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73_IV_139

BGE 73 IV 139

Bundesgericht (BGE) · 1947-01-01 · Deutsch CH
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Verfahren. No 34.

c'est uniquement en vue de reprimer des actes qui n'ont

rien a voir avec la fermeture des magasins.

Qn n'est donc pas en presence d'une cause penale de

droit fäderal et le pourvoi est pas consequent irrecevable

a cet egard.

5. -

Le recourant se plaint encore d'une violation

de l'art. ler OP. Mais cette disposition est, comme telle,

sans application dans le domaine du droit penal reserve

a la Iegislation cantonale. Le principe « nulla poena sine

lege » s'impose aux cantons soit en vertu de leur propre

Constitution, soit en vertu de l'art. 4 Cst (cf. RO 31 I 11).

Pour le faire respecter, le condamne dispose du recours

de droit public. n n'y a donc aucune raison pour etendre

la portee de l'art. ier CP au dela du domaine de la legis-

lation fäderale. La consequence en serait d'ailleurs que

toute cause penale de droit cantonal pourrait etre portee

devant la Cour de cassation penale föderale si le recourant

se plaignait d'une interpretation par analogie de la loi

penale cantonale, tandis que la Chambre de droit public

demeurerait competente pour connaitre du grief d'appli-

cation arbitraire de cette meme loi. Un tel resultat ne peut

pas avoir ete dans les intentions du Iegislateur fäderal.

Celui-ci n'a pas pu vouloir non plus que la Cour de cassa-

tion ait a se prononcer, dans le cadre de l'art. 1er CP, sur

l'existence d'une « loi i> penale cantonale, c'est-a-dire sur

la competence des autorites pour edfoter une prescription

donnee et sur la regularite de la procedure suivie a. cet

egard, questions qui rentrent normalement dans les attri-

butions de la Chambre de droit public.

Par ces motifs, le Tribunal federal

rejette le pourvoi dans la mesure ou il est recevable.

Verfahren. No 35.

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35. Entscheid der Anklagekammer vom 14. Mai 1947 i. S. Staats-

ruiwaltschalt des Kantons Basel-Stadt gegen Statthalteramt

Luzern-Land.

Art. 352 StGB. Die Rechtshilfe kann nicht beansprucht werden

für Handlungen, die eine kantonale Behörde selber durchführen

. kann, ohne in die Zuständigkeit der Behörden anderer Kantone

einzugreifen (in casu Beschaffung einer Auskunft von einem

ausserka.ntonalen Konkursamte).

L'art. 352 OP ne concerne pas les actes qu'une autorite peut

executer sans · empieter sur la competence d'autorites d'autres

cantons (in casu demande de renseignements a un office des

faillites).

L'art. 352 OP non si applica agli atti ehe un'autorita puo compiere

senz'invadere il campo riservato alla competenza d'altri can-

toni (in concreto, domanda d'informazioni a. un ufficio dei falli-

menti).

Im Strafverfahren gegen Wilhelm Schnieper betr. Be-

trug ersuchte die Staatsanwaltschaft des Kantons Basel-

Stadt das Statthalteramt LuzeJ,'n-Land, vom Konkursamt

Luzern Auskunft über die Schätzung und Verwertung ver-

schiedener Aktiven im Konkurse über den Angeschuldigten

einzuholen. Das Statthalteramt zog vom Konkursamt

einen schriftlichen Bericht bei und sandte diesen unter

Nachnahme der Gebühr von Fr. 8.-, die das Konkursamt

bei ihm erhoben hatte, an die baslerische Staatsanwalt-

schaft. Unter Berufung auf Art. 354 · StGB ersuchte diese

hierauf das Statthalteramt um Rückerstattung des bezo-

genen Betrages. Abschlägig beschieden, hat sie am 2. Mai

194 7 bei der Anklagekammer des Bundesgerichts das Be-

gehren gestellt, das Statthalteramt sei zur verlangten

Rückzahlung zu verpflichten.

