Sachverhalt
Albert Bachmann in Entlebuch verschrieb der Rekurrentin am 2. Juni 1944 mehrere Stück Vieh als Pfand für ein Darlehen. Im November 1944 stellte er anlässlich der Schlachtviehannahme vier Kühe. Er be- zeichnete deren zwei als sein Eigentum (und als Pfand der Rekurrentin). Doch meinte die Annahmekommission, er besitze kein eigenes Vieh, und überwies den Verkaufserlös der Schla.chtviehzentrale Brugg (Genossenschaft Schwei- zerische Zentrale für Schlachtviehverwertung). Diese bean- spruchte das Geld denn auch für sich, da die verkauften Kühe ihr Eigentum gewesen seien. B. - Im März 1945 betrieb die Rekurrentin den Schuld- ner Bachmann für den Restbetrag ihres Darlehens auf Verwertung zweier Kühe als Pfand. Der Schuldner schlug Recht vor und verwies sie a.uf den an die Schlachtvieh- zentrale Brugg gelangten Verkaufserlös der beiden Pfänder, deren Identität mit den verkauften Stücken auch die Rekurrentin als gegeben annimmt. Später zog er den Rechtsvorsohlag zurüok, und die Rekurrentin stellte das Verwertungsbegehren. Nun setzte das Betreibungsamt der Schlachtviehzentrale Brugg Frist zur Widerspruohsklage im Sinne von Art. 106/7 SohKG. Darüber besohwerte sioh die Schlaohtviehzentrale, in zweiter Instanz mit Erfolg, wogegen die Rekurrentin dara.n festhält, dass das vom Betreibungsamt eingeleitete Widerspruchsverfahren statt- zufinden habe. Die Sckuldbetreibungs- und Konkurskammer zieht
Erwägungen (1 Absätze)
E. 31 EstraUo della sentenza 2ö auosto IM6 nella causa Wieser e Euuer. Oondizioni d'incanto • prezzo minimo d'aggiudicazione. La. censur~ deU'erroneitd del p"ezzo minimo d'aggiudicazione stabilito dalle condizioni d'incanto pub essere utilmente sollevata. anche col reclamo diretto, nel termine di dieci giorni da.ll'esperimento d'asta., contro il rifiuto .di procedere alla. deliberazione a.d un prezzo legalmente suffiClente. SreigeA'Ung8bedingungen; Mindeatz'U8Chlagapreia. Wegen zu hober Festsetzung des minimalen Zuschlagspreises ist die Beschwerde a.uch ·nochzulässig binnen zehn Tagen seit der Steige~v~ handlung, gegen die Verweigerung des Zuschlages zu emem die gesetzlichen Bedingungen erfüllenden Preis. Art. 17 und 141· 42j156SchKG, Art. 26 Vo. 24. l.l 941. Oonditiona de vente. Pri:x; d'adjudication minimum. La moyen tire de l'erreur commise dans la fixation du prix d'a.djudication minimum indique dans les conditions de vente peut 6tre utile·
Volltext (verifizierbarer Originaltext)
30. Entscheid vom 16. August lMi
i. S. Luzemer KantonaIbank.
Wideraprnohaverlahren. Als Pfand verschriebenes, dann verkauftes
Vieh. Pfandbetreibung. Voraussetzungen des Widers"r:::<hs-
verfahrens über den Verkaufserlös (Art. 106-109, 1M
G,
885 ZGB; Vo. 30. Okt. 1917).
Procedure de revendication. Betaildonne en gage et vendu par la.
suite. Poursuite en realisation de gage. Conditions de 10. proce-
dure de revendication relativement au prix de vente(art. 106
8. 109, 155 LP, 885 ce; ord. du 30 octobre 1917).
Prooedura di rivendicazione. Bestiame dato a pegno e poi venduto.
Esecuzione in via di reaIizzazione di pegno. Presuppo!!ti della
procedura di rivendicazione relativamente aI prezzo di vendita
(m. 106-109; 155 LEF. 885 ce, ord. 30 ottobre 1917)~
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Schuldbetreibungs. und Konkursrecht. N° 30.
