Sachverhalt
G. gegen eidg. Steuerverwaltung.
Luxussteuer :
1. Begriff des Entgelts (Art. 15 LStB). Anwendung auf das
Abza.hlungsgeschäft.
2. Berechnung des Entgelts beim Umtausch von Luxuswal'en
(Art. 15 Abs. 3, Art. 20 Abs_ 3 LStB).
Impat BUr le luxe:
.
.
1. Notion de la remuneration (art. 15 AlL). ApphcatIon aux
ventes par acomptes.
2. Calcul de la remuneration en cas d'oohange d'articles de luxe
(art. 15 a1. 3, arte 20 al. 3 AlL).
I mposta sul lU8S0:
•
•
1. Nozione deUa controprestazione (art. 15 DIL). ApplicazlOne
alla vendita a pagamento ratea~e.
.
_.
..
2. Calcolo deUa oontroprestazione m oaso di cambIO dl merCl di
lusso (art. 15 cp. 3, arte 20 cp. 3 DIL).
A. -
Die Auto-Has A.-G. befasste sich bis Ende April
1944 auch mit der gewerbsmässigen lieferung von Radio-
apparaten und deren Bestandteilen im Detail und war
daher gemäss Art. 18 LStB im Register der Steuerpflich-
tigen eingetragen. Die eidg. Ste:uerverwaltung fordert von
ihr für die Zeit vom 1. Jan:uar 1943 bis zum 30. April
1944 Luxussteuern auf nicht versteuerten Umsätzen nach,
insbesondere auf Teilzahlungszuschlägen, Vertragsspesen
und einem Differenzposten, der zum Teil darauf zurück-
geführt wird, dass die Auto-Has A.-R bei Verkäufen
gebrauchte Apparate in Zahlung genommen und dabei
nur den vereinnahmten Barbetrag, das Aufgeld, versteuert
habe (Einspracheentschied vom 12. April 1948).
B. -
Mit der Verwaltungsgerichtsbeschwerde bean-
tragt die Auto-Has A.-G., den Einspracheentscheid aufzu-
heben und den geforderten Steuerbetrag herabzusetzen.
318
Verwaltungs- lind Disziplinarrecht_
Sie führt aus, für die Teilzahlungszuschläge und Ver-
tragsspesen könne keine Luxussteuer verlangt werden,
da sie nicht Entgelt für die Ware im Sinne der Art. 13,
15 LStB seien. Gegenleistung für die Lieferung der Ware
sei nur deren Detailverkaufswert, nicht aber all das, was
für die Krediterteilung und die damit verbundenen Spesen
(Barauslagen für die Eintragung des Eigentumsvorbehaltes,
die Information usw.) vergütet werden müsse. Mit den
Zinsen bei Abzahlungsgeschäften sei auch das Risiko
berücksichtigt, welches der Lieferer trage und welches
hier der Beschwerdeführerin vom Finanzierungsinstitut,
dem sie die ausstehenden Kaufpreisforderungen abtrat,
überbunden worden sei. Der Kunde, der genötigt sei, den
Kaufpreis in Raten zu zahlen, dürfe nicht schlechter
gestellt werden als derjenige, der den Radiohändler
sofort vollständig 'befriedige, aber hiefür bei· einer Bank
ein Darlehen aufnehmen müsse. Zudem müsste, sofern
auch die Teilzahlungszuschläge besteuert würden, der
Kunde auf der schon bezahlten Luxussteuer, die ihm ja
mit dem Kaufpreis auch gestundet worden sei, nochmals
Luxussteuer entrichten. Im Ergebnis würde nicht die
Luxusware, sondern die Inanspruchnahme von Kredit mit
Luxussteuer belastet.
Es gehe nicht an, beim Umtausch von Radioapparaten
die Luxussteuer für den ganzen Verkaufswert des nunmehr
gelieferten Apparates zu fordern. Es handle sich nicht
um einen neuen Verkauf, ·bei dem ein gebrauchter Apparat
in Zahlung genommen würde, sondern eben bloss um
einen Umtausch, bei dem der ursprünglich gelieferte
Apparat . zum vollen PreIse zurückgenommen werde.
