Sachverhalt
Franz Müller, die Erben von Josef Renggli und
Alfred Ackermann waren Miteigentümer zu je 1/3 des
landwirtschaftlichen Heimwesens « Ober Blattegghüsli » in
Entlebuch. Auf Grund einer Vereinbarung der Miteigen-
tümer wurde diese Liegenschaft am 7. März 1953 öffentlich
versteigert. Dabei wurde sie zum Preise von Fr. 62,500.-
dem Miteigentümer Alfred Ackermann zugeschlagen.
Am 20. März 1953 wurde der Steigerungskauf der
Hypothekarkanzlei Entlebuch zur Eintragung gemeldet
und ins Tagebuch eingetragen. Der Gemeinderat Entlebuch
hatte am 14. März 1953 ein Verzeichnis der Personen
erstellt, « welche zufolge öffentlicher Versteigerung der
Liegenschaft Ober Blattegghüsli ... gemäss BG über die
Erhaltung des bäuerlichen Grundbesitzes vom 12. Juni
1951 (EGG) für diese Liegenschaft ein gesetzliches Vor-
kaufsrecht besitzen ». Das Verzeichnis führt 55 Personen
auf, nämlich 9 Verwandte des Franz Müller, 42 Verwandte
der Erben Renggli und 4 Verwandte des Alfred Ackermann.
Mit Zirkular vom 26. März 1953, das die überschrift
« Anzeige an die Vorkaufsberechtigten (Art. 13 Abs. 3
EGG)) trug, brachte die Hypothekarkanzlei diesen 55 Per-
sonen den Steigerungskauf und dessen Anmeldung zur
Kenntnis und eröffnete ihnen: « Falls Sie vom Vorkaufs-
recht Gebrauch machen wollen, haben Sie dies binnen
18
AS 79 I -
1953
274
Verwaltungs- und Disziplinarrecht.
Monatsfrist seit dieser Mitteilung gegenüber der unter-
zeichneten Amtsstelle zu erklären)). Innert nützlicher Frist
machten darauf zwei minderjährige Söhne des Franz
Müller, Julil1s und Rudolf Müller, in deren Namen Bei-
stände handelten, und drei weitere Personen das Vorkaufs-
recht nach Art. 6 EGG durch Eingaben an die Hypothekar-
kanzlei geltend.
B. -
Am 2. April 1953 führte Alfred Ackermann bei
der Justizkommission des Obergerichtes des Kantons
Luzern als der kantonalen Aufsichtsbehörde in Grundbuch-
sachen « gegen die Einleitung des Vorkaufsverfahrens nach
Art. 6 ff. EGG, insbesondere gegen die Anzeigen an die
Verwandten gemäss Art. 13 Abs. 3 EGG)) Beschwerde mit
den Anträgen, es sei festzustellen, dass in Bezug auf die
Versteigerung der Liegenschaft Ober Blattegghüsli die
Bestimmungen des EGG über das Vorkaufsrecht nicht zur
Anwendung kommen, und der Hypothekarschreiber sei
anzuweisen, das Verfahren einzustellen und die an die
Verwandten erlassenen Anzeigen zu widerrufen.
Die Justizkommission fand, es empfehle sich, die Frage
der Anwendung oder Nichtanwendung von Art. 6 ff. EGG
im Beschwerdeverfahren zu beantworten, weil es sich um
eine reine Rechtsfrage handle und die Beteiligten in diesem
Verfahren genügend zu "\Vort gekommen seien, sodass die
Durchführung des ordentlichen Prozessverfahrens « nur
eine Verzögerung und bedeutende Kosten zur Folge hätte)).
