Sachverhalt
Am 18. April 1942 vereinbarten Landwirt Schweg-
ler Weinhändler Julius Bucher und Amtsschreiber Roman
,
.
Amrein, alle wohnhaft in Willisau, die Errichtungelller
Gesellschaft für den Ankauf einer Landparzelle in Mauen-
see und deren Ausbeutung auf Torf. Die Unternehmung
wurde als eine einfache Gesellschaft im Sinne von Art.
530 ff. ZGB bezeichnet und es wurde ihr der Name « Gesell-
schaft für Torfausbeutung Willisau» beigelegt. Am 8.
Juni 1942 trat der Kohlenhändler Hugo Walthert in
Willisau der Gesellschaft bei mit den nämlichen Anteils-
rechten wie die bisherigen Teilhaber, sodass jeder Gesell-
schafter am Geschäft mit einem Viertel teilnahm. Gleich-
zeitig wurden Ausbeutungsrechte in Kottwil und Buttis-
holz erworben.
Im November 1944 starb der Gesellschafter Roman
Amrein. Die Gesellschaft löste sich am 20. April 1945 auf
und das Liquidathmsergebnis wurde unter die überlebenden
Gesellschafter und die Erben des Verstorbenen verteilt.
B. -
In der Annahme, bei der 1942 errichteten Gesell-
sch8.ft handle es sich um eine einfache Gesellschaft, hatte
die eidg. Steuerverwaltung die einzelnen Gesellschafter
im Laufe des Jahres 1943 zur Abgabe der Steuererklärung
für die Kriegsgewinnsteuer 1942 aufgefordert. Der Gesell-
schafter Schwegler, der auch noch persönlich Torf aus-
beutet, wurde für seinen eigenen Geschäftsgewinn und
für den Anteil am Reingewinn der Gesellschaft einge-
schätzt. Die Veranlagung der übrigen Gesellschafter
wurde einstweilen zurückgelegt.
O. -
Nachträglich kam die Steuerverwaltung zu der
Au:ffassung, dass es sich um eine Kollektivgesellschaft
handle und dass die Steuerpflicht die Gesellschaft, nicht
die einzelnen Gesellschafter persönlich treffe. Sie schätzte
daher die Gesellschaft ein und änderte die Einschätzung
des Gesellschafters Schwegler ab.
Bundeareohtliche Abgaben. N0 ".
313
D. "-Mit der Verivaltungsgerichtsbeschwerde wird
beantragt, das gegeniiberder Gesellschaft eingeleitete
Einschätzungsverfahren aufzuheben, eventuell: festzu-
stellen, dass .die am '20. April 1945 aufgelöste « Gesellschaft
für 'l'orfausbeutung Willisau », bezw. die Beschwerde-
fü1lrer als deren Rechtsnachfolger, nicht kriegsgewinn-
steuerpflichtig seien. Zur Begründung wird ausgeführt, die
eidg. Steuerverwaltung habe die Beschwerdeführer für
den Kriegsgewinn, den sie 1942 aus der « Gesellschaft für
Torfausbeutung » gezogen haben sollen, bereits einzeln
veranlagt. Damit habe die Einschätzungsbehörde aner-
kannt, dass es sich um verschiedene Verfahren für die
anteilsmässige Besteuerung des Kriegsgewinns aus einer
eiIifachen Gesellschaft handle. ßegenüber dem Gesell~
schafter Schwegler sei das Verfahren in der Weise abge-
schlossen worden, dass der Gewinn aus der Gesellschaft in
die Besteuerung für die daneben betriebene eigene Torf-
ausbeutung einbezogen wurde. Es handle sich somit um
eine beurteilte Sache. Es werde· willkürlich eine Revision
der rechtlichen Beurteilung versucht, nachdem es sich
herausgestellt habe, dass bei einer Besteuerung der einzel-
nen Gesellschafter nur Schwegler kriegsgewinnsteuerpflich-
tig würde.
Die übrigen Gesellschafter seien einzeln veranlagt
worden. Daraus ergebe sich die Einrede der Rechts-
hängigkeit· für die von ihnen pro 1942 verlangte Kriegs-
gewinDsteuer, und es könne für die nämliche Steuer nicht
ein neues Verfahren eingeleitet werden.