Die Anklagekammer zieht in Erwägung:

Die Pflicht zu gegenseitiger Rechtshilfe, die Art. 352

StGB den ~antonen auferlegt, soll dafür sorgen, dass die

Behörden eines Kantons in einem andern solche Prozess-

handlungen vollziehen lassen können, die sie mit Rück-

sicht auf die Gerichtshoheit des andern Kantons nicht

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Verfahren. No 36.

selber vornehmen dürfen. Für Handlungen, die eine

kantonale Behörde selber durchführen kann, ohne in die

Z~tändigkeit der Behörden anderer Kantone einzugreifen,

kann die Rechtshilfe nicht beansprucht werden. Dies gilt

z. B. für die Beschaffung von amtlichen Auskünften, die

jedem daran Interessierten erteilt werden, zumal für Er-

kundigungen bei Ämtern, die kraft Bundesrechts bestehen

(Grundbuch-, Handelsregister-, Betreibungs-, Konkurs-

ämter usw.). Was namentlich die Betreibungs- und Kon-

kursämter anlangt, so kann nach Art. 8 SchKG jed,er-

mann, der ein Interesse nachweist, die von ihnen geführten

Protokolle einsehen und sich Auszüge daraus geben lassen.

Das hier vorausgesetzte Interesse kann selbstverständlich

auch im öffentlichen Recht, z. B. im Strafrecht, begründet

sein. Für die baslerische Staatsanwaltschaft wäre es daher

das Gegebene gewesen, die von ihr gewünschten Auskünfte

direkt vom Konkursamt Luzern zu verlangen. Sie bedurfte

der Hilfe des Statthalteramtes nicht. Art. 354 StGB ist

daher im vorliegenden Falle nicht anwendbar.

Demnach erkennt die .Anklagekammer :

Das Gesuch wird abgewiesen.

36. Entscheid der Anklagekammer vom i. :Hai 1947 i. S. Staats-

anwaltschaft des Kantons Zürich gegen Procnratore pnbbllco

sottocenerino.

Art. 350 Ziff. 1 StGB. Welcher Gerichtsstand gilt, wen11 die Ver-

fo1gung der mit der schwersten Strafe bedrohten Tat einge-

stellt wird, bevor die an verschiedenen Orten durchgeführten

Strafverfahren vereinigt worden sind ?

Art. 350 eh. 1 OP. Quel est Je for, quand la poursu.ite de l'infraction

punie de la peine la plus grave est a.bandonnee avant la jonction

d'enquetes executees en differents lieux ?

Art. 350, cifra 1 OP. Quale e il foro quando il procedimento peJ

reato punito co:n la pena piU grave e abbandonato prima ehe

siano congiunte le istruttorie eseguite in diversi luoghi ?

Verfahren. No 36 .

141

.A. -

Am 12. November 1946 traf die Polizei von

Winterthur die ersten Erhebungen wegen eines Automobil-

unfalles, den M. in der Nähe dieser Stadt verursacht hatte.

Sie erstattete am 15. November 1946 gegen M. bei der

Bezirksanwaltschaft Winterthur Strafanzeige wegen fahr-

lässiger Störung eines der Allgemeinheit dienenden Be-

triebes (Art. 239 StGB) und Führens eines Motorfahrzeuges

in angetrunkenem Zustande (Art. 59 · MFG).

Am 27. November 1946 wurde M. von der Polizei von

Lugano wegen Verdachts verbotenen Goldhandels einver-

nommen, und im Dezember 1946 liess die Staatsanwalt-

schaft des Sottoceneri gegen ihn ein Strafverfahren wegen

Hehlerei an Gold eröffnen. Nach wenigen Tagen stellte der

Untersuchungsrichter es mangels Beweises des subjek-

tiven Tatbestandes ein.

B. -

Mit Gesuch vom 10. April 1947 beantragt die

Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich der Anklagekam-

mer des Bundesgerichts, die Behörden des Kantons '.Ilessin

seien zuständig zu erklären, M. wegen Störung eines der

Allgemeinheit dienenden Betriebes und Führens eines

Motorfahrzeuges in angetrunkenem Zustande zu verfolgen.

Sie macht geltend, im Tessin sei nicht nur das mit der

schwersten Strafe bedrohte Delikt begangen, sondern auch

die Strafuntersuchung zuerst angehoben worden, weil M.

dort am 28. Dezember 1946, in Winterthur dagegen erst

am 6. Januar 1947 zur Verhaftung ausgeschrieben worden

sei.

0. -

Der Staatsanwalt des Sottoceneri beantragt, die

Bezirksanwaltschaft Winterthur sei zuständig zu erklären,

M, für die ihm in Winterthur zur Last gelegten Handlungen

zu verfolgen.

Die .Anklagekammer zieht in Erwägung :

Hehlerei ist mit schwererer Strafe bedroht als fahrläs-

sige Störung eines der Allgemeinheit dienenden Betriebes

und Führen eines Motorfahrzeuges in angetrunkenem

Zustande. Nach der Regel von Art. 350 Ziff. 1 Abs. 1 StGB