Sachverhalt
Flad führte am Vormittag des 14. November 1948
ein mit zwei Mitfahrern besetztes Personenautomobil mit
.mindestens 70 km/Std. durch die vom Nebel nasse und
glitschige Seestrasse in Zollikon Richtung Zürich und verminderte die Geschwindigkeit auch nicht, als er aus ziemlicher Entfernung von rechts durch die Bahnhofstrasse ein
von Dr. Schm:uziger geführtes Personenautomobil, in dem
sich ausser dem Führer niemand befand, sehr langsam
nach links in die Seestrasse einbiegen sah. Flad will sich
vorgestellt haben, der andere lasse ihm den Vortritt und
habe zu diesem Zwecke bereits angehalten, was indessen
nicht zutraf. Da Flad, ohne zu bremsen, vor dem Automobil des Schmuziger durchzufahren versuchte, stiessen
die beiden Fahrzeuge zusammen. Sie wurden stark beschädigt und die beiden Führer erheblich verletzt, während
die Mitfahrer Flads unversehrt blieben.
B. -
Dr. Schmuziger zog den Strafantrag wegen Körperverletzung während der Strafuntersuchung zurück.
Auf Anklage der Staatsanwaltschaft verurteilte das Obergericht des Kantons Zürich Flad am 16. Dezember 1949
wegen fahrlässiger Störung des öffentlichen Verkehrs (Art.
237 Zi:ff. 1 und 2 StGB) zu einer bedingt vollziehbaren
Gefängnisstrafe von einem Monat.
0. -
Flad führt Nichtigkeitsbeschwerde mit den Anträgen auf Aufhebung des Urteils des Obergerichts und
124
Strafgesetzbuch. No 24.
Freisprechung des Beschwerdeführers. Er macht geltend„
wer bloss Personen gefährde, die in dem von ihm selbst.
geführten Wagen mitfahren, sei nicht nach Art. 237 StGB.
strafbar. Ob der Beschwerdeführer nach dieser Bestimmung
bestraft werden könne, beurteile sich daher einzig unter
dem Gesichtspunkt der Gefährdung des Dr. Schmuziger ~
Dessen Körperverletzung stelle indes die volle Auswirkung der Gefahr dar, der ihn der Beschwerdeführer ausgesetzt habe, weshalb nach BGE 75 IV 124 Art. 237 StGB.
nicht angewendet werden könne. Es entspreche nicht dem
Willen des Gesetzes, jemanden wegen Störung des öffentlichen Verkehrs von Amtes wegen zur Verantwortung zu
ziehen, wenn die volle Auswirkung der Gefährdung bloss
in einer einfachen Körperverletzung, also in der Verletzung
eines individuellen Rechtsgutes liege, die nur auf Antrag
verfolgt werde. Dann liege kein Vergehen gegen die« Allgemeinheit >> vor, das die Anwendung des Art. 237 rechtfertigen würde, weil es an der Schaffung einer gewissen
Gemeingefahr gefehlt habe, wie VON RECHENBERG in
SJZ 46 8 betone.
D. -
Die Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich beantragt, die Beschwerde sei abzuweisen.
Der Kassationshof zieht
Erwägungen (4 Absätze)
E. 1 (Ausführungen darüber, dass die Gefährdung der im Automobil des Flad mitfahrenden Personen nicht zur Anwendung des .Art. 237 Ziff. 2 StGB führen könne; vgl. BGE 76IV120.) Wenn Art. 237 auf den vorliegenden Fall anwendbar ist, kann er es deshalb einzig unter dem Gesichtspunkt der Gefährdung des Dr. Schmuziger sein.
E. 2 Art. 237 StGB setzt nicht voraus, dass ein grösserer Kreis von Personen in eine konkrete Gefahr gebracht. worden sei. Gewiss will Art. 237 die Sicherheit aller gewährleisten, die am öffentlichen Verkehr teilnehmen, ist also in diesem Sinne eine zum Schutz der Allgemeinheit erlassene Vorschrift. Das heisst aber nicht, dass nicht) t) Strafgesetzbuch. No 24. 125 schon die konkrete Gefährdung eines einzelnen genügen könne und jedenfalls bei fahrlässiger Begehung stets genüge, um die Bestimmung anzuwenden. Wenn nicht in allen Fällen die vorsätzliche, so richtet sich doch die fahrlässige Tat immer ausser gegen den konkret gefährdeten einzelnen abstrakt auch gegen die Allgemeinheit, weil es bloss vom Zufall abhängt, wer das konkret gefähr- -dete oder verletzte Opfer ist. Wenn mit der in der Literatur vertretenen Auffassung, wonach .Art. 237 eine zum mindesten « latente >> Gemeingefahr voraussetze (HAFTER, :Besonderer Teil s. 526 f.; VON RECHENBERG, SJZ 46 8), mehr verlangt· werden will, ist ihr nicht beizupflichten. Der gesetzgeberische Gedanke ist durch die ständige Rechtsprechung des Bundesgerichts, wonach .Art. 237 keine konkrete Gemeingefahr voraussetzt, nicht missachtet.