Die aufgelöste Gesellschaft sei nicht, wie die Verwaltung
jetzt annehme, eine Kollektivgesellschaft gewesen, sondern
eine einfache Gesellschaft. Die Verwaltung selbst habe
früher angenommen, es handle sich um eine einfache
Gesellschaft, und die Beschwerdeführer hätten dieser
Erledigung zugestimmt. 'Übrigens sei eine Besteuerung
einer Untemehmung als Kollektivgesellschaft unzulässig,
l!Iol8.Jlge der Charakter nicht festgestellt und die Unter-
nehmung im Handelsregister als Kollektivgesellschaft
314.
Verwaltungs. und DiazipliDarreoht.
eingetragen sei. Bis dahin sei sie auch nicht durchführbar.
Das Bundesgericht, hat die Beschwerde abgewiesen.
A'U8 den Erwägungen, :
2. -
Die am 18. April 1942 errichtete und am 20. April
1945 aufgelöste Gesellschaft für Torfausbeutung Willisau
war eine Kollektivgesellschaft. Denn die GeSellschafter
hatten sich zum Betriebe eines nach kaufmännischer
Art geführten Gewerbes und ohne ihre Haftung gegenüber
den Gesellschaftsgläubigern zu beschränken. unter gemein-
samer Firma zusammengeschlossen. Sie hatten damit eine
Vereinigung geschaffen, die alle Erfordernisse einer Kol-
lektivgesellschaft (Art. 552, Abs. 1 OR) erfüllt. Die Gesell-
schaft ist errichtet worden zum Zwecke der Ausbeutung
von Torf in einem eigenen und in weiteren, später hinzu
gepachteten Grundstücken. Sie war. eine auf die Dauer
errichtete Unternehmung, nicht bloss eine Verbindung zu
einem einzelnen, einmaligen Gelegenheitsgeschäft. Der
Torf sollte in den Handel gebracht, in einem nach kauf-
männischer Art geführten Gewerbe verwertet werden.
Die Gesellschafter traten unter einer gemeinsamen Firma
auf. Dass die Firma den Vorschriften über Gesellschafts-
firmen insofern nicht entsprach, als sie keinen Familien-
nahmen enthielt (vgl. Art. 947 OR), ist jedenfalls hier
für den Charakter der Gesellschaft als Kollektivgesell-
schaft ohne Bedeutung (SIEGWABT.Konimentar, Nr. 8 zu
Art. 552 OR). Die Beteiligten gaben das Gesellschaftsver-
hältnis nach aussen, gegenüber Dritten bekannt; sie
waren nicht Teilhaber einer stillen Gesellschaft. Nach den
getroffenen Vereinbarungen waren die Gesellschafter zu
gleichen Teilen berechtigt und verpflichtet. Eine Be-
schränkung der Haftung wurde damit nicht verbunden.
Eines schriftlichen Vertrages bedurfte es nicht. Für die
Begründung einer
Kollektivg~llschaft ist weder ein
schriftlicher Vertrag; noch die Eintragung im Handels-
register erforderlich. Schriftlichkeit ist nur vorgeschrieben
für die Anmeldung im Handelsregister (Art. 556, Aha. 1
Bundesrechtliohe Abgaben. N0 4.11.
315
OR). Der Vertragsabschluss kann mündlich sein (HABT-
MANN, Kommentar, Nr. 9 ff. zu Art. 552 OR). Der Handel-
registeJeintrag ergeht über ein bestehendes Gesellschafts-
verhältnis (Art. 552, Aha. 2 OR). Er hat nicht konstitutive
Bedeutung. Unrichtig ist auch die Annahme der Beschwer-
deführer. dass die Frage. ob es sich um eine einfache oder
eine Kollektivgesellschaft handle, in einem Feststellungs-
verfahren auf Eintragung im Handelsregister hätte ab-
geklärt werden müssen. Die Bezeichnung als « einfache
Gesellschaft» und der Hinweis auf «Art. 530, OR» im
Vertrage vom 18. Aprll1942 waren irrtümlich, unvereinbar
mit der gesetzlichen Ordnung. wonach den Gesellschaften,
bei denen die Voraussetzungen einer andern im Gesetz
geordneten Gesellschaftsform zutreffen. die Anerkennung
als einfache Gesellschaften versagt ist (Art. 530. Abs. 2
OR).