Wenn gleich teure Apparate ausgetauscht werden, dürfe
daher keine Luxussteuer mehr verlangt werden. Ent-
sprechend habe der Kunde dann, wenn er einen teureren
Apparat eintausche, nur für den Mehrpreis die Steuer zu
bezahlen, da er sie für den infolge des Tausches angerech-
neten Betrag schon entrichtet habe. -
Das Bundesgericht weist die Beschwerde ab.
Bundesrechtliehe Abgaben. N° 60.
319
Erwägungen (2 Absätze)
E. 1 Radioapparate und deren Bestandteile gehören
zU den Warengattungen, die in .Anlage II zum LStB ver-
zeichnet sind. Die Beschwerdeführerin, welche solche
Waren gewerbsmässig im Detail lieferte, hatte daher
hiefür die Luxussteuer zu entrichten (Art. 1 Abs. 2, Art.
7, 9 f. LStB). Nach Art. 13 Abs. 1 lit. b, Art. 16 und 20
LStB wird die Steuer auf Lieferungen von Waren der
in .Anlage II bezeichneten Art von der Summe der während
der vierteljährlichen Steuerperiode vereinnahmten Ent-
gelte berechnet. Gemäss Art. 15 Abs. 1 daselbst gehört
zum Entgelt alles, was der Lieferer oder an seiner Stelle
ein Dritter als Gegenleistung für die Lieferung der Ware
erhält.
Diese Ordnung entspricht im wesentlichen derjenigen
des Warenumsatzsteuerbeschlusses, wonach bei Lieferun-
gen die Steuer ebenfalls von der Summe der während der
Steuerperiode vereinnahmten Entgelte berechnet wird
(Art. 20) und wonach zum Entgelt alles gehört, was der
Lieferer oder an seiner Stelle ein Dritter als Gegenleistung
für die Ware erhält (Art. 22 Abs. 1). Im Urteil vom 20.
September 1946 i. S. Friderich A.-G. (nicht veröffentlicht)
hat das Bundesgericht den Begriff des Entgelts im Waren-
umsatzsteuerrecht näher erläutert. Es hat ausgeführt:
« Es ist... ohne weiteres ersichtlich, dass das Gesetz mit
der gewählten Umschreibung die Gesamtheit der Leistun -
gen umfasst, die der Grossist, der liefert, (oder an seiner
Stelle ein Dritter) zufolge der Lieferung erhä~t. Das be-
. deutet, dass die Steuer, die der liefernde Grossist schuldet,
auf der Bruttoeinnahme zu berechnen ist, die er zufolge
der Lieferung erzielt ... Die Bruttoeinnahme aber umfasst
alle Leistungen, die dem Abnehmer überbunden werden,
ohne Unterschied danach, ob sie für den Emplänger der.
Leistung Kostenersatz oder Erträgnisse darstellen... Es ist
zuzugeben, dass die Definition, Gegenleistung für die
Ware, eine Einschränkung enthält, und dass an sich zu-
320
Verwaltungs- und Disziplins,rrooht.
