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74_I_403

BGE 74 I 403

Bundesgericht (BGE) ·I · 1948-12-10 · Deutsch CH
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Sachverhalt

K. wurde zum neuen Wehropfer und zur Wehr-

steuer III herangezogen.> Die Veranlagungsbehörde folgte

im wesentlichen. den Angaben in seiner Selbstschatzung.

Einsprache wurde nicht erhoben. Die auf Grund der Ver-

anlagungen berechneten Steuerbeträge sind bezahlt.

Nachträglich stellte der Pflichtige das Gesuch um teil-

weise Rückerstattung der entrichteten Wehropfer- und

Wehrsteuerbeträge. Er machte geltend, sein Vertreter, ein

Notar, habe bei der Ausfüllung der Steuererklärung über"

sehen, dass nach den ihm zur Verfügung gestellten Unter-

lagen beim Vermögen eine Grundpfandschuld und beini

Einkommen Hypothekarzinsen abzuziehen gewesen wären:

Er, der Pflichtige, selbst habe die Steuererklärung bei der

Unterzeichnung im Vertrauen auf den Vertreter nicht

überprüft und daher das Versehen nicht bemerkt. Der

Fehler sei in die Veranlagungen übergegangen. Er sei erst

bei der Ausfüllung der Erklärung für die Wehrsteuer IV

entdeckt worden.

Die eidg. Steuerverwaltung wies das Gesuch mit Ent-

scheid vom 10. Mai 1948 ab. Sie führte aus, die zurück-

geforderten Steuerbeträge seien geschuldet, da sie auf

Grund einer mangels Einsprache .htskräftig gewordenen

Veranlagung richtig berechnet worden seien.

B. -

Gegen diesen Entscheid erhebt K. Verwaltungs-

gerichtsbeschwerde mit dem Antrag, die Rückerstattung

der zuviel bezahlten Steuerbeträge anzuordnen. Er em-

pfindet es als stossend, dass die Steuerbehörde ungeachtet

des unterlaufenen Versehens die Rückleistung verweigere.

Buimesrechtliche Abgaben. N° 70.

405

Wenn der Wehrsteuerbeschluss für einen solchen Fall eine

Berichtigung nicht vorsehe, so liege eine Lücke vor, die

durch eine dem allgemeinen Rechtsempfinden entspre-

chende Praxis zu schliessen sei. Als Beleg für die Abzugs-

posten (Hypothekarschuld und Zinsen) wird die seinerzeit

vom Grundpfandgläubiger ausgestellte Quittung, vorge-

legt.

O. -

Die eidg. Steuerverwaltung beantragt Abweisung

der Beschwerde.

Erwägungen (3 Absätze)

E. 2 ~ Im vorliegenden Falle wird nicht die Richtigstel- lung eines Irrtums oder Rechnungsfehlers beim Steuer- bezug verlangt. Vielmehr wird die Rückerstattung von Steuerbeträg~n deshalb beansprucht, weil bei der Veran- lagung selbst Fehler unterlaufen, zulässige Abzüge vom Vermögen und Einkommen nicht vorgenommen worden s.eien. Die Rückleistung hätte daher zur Voraussetzung, dass die,m.angels rechtzeitiger Einsprache rechtskräftig gewol'd~n Einschätzungen· nachträglich herabgesetzt w,iirden. Somit, ist einzig zu prüfen, ob ein Grund zu einer solchen Revision vorliege.

E. 3 -'- In. den BundesratsbeachlÜS8en über die Erhebung einer Wehrsteuer und ~ines neuen Wehropfers ist die Mög- lichkeit einer Revision rechtskräftiger Veranlagungen nicht vorge[f6hen. Indessen hat das Bundesgericht in bezug auf den Militärpßichtersatzentschieden, dass trotz Fehlens einer Vorschrift im Steu.ergesetz einem Begehren um Revi- sion unter bestimmten Voraussetzungen Folge gegeben werden müsse. So. hat es in ständiger Rechtsprechung die Revision zugelassen, wenn die Veranlagung unter Ver- letzung .wesentlicher prozessualer Grundsätze zustande gekommen ist, wenn in dem Entscheid Tatsachen unbe- riickaichtigt geblieben sind, die zum Zwecke der Beur- teilung aus; (militär~) amtlichen UWrnden hätten entnom- men werden müssen, ferner in Fälle~ wo im Revisionsver- fahren Tatsachen oder Beweismittel vorgebracht werden, deren, Geltendmachung dem PHichtigen im früheren Ver'- fahren nicht möglich war (BGE 71 I 106 oben und Zit~te). Unter den nämlichen Voraussetzungen ist die Revision auch für die Wehrsteuer und das neue Wehropfer statthaft Bund_htliche Abgaben. N° 70, 407 (BGE 70 I 169, wo auf die Praxis in MilitärsteuersacheIi Bezug genommen wird).