In der Sache selbst kam sie zum Schlusse, jene Bestim-
mungen seien im hier gegebenen Falle des Verkaufs einer
im Miteigentum stehenden Liegenschaft nicht anwendbar,
m.a.W. es bestehe in diesem Falle kein bäuerliches Vor-
kaufsrecht. Demgemäss hat sie mit Entscheid vom 17. Juli
1953 in Gutheissung der Beschwerde « das zur Feststellung
von Vorkaufsberechtigteneingeleitete Verfahren nach EGG
aufgehoben)) und den Hypothekarschreiber angewiesen,
« das in Frage stehende Kaufsgeschäft entsprechend zu
behandeln» (d.h. es einzutragen).
a. -
Gegen diesen Entscheid haben Julius und Rudolf
Registersachen. N0 50.
275
Müller beim Bundesgericht Verwaltungsgerichtsbeschwerde
eingereicht mit den Anträgen:
« 1) Der Entscheid des Obergerichtes des Kantons Luzern vom
17. Juli 1953 sei aufzuheben.
2) Es sei zu erkennen, dass Julius und Rudolf Müller ein Vor-
kaufsrecht nach Art. 6 EGG zust-eht an der ganzen Liegenschaft
Ober Blattegghüsli, eventuell am frühern Miteigentumsanteil ihres
Vaters emd zwar zum Vorzugspreis nach Art. 12 EGG in Bezug
auf den Miteigentumsanteil ihres Vaters.
3) Eventuell sei zu erkennen, dass den Verwandten der bishe-
rigen Miteigentümer an Ober Blattegghüsli ein Vorkaufsrecht nach
Art. 6 EGG zusteht.))
Die Justizkommission und Alfred Ackermann bean-
tragen die Abweisung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde.
Das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement be-
fürwortet in seiner Vernehmlassung die Aufhebung des
angefochtenen Entscheides, weil der Hypothekarschreiber
richtig vorgegangen sei.
Das Bundcsge1'icht zieht
Erwägungen (2 Absätze)
E. 1 Die Beschwerdeführer behaupten, an der Liegen-
schaft Ober Blattegghüsli stehe ihnen ein Vorkaufsrecht
nach Art. 6 ff. EGG zu. Sie erheben also einen zivilrecht-
lichen Anspruch. Ob dieser bestehe, haben im Streitfalle
nicht die Grundbuchbehörden, sondern die ordentlichen
Gerichte festzustellen. Das ergibt sich unabhängig von
Art. II Abs. 3 EGG, den das Eidg. Justiz- und Polizei-
departement analog anwenden möchte, aus der allgemeinen
Regelung der Zuständigkeit der in Frage stehenden Be-
hörden. Es bedarf keiner nähern Begründung, dass der
Grundbuchverwalter nicht über streitige Privatrechte zu
urteilen hat, und es ist auch klar, dass in dieser Hinsicht
für die Beschwerdeinstanzen, d.h. für die kantonale Auf-
sichtsbehörde und das Bundesgericht als Verwaltungs-
gericht in Grundbuchsachen, das gleiche gelten muss.
Dabei bleibt es auch, wenn mit den Funktionen der kan-
tonalen Aufsichtsbehörde eine richterliche Behörde betraut
ist (was nicht in allen Kantonen zutrifft), und wenn im
konkreten Falle der Entscheid über das streitige Recht
276
Verwaltungs. und Disziplinarrecht.
ausschliesslich von der Beurteilung einer reinen Rechts-
frage abhängt. Es geht nicht an, aus blossen Zweckmässig-
keitsgrÜllden die gesetzliche Abgrenzung der Zuständig-
keiten zu durchbrechen. Ein Verzicht auf die Inkompetenz-
einrede, wie die Beschwerdeführer ihn vor Bundesgericht
ausgesprochen haben, ist ohne Bedeutung, weil die sach-
liche Zuständigkeit von Amtes wegen zu prüfen ist. Soweit
die Beschwerde Ackermanns an die kantonale Aufsichts-
behörde und die vorliegende Verwaltungsgerichtsbeschwer-
de auf die Feststellung des Nichtbestehens bzw. Bestehens
eines Vorkaufsrechts nach EGG gerichtet sind, erweisen
sie sich demnach als unzulässig. Der angefochtene Ent-
scheid ist wegen sachlicher Unzuständigkeit der kantonalen
Aufsichtsbehörde aufzuheben, soweit diese damit end-
gültig feststellen wollte, dass kein bäuerliches Vorkaufs-
recht bestehe.