nächst eine Aufteilung des für die Ware empfangenen
Entgelts in Warenpreis im engern Sinne und mit der
Übereignung der Ware verbundene Nebenleistungen ge-
dacht werden könnte. Indessen erscheint diese Auslegung
deswegen schlechtweg ausgeschlossen, weil das Gesetz
ausdrücklich,alle' Gegenleistungen für die Ware in das
Entgelt einbezieht, also auch die Nebenleistungen. Denn
eine Anordnung, die grundsätzlich,alle' Gegenleistungen
für die Ware umfasst (Art. 22 Abs. 1) und, anschliessend
daran, einzeln bezeichnete mit der Lieferung verbundene
Nebenleistungen nur unter näher bestimmten Voraus-
setzungen zum Abzuge zulässt (Art. 22 Abs. 2), kann nicht
wohl anders verstanden werden, als dass diese Neben-
leistungen an sich zum Entgelt im Sinne der Regel gehö-
ren würden. Sonst wären sie nicht nur bedingt auszu-
nehmen gewesen. Anderseits liegt darin die Bestätigung,
dass das Entgelt im Sinne der Regel die Nebenleistungen
überhaupt umfasst und die Ausnahmen davon (Art. 22
Abs. 2) abschliessend aufgezählt sind. »
Diese Erwägungen treffen auch für den Begriff des
Entgelts nach Art. 15 LStB zu, dessen Absätze 1 und 2
mit Art. 22 Abs. 1 Satz 1 und Abs. 2 WUStB sozusagen
wörtlich übereinstimmen_ Das Entgelt gemäss Art. 15
LStB umfasst daher alle Leistungen, die der Warenem-
pfänger dem Lieferer machen muss, damit er die Ware
erhält; ob sie für diesen Kostenersatz öder Erträgnisse
darstellen, ist gleichgültig. Die . « Gegenleistung» nach
Art. 15 LStB kann aus den angeführten Gründen nicht
im Warenpreis im engern Sinne erblickt werden, -
ab-
gesehen davon, dass eine solche einschränkende Ausle-
gung im Wortlaut dieser Bestimmung nicht die Stütze
findet, die· Art. 22 WUStB auf den ersten Blick zu bieten
scheint; spricht doch Art. 15 LStB von der Gegenleistung
für die Lieferung der Ware, während in Art. 22 WUStB
von der Gegenleistung für die Ware die Rede ist.
Danach kann keinem Zweifel unterliegen, dass im
hier zu beurteilenden Falle die vom Erwerberder Radio-
Bundesrechtliche Abga.ben. N0 60.
321
apparate vergüteten Vertragsspesen (für Information,
Eintragung des Eigentumsvorbehalts usw.) und Teil-,
zahlungszuschläge (Zinsen, in denen eine Risikoprämie
enthalten ist) zum steuerpflichtigen Entgelt gehören; denn
ohne ihre Zahlung wäre die Lieferung nicht erfolgt. Die
gesetzliche Ordnung (Art. 15 Abs. 1 in Verbindung mit
Abs. 2 LStB) schliesst es aus, sie vom steuerbaren Entgelt
abzuziehen. Dabei ist es angesichts der Bestimmung in
Art. 15 Abs. 1 LStB, welche dem Lieferer den an seine
Stelle tretenden Dritten gleichsetzt, ohne Belang, dass die
Teilzahlungszuschläge nicht an die Beschwerdeführerin
direkt, sondern an Finanzierungsinstitute geleistet wur-
den, insbesondere da diese, trotz formeller Abtretung der
Kaufpreisforderungen, lediglich Inkassomandatare der
Beschwerdefül1rerin waren.
Die Beschwerdeführerin scheint nach ihren Ausfüh-
rungen die Warenumsatz- und Luxussteuer in den Kauf-
preis einbezogen (verdeckt überwälzt) und mit diesem
teilweise gestundet zu haben. Die Teilzahlungszuschläge
wären in diesem Falle auch auf dem Betrag der über-
wälzten Abgaben erhoben worden. Nun bildet gemäss
Art. 13 Abs. 2 LStB die Warenumsatzsteuer, auch wenn
sie verdeckt überwälzt wird, nicht Bestandteil des steuer-
baren Entgelts. Man kann sich daher fragen, ob die in
den Teilzahlungszuschlägen enthaltene Entschädigung für
die Kreditierung der Warenumsatzsteuer, die selbst nicht
Entgelt ist, nichtsdestoweniger solches darstelle. Das ist
indes zu bejahen, da anzunehmen ist, dass die Teilzah-
lungszuschläge auch insoweit zu den Gegenleistungen
gehören, die der Empfänger erbringen muss, um die
Ware zu erhalten. Übrigens dürfte man wohl auch davon
ausgehen, dass die Warenumsatzsteuer in der behn Kaufs-
abschluss geleisteten Barzahlung enthalten ist und somit
für die Berechnung der Teilzahlungszuschläge nicht in
Betracht fallt. -
Ebenso sind die Zuschläge auch insoweit
Entgelt, als sie eine Entschädigung für die Kreditierung
der auf dem ursprünglichen Kaufpreis berechneten Luxus-
21
AB 74 I -
1948
Verwaltungs- und Disziplinarrecht.
steuer, von der übrigens in Art. 13 Abs. 2 LStB nicht die
Rede ist, in sich schliessen.