E. 3 In BGE 75 IV 124 hat der Kassationshof ausgeführt, Idealkonkurrenz zwischen Art. 237 Ziff. 2 einerseits und den Bestimmungen über fahrlässige Tötung und
Körperverletzung anderseits sei nur insoweit möglich, als
die Gefährdung über den eingetretenen Erfolg hinausrei-
<Jhe, z. B. wenn Leib und Leben mehrerer Personen gefährdet werden, aber nur eine von ihnen verletzt oder getötet
wird; stelle dagegen der Erfolg (Körperverletzung, Tötung) die volle Auswirkung der Gefährdung dar, so könne
€S nicht der Wille des Gesetzes sein, die auf dem Erfolg
stehende Strafe wegen der ihm notwendig vorausgegan -
genen Gefährdung nach Art. 68 Ziff. 1 StGB zu erhöhen;
die Strafe für die Körperverletzung oder Tötung gelte
dann die Störung des öffentlichen Verkehrs mit ab.
Diese Rechtsprechung verkennt, dass Art. 237, obwohl
er nur anwendbar ist, wenn Leib oder Leben eines Menschen konkret gefährdet wird, nicht bloss diese Rechtsgüter, sondern in erster Linie den öffentlichen Verkehr
schützen will. Die Verletzung des Rechtsgutes des ungestörten öffentlichen Verkehrs wird durch die Strafe wegen
Körperverletzung oder Tötung nicht abgegolten. Daran
ändert die Überlegung nichts, dass Art. 237 nur jene
126
Strafgesetzbuch. N° 24.
Fälle erfasse, in denen die Hinderung, Störung oder Gefährdung des Verkehrs sich in einer Gefährdung von Leih
und Leben auswirkt. Durch dieses Merkmal werden bloss
die bedeutenden Angriffe auf den Verkehr von den unbedeutenden, durch Art. 237 straflos gelassenen unterschieden; dass der Verkehr als solcher unmittelbares und selbständiges Schutzobjekt ist, wird dadurch nicht widerlegt.
Daher ist Art. 237 selbst dann anzuwenden, wenn der
Angriff auf die mittelbar mitgeschützten Rechtsgüter von
Leib und Leben durch Anwendung einer andern Bestimmung gesühnt wird, weil diese Rechtsgüter verletzt worden sind. Selbstverständlich ist, dass bei Abwägung der
Schuld und Bemessung der Strafe die Verletzung von Leib.
oder Leben und die Gefährdung, die zu ihr geführt hat,
nicht zugleich in die Wagschale geworfen werden dürfen.
Dagegen ist der Richter berechtigt, ja verpflichtet, Schuld
und Strafe im Rahmen der Art. 63 und 68 Ziff.l StGB
nicht nur nach der eingetretenen Verletzung, sondern auch
nach der Gefahr zu bemessen, welcher der Täter den Verletzten darüber hinaus ausgesetzt hat; d. h. es ist als erschwerend zu berücksichtigen, wenn beispielsweise ein bloss
leicht Verletzter Gefahr gelaufen hat, schwerer verletzt
oder getötet zu !werden. Auch die Gefahr für Leib und
Leben nicht verletzter Dritter ist schuld- und straferhöhend,
wie endlich auch der Angriff auf das Rechtsgut des öffentlichen Verkehrs zu Ungunsten des Täters ins Gewicht
fällt.
E. 4 Demnach hält die Auffassung des Beschwerdeführers, er dürfe nicht nach Art. 237 Ziff. 2 bestraft werden,
weil er den Tatbestand des Art. 125 erfüllt habe, zum
vornherein nicht stand. Sie wäre übrigens auch dann unbegründet, wenn an der in BGE 75 IV 124 veröffentlichten
Rechtsprechung festgehalten werden könnte. Der Beschwerdeführer hat durch seine Fahrweise offensichtlich eine über
die eingetretene Körperverletzung hinausreichende kon -
krete Gefahr geschaffen, da Dr. Schmuziger durch den
heftigen Zusammenstoss ebensogut hätte getötet werden
' t
\
Strassenverkehr. N° 25.