E. 2 Die Grundbuchbehörden haben dagegen zu ent-
scheiden, ob der Grundbuchverwalter in einem gegebenen
Falle das in Art. 13/14 EGG vorgesehene Verfahren einzu-
leiten habe, d.h. ob er den Personen, die in den Verzeich-
nissen gemäss Art. 13 Abs. 1 und 2 EGG aufgeführt sind,
die Anmeldung eines Kaufvertrags mitzuteilen und sie
darauf hinzuweisen habe, dass sie binnen einem Monat
seit Erhalt dieser Mitteilung durch eine an ihn gerichtete
Erklärung das Vorkaufsrecht geltend machen können.
Dabei haben sie die Frage, ob ein Vorkaufsrecht nach EGG
bestehe, in beschränktem Umfange als Vorfrage zu prüfen.
Es kann nicht der Sinn von Art. 13/14 EGG sein, dass der
Grundbuchverwalter das hier geregelte Verfahren ohne
jede Rücksicht darauf durchzuführen habe, ob mit dem
Bestehen eines solchen Anspruchs zu rechnen sei oder
nicht. Als selbstverständliche Voraussetzung für die Ein-
leitung des Verfahrens nach Art. 13/14 EGG, das der Aus-
übung des bäuerlichen Vorkaufsrechts dienen soll, hat viel-
mehr zu gelten, dass es zum mindesten als möglich er-
scheint, dass den in Frage stehenden Personen ein solcher
Anspruch zusteht. Der Grundbuchverwalter hat die Ein-
I
r
I
I
r
Regisrersachen. N0 50.
277
leitung jenes Verfahrens daher abzulehnen, wenn diese
Möglichkeit nach den ihm vorgelegten Akten nicht ernst-
lich in Betracht fällt (vgL BGE 79 I 270). In allen andern
Fällen hat er dagegen das erwähnte Verfahren durchzu-
führen, damit kein möglicherweise vorkaufsberechtigter
Verwandter die Gelegenheit zur Ausübung des Vorkaufs-
rechts versäumt und die Vertragsparteien möglichst bald
erfahren, ob und gegebenenfalls von wem das Vorkaufs-
recht geltend gemacht wird. Es kann also keine Rede
davon sein, das die Einleitung des Verfahrens gemäss
Art. 13/14 EGG vom Ergebnis einer freien Vorprüfung
der materiellen Rechtslage abhängig gemacht werden
dürfe.
Im vorliegenden Falle hat man es unstreitig mit dem
Verkauf eines landwirtschaftlichen Gewerbes zu tun, das
im Miteigentum des Vaters der Beschwerdeführer, des
AlfredAckermann und der Erben Renggli stand. Die im
Verzeichnis nach Art. 13 Abs. 1 EGG aufgeführten Per-
sonen stehen nach den in diesem Verzeichnis enthaltenen
Angaben zu Miteigentümern in Verwandtschaftsverhält-
nissen von der in Art. 6 Abs. 1 EGG vorausgesetzten Art,
d.h. es handelt sich dabei um Nachkommen und Ehegatten
von Miteigentümern. Ob beim Verkauf einer im Miteigen-
turn stehenden Liegenschaft die Verwandten der Miteigen-
tümer ein Vorkaufsrecht haben, ist eine Frage des mate-
riellen Rechts, über die sich streiten lässt. Es kann daher
nicht gesagt werden, die Möglichkeit, dass den im Ver-
zeichnis nach Art. 13 Abs. 1 EGG aufgeführten Personen
ein Vorkaufsrecht zusteht, falle nicht ernstlich in Be-
tracht. Unter diesen Umständen hat der Hypothekar-
schreiber mit Recht das Verfahren nach Art. 13/14 EGG
eingeleitet. Indem die kantonale Aufsichtsbehördedieses
Verfahren aufhob, hat sie die eben genannten Bestimmun-
gen verletzt. Daher ist ihr Entscheid in Gutheissung des
ersten Beschwerdebegehrens auch in diesem Punkte auf-
zuheben und hat der Hypothekarschreiber das eingeleitete
Verfahren zu Ende zu führen.