E. 2 Werden vereinnahmte Entgelte, für welche die
Steuer entrichtet worden ist, zurückvergütet, so kann nach
Art. 20 Abs. 3 LStB der dafür entrichtete Steuerbetrag
von der Steuer in Abzug gebracht werden, die für das
Kalendervierteljahr geschuldet ist, in dem die Rücker-
stattung erfolgte. Das gilt insbesondere für die Rücker-
stattung des Entgelts wegen Rückgängigmachung der
Leistung. Der Rückgängigmachung der Leistung ist der
Fall gleichzusetzen, wo der Lieferer gemäss vertraglicher
Abmachung die gelieferte Ware zurücknimmt, den dafür
bezahlten und allfällig noch geschuldeten Preis im vollen
Umfange gutschreibt und anstelle der ursprünglichen
Ware eine andere liefert. Dabei kann grundsätzlich nichts
darauf ankommen; innert welcher Frist nach der ersten
Lieferung dieser Umtausch stattfindet; indessen wird
diese Frist in der Regel kurz sein, da der Lieferer länger
gebrauchte Ware nicht mehr zum vollen Preise zurück-
nehmen wird~ Wenn ohne Preisabzug umgetauscht wird,
braucht der Lieferer die Luxussteuer für das erste Ge-
schäft nicht zu entrichten; wenn er sie bereits entrichtet
hat, kann er sie von der Steuer abziehen, die für die
Steuerperiode geschuldet wird, in der das Umtauschge-
schäft erfolgte. Hat der Steuerpflichtige die Steuer gemäss
Art. 23 LStB auf den Abnehmer überwälzt, so hat er
ihm neben dem Kaufpreis auch den Steuerbetrag gutzu-
schreiben; ist die Luxussteuer im Preis inbegriffen, so
erfasst die volle Gutschrift des Preises ohne weiteres auch
die überwälzte Luxussteuer. Anderseits hat der Lieferer
die Luxussteuer füi die UmtauschHeferung voll zu ent-
richten und darf sie auf den Käufer überwälzen. Anders
wäre allenfalls zu entscheiden, wenn für die zurückgenom--
mene Ware nur ein Teil des seinerzeit bezahlten Preises
angerechnet würde; in diesem Falle hätte man es wohl
nicht nur mit einem, sondern mit zwei steuerbaren Um-
sätzen zu tun, wobei für die Besteuerung des zweiten
Bundesrechtliehe Abga.ben. N° 61.
323
Geschäftes der Betrag, der durch die Warenhingabe
ausgeglichen wird, in das Entgelt einzurechnen wäre
(Art. 15 Abs. 3 LStB).
Hier hatte die Beschwerdeführerin gemäss Abmachung
mit den Käufern die . ursprünglich gelieferten Radio-
apparate, unter Gutschrift des vollen Preises für denjeni':'
gen der Umtauschapparate, zurückgenommen. Dabei hatte
sie die Luxussteuer für die stornierten Verkäufe nicht
entrichtet oder abgezogen. Dazu war sie nach dem Ge-
sagten berechtigt. Die eidg. Steuerverwaltung hat denn
auch insoweit keine Luxussteuer nachgefordert. Dagegen
ist die Beschwerdeführerin dann ohne weiteres pflichtig,
die Luxussteuer auf dem vollen Entgelt für die Umtausch-
apparate zu bezahlen und nicht nur, wie es geschehen
ist, auf dem Aufgeld. Dem Käufer geschieht dadurch
entgegen ihrer Meinung kein Unrecht; er hat die über-
wälzte Steuer nur einmal, nämlich vom Entgelt für die
eingetauschte -Ware, zu entrichten.