E. 4 Hier liegt kein Revisionsgrundvor. Man hat es

insbesondere nicht mit Tatsachen oder Beweismitteln zu

tun, deren Geltendmachung dem PHichtigen im früheren

Verfahren unmöglich gewesen wäre. Auch war die Steuer-

behörde bei· der Veranlagung nicht etwa in der Lage, die

nun nachträglich vorgebrachten Tatsachen von Amtes

wegen gestützt auf eingereichte Unterlagen zu berück-

sichtigen; denn nach der eingezogenen Erkundigung war

das heute vorgelegte Beweismittel (Quittung des Hypo-

thekargläubigers) der Steuererklärung nicht. beigelegt.

Ebensowenig kann davon die Rede sein, dass die Veran-

lagungsbehörde jene Tatsachen von sich aus hätte heraulil-

finden sollen.

Wollte man, entsprechend einer gelegentlich ~ertretenen

Auffassung, die Revisionsgründe etwas weiter fas8eq, ein

Zurückkommen auf 'rechtskräftige Veranlagungen auch

dann gestatten, wenn die entscheidende Behörde von

handgreiflich unrichtigen tatsächlichen Vo~usset~ungen

ausgegangen ist oder ihre Verfügung auf offenkundig

falsche rechtliche Erwägungen gestützt hat (vgl. BGE<70 I

170 f.), so würde sich hier eine Revision offensichtlich

gleichwohl nicht rechtfertigen. Die Veranlagungen wui"flen

gestützt auf die Angaben in der Selbstschatzung . des

Pßichtigen getroffen. und es ist nicht bestritten, dass auf

dieser Grundlage die Steuerfaktoren richtig festgestellt

wurden.

Die Unterlassung der in Frage stehenden Abzüge vom

Vermögen und Einkommen ist vielmehr ausschliesslich

auf ein Versehen des Beschwerdef'ührers bzw. seiner Ver-

treters, für dessen Verhälten er einzustehen hat, zurück-

zuführen, Versehen, das zu spät bemerkt wurde, als dass

noch eine Berichtigung durch Einsprache und Beschwerde

möglich gewesen wäre. Die Folgen einer solchen Unter-

lassung hat der Betroffene sich selber zuzuschreiben. Die

vom Gesetzgeber gewollte Ordnung, wonach das Veran-

Verwaltungs- und Disziplinarrecht_

Iagungsverfahren im Interesse der Rechtssicherheit einmal

ein Ende :finden soll, schliesst es aus, auch in derartigen

Fällen die Revision zuzulassen. Davon, dass dies dem

allgemeinen Rechtsemp:finden zuwiderlaufe, kann im

Ernste nicht gesprochen werden_

Dispositiv
  1. Die Beschwerde wird abgewiesen.
Volltext (verifizierbarer Originaltext)

70. Urteil vom 10. Dezember 1948 i. S. K.

gegen eldg. Steuerverwaltung.

Wehr8teuer, Welwopjer 11.

1. Steuerbeträge, die a.uf Grund rechtskräftiger Ve~gen

richtig berechnet worden sind, können D:ur zuru!3~rs~ttet

werden, wenn die Voraussetzungen für eme ReVISIon Jener

Vera.nIa.gungen gegeben sind.

.

2. Revisionsgründe.

Vetwaltungs~ und DiSziplinarrecht.

Noo//}6(J/u lJ(j(jriflce et imp& pO'/J,r la tMfense nationale.

1. Les oontrihutiona qui ont ettS calcu16as correctement sur 180

hase d'une taxation passee en force ne peuvent etre rembours6eS

qu.e si las' eonditiona pour une revision de eette taxation sont

reunies.

,

2. Motifs de revision.

N'UfYVO sacriflpio ed impOBta per la dif6lJa nazionale.

1. Le eontrihuzioni ehe sono stare caloolate rettamerite in base

3d una tassazione divenuta definitiva possono essere restituite

soItanto se ricorrano gli estremi per 180 revisione della tassa.zione.

2. Motivi di revisione.

A. -

K. wurde zum neuen Wehropfer und zur Wehr-

steuer III herangezogen.> Die Veranlagungsbehörde folgte

im wesentlichen. den Angaben in seiner Selbstschatzung.

Einsprache wurde nicht erhoben. Die auf Grund der Ver-

anlagungen berechneten Steuerbeträge sind bezahlt.