127
können. Übrigens konnte der Rückzug des Strafantrages
nicht zur Folge haben, dass wie die bloss auf Antrag einsetzende Verfolgung der Körperverletzung auch die stets
von Amtes wegen anzuhebende Verfolgung der Störung
des öffentlichen Verkehrs zu unterbleiben habe. Der eine
Tatbestand hebt den andern nicht auf, und die Unmöglichkeit, den einen zu verfolgen, steht der Verfolgung des
andern nicht im Wege. vVenn das Bundesgericht in BGE
75 IV 124 annahm, Art. 125 und Art. 237 Ziff. 2 stünden
zueinander im Verhältnis unechter Konkurrenz, wenn die
Gefährdung nicht über die Verletzung hinausreiche, hiess
das bloss, Art. 68 Ziff. 1 dürfe nicht angewendet, d. h.
die Strafe nicht wegen der der Verletzung vorausgegangenen Gefährdung erhöht oder verschärft werden. Ob zwei
Bestimmungen idealiter konkurrieren oder sogenannte un -
echte Gesetzeskonkurrenz vorliegt, ist eine Frage der Strafzumessung, nicht der Tatbegehung. Fällt die Anwendung
der einen Bestimmung aus einem prozessualen Grunde
(Rückzug des Strafantrages, Verjährung und dgl.) dahin,
so hindert nichts den Richter, die andere anzuwenden,
wenn die prozessualen Voraussetzungen hinzu gegeben
sind.
Demnach erkennt der Kassationshof :
Die Nichtigkeitsbeschwerde wird abgewiesen.
II. STRASSENVERKEHR
CIRCULATION ROUTIERE
Volltext (verifizierbarer Originaltext)
24. Auszug aus dem Urteil des Kassationshofes vom 5. Mai 1950
i. S. Flad gegen Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich.
1. Art. 237 StGB setzt keine konkrete Gemeingefahr voraus.
2. Verhältnis von Art. 237 Ziff. 2 StGB zu den Bestimmungen über
fahrlässige Tötung und Körperverletzung.
1. L'art. 237 OP ne suppose pas un danger collectif imminent.
2. Relation entre l'art. 237 eh. 2 OP et les dispositions sur l'homicide et les Iesions corporelles par negligence.
1. L'art. 237 OP non presuppone un pericolo collettivo imminente.
2. Relazione tra l'art. 237 cifra 2 OP e le disposizioni sull'omicidio e le lesioni corporali per negligenza.
A. -
Flad führte am Vormittag des 14. November 1948
ein mit zwei Mitfahrern besetztes Personenautomobil mit
.mindestens 70 km/Std. durch die vom Nebel nasse und
glitschige Seestrasse in Zollikon Richtung Zürich und verminderte die Geschwindigkeit auch nicht, als er aus ziemlicher Entfernung von rechts durch die Bahnhofstrasse ein
von Dr. Schm:uziger geführtes Personenautomobil, in dem
sich ausser dem Führer niemand befand, sehr langsam
nach links in die Seestrasse einbiegen sah. Flad will sich
vorgestellt haben, der andere lasse ihm den Vortritt und
habe zu diesem Zwecke bereits angehalten, was indessen
nicht zutraf. Da Flad, ohne zu bremsen, vor dem Automobil des Schmuziger durchzufahren versuchte, stiessen
die beiden Fahrzeuge zusammen. Sie wurden stark beschädigt und die beiden Führer erheblich verletzt, während
die Mitfahrer Flads unversehrt blieben.
B. -
Dr. Schmuziger zog den Strafantrag wegen Körperverletzung während der Strafuntersuchung zurück.
Auf Anklage der Staatsanwaltschaft verurteilte das Obergericht des Kantons Zürich Flad am 16. Dezember 1949
wegen fahrlässiger Störung des öffentlichen Verkehrs (Art.
237 Zi:ff. 1 und 2 StGB) zu einer bedingt vollziehbaren
Gefängnisstrafe von einem Monat.
0. -
Flad führt Nichtigkeitsbeschwerde mit den Anträgen auf Aufhebung des Urteils des Obergerichts und
124
Strafgesetzbuch. No 24.