Volltext (verifizierbarer Originaltext)
60. Auszug aus dem Urteil vom 13. Juli 1948 i. S. Auto-Has
A.-G. gegen eidg. Steuerverwaltung.
Luxussteuer :
1. Begriff des Entgelts (Art. 15 LStB). Anwendung auf das
Abza.hlungsgeschäft.
2. Berechnung des Entgelts beim Umtausch von Luxuswal'en
(Art. 15 Abs. 3, Art. 20 Abs_ 3 LStB).
Impat BUr le luxe:
.
.
1. Notion de la remuneration (art. 15 AlL). ApphcatIon aux
ventes par acomptes.
2. Calcul de la remuneration en cas d'oohange d'articles de luxe
(art. 15 a1. 3, arte 20 al. 3 AlL).
I mposta sul lU8S0:
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1. Nozione deUa controprestazione (art. 15 DIL). ApplicazlOne
alla vendita a pagamento ratea~e.
.
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2. Calcolo deUa oontroprestazione m oaso di cambIO dl merCl di
lusso (art. 15 cp. 3, arte 20 cp. 3 DIL).
A. -
Die Auto-Has A.-G. befasste sich bis Ende April
1944 auch mit der gewerbsmässigen lieferung von Radio-
apparaten und deren Bestandteilen im Detail und war
daher gemäss Art. 18 LStB im Register der Steuerpflich-
tigen eingetragen. Die eidg. Ste:uerverwaltung fordert von
ihr für die Zeit vom 1. Jan:uar 1943 bis zum 30. April
1944 Luxussteuern auf nicht versteuerten Umsätzen nach,
insbesondere auf Teilzahlungszuschlägen, Vertragsspesen
und einem Differenzposten, der zum Teil darauf zurück-
geführt wird, dass die Auto-Has A.-R bei Verkäufen
gebrauchte Apparate in Zahlung genommen und dabei
nur den vereinnahmten Barbetrag, das Aufgeld, versteuert
habe (Einspracheentschied vom 12. April 1948).
B. -
Mit der Verwaltungsgerichtsbeschwerde bean-
tragt die Auto-Has A.-G., den Einspracheentscheid aufzu-
heben und den geforderten Steuerbetrag herabzusetzen.
318
Verwaltungs- lind Disziplinarrecht_
Sie führt aus, für die Teilzahlungszuschläge und Ver-
tragsspesen könne keine Luxussteuer verlangt werden,
da sie nicht Entgelt für die Ware im Sinne der Art. 13,
15 LStB seien. Gegenleistung für die Lieferung der Ware
sei nur deren Detailverkaufswert, nicht aber all das, was
für die Krediterteilung und die damit verbundenen Spesen
(Barauslagen für die Eintragung des Eigentumsvorbehaltes,
die Information usw.) vergütet werden müsse. Mit den
Zinsen bei Abzahlungsgeschäften sei auch das Risiko
berücksichtigt, welches der Lieferer trage und welches
hier der Beschwerdeführerin vom Finanzierungsinstitut,
dem sie die ausstehenden Kaufpreisforderungen abtrat,
überbunden worden sei. Der Kunde, der genötigt sei, den
Kaufpreis in Raten zu zahlen, dürfe nicht schlechter
gestellt werden als derjenige, der den Radiohändler
sofort vollständig 'befriedige, aber hiefür bei· einer Bank
ein Darlehen aufnehmen müsse. Zudem müsste, sofern
auch die Teilzahlungszuschläge besteuert würden, der
Kunde auf der schon bezahlten Luxussteuer, die ihm ja
mit dem Kaufpreis auch gestundet worden sei, nochmals
Luxussteuer entrichten. Im Ergebnis würde nicht die
Luxusware, sondern die Inanspruchnahme von Kredit mit
Luxussteuer belastet.
Es gehe nicht an, beim Umtausch von Radioapparaten
die Luxussteuer für den ganzen Verkaufswert des nunmehr
gelieferten Apparates zu fordern. Es handle sich nicht
um einen neuen Verkauf, ·bei dem ein gebrauchter Apparat
in Zahlung genommen würde, sondern eben bloss um
einen Umtausch, bei dem der ursprünglich gelieferte
Apparat . zum vollen PreIse zurückgenommen werde.
