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138 Verfahren. No 34. c'est uniquement en vue de reprimer des actes qui n'ont rien a voir avec la fermeture des magasins. Qn n'est donc pas en presence d'une cause penale de droit fäderal et le pourvoi est pas consequent irrecevable a cet egard.
5. - Le recourant se plaint encore d'une violation de l'art. ler OP. Mais cette disposition est, comme telle, sans application dans le domaine du droit penal reserve a la Iegislation cantonale. Le principe « nulla poena sine lege » s'impose aux cantons soit en vertu de leur propre Constitution, soit en vertu de l'art. 4 Cst (cf. RO 31 I 11). Pour le faire respecter, le condamne dispose du recours de droit public. n n'y a donc aucune raison pour etendre la portee de l'art. ier CP au dela du domaine de la legis- lation fäderale. La consequence en serait d'ailleurs que toute cause penale de droit cantonal pourrait etre portee devant la Cour de cassation penale föderale si le recourant se plaignait d'une interpretation par analogie de la loi penale cantonale, tandis que la Chambre de droit public demeurerait competente pour connaitre du grief d'appli- cation arbitraire de cette meme loi. Un tel resultat ne peut pas avoir ete dans les intentions du Iegislateur fäderal. Celui-ci n'a pas pu vouloir non plus que la Cour de cassa- tion ait a se prononcer, dans le cadre de l'art. 1er CP, sur l'existence d'une « loi i> penale cantonale, c'est-a-dire sur la competence des autorites pour edfoter une prescription donnee et sur la regularite de la procedure suivie a. cet egard, questions qui rentrent normalement dans les attri- butions de la Chambre de droit public. Par ces motifs, le Tribunal federal rejette le pourvoi dans la mesure ou il est recevable. Verfahren. No 35. 139
35. Entscheid der Anklagekammer vom 14. Mai 1947 i. S. Staats- ruiwaltschalt des Kantons Basel-Stadt gegen Statthalteramt Luzern-Land. Art. 352 StGB. Die Rechtshilfe kann nicht beansprucht werden für Handlungen, die eine kantonale Behörde selber durchführen . kann, ohne in die Zuständigkeit der Behörden anderer Kantone einzugreifen (in casu Beschaffung einer Auskunft von einem ausserka.ntonalen Konkursamte ). L'art. 352 OP ne concerne pas les actes qu'une autorite peut executer sans · empieter sur la competence d'autorites d'autres cantons (in casu demande de renseignements a un office des faillites ). L'art. 352 OP non si applica agli atti ehe un'autorita puo compiere senz'invadere il campo riservato alla competenza d'altri can- toni (in concreto, domanda d'informazioni a. un ufficio dei falli- menti). Im Strafverfahren gegen Wilhelm Schnieper betr. Be- trug ersuchte die Staatsanwaltschaft des Kantons Basel- Stadt das Statthalteramt LuzeJ,'n-Land, vom Konkursamt Luzern Auskunft über die Schätzung und Verwertung ver- schiedener Aktiven im Konkurse über den Angeschuldigten einzuholen. Das Statthalteramt zog vom Konkursamt einen schriftlichen Bericht bei und sandte diesen unter Nachnahme der Gebühr von Fr. 8.-, die das Konkursamt bei ihm erhoben hatte, an die baslerische Staatsanwalt- schaft. Unter Berufung auf Art. 354 · StGB ersuchte diese hierauf das Statthalteramt um Rückerstattung des bezo- genen Betrages. Abschlägig beschieden, hat sie am 2. Mai 194 7 bei der Anklagekammer des Bundesgerichts das Be- gehren gestellt, das Statthalteramt sei zur verlangten Rückzahlung zu verpflichten. Die Anklagekammer zieht in Erwägung: Die Pflicht zu gegenseitiger Rechtshilfe, die Art. 352 StGB den ~antonen auferlegt, soll dafür sorgen, dass die Behörden eines Kantons in einem andern solche Prozess- handlungen vollziehen lassen können, die sie mit Rück- sicht auf die Gerichtshoheit des andern Kantons nicht 140 Verfahren. No 36. selber vornehmen dürfen. Für Handlungen, die eine kantonale Behörde selber durchführen kann, ohne in die Z~tändigkeit der Behörden anderer Kantone einzugreifen, kann die Rechtshilfe nicht beansprucht werden. Dies gilt
z. B. für die Beschaffung von amtlichen Auskünften, die jedem daran Interessierten erteilt werden, zumal für Er- kundigungen bei Ämtern, die kraft Bundesrechts bestehen (Grundbuch-, Handelsregister-, Betreibungs-, Konkurs- ämter usw.). Was namentlich die Betreibungs- und Kon- kursämter anlangt, so kann nach Art. 8 SchKG jed,er- mann, der ein Interesse nachweist, die von ihnen geführten Protokolle einsehen und sich Auszüge daraus geben lassen. Das hier vorausgesetzte Interesse kann selbstverständlich auch im öffentlichen Recht, z. B. im Strafrecht, begründet sein. Für die baslerische Staatsanwaltschaft wäre es daher das Gegebene gewesen, die von ihr gewünschten Auskünfte direkt vom Konkursamt Luzern zu verlangen. Sie bedurfte der Hilfe des Statthalteramtes nicht. Art. 354 StGB ist daher im vorliegenden Falle nicht anwendbar. Demnach erkennt die .Anklagekammer : Das Gesuch wird abgewiesen.