Freisprechung des Beschwerdeführers. Er macht geltend„
wer bloss Personen gefährde, die in dem von ihm selbst.
geführten Wagen mitfahren, sei nicht nach Art. 237 StGB.
strafbar. Ob der Beschwerdeführer nach dieser Bestimmung
bestraft werden könne, beurteile sich daher einzig unter
dem Gesichtspunkt der Gefährdung des Dr. Schmuziger ~
Dessen Körperverletzung stelle indes die volle Auswirkung der Gefahr dar, der ihn der Beschwerdeführer ausgesetzt habe, weshalb nach BGE 75 IV 124 Art. 237 StGB.
nicht angewendet werden könne. Es entspreche nicht dem
Willen des Gesetzes, jemanden wegen Störung des öffentlichen Verkehrs von Amtes wegen zur Verantwortung zu
ziehen, wenn die volle Auswirkung der Gefährdung bloss
in einer einfachen Körperverletzung, also in der Verletzung
eines individuellen Rechtsgutes liege, die nur auf Antrag
verfolgt werde. Dann liege kein Vergehen gegen die« Allgemeinheit >> vor, das die Anwendung des Art. 237 rechtfertigen würde, weil es an der Schaffung einer gewissen
Gemeingefahr gefehlt habe, wie VON RECHENBERG in
SJZ 46 8 betone.
D. -
Die Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich beantragt, die Beschwerde sei abzuweisen.
Der Kassationshof zieht in Erwägung :
1. -
(Ausführungen darüber, dass die Gefährdung der
im Automobil des Flad mitfahrenden Personen nicht zur
Anwendung des .Art. 237 Ziff. 2 StGB führen könne;
vgl. BGE 76IV120.)
Wenn Art. 237 auf den vorliegenden Fall anwendbar
ist, kann er es deshalb einzig unter dem Gesichtspunkt
der Gefährdung des Dr. Schmuziger sein.
2. -
Art. 237 StGB setzt nicht voraus, dass ein grösserer Kreis von Personen in eine konkrete Gefahr gebracht.
worden sei. Gewiss will Art. 237 die Sicherheit aller gewährleisten, die am öffentlichen Verkehr teilnehmen, ist
also in diesem Sinne eine zum Schutz der Allgemeinheit
erlassene Vorschrift. Das heisst aber nicht, dass nicht
)
t)
Strafgesetzbuch. No 24.
125
schon die konkrete Gefährdung eines einzelnen genügen
könne und jedenfalls bei fahrlässiger Begehung stets genüge, um die Bestimmung anzuwenden. Wenn nicht in
allen Fällen die vorsätzliche, so richtet sich doch die
fahrlässige Tat immer ausser gegen den konkret gefährdeten einzelnen abstrakt auch gegen die Allgemeinheit,
weil es bloss vom Zufall abhängt, wer das konkret gefähr-
-dete oder verletzte Opfer ist. Wenn mit der in der Literatur vertretenen Auffassung, wonach .Art. 237 eine zum
mindesten « latente >> Gemeingefahr voraussetze (HAFTER,
:Besonderer Teil s. 526 f.; VON RECHENBERG, SJZ 46 8),
mehr verlangt· werden will, ist ihr nicht beizupflichten.
Der gesetzgeberische Gedanke ist durch die ständige
Rechtsprechung des Bundesgerichts, wonach .Art. 237 keine
konkrete Gemeingefahr voraussetzt, nicht missachtet.
3. -
In BGE 75 IV 124 hat der Kassationshof ausgeführt, Idealkonkurrenz zwischen Art. 237 Ziff. 2 einerseits und den Bestimmungen über fahrlässige Tötung und
Körperverletzung anderseits sei nur insoweit möglich, als
die Gefährdung über den eingetretenen Erfolg hinausrei-
<Jhe, z. B. wenn Leib und Leben mehrerer Personen gefährdet werden, aber nur eine von ihnen verletzt oder getötet
wird; stelle dagegen der Erfolg (Körperverletzung, Tötung) die volle Auswirkung der Gefährdung dar, so könne
€S nicht der Wille des Gesetzes sein, die auf dem Erfolg
stehende Strafe wegen der ihm notwendig vorausgegan -
genen Gefährdung nach Art. 68 Ziff. 1 StGB zu erhöhen;
die Strafe für die Körperverletzung oder Tötung gelte
dann die Störung des öffentlichen Verkehrs mit ab.