Wenn gleich teure Apparate ausgetauscht werden, dürfe
daher keine Luxussteuer mehr verlangt werden. Ent-
sprechend habe der Kunde dann, wenn er einen teureren
Apparat eintausche, nur für den Mehrpreis die Steuer zu
bezahlen, da er sie für den infolge des Tausches angerech-
neten Betrag schon entrichtet habe. -
Das Bundesgericht weist die Beschwerde ab.
Bundesrechtliehe Abgaben. N° 60.
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Aus den Erwägungen:
1. -
Radioapparate und deren Bestandteile gehören
zU den Warengattungen, die in .Anlage II zum LStB ver-
zeichnet sind. Die Beschwerdeführerin, welche solche
Waren gewerbsmässig im Detail lieferte, hatte daher
hiefür die Luxussteuer zu entrichten (Art. 1 Abs. 2, Art.
7, 9 f. LStB). Nach Art. 13 Abs. 1 lit. b, Art. 16 und 20
LStB wird die Steuer auf Lieferungen von Waren der
in .Anlage II bezeichneten Art von der Summe der während
der vierteljährlichen Steuerperiode vereinnahmten Ent-
gelte berechnet. Gemäss Art. 15 Abs. 1 daselbst gehört
zum Entgelt alles, was der Lieferer oder an seiner Stelle
ein Dritter als Gegenleistung für die Lieferung der Ware
erhält.
Diese Ordnung entspricht im wesentlichen derjenigen
des Warenumsatzsteuerbeschlusses, wonach bei Lieferun-
gen die Steuer ebenfalls von der Summe der während der
Steuerperiode vereinnahmten Entgelte berechnet wird
(Art. 20) und wonach zum Entgelt alles gehört, was der
Lieferer oder an seiner Stelle ein Dritter als Gegenleistung
für die Ware erhält (Art. 22 Abs. 1). Im Urteil vom 20.
September 1946 i. S. Friderich A.-G. (nicht veröffentlicht)
hat das Bundesgericht den Begriff des Entgelts im Waren-
umsatzsteuerrecht näher erläutert. Es hat ausgeführt:
« Es ist... ohne weiteres ersichtlich, dass das Gesetz mit
der gewählten Umschreibung die Gesamtheit der Leistun -
gen umfasst, die der Grossist, der liefert, (oder an seiner
Stelle ein Dritter) zufolge der Lieferung erhä~t. Das be-
. deutet, dass die Steuer, die der liefernde Grossist schuldet,
auf der Bruttoeinnahme zu berechnen ist, die er zufolge
der Lieferung erzielt ... Die Bruttoeinnahme aber umfasst
alle Leistungen, die dem Abnehmer überbunden werden,
ohne Unterschied danach, ob sie für den Emplänger der.
Leistung Kostenersatz oder Erträgnisse darstellen... Es ist
zuzugeben, dass die Definition, Gegenleistung für die
Ware, eine Einschränkung enthält, und dass an sich zu-
320
Verwaltungs- und Disziplins,rrooht.