A. -
Albert Bachmann in Entlebuch verschrieb der
Rekurrentin am 2. Juni 1944 mehrere Stück Vieh als
Pfand für ein Darlehen. Im November 1944 stellte er
anlässlich der Schlachtviehannahme vier Kühe. Er be-
zeichnete deren zwei als sein Eigentum (und als Pfand der
Rekurrentin). Doch meinte die Annahmekommission, er
besitze kein eigenes Vieh, und überwies den Verkaufserlös
der Schla.chtviehzentrale Brugg (Genossenschaft Schwei-
zerische Zentrale für Schlachtviehverwertung). Diese bean-
spruchte das Geld denn auch für sich, da die verkauften
Kühe ihr Eigentum gewesen seien.
B. -
Im März 1945 betrieb die Rekurrentin den Schuld-
ner Bachmann für den Restbetrag ihres Darlehens auf
Verwertung zweier Kühe als Pfand. Der Schuldner schlug
Recht vor und verwies sie a.uf den an die Schlachtvieh-
zentrale Brugg gelangten Verkaufserlös der beiden Pfänder,
deren Identität mit den verkauften Stücken auch die
Rekurrentin als gegeben annimmt. Später zog er den
Rechtsvorsohlag zurüok, und die Rekurrentin stellte das
Verwertungsbegehren. Nun setzte das Betreibungsamt der
Schlachtviehzentrale Brugg Frist zur Widerspruohsklage
im Sinne von Art. 106/7 SohKG. Darüber besohwerte sioh
die Schlaohtviehzentrale, in zweiter Instanz mit Erfolg,
wogegen die Rekurrentin dara.n festhält, dass das vom
Betreibungsamt eingeleitete Widerspruchsverfahren statt-
zufinden habe.
Die Sckuldbetreibungs- und Konkurskammer
zieht in Erwägung :
Zweck des Widerspruchsverfahrens nach Art. 106-109,
und dementsprechend in der Pfandverwertungsbetreibung
nach Art. 155 SchKG, ist die Abklärung von Ansprüchen
Dritter an Gegenständen, die in die. Zwangsvollstreckung
einbezogen wurden. Je nach der Art der geltend gemachten
Ansprüche steht in Frage, ob der betreffende Gegenstand
überhaupt als Vermögen des Schuldners (oder eines Dritt-
verpfänders) verwertet werden darf, oder an welche Be-
Schuldbetreibungs. und Konkursrecht. No 30.
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dingungen die Verwertung zu knüpfen ist (Deckungsprin-
zip). Wird ein solcher Anspruch erst nach der Verwertung
geltend gemacht, so unterliegt dem Widerspruohsverfahren
nach Art. 107 Abs. 4 auoh noch der Erlös, solange er nioht
verteilt ist; hiebeikann aber das Deckungsprinzip nur
noch in der abgeschwäohten Form eines Rangvorrechtes
Anwendung finden.
Dagegen ist für ein Widerspruohsverfahren kein Raum,
wenn weder ein in die Zwangsvollstreokung einbezogener
Gegenstand noch ein von Art. 107 Aha. 4 erfasster Erlös
vorliegt. Solohenfalls hat das Betreibungsamt weder Ver-
anlassung noch Befugnis, sich mit dem Drittanspruch zu
befassen. Vielmehr ist ein soloher Streit zwischen den dazu
legitimierten Parteien ausserhalb des Betreibungsverfah-
rens und ohne Dazwischentreten des Betreibungsamtes zu
erledigen.
In der Betreibung auf Verwertung eines Fahrnispfandes
wird nun der Pfandgegenstand erst naoh Erledigung des
Vorverfahrens und nach Stellung. des Verwertungsbegeh -
rens der Vollstreokungsgewalt des Betreibungsamtes unter-
stellt. In der Regel gibt der Pfandgläubiger selbst das Pfand
zur Verwertung in den Gewahrsam des Amtes. Bei der
Viehversohreibung, die das Pfand im Besitze des Schuld-
ners oder des Drittverpfänders lässt, hat das Amt das
Pfand dem Besitzer zur Verwertung « wegzunehmen »,
nach der Ausdruoksweise der Formulare Nr. 28· und 30
(für die Mitteilung des Verwertungsbegehrens und die
Steigerungsanzeige). Das ist aber wie gesagt erst zulässig,
wenn dem Gläubiger auf Grund eines reohtskräftigen
Zahlungsbefehls das Reoht zusteht, die Verwertung zu
verlangen, und er das Verwertungsbegehren gestellt hat.