War aber jene « Gesellschaft für Torfausbeutung Willi-
sau » richtigerweise, entgegen dem Wortlaut des Gesell-
schaftsvertrages, als Kollektivgesellschaft zu charakteri-
sieren. so musste nach Art. I. Abs. 1 lit. bund Abs. 3
KGStB die Besteuerung gegenüber der Gesellschaft
durchgeführt werden. Dies ist mit der hier angefochtenen
Veranlagung. geschehen.
3. -
Dass die Steuerbehörde ursprünglich, offenbar
unter dem Eindrucke der unrichtigen Charakterisierung
der Unternehmung im Gesellschaftsvertrage und gestützt
auf die Angaben der Teilhaber, von der Annahme aus-
gegangen war, dass es sich um eine einfache Gesellschaft
handle, steht der. Besteuerung nicht entgegen. Gegenüber
den Gesellschaftern Bucher und Walthert, sowie den
, Rechtsnachfolgern des Gesellschafters Amrein hat sie sich
nicht ausgewirkt. Sie führte lediglich zu der Einforderung
von Steuererklärungen und Auskünften; eine Einschät-
zung erging nicht, sodass von Rechtshängigkeit nicht die
Rede sein kann.
Der Gesellschafter Schwegler war bei seiner persönlichen
Einschätzung zugleich auch für die aus der Gesellschaft
316
Verwaltungs. und ·Disziplinarreoht.
herrührenden Gewinne veranlagt worden und hatte die
Steuer bezahlt. Die ~irischätzung ist aber im AnschlusS
an die Besteuerung der Kollektivgesellschaft revi~rt und
der "Überschuss über die nach . der neuen Berechnung
geschuldete Steuer zurückerstattet (dem Steuerpflich-
tigen gutgeschrieben) worden. Dass die persönliche Ein-
schätzung Schweglers bereits in Rechtskraft erwachsen
war, steht dieser Erledigung nicht entgegen. Denn nach-
dem es sich herausgestellt hatte, dass Schwegler für einen
Gewinn besteuert worden war,· der bei einem andern
Steuersubjekt zu erfassen gewesen wäre, musste die
Besteuerung gegenüber dem richtigen SteueJ;'Subjekt durch-
geführt und die persönliche Einschätzung Schweglers
revidiert, der dadurch geschaffenen Lage angepasRt wer-
den.
Erwägungen (2 Absätze)
E. 2 Die am 18. April 1942 errichtete und am 20. April
1945 aufgelöste Gesellschaft für Torfausbeutung Willisau
war eine Kollektivgesellschaft. Denn die GeSellschafter
hatten sich zum Betriebe eines nach kaufmännischer
Art geführten Gewerbes und ohne ihre Haftung gegenüber
den Gesellschaftsgläubigern zu beschränken. unter gemein-
samer Firma zusammengeschlossen. Sie hatten damit eine
Vereinigung geschaffen, die alle Erfordernisse einer Kol-
lektivgesellschaft (Art. 552, Abs. 1 OR) erfüllt. Die Gesell-
schaft ist errichtet worden zum Zwecke der Ausbeutung
von Torf in einem eigenen und in weiteren, später hinzu
gepachteten Grundstücken. Sie war. eine auf die Dauer
errichtete Unternehmung, nicht bloss eine Verbindung zu
einem einzelnen, einmaligen Gelegenheitsgeschäft. Der
Torf sollte in den Handel gebracht, in einem nach kauf-
männischer Art geführten Gewerbe verwertet werden.
Die Gesellschafter traten unter einer gemeinsamen Firma
auf. Dass die Firma den Vorschriften über Gesellschafts-
firmen insofern nicht entsprach, als sie keinen Familien-
nahmen enthielt (vgl. Art. 947 OR), ist jedenfalls hier
für den Charakter der Gesellschaft als Kollektivgesell-
schaft ohne Bedeutung (SIEGWABT.Konimentar, Nr. 8 zu
Art. 552 OR). Die Beteiligten gaben das Gesellschaftsver-
hältnis nach aussen, gegenüber Dritten bekannt; sie
waren nicht Teilhaber einer stillen Gesellschaft. Nach den
getroffenen Vereinbarungen waren die Gesellschafter zu
gleichen Teilen berechtigt und verpflichtet. Eine Be-
schränkung der Haftung wurde damit nicht verbunden.