nächst eine Aufteilung des für die Ware empfangenen
Entgelts in Warenpreis im engern Sinne und mit der
Übereignung der Ware verbundene Nebenleistungen ge-
dacht werden könnte. Indessen erscheint diese Auslegung
deswegen schlechtweg ausgeschlossen, weil das Gesetz
ausdrücklich,alle' Gegenleistungen für die Ware in das
Entgelt einbezieht, also auch die Nebenleistungen. Denn
eine Anordnung, die grundsätzlich,alle' Gegenleistungen
für die Ware umfasst (Art. 22 Abs. 1) und, anschliessend
daran, einzeln bezeichnete mit der Lieferung verbundene
Nebenleistungen nur unter näher bestimmten Voraus-
setzungen zum Abzuge zulässt (Art. 22 Abs. 2), kann nicht
wohl anders verstanden werden, als dass diese Neben-
leistungen an sich zum Entgelt im Sinne der Regel gehö-
ren würden. Sonst wären sie nicht nur bedingt auszu-
nehmen gewesen. Anderseits liegt darin die Bestätigung,
dass das Entgelt im Sinne der Regel die Nebenleistungen
überhaupt umfasst und die Ausnahmen davon (Art. 22
Abs. 2) abschliessend aufgezählt sind. »
Diese Erwägungen treffen auch für den Begriff des
Entgelts nach Art. 15 LStB zu, dessen Absätze 1 und 2
mit Art. 22 Abs. 1 Satz 1 und Abs. 2 WUStB sozusagen
wörtlich übereinstimmen_ Das Entgelt gemäss Art. 15
LStB umfasst daher alle Leistungen, die der Warenem-
pfänger dem Lieferer machen muss, damit er die Ware
erhält; ob sie für diesen Kostenersatz öder Erträgnisse
darstellen, ist gleichgültig. Die . « Gegenleistung» nach
Art. 15 LStB kann aus den angeführten Gründen nicht
im Warenpreis im engern Sinne erblickt werden, -
ab-
gesehen davon, dass eine solche einschränkende Ausle-
gung im Wortlaut dieser Bestimmung nicht die Stütze
findet, die· Art. 22 WUStB auf den ersten Blick zu bieten
scheint; spricht doch Art. 15 LStB von der Gegenleistung
für die Lieferung der Ware, während in Art. 22 WUStB
von der Gegenleistung für die Ware die Rede ist.
Danach kann keinem Zweifel unterliegen, dass im
hier zu beurteilenden Falle die vom Erwerberder Radio-
Bundesrechtliche Abga.ben. N0 60.
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apparate vergüteten Vertragsspesen (für Information,
Eintragung des Eigentumsvorbehalts usw.) und Teil-,
zahlungszuschläge (Zinsen, in denen eine Risikoprämie
enthalten ist) zum steuerpflichtigen Entgelt gehören; denn
ohne ihre Zahlung wäre die Lieferung nicht erfolgt. Die
gesetzliche Ordnung (Art. 15 Abs. 1 in Verbindung mit
Abs. 2 LStB) schliesst es aus, sie vom steuerbaren Entgelt
abzuziehen. Dabei ist es angesichts der Bestimmung in
Art. 15 Abs. 1 LStB, welche dem Lieferer den an seine
Stelle tretenden Dritten gleichsetzt, ohne Belang, dass die
Teilzahlungszuschläge nicht an die Beschwerdeführerin
direkt, sondern an Finanzierungsinstitute geleistet wur-
den, insbesondere da diese, trotz formeller Abtretung der
Kaufpreisforderungen, lediglich Inkassomandatare der
Beschwerdefül1rerin waren.
Die Beschwerdeführerin scheint nach ihren Ausfüh-
rungen die Warenumsatz- und Luxussteuer in den Kauf-
preis einbezogen (verdeckt überwälzt) und mit diesem
teilweise gestundet zu haben. Die Teilzahlungszuschläge
wären in diesem Falle auch auf dem Betrag der über-
wälzten Abgaben erhoben worden. Nun bildet gemäss
Art. 13 Abs. 2 LStB die Warenumsatzsteuer, auch wenn
sie verdeckt überwälzt wird, nicht Bestandteil des steuer-
baren Entgelts. Man kann sich daher fragen, ob die in
den Teilzahlungszuschlägen enthaltene Entschädigung für
die Kreditierung der Warenumsatzsteuer, die selbst nicht
Entgelt ist, nichtsdestoweniger solches darstelle. Das ist
indes zu bejahen, da anzunehmen ist, dass die Teilzah-
lungszuschläge auch insoweit zu den Gegenleistungen
gehören, die der Empfänger erbringen muss, um die
Ware zu erhalten. Übrigens dürfte man wohl auch davon
ausgehen, dass die Warenumsatzsteuer in der behn Kaufs-
abschluss geleisteten Barzahlung enthalten ist und somit
für die Berechnung der Teilzahlungszuschläge nicht in
Betracht fallt. -
Ebenso sind die Zuschläge auch insoweit
Entgelt, als sie eine Entschädigung für die Kreditierung
der auf dem ursprünglichen Kaufpreis berechneten Luxus-
21
AB 74 I -
1948
Verwaltungs- und Disziplinarrecht.
steuer, von der übrigens in Art. 13 Abs. 2 LStB nicht die
Rede ist, in sich schliessen.
