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75_IV_163

BGE 75 IV 163

Bundesgericht (BGE) ·IV · 1949-09-12 · Deutsch CH
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Sachverhalt

Am 9. Oktober 1948 nachmittags schloss sich

K. mit seinem Kinde Jeanette, geb. 1940, im Garten-

164

Strafgesetzbuch. N° 38.

häuschen ein, welches sich in seiner Gemüsepflanzung in

0. befindet. Er stellte das Töchterchen auf die zweite oder

dritte Sprosse einer an die Wand gelehnten Leiter, zog dem

gegen die Wand gekehrten Kinde die Höschen herunter

und liess selbst seine Hosen fallen. Dann stiess er sein

erregtes Glied von hinten zwischen die obern Teile der

Oberschenkel des Mädchens und rieb es bis zum Samen-

erguss.

B. -

Das Obergericht des Kantons Zürich verurteilte

K. am 17. Juni 1949 ·wegen beischlafsähnlicher Hand-

lung im Sinne von Art. 191 Ziff. 1 StGB, unter Annahme

einer leichten Verminderung der Zurechnungsfähigkeit, zu

zweieinhalb Jahren Zuchthaus, stellte ihn für fünf Jahre

in der bürgerlichen Ehrenfähigkeit ein und entzog ihm

die elterliche Gewalt. Die erste Instanz hatte bloss eine

«andere unzüchtige Handlung>> (Art. 191 Ziff. 2 StGB)

. angenommen und eine bedingt vollziehbare Gefängnisstrafe

von eineni Jame ausgesprochen.

0. -

K. führt Nichtigkeitsbeschwerde Illit deni

Antrag, das Urteil des Obergerichts aufzuheben und den

Fall zur Beurteilung nach Art. 191 Ziff. 2 StGB an die

kantonale Instanz zurückzuweisen. Er bestreitet, dass die

immissio inter femora überhaupt eine beischlafsähnliche ·

Handlung im Sinne von Art. 191 Ziff. 1 sei, und macht

weiter geltend, jedenfalls sei sie es hier nicht, weil er sein

Glied nicht l (BGE 71 IV

191) zwischen die Oberschenkel des Mädchens gestossen

habe.

D. -

Die Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich bean-

tragt Abweisung der Beschwerde.

Der Kassationshof zieht

Volltext (verifizierbarer Originaltext)

38. Urteil des Kassationshofes vom 12. September 1949

i. S. K. gegen Staatsanwaltschaft des Kantons Zfhieh.

Art. 191 Ziff. 1 StGB. Die immis8io inter femora s~t ein~ bei-

schla.fsähnliche Handlung auch dann dar, wenn Ble von hinten

ausgeführt wird.

Art. 191 eh. 1 OP. L'immissio initer fe;m,ora constitU;e aussi un ~te

a.nalogue a. l'acte sexuel lorsqu'elle eat accomplie par dernere.

.Art 191 cifra 1 OP. L'immissio inter femora e un atto ana.logo

~l'atto sessua.Ie a.nche quando e compiuto di dietro.

A. -

Am 9. Oktober 1948 nachmittags schloss sich

K. mit seinem Kinde Jeanette, geb. 1940, im Garten-

164

Strafgesetzbuch. N° 38.

häuschen ein, welches sich in seiner Gemüsepflanzung in

0. befindet. Er stellte das Töchterchen auf die zweite oder

dritte Sprosse einer an die Wand gelehnten Leiter, zog dem

gegen die Wand gekehrten Kinde die Höschen herunter

und liess selbst seine Hosen fallen. Dann stiess er sein

erregtes Glied von hinten zwischen die obern Teile der

Oberschenkel des Mädchens und rieb es bis zum Samen-

erguss.