Eines schriftlichen Vertrages bedurfte es nicht. Für die
Begründung einer
Kollektivg~llschaft ist weder ein
schriftlicher Vertrag; noch die Eintragung im Handels-
register erforderlich. Schriftlichkeit ist nur vorgeschrieben
für die Anmeldung im Handelsregister (Art. 556, Aha. 1
Bundesrechtliohe Abgaben. N0 4.11.
315
OR). Der Vertragsabschluss kann mündlich sein (HABT-
MANN, Kommentar, Nr. 9 ff. zu Art. 552 OR). Der Handel-
registeJeintrag ergeht über ein bestehendes Gesellschafts-
verhältnis (Art. 552, Aha. 2 OR). Er hat nicht konstitutive
Bedeutung. Unrichtig ist auch die Annahme der Beschwer-
deführer. dass die Frage. ob es sich um eine einfache oder
eine Kollektivgesellschaft handle, in einem Feststellungs-
verfahren auf Eintragung im Handelsregister hätte ab-
geklärt werden müssen. Die Bezeichnung als « einfache
Gesellschaft» und der Hinweis auf «Art. 530, OR» im
Vertrage vom 18. Aprll1942 waren irrtümlich, unvereinbar
mit der gesetzlichen Ordnung. wonach den Gesellschaften,
bei denen die Voraussetzungen einer andern im Gesetz
geordneten Gesellschaftsform zutreffen. die Anerkennung
als einfache Gesellschaften versagt ist (Art. 530. Abs. 2
OR).
War aber jene « Gesellschaft für Torfausbeutung Willi-
sau » richtigerweise, entgegen dem Wortlaut des Gesell-
schaftsvertrages, als Kollektivgesellschaft zu charakteri-
sieren. so musste nach Art. I. Abs. 1 lit. bund Abs. 3
KGStB die Besteuerung gegenüber der Gesellschaft
durchgeführt werden. Dies ist mit der hier angefochtenen
Veranlagung. geschehen.
E. 3 Dass die Steuerbehörde ursprünglich, offenbar
unter dem Eindrucke der unrichtigen Charakterisierung
der Unternehmung im Gesellschaftsvertrage und gestützt
auf die Angaben der Teilhaber, von der Annahme aus-
gegangen war, dass es sich um eine einfache Gesellschaft
handle, steht der. Besteuerung nicht entgegen. Gegenüber
den Gesellschaftern Bucher und Walthert, sowie den
, Rechtsnachfolgern des Gesellschafters Amrein hat sie sich
nicht ausgewirkt. Sie führte lediglich zu der Einforderung
von Steuererklärungen und Auskünften; eine Einschät-
zung erging nicht, sodass von Rechtshängigkeit nicht die
Rede sein kann.
Der Gesellschafter Schwegler war bei seiner persönlichen
Einschätzung zugleich auch für die aus der Gesellschaft
316
Verwaltungs. und ·Disziplinarreoht.
herrührenden Gewinne veranlagt worden und hatte die
Steuer bezahlt. Die ~irischätzung ist aber im AnschlusS
an die Besteuerung der Kollektivgesellschaft revi~rt und
der "Überschuss über die nach . der neuen Berechnung
geschuldete Steuer zurückerstattet (dem Steuerpflich-
tigen gutgeschrieben) worden. Dass die persönliche Ein-
schätzung Schweglers bereits in Rechtskraft erwachsen
war, steht dieser Erledigung nicht entgegen. Denn nach-
dem es sich herausgestellt hatte, dass Schwegler für einen
Gewinn besteuert worden war,· der bei einem andern
Steuersubjekt zu erfassen gewesen wäre, musste die
Besteuerung gegenüber dem richtigen SteueJ;'Subjekt durch-
geführt und die persönliche Einschätzung Schweglers
revidiert, der dadurch geschaffenen Lage angepasRt wer-
den.