Nachträglich stellte der Pflichtige das Gesuch um teil-

weise Rückerstattung der entrichteten Wehropfer- und

Wehrsteuerbeträge. Er machte geltend, sein Vertreter, ein

Notar, habe bei der Ausfüllung der Steuererklärung über"

sehen, dass nach den ihm zur Verfügung gestellten Unter-

lagen beim Vermögen eine Grundpfandschuld und beini

Einkommen Hypothekarzinsen abzuziehen gewesen wären:

Er, der Pflichtige, selbst habe die Steuererklärung bei der

Unterzeichnung im Vertrauen auf den Vertreter nicht

überprüft und daher das Versehen nicht bemerkt. Der

Fehler sei in die Veranlagungen übergegangen. Er sei erst

bei der Ausfüllung der Erklärung für die Wehrsteuer IV

entdeckt worden.

Die eidg. Steuerverwaltung wies das Gesuch mit Ent-

scheid vom 10. Mai 1948 ab. Sie führte aus, die zurück-

geforderten Steuerbeträge seien geschuldet, da sie auf

Grund einer mangels Einsprache .htskräftig gewordenen

Veranlagung richtig berechnet worden seien.

B. -

Gegen diesen Entscheid erhebt K. Verwaltungs-

gerichtsbeschwerde mit dem Antrag, die Rückerstattung

der zuviel bezahlten Steuerbeträge anzuordnen. Er em-

pfindet es als stossend, dass die Steuerbehörde ungeachtet

des unterlaufenen Versehens die Rückleistung verweigere.

Buimesrechtliche Abgaben. N° 70.

405

Wenn der Wehrsteuerbeschluss für einen solchen Fall eine

Berichtigung nicht vorsehe, so liege eine Lücke vor, die

durch eine dem allgemeinen Rechtsempfinden entspre-

chende Praxis zu schliessen sei. Als Beleg für die Abzugs-

posten (Hypothekarschuld und Zinsen) wird die seinerzeit

vom Grundpfandgläubiger ausgestellte Quittung, vorge-

legt.

O. -

Die eidg. Steuerverwaltung beantragt Abweisung

der Beschwerde.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:

L -

Die Veranlagung zur Wehrsteuer und zum neuen

~ehropfer wird in einem besonders geregelten Verfahren

festgestellt, an dem der Pflichtige teilzunehmen" zur Er-

zielung einer sachlich richtigen Einschätzung mitzuwirken

hat. Er hat, abgesehen von der Einreichung einer Selbst-

8chatzung, die ihm gegenüber vorgenommenen Veran-

lagungen zu überprüfen undallIällige Fehler in der hiefür

durch das Gesetz vorgesehenen Form, durch rechtzeitige

Einsprache und Beschwerde, zU rügen. Bleibt die Veran-

lagung unangefochten, 80 gilt sie als endgültige Feststel-

lung der Steuerschuld, die in Rechtskraft erwächst. Vor.,

behalten bleibt die Nachzahlung hinterzogener Steuern

(Art. 129 ff. WStB, Art. 20 WOB II). Im übrigen aber ist

die nachträgliche Abänderung einmal getroffener rechts-

kräftiger Veranlagungen im allgemeinen ausgeschlossen.

.Sierechtfertigt sich ausnahmsweise nur, wenn ein beson-

derer Revisionsgrund vorliegt.

Der Steuerpflichtige, der eine auf Grund einer rechts.,.

kräftigen Veranlagung richtig berechnete Steuerleistung

erbringt, zahlt eine Steuer, die geschuldet ist. Art. 126

WStB sieht die Rückerstattung nur für nicht geschuldete

Steuerbeträge vor. Er dient der Berichtigung von Irrtümern

beim Steuerbezug, nicht einer nachträglichen Überprüfung

der Veranlagung. Sein Abs. 2 stellt denn auch ausdrücklich

fest, dass jede rechtskräftig veranlagte Steuer. als ge-

4!)6

Verwaltungs- . und .1)isziplinarrecht.

schuldet gilt. Damit werden Begehren um Korrektur dar

Veranlagung im Rückerstattungsverfahren nach Art. 126

WStB ausgeschlossen. Dasselbe trifft, gemäss Art. 127

WStB,· auf. die Berichtigung von Rechnungsfehlem zu

(Urteil vom 2i Dezember 1947 i. S. Sch.-T., ASA 16, :r44).

Die Art; 128 und 127 WStB sind gemäss Art, 19 Abs. 3

WOB II auch für das neue Wehropfer anwendbar.

