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34 ßtrafgesetzbuch. N° 7. aufzustellen oder zu verbreiten. Dabei genügt auch der blosse Eventualvorsatz, der dann vorliegt, wenn dem Täter die Verwirklichung der objektiven Tatbestandsmerk- male ernsthaft als möglich vorschwebt und er mit ihr . einverstanden ist (BGE 69 IV 80, 74 IV 83). Über den Vorsatz hinaus verlangt Art. 266 bis, dass der Täter mit dem Zwecke gehandelt habe, ausländische gegen die Sicherheit der Schweiz gerichtete Unternehmungen oder Bestrebungen hervorzurufen oder zu unterstützen, d. h. dass er in seiner Tat ein Mittel zur Erreichung dieses Zieles gesehen habe. Ob diese Voraussetzung schon dann erfüllt ist, wenn er den erwähnten Zweck nur eventualiter verfolgt hat, d. h. wenn er in erster Linie ein anderes Ziel hat erreichen wollen, ihm nebenbei aber auch die Möglichkeit der Unterstützung oder Hervorrufung aus- ländischer gegen die Sicherheit der Schweiz gerichteter Unternehmungen oder Bestrebungen bewusst geworden ist und er diesen Erfolg für den Fall seiner Verwirklichung gebilligt hat, kann dahin~estellt bleiben. Der Angeklagte hat die Rede vom 11. Mai 1951 mit Wissen und Willen gehalten. Dabei hat er dermassen ohne Unterlagen ins Blaue hinaus unwahre und entstellende Behauptungen aufgestellt, dass er die Unwahrheit bezw. Entstellung teils gekannt, teils zum mindesten ernsthaft für möglich gehalten und gebilligt haben muss ... (Wird im einzelnen ausgeführt). Der Angeklagte hat mit den bewusst unwahren und ent- stellenden Behauptungen den Zweck verfolgt, ausländische gegen die Sicherheit der Schweiz gerichtete Bestrebungen hervorzurufen. Wie er selber angibt, hat die IJO vom 10. bis 12. Mai 1951 darüber verhandelt, was die Presse für den Frieden und gegen die amerikanische «Kriegshetze)) tun könne. Der Angeklagte muss also gewusst haben, dass die von der IJO zu beschliessenden Massnahmen sich auch gegen die Schweiz richten würden, wenn er diese als Zentrum amerikanischer Spionage und des Agentenwesens und als Operations- Strafgesetzbuch. No 8. 35 zentrum amerikanischer Kriegspropaganda hinstellen und dem Lande nachreden würde, es rüste übermässig, erwäge die Anschaffung einer für den Angriffskrieg bestimmten Panzerwaffe, habe die Neutralität und Unabhängigkeit aufgegeben, unterdrücke die Pressefreiheit, rufe zum Hass gegen die Sowjetunion und die Volksdemokratien auf, verhindere, dass Kommunisten am 1. Mai demonstrier- ten, und dulde, dass Schweizero:ffiziere Waffen nach Formosa lieferten. Der Angeklagte hat denn auch am Schlusse seiner Rede betont, es sei sehr wichtig, dass Teilnehmer der Tagung von diesen Tatsachen Kenntnis nähmen, sie brauchten im Kampf für den Frieden Tat- sachenmaterial, sie müssten ihre Tätigkeit darauf richten, die Kriegshetzer blosszustellen. Der Zweck, den er ver- folgt hat, kann nur darin bestanden haben, die Schweiz vor der Weltöffentlichkeit anzuschwärzen und im Aus- lande, insbesondere in der ausländischen Presse, eine der Schweiz feindselige Haltung hervorzurufen. Dabei muss er gewusst haben, dass solche Bestrebungen gegen die Sicherheit der Schweiz gerichtet wären, weil sie im Aus- lande, sei es in der einen, sei es in der andern der sich ideologisch gegenüberstehenden Staatengruppen oder in beiden ·zugleich, Zweifel an der demokratischen Ordnung und dem Neutralitätswillen des Volkes erwecken würden. Der subjektive Tatbestand des Art. 266 bis StGB ist somit erfüllt.
8. Extrait de l'arr~t de la Cour de eassation penale du 30 janvier 1953 dans la cause Ministere publie du eanton de NeuehateJ contre Guex. Art. 365 OP. Aucune regle du droit föderal ne prescrit que le recours cantonal forme par un condamne doit etre juge meme si le recourant decede entre temps. Art. 365 StGB. Das Bundesrecht verlangt nicht, dass die vom Verurteilten ergriffene kantonale Beschwerde selbst dann zu beurteilen sei, wenn der Beschwerdeführer inzwischen gestorben ist.