Volltext (verifizierbarer Originaltext)
45. Auszug aus dem Urteil vom 19. September 1147 i. S.
Amrein und KoDSOl'ten gegen eidg. Steuerverwaltung.
Kriegsgewiflln8teuer: 1. Die Kollektivgesel1schaft aJs Steuersubjekt.
2. Stellt sich nachträglich heraus, dass ein Gewinn, der in eine
StE'Uerberechnung einbezogen wurde, bei einem sndem Steuer-
subjekt zu erfassen gewesen' wäre, so muss die Besteuerung
gegenüber dem richtigen Steuersubjekt durchgeführt und die
Veranlagung
des andem Steuerpflichtigen revidiert, der
dadurch geschaffenen Lage angepasst werden.
I.t BUr les bl;n,I,fices da guerre. 1. La societ6 en nom collectif
en tsnt que contribuable.
2. S'il apparait apres coup qu'un Mnefice porte da.ns un decompte
d'impöt aurBit du en fait~tre compris da.ns ]e compte dun
autre assujetti. l'impöt doit WOrB ~re rec]ame au contribuable
qui en est reellement le debiteur et l'assiette de l'impöt de
l'autre assujetti doit 6tre rectifiee en consequence.
Imp08ta BUi pro{itli dipendenti daUa gu.erra. 1. La societ8. in nome
collettivo come contribuente.
2. Se ulteriormente risulta ehe un utile compreso in una partita
d'impostaavrebbe dovuto essere incluso neUa partita d'un aJtro
112
Verwaltungs- . und Disziplinarrecht.
contribuente, l'imposta dev'essere chies~ a1 con~ribuente ch:e
ne e effettivamente debitore e 1& tassazlone dell altro contn-
buente dev'essere rettificata..
A. -Am 18. April 1942 vereinbarten Landwirt Schweg-
ler Weinhändler Julius Bucher und Amtsschreiber Roman
,
.
Amrein, alle wohnhaft in Willisau, die Errichtungelller
Gesellschaft für den Ankauf einer Landparzelle in Mauen-
see und deren Ausbeutung auf Torf. Die Unternehmung
wurde als eine einfache Gesellschaft im Sinne von Art.
530 ff. ZGB bezeichnet und es wurde ihr der Name « Gesell-
schaft für Torfausbeutung Willisau» beigelegt. Am 8.
Juni 1942 trat der Kohlenhändler Hugo Walthert in
Willisau der Gesellschaft bei mit den nämlichen Anteils-
rechten wie die bisherigen Teilhaber, sodass jeder Gesell-
schafter am Geschäft mit einem Viertel teilnahm. Gleich-
zeitig wurden Ausbeutungsrechte in Kottwil und Buttis-
holz erworben.
Im November 1944 starb der Gesellschafter Roman
Amrein. Die Gesellschaft löste sich am 20. April 1945 auf
und das Liquidathmsergebnis wurde unter die überlebenden
Gesellschafter und die Erben des Verstorbenen verteilt.
B. -
In der Annahme, bei der 1942 errichteten Gesell-
sch8.ft handle es sich um eine einfache Gesellschaft, hatte
die eidg. Steuerverwaltung die einzelnen Gesellschafter
im Laufe des Jahres 1943 zur Abgabe der Steuererklärung
für die Kriegsgewinnsteuer 1942 aufgefordert. Der Gesell-
schafter Schwegler, der auch noch persönlich Torf aus-
beutet, wurde für seinen eigenen Geschäftsgewinn und
für den Anteil am Reingewinn der Gesellschaft einge-
schätzt. Die Veranlagung der übrigen Gesellschafter
wurde einstweilen zurückgelegt.
O. -
Nachträglich kam die Steuerverwaltung zu der
Au:ffassung, dass es sich um eine Kollektivgesellschaft
handle und dass die Steuerpflicht die Gesellschaft, nicht
die einzelnen Gesellschafter persönlich treffe. Sie schätzte
daher die Gesellschaft ein und änderte die Einschätzung
des Gesellschafters Schwegler ab.
Bundeareohtliche Abgaben. N0 ".
