahrens, das der Verfügung des Bereichs BdM vom 8. April 2022 bzw. dem Urteil des Verwaltungsgerichts vom 6. März 2023 voranging, oder auf dem Wege eines Rekurses bzw. einer Beschwerde gegen die Verfügung des Bereichs BdM oder das Urteil des Verwaltungsgerichts geltend machen konnte.

2.3

2.4Wie sich aus den vorstehenden Erwägungen ergibt, behauptet der Gesuchsteller mehrere neue Tatsachen, die erst nach dem Urteil des Verwaltungsgerichts vom

6. März 2023 eingetreten sind. Diese stellen keine Revisionsgründe dar. Sie können aber möglicherweise Gegenstand eines Wiedererwägungsgesuchs sein. Für die Behandlung eines solchen Gesuchs ist der Bereich BdM als erstinstanzlich verfügende Behörde zuständig (vgl. oben E. 1.2). Daher wird das Revisionsgesuch in sinngemässer Anwendung von Art. 8 Abs. 1 VwVG (vgl. dazuDaum/Bieri, in: Auer et al. [Hrsg.], VwVG Kommentar, 2. Auflage, Zürich 2019, Art. 8 N 3 und Art. 9 N 8;Kiener/Rütsche/ Kuhn, a.a.O., N 505 undMoser/Beusch/Kneubühler/Kayser, a.a.O., N 3.10) in Verbindung mit § 21 Abs. 1 VRPG an den Bereich BdM weitergeleitet zur Prüfung, ob es betreffend nach der Urteilsfällung eingetretene Tatsachen als Wiedererwägungsgesuch entgegenzunehmen ist. Diesbezüglich wird der Gesuchsteller daran erinnert, dass nur ausnahmsweise ein Anspruch auf Eintreten auf ein Wiedererwägungsgesuch besteht (vgl. VGE VD.2022.161 vom 6. März 2023 E. 2.3.2 f.).

3.

://:        Das Revisionsgesuch vom 3. August 2023 wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird.

Das Revisionsgesuch vom 3. August 2023 wird an den Bereich Bevölkerungsdienste und Migration weitergeleitet zur Prüfung, ob es betreffend nach dem Urteil des Verwaltungsgerichts vom 6. März 2023 (VD.2022.161) eingetretene Tatsachen als Gesuch um Wiedererwägung der Verfügung des Bereichs Bevölkerungsdienste und Migration vom 8. April 2022 entgegenzunehmen ist.

Der Gesuchsteller trägt die Gerichtskosten des verwaltungsgerichtlichen Revisionsverfahrens mit einer Gebühr von CHF 800.–, einschliesslich Auslagen.

Mitteilung an:

Gegen diesen Entscheid kann unter den Voraussetzungen von Art. 82 ff. des Bundesgerichtsgesetzes (BGG) innert 30 Tagen seit schriftlicher EröffnungBeschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheitenerhoben werden. Die Beschwerdeschrift ist fristgerecht dem Bundesgericht (1000 Lausanne 14) einzureichen. Für die Anforderungen an deren Inhalt wird auf Art. 42 BGG verwiesen. Über die Zulässigkeit des Rechtsmittels entscheidet das Bundesgericht.