2. -
Werden vereinnahmte Entgelte, für welche die
Steuer entrichtet worden ist, zurückvergütet, so kann nach
Art. 20 Abs. 3 LStB der dafür entrichtete Steuerbetrag
von der Steuer in Abzug gebracht werden, die für das
Kalendervierteljahr geschuldet ist, in dem die Rücker-
stattung erfolgte. Das gilt insbesondere für die Rücker-
stattung des Entgelts wegen Rückgängigmachung der
Leistung. Der Rückgängigmachung der Leistung ist der
Fall gleichzusetzen, wo der Lieferer gemäss vertraglicher
Abmachung die gelieferte Ware zurücknimmt, den dafür
bezahlten und allfällig noch geschuldeten Preis im vollen
Umfange gutschreibt und anstelle der ursprünglichen
Ware eine andere liefert. Dabei kann grundsätzlich nichts
darauf ankommen; innert welcher Frist nach der ersten
Lieferung dieser Umtausch stattfindet; indessen wird
diese Frist in der Regel kurz sein, da der Lieferer länger
gebrauchte Ware nicht mehr zum vollen Preise zurück-
nehmen wird~ Wenn ohne Preisabzug umgetauscht wird,
braucht der Lieferer die Luxussteuer für das erste Ge-
schäft nicht zu entrichten; wenn er sie bereits entrichtet
hat, kann er sie von der Steuer abziehen, die für die
Steuerperiode geschuldet wird, in der das Umtauschge-
schäft erfolgte. Hat der Steuerpflichtige die Steuer gemäss
Art. 23 LStB auf den Abnehmer überwälzt, so hat er
ihm neben dem Kaufpreis auch den Steuerbetrag gutzu-
schreiben; ist die Luxussteuer im Preis inbegriffen, so
erfasst die volle Gutschrift des Preises ohne weiteres auch
die überwälzte Luxussteuer. Anderseits hat der Lieferer
die Luxussteuer füi die UmtauschHeferung voll zu ent-
richten und darf sie auf den Käufer überwälzen. Anders
wäre allenfalls zu entscheiden, wenn für die zurückgenom--
mene Ware nur ein Teil des seinerzeit bezahlten Preises
angerechnet würde; in diesem Falle hätte man es wohl
nicht nur mit einem, sondern mit zwei steuerbaren Um-
sätzen zu tun, wobei für die Besteuerung des zweiten
Bundesrechtliehe Abga.ben. N° 61.
323
Geschäftes der Betrag, der durch die Warenhingabe
ausgeglichen wird, in das Entgelt einzurechnen wäre
(Art. 15 Abs. 3 LStB).
Hier hatte die Beschwerdeführerin gemäss Abmachung
mit den Käufern die . ursprünglich gelieferten Radio-
apparate, unter Gutschrift des vollen Preises für denjeni':'
gen der Umtauschapparate, zurückgenommen. Dabei hatte
sie die Luxussteuer für die stornierten Verkäufe nicht
entrichtet oder abgezogen. Dazu war sie nach dem Ge-
sagten berechtigt. Die eidg. Steuerverwaltung hat denn
auch insoweit keine Luxussteuer nachgefordert. Dagegen
ist die Beschwerdeführerin dann ohne weiteres pflichtig,
die Luxussteuer auf dem vollen Entgelt für die Umtausch-
apparate zu bezahlen und nicht nur, wie es geschehen
ist, auf dem Aufgeld. Dem Käufer geschieht dadurch
entgegen ihrer Meinung kein Unrecht; er hat die über-
wälzte Steuer nur einmal, nämlich vom Entgelt für die
eingetauschte -Ware, zu entrichten.