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76_II_225

BGE 76 II 225

Bundesgericht (BGE) ·II · 1950-06-27 · Deutsch CH
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Volltext (verifizierbarer Originaltext)

33. Auszug aus dem Urteil der I. Zivilabteilung vom 27. Juni

1950 i. S. Verbandstoff-Fabrik A.-G. Zürich gegen Schneider.

Art. 360 Abs. 2 OB.

Gültigkeit eines vertraglichen Konkurrenzverbotes trotz Aufhebung des Dienstverhältnisses aus wichtigem Grund.

Art. 360 al. 2 GO.

ValidiM d'une clause de prohibition de faire concurrence, malgre

Ia r6siliation du contrat de travail pour un juste motif.

Art. 360 cp. 2 GO.

Validita. d'una cIausoIa di divieto di concorrenza, nonostante la

resiliazione deI contratto di lavoro per cause gravi.

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AS 76 II -

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Obligationenrecht. N° 33.

Der Kläger Schneider war seit Jahren bei der beklagten

Verbandstoff-Fabrik Zürich A.-G. als kaufmännischer

Angestellter tätig. Der schriftlich niedergelegte Vertrag

zwischen den Parteien enthielt ein mit Konventionalstraf-Sanktio~ verbundenes Konkurrenzverbot. Am 30.

November 1946 kündigte der Kläger das Dienstverhältnis

auf den 1. Februar 1947 mit der Begründung, er könne

bei einer anderen Firma als Prokurist eintreten. Die

Beklagte nahm die Kündigung an, obwohl sie nicht

vertragsgemäss ergangen war. Sie verlangte jedoch vom

Kläger die Nennung des künftigen Arbeitgebers. Da der

Kläger dieser Aufforderung nicht nachkam, verweigerte

ihm die Beklagte die Ausrichtung des Monatsgehaltes und

Spesenersatzes per 31. Dezember 1946. Daraufhin erklärte

der Kläger am 3. Januar 1947, dass er den Vertrag aus

wichtigem Grund sofort aufhebe und sich damit auch

als von der Konkurrenzklausel befreit betrachte. Im

Prozess begehrte der Kläger, es sei festzustellen, dass die

Konkurrenzklausel nicht oder nicht mehr zu Recht bestehe, ferner die Beklagte zur Zahlung von Lohn und

Spesenersatz für Dezember 1946, Lohn für Januar 1947

und Schadenersatz zu verpflichten. Die Beklagte anerkabnte das Guthaben des Klägers für Dezember 1946,

machte aber mittels Widerklage die vertragliche Konventionalstrafe nebst sonstigen Ansprüchen geltend.

Das Obergericht des Kantons Zürich, das zweitinstanzlich urteilte, hiess die Hauptklage in wenig herabgesetztem

Umfange gut und wies die Widerklage ab. Es bejahte

die Zulässigkeit des Konkurrenzverbotes (Art. 356 OR),

verneinte in bezug auf die ordentliche Kündigung das

Vorliegen eines von der Beklagten verschuldeten wichtigen

Grundes, billigte aber dem Kläger einen solchen zu für

die spätere sofortige Aufhebung des Vertrages und nahm

deswegen, im Gegensatz zum Bezirksgericht, die Hinfälligkeit des Konkurrenzverbotes an.

Auf Berufung der Beklagten hin stellt das Bundesgericht

die fortbestehende Verbindlichkeit der Konkurrenzklausel

fest aus folgenden

Obligationenreeht. N° 33.

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Et'wägungen :

4. -

Fragen kann sich somit nur, ob die Beklagte

Ende Dezember 1946 durch ihr Verhalten dem Kläger

einen wichtigen Grund zur fri8tlo8en Kündigung des

Vertrages gab und ob deswegen die in Art. 360 Abs, 2 OR

vorgesehene Wirkung eintrat.

a) Ungerechtfertigte Verweigerung der Auszahlung

verdienten Lohnes und erlaufener Spesen stellt im allgemeinen einen Auflösungsgrund gemäss Art. 352 OR dar.

Die Beklagte versucht, mit der Verantwortung für ihr

Vorgehen den Kläger zu belasten, weil er es abgelehnt

habe, seinen künftigen Arbeitgeber zu nennen. In Anbetracht dessen meinte sie die geschuldeten Beträge zurückhalten zu dürfen « zur Deckung der aller Wahrscheinlichkeit nach per 1. Februar 1947 fällig werdenden Konventionalstrafe und zur späteren Verrechnung mit dieser ».

Indessen hatte die Beklagte weder aus Gesetz noch aus

Vertrag einen Anspruch darauf, zu erfahren, wo der

Kläger eine neue Stellung antreten werde. Daher war

die Haltung des Klägers an sich nicht pflichtwidrig. Auch

im Hinblick auf die beabsichtigte Verrechnung mit der

Konventionalstrafe kam der Beklagten kein Recht zu,

dem Kläger auf Ende Dezember 1946 das Arbeitsentgelt

und den Auslagenersatz vorzuenthalten. Denn damals

war eine Konventionalstrafe-Forderung noch gar nicht

entstanden und konnte darum nicht fällig sein. Es wäre

nicht anders gewesen, wenn der Kläger dem Wunsche.

der Beklagten entsprochen und den von ihr vorausgesehenen Übertritt in die Firma Schoop zugegeben hätte.