B. -

Das Obergericht des Kantons Zürich verurteilte

K. am 17. Juni 1949 ·wegen beischlafsähnlicher Hand-

lung im Sinne von Art. 191 Ziff. 1 StGB, unter Annahme

einer leichten Verminderung der Zurechnungsfähigkeit, zu

zweieinhalb Jahren Zuchthaus, stellte ihn für fünf Jahre

in der bürgerlichen Ehrenfähigkeit ein und entzog ihm

die elterliche Gewalt. Die erste Instanz hatte bloss eine

«andere unzüchtige Handlung>> (Art. 191 Ziff. 2 StGB)

. angenommen und eine bedingt vollziehbare Gefängnisstrafe

von eineni Jame ausgesprochen.

0. -

K. führt Nichtigkeitsbeschwerde Illit deni

Antrag, das Urteil des Obergerichts aufzuheben und den

Fall zur Beurteilung nach Art. 191 Ziff. 2 StGB an die

kantonale Instanz zurückzuweisen. Er bestreitet, dass die

immissio inter femora überhaupt eine beischlafsähnliche ·

Handlung im Sinne von Art. 191 Ziff. 1 sei, und macht

weiter geltend, jedenfalls sei sie es hier nicht, weil er sein

Glied nicht l (BGE 71 IV

191) zwischen die Oberschenkel des Mädchens gestossen

habe.

D. -

Die Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich bean-

tragt Abweisung der Beschwerde.

Der Kassationshof zieht in Erwägung :

Der Begriff der dem Beischlaf ähnlichen Handlung im

Sinne von Art. 191 Ziff. 1 StGB ist in der Rechtsprechung

des Kassationshofes noch nicht abschliessend umschrieben

worden. Der Gerichtshof hat aber erkannt, dass darunter

jedenfalls nicht nur der an der ungenügenden Entwicklung

Strafgesetzbuch. No 88.

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des Mädchens scheiternde Beischlafsversuch fällt, sondern

auch die immissio inter femora, gleichgültig ob das Opfer

ein Mädchen oder ein Knabe ist (BGE 71 IV 191 und dort

zitiertes Urteil vom 14. Juli 1944 i. S. Peter; Urteile vom

13. November 1945 i. S. Willelllin, voni 7. Juni 1946 i. S.

Clementi und vom 23. Dezeniber 1946 i. S. Clement). Ein

Grund, von dieser Praxis abzugehen, besteht nicht. Das

angefochtene Urteil entspricht ihr und ist daher nicht zu

beanstanden.

Der Beschwerdeführer wendet ein, er habe sein Glied

nicht <<in der Richtung auf die Scheide » eingeführt. Darauf

kann aber nichts ankommen. Freilich wurde diese Wendung

in BGE 71 IV 191 und im Urteil i. S. Peter gebraucht. Sie

hat aber nicht den Sinn einer Einschränkung, den ihr der

Beschwerdeführer beilegen will. Vielmehr' wollte der Kas-

sationshof einfach feststellen, dass jedenfalls auch dann

eine beischlafsähnliche Handlung vorliegt, wenn der Täter,

wie es in den damals zu beurteilenden Fällen zutraf, eine

immissio inter femora von vorne ausführt, auf diese Weise

mit seinem Glied in die Nähe der Scheide gelangt. Diesem

Sachverhalt ist indes der hier gegebene gleichzustellen. In

der Tat läuft es auf dasselbe hinaus, ob das Glied von

vorne oder, wie es hier geschah, von hinten zwischen die

Oberschenkel des Opfers gestossen wird. Auch im zweiten

Falle wird es in die Nähe der Scheide (oder des Geschlechts-

teils des Knaben) gebracht. Beide Ausführungsarten kom-

men dem natürlichen Beiwohnungsakte so nahe, dass sie

unter Art. 191 Ziff. 1 gezogen werden müssen, auch dann,

wenn das Glied nicht geradezu auf die Scheide (oder den

Geschlechtsteil des Knaben) gerichtet wird.

Demnach erkennt der Kassationshof :

Die Nichtigkeitsbeschwerde wird abgewiesen.