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72_IV_67

BGE 72 IV 67

Bundesgericht (BGE) ·IV · 1946-07-20 · Deutsch CH
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21. Auszug aus dem Urteil des Kassationshofes vom 20. Juli 1946 i. S. Obrecht gegen Staatsanwaltschaft des Kantons Solothurn. .Art. 191 Zi//. 1 .Abs. 1 StGB. Ob das missbra.:uchte Kin~ schon verdorben wa.r, ist für die Anwendung dieser Bestmunung unerheblich. .Art. 191 eh. 1 al. 1 OP. Il est sa.ns importance pour l'a.pplieation de cette disposition que l'enfarit dont l'a.uteur a.buse soit dejA corrompu. Art. 191, ei,jra 1, cp. 1 OP. Per l'a.pplicazione di questo disposto e irrileva.nte ehe il fa.nciullo, di cui si a.busa., sia. giß corrotto. .Am den Erwägungen : Der Beschwerdeführer verneint die Anwendbarkeit des Art. 191 Abs. 1 StGB, weil der Beischlaf oder die bei- sohlafsähnliohe Handlung mit einem bereits verdorbenen Kinde keinen Missbrauch desselben darstelle. Missbrauch setze Unverdorbenheit voraus. Diese Auslegung ist absurd. Sie ist die Verneinung für das Anwendungsgebiet des StGB des sogenannten strafrechtlichen Sohutzalters. Indem. der deutsche Text - im Unterschied übrigens zu den roma- nischen, welche einfach den Beischlaf und die beischlafs- ähnliche Handlung mit dem Kind unter Strafe stellen, - den Missbrauch des Kindes zum Beischlaf bestraft, drückte er gerade den Gedanken aus, der das Sohutzalter moti- viert, nämlich dass der Beischlaf mit einem Partner, der das Kindsalter noch nicht überschritten hat, in allen Fällen Missbrauch des Kindes ist.