278
Verwaltungs- und Disziplinarrecht.
Dispositiv
- Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass der Entscheid der Justizkommission des Kantons Luzern vom 17. Juli 1953 aufgehoben und der Hypothekarschreiber von Entlebuch angewiesen wird, das Verfahren nach Art. 13/14 EGG zu Ende zu führen. IH. WASSERRECHT FORCES HYDRAULIQUES
Volltext (verifizierbarer Originaltext)
50. Urteil der 11. Zivilabteilung vom 10. Dezember 1953
i. S. l\'lüller gegen Luzern, Justizkommission.
Grundbuch. Bäuerliches Vorkaufsrecht. Beim Verkauf einer im
Miteigentum stehenden Liegenschaft darf die Durchführung
des Verfahrens gemäss Art. 13/14 des BG über die Erhaltung
des bäuerlichen Grundbesitzes vom 12. Juni 1951 (EGG) nicht
mit der Begründung abgelehnt werden, dass in einem solchen
Falle die Bestimmungen des EGG über das Vorkaufsrecht nicht
anwendbar seien. Kognition der Grundbuchbehörden und der
ordentlichen Gerichte.
I
r
Registersachen. N° 50.
273
Registre foncier. Droit de preemption sur le8 exploitation8 agricole8.
En cas de vente d'un immeuble appartenant ades coproprietaires,
on ne doit pas refuser de proceder selon les art. 13 et 14 de la
loi federale sur le maintien de la propriete fonciere rurale, du
12 juin 1951 (LPFR) en invoquant le fait que les dispositions
de la loi relatives au droit de preemption ne seraient pas appli-
cables. Attributions des autorites chargees de la tenue et de la
surveilIance du registre foneier par rapport a eelles des tribunaux
ordinaires.
Reg'i8tro fondiario; diritto di prelazione 8ulle aziende agricole.
In caso di vendita d'un immobile in comproprieta non si deve
rifiutare di procedere secondo gli art. 13 e 14 della legge federale
12 giugno 1951 sulla conservazione della proprieta fondiaria
agrieola, invocando ehe le disposizioni della legge relative al
diritto di prelazione non sarebbero applicabiJi. Attribuzioni
delle autorita incaricate della tenuta edella vigilanza deI
registro fondiario e attribuzioni dei tribunali ordinari.
A. -
Franz Müller, die Erben von Josef Renggli und
Alfred Ackermann waren Miteigentümer zu je 1/3 des
landwirtschaftlichen Heimwesens « Ober Blattegghüsli » in
Entlebuch. Auf Grund einer Vereinbarung der Miteigen-
tümer wurde diese Liegenschaft am 7. März 1953 öffentlich
versteigert. Dabei wurde sie zum Preise von Fr. 62,500.-
dem Miteigentümer Alfred Ackermann zugeschlagen.
Am 20. März 1953 wurde der Steigerungskauf der
Hypothekarkanzlei Entlebuch zur Eintragung gemeldet
und ins Tagebuch eingetragen. Der Gemeinderat Entlebuch
hatte am 14. März 1953 ein Verzeichnis der Personen
erstellt, « welche zufolge öffentlicher Versteigerung der
Liegenschaft Ober Blattegghüsli ... gemäss BG über die
Erhaltung des bäuerlichen Grundbesitzes vom 12. Juni
1951 (EGG) für diese Liegenschaft ein gesetzliches Vor-
kaufsrecht besitzen ». Das Verzeichnis führt 55 Personen
auf, nämlich 9 Verwandte des Franz Müller, 42 Verwandte
der Erben Renggli und 4 Verwandte des Alfred Ackermann.