Erst die tatsächliche Verletzung des Konkurrenzverbotes

durch den Kläger machte die Beklagte zur Gläubigerin

der ausbedungenen Konventionalstrafe. Vorher gebrach

es an jeglicher Verrechnungsmöglichkeit. Und damit entfiel die Befugnis der Beklagten, das Guthaben des Klägers

zurückzubehalten, wie die Vorinstanz eingehend dargetan

hat.

b) ~.\llerdings war die Vermutung der Beklagten be-

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Obligationenrecht. N0 33.

gründet. Nicht nur ging der Kläger am 1. Februar 1947

wirklich zu Schoop. Schon im Zeitpunkte der Kündigung

Ende November 1946 hatte er, selbst wenn noch keine

vertragliche Bindung bestand, mit der Anstellung fest

gerechnet und war er, mindestens im Sinne eines Eventualvorsatzes, bereit gewesen, das Konkurrenzverbot zu brechen. Diese dem kantonalen Urteil entnommene Sachdarstellung bezeichnet der Kläger in der Berufungsantwort

als unbewiesene Annahme. Allein seine Bestreitung geht

aus von Behauptungen und Beweisangeboten, welche die

Vorinstanz keineswegs übersehen, sondern erörtert und

verworfen hat. Die bemängelten Feststellungen sind das

Ergebnis so gewollter Würdigung der Akten und Umstände.

Das Bundesgericht kann darauf nicht zurückkommen.

c) Die verbindlich ermittelte Entschlossenheit des

Klägers zur Missachtung des Konkurrenzverbotes ändert

nichts daran, dass die Handlungsweise der Beklagten

unzulässig war. Der Vorinstanz ist darin beizupflichten,

dass dem Kläger nach Vorenthaltung von Lohn und Spesenersatz für den Monat Dezember 1946 die Forsetzung

des Dienstverhältnisses nicht zugemutet werden konnte,

umsoweniger als mit Sicherheit die nämliche Stellungnahme der Beklagten für Ende Januar 1947 zu erwarten

stand. Der Kläger war daher berechtigt, den Vertrag

gemäss Art. 352 OR sofort aufzulösen.

Dagegen behielt die Konkurrenzklausel ihre verpflichtende Gültigkeit. Grundsätzlich wird der vorliegende

Sachverhalt von Art. 360 Abs. 2 OR überhaupt nicht

erfasst. Die Bestimmung will verhindern, dass der Dienstherr, welcher im eigenen Betrieb dem Dienstnehmer die

Weiterarbeit verunmöglicht, ihm auch noch eine anderweitige Betätigung verwehre oder erschwere. Dieser Grundgedanke trifft aber nicht zu, wo es um einen vom Dienstnehmer ohne Verschulden des Dienstherrn ordentlicherweise bereits gekündigten Vertrag geht. Denn hier führt

der nachträglich hinzutretende wichtige Grund nicht mehr

eigentlich zur Aufhebung des Dienstverhältnisses, son-

L

Motorfahrzeugverkehr. N° 34.

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dem lediglich zur Verkürzung seiner restlichen Dauer.

Davon abgesehen müsste dem Kläger ohnehin die Einrede

aus Art. 360 Abs. 2 OR wegen Verstosses gegen Treu

und Glauben versagt werden. Gewiss liess sich die Beklagte

durch die als solche nicht rechtswidrige Rückweisung

ihres Ansinnens an den Kläger zu einem unstatthaften

Verhalten ihm gegenüber verleiten, für welches sie die

unmittelbaren Folgen zu tragen hat. Jedoch war der Kläger ganz unabhängig von diesem Zwischenfall und lange

bevor es dazu kam schon gewillt, sich über das Konkurrenzverbot hinwegzusetzen. Darin liegt eine offenkundige und

schwerwiegende Verletzung der Vertragstreue. Wer eine

solche Einstellung zeigt, darf nicht eine spätere Unkorrektheit der Gegenpartei, zu derer überdies durch Verdachtserregung und nachheriges Stillschweigen selber beigetragen

hat, zum Vorwand nehmen, um sich des Konkurrenzverbotes zu entschlagen, an das er sich sonst hätte halten

müssen und das er tatsächlich übertreten hat. Gegenteilig

entscheiden hiesse, dem Kläger nicht nur die begangene

Verfehlung nachsehen, sondern ihn dafür durch Befreiung

. von der Sanktion sogar zu belohnen. Dass das mit Art. 2

ZGB nicht vereinbar ist, bedarf keiner weiteren Darlegung.

IV. MOTORFAHRZEUGVERKEHR

CIRCULATION ROUTIERE