2. ~ Im vorliegenden Falle wird nicht die Richtigstel-

lung eines Irrtums oder Rechnungsfehlers beim Steuer-

bezug verlangt. Vielmehr wird die Rückerstattung von

Steuerbeträg~n deshalb beansprucht, weil bei der Veran-

lagung selbst Fehler unterlaufen, zulässige Abzüge vom

Vermögen und Einkommen nicht vorgenommen worden

s.eien. Die Rückleistung hätte daher zur Voraussetzung,

dass die,m.angels rechtzeitiger Einsprache rechtskräftig

gewol'd~n Einschätzungen· nachträglich herabgesetzt

w,iirden. Somit, ist einzig zu prüfen, ob ein Grund zu einer

solchen Revision vorliege.

3. -'- In. den BundesratsbeachlÜS8en über die Erhebung

einer Wehrsteuer und ~ines neuen Wehropfers ist die Mög-

lichkeit einer Revision rechtskräftiger Veranlagungen nicht

vorge[f6hen. Indessen hat das Bundesgericht in bezug auf

den Militärpßichtersatzentschieden, dass trotz Fehlens

einer Vorschrift im Steu.ergesetz einem Begehren um Revi-

sion unter bestimmten Voraussetzungen Folge gegeben

werden müsse. So. hat es in ständiger Rechtsprechung die

Revision zugelassen, wenn die Veranlagung unter Ver-

letzung .wesentlicher prozessualer Grundsätze zustande

gekommen ist, wenn in dem Entscheid Tatsachen unbe-

riickaichtigt geblieben sind, die zum Zwecke der Beur-

teilung aus; (militär~) amtlichen UWrnden hätten entnom-

men werden müssen, ferner in Fälle~ wo im Revisionsver-

fahren Tatsachen oder Beweismittel vorgebracht werden,

deren, Geltendmachung dem PHichtigen im früheren Ver'-

fahren nicht möglich war (BGE 71 I 106 oben und Zit~te).

Unter den nämlichen Voraussetzungen ist die Revision

auch für die Wehrsteuer und das neue Wehropfer statthaft

Bund_htliche Abgaben. N° 70,

407

(BGE 70 I 169, wo auf die Praxis in MilitärsteuersacheIi

Bezug genommen wird).

4. -

Hier liegt kein Revisionsgrundvor. Man hat es

insbesondere nicht mit Tatsachen oder Beweismitteln zu

tun, deren Geltendmachung dem PHichtigen im früheren

Verfahren unmöglich gewesen wäre. Auch war die Steuer-

behörde bei· der Veranlagung nicht etwa in der Lage, die

nun nachträglich vorgebrachten Tatsachen von Amtes

wegen gestützt auf eingereichte Unterlagen zu berück-

sichtigen; denn nach der eingezogenen Erkundigung war

das heute vorgelegte Beweismittel (Quittung des Hypo-

thekargläubigers) der Steuererklärung nicht. beigelegt.

Ebensowenig kann davon die Rede sein, dass die Veran-

lagungsbehörde jene Tatsachen von sich aus hätte heraulil-

finden sollen.

Wollte man, entsprechend einer gelegentlich ~ertretenen

Auffassung, die Revisionsgründe etwas weiter fas8eq, ein

Zurückkommen auf 'rechtskräftige Veranlagungen auch

dann gestatten, wenn die entscheidende Behörde von

handgreiflich unrichtigen tatsächlichen Vo~usset~ungen

ausgegangen ist oder ihre Verfügung auf offenkundig

falsche rechtliche Erwägungen gestützt hat (vgl. BGE<70 I

170 f.), so würde sich hier eine Revision offensichtlich

gleichwohl nicht rechtfertigen. Die Veranlagungen wui"flen

gestützt auf die Angaben in der Selbstschatzung . des

Pßichtigen getroffen. und es ist nicht bestritten, dass auf

dieser Grundlage die Steuerfaktoren richtig festgestellt

wurden.

Die Unterlassung der in Frage stehenden Abzüge vom

Vermögen und Einkommen ist vielmehr ausschliesslich

auf ein Versehen des Beschwerdef'ührers bzw. seiner Ver-

treters, für dessen Verhälten er einzustehen hat, zurück-

zuführen, Versehen, das zu spät bemerkt wurde, als dass

noch eine Berichtigung durch Einsprache und Beschwerde

möglich gewesen wäre. Die Folgen einer solchen Unter-

lassung hat der Betroffene sich selber zuzuschreiben. Die

vom Gesetzgeber gewollte Ordnung, wonach das Veran-

Verwaltungs- und Disziplinarrecht_

Iagungsverfahren im Interesse der Rechtssicherheit einmal

ein Ende :finden soll, schliesst es aus, auch in derartigen

Fällen die Revision zuzulassen. Davon, dass dies dem

allgemeinen Rechtsemp:finden zuwiderlaufe, kann im

Ernste nicht gesprochen werden_

Demnach erkennt das Bundesgericht:

Die Beschwerde wird abgewiesen.