Mit Zirkular vom 26. März 1953, das die überschrift
« Anzeige an die Vorkaufsberechtigten (Art. 13 Abs. 3
EGG)) trug, brachte die Hypothekarkanzlei diesen 55 Per-
sonen den Steigerungskauf und dessen Anmeldung zur
Kenntnis und eröffnete ihnen: « Falls Sie vom Vorkaufs-
recht Gebrauch machen wollen, haben Sie dies binnen
18
AS 79 I -
1953
274
Verwaltungs- und Disziplinarrecht.
Monatsfrist seit dieser Mitteilung gegenüber der unter-
zeichneten Amtsstelle zu erklären)). Innert nützlicher Frist
machten darauf zwei minderjährige Söhne des Franz
Müller, Julil1s und Rudolf Müller, in deren Namen Bei-
stände handelten, und drei weitere Personen das Vorkaufs-
recht nach Art. 6 EGG durch Eingaben an die Hypothekar-
kanzlei geltend.
B. -
Am 2. April 1953 führte Alfred Ackermann bei
der Justizkommission des Obergerichtes des Kantons
Luzern als der kantonalen Aufsichtsbehörde in Grundbuch-
sachen « gegen die Einleitung des Vorkaufsverfahrens nach
Art. 6 ff. EGG, insbesondere gegen die Anzeigen an die
Verwandten gemäss Art. 13 Abs. 3 EGG)) Beschwerde mit
den Anträgen, es sei festzustellen, dass in Bezug auf die
Versteigerung der Liegenschaft Ober Blattegghüsli die
Bestimmungen des EGG über das Vorkaufsrecht nicht zur
Anwendung kommen, und der Hypothekarschreiber sei
anzuweisen, das Verfahren einzustellen und die an die
Verwandten erlassenen Anzeigen zu widerrufen.
Die Justizkommission fand, es empfehle sich, die Frage
der Anwendung oder Nichtanwendung von Art. 6 ff. EGG
im Beschwerdeverfahren zu beantworten, weil es sich um
eine reine Rechtsfrage handle und die Beteiligten in diesem
Verfahren genügend zu "\Vort gekommen seien, sodass die
Durchführung des ordentlichen Prozessverfahrens « nur
eine Verzögerung und bedeutende Kosten zur Folge hätte)).
In der Sache selbst kam sie zum Schlusse, jene Bestim-
mungen seien im hier gegebenen Falle des Verkaufs einer
im Miteigentum stehenden Liegenschaft nicht anwendbar,
m.a.W. es bestehe in diesem Falle kein bäuerliches Vor-
kaufsrecht. Demgemäss hat sie mit Entscheid vom 17. Juli
1953 in Gutheissung der Beschwerde « das zur Feststellung
von Vorkaufsberechtigteneingeleitete Verfahren nach EGG
aufgehoben)) und den Hypothekarschreiber angewiesen,
« das in Frage stehende Kaufsgeschäft entsprechend zu
behandeln» (d.h. es einzutragen).
a. -
Gegen diesen Entscheid haben Julius und Rudolf
Registersachen. N0 50.
275
Müller beim Bundesgericht Verwaltungsgerichtsbeschwerde
eingereicht mit den Anträgen:
« 1) Der Entscheid des Obergerichtes des Kantons Luzern vom
17. Juli 1953 sei aufzuheben.
2) Es sei zu erkennen, dass Julius und Rudolf Müller ein Vor-
kaufsrecht nach Art. 6 EGG zust-eht an der ganzen Liegenschaft
Ober Blattegghüsli, eventuell am frühern Miteigentumsanteil ihres
Vaters emd zwar zum Vorzugspreis nach Art. 12 EGG in Bezug
auf den Miteigentumsanteil ihres Vaters.