36 Strafgesetzbuch. N° 8. Art. 365 CP. Il diritto federale non prescrive ehe il ricorso canto· riale presentato da un condannato debba essere deciso anche se questi e morto nel frattempo. A. - Le 5 septembre 1952, Pierre Guex a recouru a la Cour de cassation penale du canton de Neuchatei contre un jugement du Tribunal de police du Val-de-Travers, qui l'avait condamne, pour vol, a trois jours d'emprison- nement. Il est decooe le 24 octobre 1952, alors que son recours etait encore pendant. B. - Le 12 novembre 1952, la Cour de cassation a considere que l'action penale etait eteinte par. le deces de l'accuse et a ordonne le classement de la cause.
0. - Le Ministere public du canton de Neuchatel forme un pourvoi en nullite, dans lequel il conclut a l'annulation de l'arret de la Cour de cassation cantonale et au renvoi de la cause a cette juridicti.on pour qu'elle statue a nouveau. Le recourant soutient qu'en classant l'affaire, la Cour cantonale a viole un principe de droit federal selon lequel le condamne qui, daris les formes prescrites, a manifeste sa volonte de faire examiner sa condamnation en deuxieme instance a le droit d'obtenir justice meme s'il meurt avant l'audience ou son recours sera juge. Extrait des considerants : L'arret attaque ne peut etre annule que s'il viole le droit föderal (art. 269 al. 1 PPF). Or le c J invoque par le recourant n'est pas consacre par une prescription expresse du droit föderal. Il ne decoule pas non plus implicitement d'une de ses dispositions. Sans doute l'art. 270 al. 2 PPF permet-il a certains parents et allies d'exercer le pourvoi en nullite apres le deces de l'accuse. Mais il s'agit Ia d'une regle de procedure qui ne concerne que le pourvoi en nullite a la Cour de cassation du Tribunal föderal. C'est au droit cantonal qu'il appartient de dire si un principe seniblable doit s'appliquer aux recours cantonaux et si le deces de l'accuse n'empeche pas le Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer. N° 9. 37 tribunal de deuxieme instance de statuer sur son recours. En rendant l'arret attaque, la Cour de cassation du canton de Neuchatel s'est donc fondee uniquement sur des regles de procedure cantonale, dont le Tribunal fäderal ne saurait revoir l'application. II. AUFENTHALT UND NIEDERLASSUNG DER AUSLÄNDER SEJOUR ET ETABLISSEMENT DES ETRANGERS
9. Urteil des Kassationshofes vom 8. ilai 1953 i. S. Polizei- richteramt der Stadt Zürich gegen Schirer. Art. 2 Abs. 1 BG über Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer, Art. 3 Abs. 1 und 8 Vollz. Vo. hiezu.
a) Selbst wenn der Ausländer in der Schweiz keine \Vohnung mietet, darf er hier nur mit Bewilligung eine Stelle antreten oder über die achttägige Anmeldefrist hinaus anderswie erwerbstätig sein (Erw. 1).
b) Erwerbstätigkeit (Erw. 2, 3).
c) Subjektiver Tatbestand unerlaubter Erwerbstätigkeit (Erw. 4). Art. 2 al. 1 de la loi sur le sejour et l'etablissement des etrangers, art. 3 al. 1 et 8 de l'ordonnance d'execution.
a) Meme s'il ne loue pas 'un appartement en Suisse, l'etranger doit avoir une autorisation pour prendre un emploi ou exercer une activiM lucrative apres le delai de huit jours prevu pour la declaration d'arrivee (consid. 1).
b) Activite lucrative (consid. 2 et 3).
c) Element subjectif de l'infraction consistant en une activite lucrative (consid. 4). Art. 2 cp. 1 della legge concernente la dimora e ü domicilio degli stranieri, art. 3 cp. 1 e 8 dell'ordinanza di esecuzione.
a) Anche se non affitta un appartamento in Isvizzera, lo straniero dev'essere in possesso d'un permesso per assumere un impiego o esercitare un'attivita lucrativa dopo il termine di otto giorni per la notificazione del suo arrivo ( consid. 1).
b) Attivita lucrativa (consid. 2 e 3).
c) Elemento soggettivo dell'infrazione ehe consiste in un'attivita lucrativa illecita (consid. 4). A. - Das Polizeirichteramt der Stadt Zürich büsste am . 5. April 1952 den Österreicher Hermann Schirer