313
D. "-Mit der Verivaltungsgerichtsbeschwerde wird
beantragt, das gegeniiberder Gesellschaft eingeleitete
Einschätzungsverfahren aufzuheben, eventuell: festzu-
stellen, dass .die am '20. April 1945 aufgelöste « Gesellschaft
für 'l'orfausbeutung Willisau », bezw. die Beschwerde-
fü1lrer als deren Rechtsnachfolger, nicht kriegsgewinn-
steuerpflichtig seien. Zur Begründung wird ausgeführt, die
eidg. Steuerverwaltung habe die Beschwerdeführer für
den Kriegsgewinn, den sie 1942 aus der « Gesellschaft für
Torfausbeutung » gezogen haben sollen, bereits einzeln
veranlagt. Damit habe die Einschätzungsbehörde aner-
kannt, dass es sich um verschiedene Verfahren für die
anteilsmässige Besteuerung des Kriegsgewinns aus einer
eiIifachen Gesellschaft handle. ßegenüber dem Gesell~
schafter Schwegler sei das Verfahren in der Weise abge-
schlossen worden, dass der Gewinn aus der Gesellschaft in
die Besteuerung für die daneben betriebene eigene Torf-
ausbeutung einbezogen wurde. Es handle sich somit um
eine beurteilte Sache. Es werde· willkürlich eine Revision
der rechtlichen Beurteilung versucht, nachdem es sich
herausgestellt habe, dass bei einer Besteuerung der einzel-
nen Gesellschafter nur Schwegler kriegsgewinnsteuerpflich-
tig würde.
Die übrigen Gesellschafter seien einzeln veranlagt
worden. Daraus ergebe sich die Einrede der Rechts-
hängigkeit· für die von ihnen pro 1942 verlangte Kriegs-
gewinDsteuer, und es könne für die nämliche Steuer nicht
ein neues Verfahren eingeleitet werden.
Die aufgelöste Gesellschaft sei nicht, wie die Verwaltung
jetzt annehme, eine Kollektivgesellschaft gewesen, sondern
eine einfache Gesellschaft. Die Verwaltung selbst habe
früher angenommen, es handle sich um eine einfache
Gesellschaft, und die Beschwerdeführer hätten dieser
Erledigung zugestimmt. 'Übrigens sei eine Besteuerung
einer Untemehmung als Kollektivgesellschaft unzulässig,
l!Iol8.Jlge der Charakter nicht festgestellt und die Unter-
nehmung im Handelsregister als Kollektivgesellschaft
314.
Verwaltungs. und DiazipliDarreoht.
eingetragen sei. Bis dahin sei sie auch nicht durchführbar.
Das Bundesgericht, hat die Beschwerde abgewiesen.
A'U8 den Erwägungen, :
2. -
Die am 18. April 1942 errichtete und am 20. April
1945 aufgelöste Gesellschaft für Torfausbeutung Willisau
war eine Kollektivgesellschaft. Denn die GeSellschafter
hatten sich zum Betriebe eines nach kaufmännischer
Art geführten Gewerbes und ohne ihre Haftung gegenüber
den Gesellschaftsgläubigern zu beschränken. unter gemein-
samer Firma zusammengeschlossen. Sie hatten damit eine
Vereinigung geschaffen, die alle Erfordernisse einer Kol-
lektivgesellschaft (Art. 552, Abs. 1 OR) erfüllt. Die Gesell-
schaft ist errichtet worden zum Zwecke der Ausbeutung
von Torf in einem eigenen und in weiteren, später hinzu
gepachteten Grundstücken. Sie war. eine auf die Dauer
errichtete Unternehmung, nicht bloss eine Verbindung zu
einem einzelnen, einmaligen Gelegenheitsgeschäft. Der
Torf sollte in den Handel gebracht, in einem nach kauf-
männischer Art geführten Gewerbe verwertet werden.
Die Gesellschafter traten unter einer gemeinsamen Firma
auf. Dass die Firma den Vorschriften über Gesellschafts-
firmen insofern nicht entsprach, als sie keinen Familien-
nahmen enthielt (vgl. Art. 947 OR), ist jedenfalls hier
für den Charakter der Gesellschaft als Kollektivgesell-
schaft ohne Bedeutung (SIEGWABT.Konimentar, Nr. 8 zu
Art. 552 OR). Die Beteiligten gaben das Gesellschaftsver-
hältnis nach aussen, gegenüber Dritten bekannt; sie
waren nicht Teilhaber einer stillen Gesellschaft. Nach den
getroffenen Vereinbarungen waren die Gesellschafter zu
gleichen Teilen berechtigt und verpflichtet. Eine Be-
schränkung der Haftung wurde damit nicht verbunden.