3) Eventuell sei zu erkennen, dass den Verwandten der bishe-
rigen Miteigentümer an Ober Blattegghüsli ein Vorkaufsrecht nach
Art. 6 EGG zusteht.))
Die Justizkommission und Alfred Ackermann bean-
tragen die Abweisung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde.
Das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement be-
fürwortet in seiner Vernehmlassung die Aufhebung des
angefochtenen Entscheides, weil der Hypothekarschreiber
richtig vorgegangen sei.
Das Bundcsge1'icht zieht in Erwägung:
1. -
Die Beschwerdeführer behaupten, an der Liegen-
schaft Ober Blattegghüsli stehe ihnen ein Vorkaufsrecht
nach Art. 6 ff. EGG zu. Sie erheben also einen zivilrecht-
lichen Anspruch. Ob dieser bestehe, haben im Streitfalle
nicht die Grundbuchbehörden, sondern die ordentlichen
Gerichte festzustellen. Das ergibt sich unabhängig von
Art. II Abs. 3 EGG, den das Eidg. Justiz- und Polizei-
departement analog anwenden möchte, aus der allgemeinen
Regelung der Zuständigkeit der in Frage stehenden Be-
hörden. Es bedarf keiner nähern Begründung, dass der
Grundbuchverwalter nicht über streitige Privatrechte zu
urteilen hat, und es ist auch klar, dass in dieser Hinsicht
für die Beschwerdeinstanzen, d.h. für die kantonale Auf-
sichtsbehörde und das Bundesgericht als Verwaltungs-
gericht in Grundbuchsachen, das gleiche gelten muss.
Dabei bleibt es auch, wenn mit den Funktionen der kan-
tonalen Aufsichtsbehörde eine richterliche Behörde betraut
ist (was nicht in allen Kantonen zutrifft), und wenn im
konkreten Falle der Entscheid über das streitige Recht
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Verwaltungs. und Disziplinarrecht.
ausschliesslich von der Beurteilung einer reinen Rechts-
frage abhängt. Es geht nicht an, aus blossen Zweckmässig-
keitsgrÜllden die gesetzliche Abgrenzung der Zuständig-
keiten zu durchbrechen. Ein Verzicht auf die Inkompetenz-
einrede, wie die Beschwerdeführer ihn vor Bundesgericht
ausgesprochen haben, ist ohne Bedeutung, weil die sach-
liche Zuständigkeit von Amtes wegen zu prüfen ist. Soweit
die Beschwerde Ackermanns an die kantonale Aufsichts-
behörde und die vorliegende Verwaltungsgerichtsbeschwer-
de auf die Feststellung des Nichtbestehens bzw. Bestehens
eines Vorkaufsrechts nach EGG gerichtet sind, erweisen
sie sich demnach als unzulässig. Der angefochtene Ent-
scheid ist wegen sachlicher Unzuständigkeit der kantonalen
Aufsichtsbehörde aufzuheben, soweit diese damit end-
gültig feststellen wollte, dass kein bäuerliches Vorkaufs-
recht bestehe.
2. -
Die Grundbuchbehörden haben dagegen zu ent-
scheiden, ob der Grundbuchverwalter in einem gegebenen
Falle das in Art. 13/14 EGG vorgesehene Verfahren einzu-
leiten habe, d.h. ob er den Personen, die in den Verzeich-
nissen gemäss Art. 13 Abs. 1 und 2 EGG aufgeführt sind,
die Anmeldung eines Kaufvertrags mitzuteilen und sie
darauf hinzuweisen habe, dass sie binnen einem Monat
seit Erhalt dieser Mitteilung durch eine an ihn gerichtete
Erklärung das Vorkaufsrecht geltend machen können.