36. Entscheid der Anklagekammer vom i. :Hai 1947 i. S. Staats- anwaltschaft des Kantons Zürich gegen Procnratore pnbbllco sottocenerino. Art. 350 Ziff. 1 StGB. Welcher Gerichtsstand gilt, wen11 die Ver- fo1gung der mit der schwersten Strafe bedrohten Tat einge- stellt wird, bevor die an verschiedenen Orten durchgeführten Strafverfahren vereinigt worden sind ? Art. 350 eh. 1 OP. Quel est Je for, quand la poursu.ite de l'infraction punie de la peine la plus grave est a.bandonnee avant la jonction d'enquetes executees en differents lieux ? Art. 350, cifra 1 OP. Quale e il foro quando il procedimento peJ reato punito co:n la pena piU grave e abbandonato prima ehe siano congiunte le istruttorie eseguite in diversi luoghi ? Verfahren. No 36 . 141 .A. - Am 12. November 1946 traf die Polizei von Winterthur die ersten Erhebungen wegen eines Automobil- unfalles, den M. in der Nähe dieser Stadt verursacht hatte. Sie erstattete am 15. November 1946 gegen M. bei der Bezirksanwaltschaft Winterthur Strafanzeige wegen fahr- lässiger Störung eines der Allgemeinheit dienenden Be- triebes (Art. 239 StGB) und Führens eines Motorfahrzeuges in angetrunkenem Zustande (Art. 59 · MFG ). Am 27. November 1946 wurde M. von der Polizei von Lugano wegen Verdachts verbotenen Goldhandels einver- nommen, und im Dezember 1946 liess die Staatsanwalt- schaft des Sottoceneri gegen ihn ein Strafverfahren wegen Hehlerei an Gold eröffnen. Nach wenigen Tagen stellte der Untersuchungsrichter es mangels Beweises des subjek- tiven Tatbestandes ein. B. - Mit Gesuch vom 10. April 1947 beantragt die Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich der Anklagekam- mer des Bundesgerichts, die Behörden des Kantons '.Ilessin seien zuständig zu erklären, M. wegen Störung eines der Allgemeinheit dienenden Betriebes und Führens eines Motorfahrzeuges in angetrunkenem Zustande zu verfolgen. Sie macht geltend, im Tessin sei nicht nur das mit der schwersten Strafe bedrohte Delikt begangen, sondern auch die Strafuntersuchung zuerst angehoben worden, weil M. dort am 28. Dezember 1946, in Winterthur dagegen erst am 6. Januar 1947 zur Verhaftung ausgeschrieben worden sei.
0. - Der Staatsanwalt des Sottoceneri beantragt, die Bezirksanwaltschaft Winterthur sei zuständig zu erklären, M, für die ihm in Winterthur zur Last gelegten Handlungen zu verfolgen. Die .Anklagekammer zieht in Erwägung : Hehlerei ist mit schwererer Strafe bedroht als fahrläs- sige Störung eines der Allgemeinheit dienenden Betriebes und Führen eines Motorfahrzeuges in angetrunkenem Zustande. Nach der Regel von Art. 350 Ziff. 1 Abs. 1 StGB