Eines schriftlichen Vertrages bedurfte es nicht. Für die
Begründung einer
Kollektivg~llschaft ist weder ein
schriftlicher Vertrag; noch die Eintragung im Handels-
register erforderlich. Schriftlichkeit ist nur vorgeschrieben
für die Anmeldung im Handelsregister (Art. 556, Aha. 1
Bundesrechtliohe Abgaben. N0 4.11.
315
OR). Der Vertragsabschluss kann mündlich sein (HABT-
MANN, Kommentar, Nr. 9 ff. zu Art. 552 OR). Der Handel-
registeJeintrag ergeht über ein bestehendes Gesellschafts-
verhältnis (Art. 552, Aha. 2 OR). Er hat nicht konstitutive
Bedeutung. Unrichtig ist auch die Annahme der Beschwer-
deführer. dass die Frage. ob es sich um eine einfache oder
eine Kollektivgesellschaft handle, in einem Feststellungs-
verfahren auf Eintragung im Handelsregister hätte ab-
geklärt werden müssen. Die Bezeichnung als « einfache
Gesellschaft» und der Hinweis auf «Art. 530, OR» im
Vertrage vom 18. Aprll1942 waren irrtümlich, unvereinbar
mit der gesetzlichen Ordnung. wonach den Gesellschaften,
bei denen die Voraussetzungen einer andern im Gesetz
geordneten Gesellschaftsform zutreffen. die Anerkennung
als einfache Gesellschaften versagt ist (Art. 530. Abs. 2
OR).
War aber jene « Gesellschaft für Torfausbeutung Willi-
sau » richtigerweise, entgegen dem Wortlaut des Gesell-
schaftsvertrages, als Kollektivgesellschaft zu charakteri-
sieren. so musste nach Art. I. Abs. 1 lit. bund Abs. 3
KGStB die Besteuerung gegenüber der Gesellschaft
durchgeführt werden. Dies ist mit der hier angefochtenen
Veranlagung. geschehen.
3. -
Dass die Steuerbehörde ursprünglich, offenbar
unter dem Eindrucke der unrichtigen Charakterisierung
der Unternehmung im Gesellschaftsvertrage und gestützt
auf die Angaben der Teilhaber, von der Annahme aus-
gegangen war, dass es sich um eine einfache Gesellschaft
handle, steht der. Besteuerung nicht entgegen. Gegenüber
den Gesellschaftern Bucher und Walthert, sowie den
, Rechtsnachfolgern des Gesellschafters Amrein hat sie sich
nicht ausgewirkt. Sie führte lediglich zu der Einforderung
von Steuererklärungen und Auskünften; eine Einschät-
zung erging nicht, sodass von Rechtshängigkeit nicht die
Rede sein kann.
Der Gesellschafter Schwegler war bei seiner persönlichen
Einschätzung zugleich auch für die aus der Gesellschaft
316
Verwaltungs. und ·Disziplinarreoht.
herrührenden Gewinne veranlagt worden und hatte die
Steuer bezahlt. Die ~irischätzung ist aber im AnschlusS
an die Besteuerung der Kollektivgesellschaft revi~rt und
der "Überschuss über die nach . der neuen Berechnung
geschuldete Steuer zurückerstattet (dem Steuerpflich-
tigen gutgeschrieben) worden. Dass die persönliche Ein-
schätzung Schweglers bereits in Rechtskraft erwachsen
war, steht dieser Erledigung nicht entgegen. Denn nach-
dem es sich herausgestellt hatte, dass Schwegler für einen
Gewinn besteuert worden war,· der bei einem andern
Steuersubjekt zu erfassen gewesen wäre, musste die
Besteuerung gegenüber dem richtigen SteueJ;'Subjekt durch-
geführt und die persönliche Einschätzung Schweglers
revidiert, der dadurch geschaffenen Lage angepasRt wer-
den.