opencaselaw.ch

77_I_225

BGE 77 I 225

Bundesgericht (BGE) ·I · 1951-10-11 · Deutsch CH
Quelle Original Export Word PDF BibTeX RIS
Volltext (verifizierbarer Originaltext)

36. Urteil vom 11. Oktober 1951 i. S. Mösehl_ gegen Minder

und Oberuerieht des Kantons SoIothum.

Art. 87 oa. Staatsrechtliche Beschwerden wegen Art. 4 BV.

Zwischenentscheide über nach kantonalem Zivilprozessrecht Zu

entscheidende Verfahrensfragen haben für den Betroffenen im

allgemeinen nur dann einen nicht wiedergutzumachenden Nach-

teil zur Folge. wenn das Urteil in der Sache selbst später Gegen.

stand einer Berufung an das Bundesgericht bilden kann.

15

AS 77 I -

1951

226

Staatsrecht.

Art. 87 OJ. Reeours de droit public powr molation de l'art. 4 Ost.

Des. decisions incidentes sur des points de procedure relevant du

droit cantonal ne causent en general a l'interesse . un prejudice

irreparable que si le jugement au fond lui-meme peut etre plus

tard l'objet d'un recours en reforme au Tribunal federal.

Art. 87 OG. Rwo;so di diritto pubblico'per molazione dell'art. 4 OF_

Decisioni incidentali su punti di procedura disciplinati dal diritto

cantonale causano, in generale, un pregiudizio irreparabile per

l'interessato soltanto se la decisione finale puo essere impugnata

piu tardi mediante un ricorso per riforma al Tribunale federale.

1. -

Roland Möschler wird vor Amtsgericht Olten-

Gösgen auf Bezahlung von Fr. 3 956.50 Schadenersatz be-

langt. Am 31. Mai 1951 kam er um Erstreckung der Frist

zur schriftlichen Klagbeantwortung ein, wurde aber vom

Instruktionsrichter abgewiesen. Das Obergericht des Kan-

tons Solothurn verwarf eine hiegegen erhobene Beschwerde

am 13. Juni 1951 und lehnte am 31. August 1951 das Ein-

treten auf ein Wiedererwägungsgesuch ab. Gegen diesen

Entscheid hat Möschler rechtzeitig staatsrechtliche Be-

schwerde wegen Verletzung von Art. 4 BV erhoben.

2. -

Die Verfügung des Instruktionsrichters, durch

welche die vom Beschwerdeführer nachgesuchte Fristver-

längerung verweigert wurde, und die im Anschluss hieran

ergangenen Rechtsmittelentscheide des Obergerichts sind

Zwischenentscheide in einem hängigen Zivilprozessver-

fahren und haben nach kantonalem Recht zu entscheidende

Verfahrensfragen zum Gegenstand. Solche Zwischenent-

scheide können grundsätzlich erst im Anschluss an das

Endurteil in der Sache selbst, zusammen mit diesem, durch

staatsrechtliche Beschwerde wegen Verletzung von Art. 4

BV angefochten werden. Eine Ausnahme gilt für den Fall,

dass der Zwischenentscheid für den Betroffenen einen nicht

wiedergutzum.achenden Nachteil zur Folge hat, d. h. einen

Nachteil, der auch durch ein für den Betroffenen günstiges

Endurteil nicht mehr oder nicht mehr vollständig behoben

werden kann (Art. 87 OG; BGE 68 I 168, 71 I 386). Ein

solcher Nachteil liegt, wie stets angenommen wurde, jeden-

falls nicht in der Verlängerung des Verfahrens (BGE 63 I

76, 64 I 98, 68 1 168). Entscheide über nach kantonalem

Verfahren. N'" 36.

227

Recht zu entscheidende Verfahrensfragen (prozessleitende

Verfügungen, Beweisdekrete usw.) haben für den Betrof-

fenen im allgemeinen nur dann einen nicht wiedergutzu-

machenden Nachteil zur Folge, wenn die Streitsache durch

Berufung an das Bundesgericht weitergezogen werden kann,

da der Betroffene diese Fragen in einem allfälligen Beru-

fungsverfahren nicht aufwerfen kann und somit dann, wenn

er zwar im kantonalen Verfahren obsiegt, vor Bundesge-

richt aber aus Gründen des materiellen Rechts unterliegt,

der Befugnis verlustig gehen würde, mit staatsrechtlicher

Beschwerde geltend zu machen, dass die Auslegung des

kantonalen Prozessrechts durch den kantonalen Richter

Art. 4 BV verletze (BGE 28 1 39; BIRCHMEIER, Handbuch

des OG S. 355/56). Die Zivilrechtsstreitigkeit zwischen den

vorliegenden Parteien ist, da der Streitwert weniger als

Fr_ 4000.- beträgt, nicht berufungsfähig (Art. 46 OG)_

Der Beschwerdeführer erleidet somit dadurch, dass er

gegen die die Nichtverlängerung der Antwortfrist schützen-

den Entscheide des Obergerichts erst im Anschluss an das

Endurteil in der Sache selbst staatsrechtliche Beschwerde

wegen Verletzung von Art. 4 BV wird führen können

(vgl. BGE 64199/100), keinen nicht wiedergutzumachenden

Nachteil im Sinne von Art. 87 OG. Das hat zur Folge,

dass auf die Beschwerde nicht einzutreten ist.