Dabei haben sie die Frage, ob ein Vorkaufsrecht nach EGG
bestehe, in beschränktem Umfange als Vorfrage zu prüfen.
Es kann nicht der Sinn von Art. 13/14 EGG sein, dass der
Grundbuchverwalter das hier geregelte Verfahren ohne
jede Rücksicht darauf durchzuführen habe, ob mit dem
Bestehen eines solchen Anspruchs zu rechnen sei oder
nicht. Als selbstverständliche Voraussetzung für die Ein-
leitung des Verfahrens nach Art. 13/14 EGG, das der Aus-
übung des bäuerlichen Vorkaufsrechts dienen soll, hat viel-
mehr zu gelten, dass es zum mindesten als möglich er-
scheint, dass den in Frage stehenden Personen ein solcher
Anspruch zusteht. Der Grundbuchverwalter hat die Ein-
I
r
I
I
r
Regisrersachen. N0 50.
277
leitung jenes Verfahrens daher abzulehnen, wenn diese
Möglichkeit nach den ihm vorgelegten Akten nicht ernst-
lich in Betracht fällt (vgL BGE 79 I 270). In allen andern
Fällen hat er dagegen das erwähnte Verfahren durchzu-
führen, damit kein möglicherweise vorkaufsberechtigter
Verwandter die Gelegenheit zur Ausübung des Vorkaufs-
rechts versäumt und die Vertragsparteien möglichst bald
erfahren, ob und gegebenenfalls von wem das Vorkaufs-
recht geltend gemacht wird. Es kann also keine Rede
davon sein, das die Einleitung des Verfahrens gemäss
Art. 13/14 EGG vom Ergebnis einer freien Vorprüfung
der materiellen Rechtslage abhängig gemacht werden
dürfe.
Im vorliegenden Falle hat man es unstreitig mit dem
Verkauf eines landwirtschaftlichen Gewerbes zu tun, das
im Miteigentum des Vaters der Beschwerdeführer, des
AlfredAckermann und der Erben Renggli stand. Die im
Verzeichnis nach Art. 13 Abs. 1 EGG aufgeführten Per-
sonen stehen nach den in diesem Verzeichnis enthaltenen
Angaben zu Miteigentümern in Verwandtschaftsverhält-
nissen von der in Art. 6 Abs. 1 EGG vorausgesetzten Art,
d.h. es handelt sich dabei um Nachkommen und Ehegatten
von Miteigentümern. Ob beim Verkauf einer im Miteigen-
turn stehenden Liegenschaft die Verwandten der Miteigen-
tümer ein Vorkaufsrecht haben, ist eine Frage des mate-
riellen Rechts, über die sich streiten lässt. Es kann daher
nicht gesagt werden, die Möglichkeit, dass den im Ver-
zeichnis nach Art. 13 Abs. 1 EGG aufgeführten Personen
ein Vorkaufsrecht zusteht, falle nicht ernstlich in Be-
tracht. Unter diesen Umständen hat der Hypothekar-
schreiber mit Recht das Verfahren nach Art. 13/14 EGG
eingeleitet. Indem die kantonale Aufsichtsbehördedieses
Verfahren aufhob, hat sie die eben genannten Bestimmun-
gen verletzt. Daher ist ihr Entscheid in Gutheissung des
ersten Beschwerdebegehrens auch in diesem Punkte auf-
zuheben und hat der Hypothekarschreiber das eingeleitete
Verfahren zu Ende zu führen.
278
Verwaltungs- und Disziplinarrecht.
Demnach erkennt das Bundesgericht:
Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass
der Entscheid der Justizkommission des Kantons Luzern
vom 17. Juli 1953 aufgehoben und der Hypothekarschreiber
von Entlebuch angewiesen wird, das Verfahren nach
Art. 13/14 EGG zu Ende zu führen.
IH. WASSERRECHT
FORCES HYDRAULIQUES