Diese Rechtsprechung verkennt, dass Art. 237, obwohl
er nur anwendbar ist, wenn Leib oder Leben eines Menschen konkret gefährdet wird, nicht bloss diese Rechtsgüter, sondern in erster Linie den öffentlichen Verkehr
schützen will. Die Verletzung des Rechtsgutes des ungestörten öffentlichen Verkehrs wird durch die Strafe wegen
Körperverletzung oder Tötung nicht abgegolten. Daran
ändert die Überlegung nichts, dass Art. 237 nur jene
126
Strafgesetzbuch. N° 24.
Fälle erfasse, in denen die Hinderung, Störung oder Gefährdung des Verkehrs sich in einer Gefährdung von Leih
und Leben auswirkt. Durch dieses Merkmal werden bloss
die bedeutenden Angriffe auf den Verkehr von den unbedeutenden, durch Art. 237 straflos gelassenen unterschieden; dass der Verkehr als solcher unmittelbares und selbständiges Schutzobjekt ist, wird dadurch nicht widerlegt.
Daher ist Art. 237 selbst dann anzuwenden, wenn der
Angriff auf die mittelbar mitgeschützten Rechtsgüter von
Leib und Leben durch Anwendung einer andern Bestimmung gesühnt wird, weil diese Rechtsgüter verletzt worden sind. Selbstverständlich ist, dass bei Abwägung der
Schuld und Bemessung der Strafe die Verletzung von Leib.
oder Leben und die Gefährdung, die zu ihr geführt hat,
nicht zugleich in die Wagschale geworfen werden dürfen.
Dagegen ist der Richter berechtigt, ja verpflichtet, Schuld
und Strafe im Rahmen der Art. 63 und 68 Ziff.l StGB
nicht nur nach der eingetretenen Verletzung, sondern auch
nach der Gefahr zu bemessen, welcher der Täter den Verletzten darüber hinaus ausgesetzt hat; d. h. es ist als erschwerend zu berücksichtigen, wenn beispielsweise ein bloss
leicht Verletzter Gefahr gelaufen hat, schwerer verletzt
oder getötet zu !werden. Auch die Gefahr für Leib und
Leben nicht verletzter Dritter ist schuld- und straferhöhend,
wie endlich auch der Angriff auf das Rechtsgut des öffentlichen Verkehrs zu Ungunsten des Täters ins Gewicht
fällt.
4. -
Demnach hält die Auffassung des Beschwerdeführers, er dürfe nicht nach Art. 237 Ziff. 2 bestraft werden,
weil er den Tatbestand des Art. 125 erfüllt habe, zum
vornherein nicht stand. Sie wäre übrigens auch dann unbegründet, wenn an der in BGE 75 IV 124 veröffentlichten
Rechtsprechung festgehalten werden könnte. Der Beschwerdeführer hat durch seine Fahrweise offensichtlich eine über
die eingetretene Körperverletzung hinausreichende kon -
krete Gefahr geschaffen, da Dr. Schmuziger durch den
heftigen Zusammenstoss ebensogut hätte getötet werden
' t
\
Strassenverkehr. N° 25.
127
können. Übrigens konnte der Rückzug des Strafantrages
nicht zur Folge haben, dass wie die bloss auf Antrag einsetzende Verfolgung der Körperverletzung auch die stets
von Amtes wegen anzuhebende Verfolgung der Störung
des öffentlichen Verkehrs zu unterbleiben habe. Der eine
Tatbestand hebt den andern nicht auf, und die Unmöglichkeit, den einen zu verfolgen, steht der Verfolgung des
andern nicht im Wege. vVenn das Bundesgericht in BGE
75 IV 124 annahm, Art. 125 und Art. 237 Ziff. 2 stünden
zueinander im Verhältnis unechter Konkurrenz, wenn die
Gefährdung nicht über die Verletzung hinausreiche, hiess
das bloss, Art. 68 Ziff. 1 dürfe nicht angewendet, d. h.
die Strafe nicht wegen der der Verletzung vorausgegangenen Gefährdung erhöht oder verschärft werden. Ob zwei
Bestimmungen idealiter konkurrieren oder sogenannte un -
echte Gesetzeskonkurrenz vorliegt, ist eine Frage der Strafzumessung, nicht der Tatbegehung. Fällt die Anwendung
der einen Bestimmung aus einem prozessualen Grunde
(Rückzug des Strafantrages, Verjährung und dgl.) dahin,
so hindert nichts den Richter, die andere anzuwenden,
wenn die prozessualen Voraussetzungen hinzu gegeben
sind.
Demnach erkennt der Kassationshof :
Die Nichtigkeitsbeschwerde wird abgewiesen.
II. STRASSENVERKEHR
CIRCULATION ROUTIERE