Ist in diesem Zeitpunkte die « Wegnahme» nioht möglioh,
weil der Schuldner oder Drittverpfänder das Pfand ver-
äussert hat, so kann freilioh dem Pfandgläubiger grund-
sätzlich duroh ein Widerspruchsverfahren Gelegenheit
gegeben werden, sich mit dem Dritten auseinanderzu-
setzen und so die Wegnahme allenfalls zu ermögliohen
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8chuldbetreibungs- und Konkursrecht. N° 30.
(vgl. BGE 27 I 245 == Sep.-Ausg. 4 S. 75). Das kommt
aber hier nicht in Frage, da die beiden Kühe vermutlich
lä~st geschlachtet und vers~ist sind und denn auch. die
Rekurrentin selbst kein Widerspruchsverfahren über diese
Pfänder verlangt, sondern nur über den Verkaufserlös.
Sie meint, dieser sei an die Stelle der Pfänder getreten und
daher in entsprechender Weise der Vollstreckung zu unter-
werfen. Aber solche Betrachtung geht nicht an. Der Ver-
kaufserlös ist nicht auch seinerseits Pfand, bei der Vieh-
verschreibung schon deshalb nicht, weil deren Gegenstand
nur Vieh, niemals Geld oder eine Kaufpreisforderu,ng sein
kann (Art. 885 ZGB). Es ist denn auch schlechterdings
undenkbar, dem Schuldner od~r Drittverpfänder einen
Verkaufserlös als zu verwertenden Gegenstand wegzuneh-
men,selbst wenn dieser Erlös sich unvermischt in seinem
Besitze befindet. Der Erlös ist nicht mehr Pfand, sondern
Gegenwert des Pfandes, und es kann sich nur fragen, ob
er als Erlös im Sinne von Art. 107 Abs. 4 SchKG gelten
könne und in diesem Sinne einem Widerspruchsverfahren .
Zu unterwerfen sei. Nun betrifft aber die erwähnte Vor-
schrift, wie die Vorlnstanz zutreffend bemerkt, nur einen
in Händen des Betreibungsamtes befindlichen Erlös. Ge-
meint ist in erster Linie ein Erlös aus amtlicher Verwer-
tung, di~ hier nicht mehr stattfinden kann, sodann freilich
auch eine in amtliche Gewalt gelangte Schadensvergütung
(vgl. Art. 34 der Viehverpfändungsverordnung). Ein Ge-
genwert aber, den der Schuldner oder Drittverpfänder
bereits vor der Stellung des Verwertungsbegehrens durch
den Gläubiger erzielt hat, unterliegt nicht dem Zugriff des
Betreibungsamtes. Ist das Pfand in dem Zeitpunkte, da
das Amt seine Verwertungsgewalt ausüben könnte, nicht
mehr vorhanden, so ist die Pfandbetreibung, die eben nur
auf Verwertung gerade des Pfandgegenstandes geht, gegen-
stand$los geworden und kann nicht mehr fortgesetzt wer-
den. Dahingestellt kann bleiben, ob dem Schuldner oder
Drittverpfänder zustünde, einen solchen Gegenwert frei-
willig dem· Widerspruchsverfahren zu unterstellen, indem
8chuldbetreibungs- und Konkursrecht. N° 31~
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er ihn unverzüglich dem Betreibungsamt abliefert oder
unInittelbar durch den Käufer an das Amt zahlen lässt.
Hier ist dies nicht geschehen, und der im Dezember 1944
bezahlte Preis hätte gar nicht unverzüglich auf Rechnung
der ja erst im März 1945 angehobenen Betreibung einbe-
zahlt werden können, selbst wenn der Schuldner darüber
zu verfügen vermocht hätte.
Bei sonst gegebenen Voraussetzungen eines Wider-
spruchsverfahrens wäre übrigens die nach Art. 106/7
SchKG erfolgte Fristansetzung an die Drittansprecherln
durch eine solche nach Art. 109 SchKG an die Rekurrentin
zu ersetzen. Entgegen der Ansicht des Betreibungsamtes
wäre nicht auf den Gewahrsam zur Zeit der Vornahme der
Viehverschreibung, sondern frühestens auf die Verhältnisse
bei Anhebung der Pfandbetreibung abzustellen. Damals
war aber der Schuldner bereits nicht mehr im Besitze der
Pfänder.
Demnach erkennt die Sch'Uldbetr.- u. Konkurskammer :
Der Rekurs wird abgewiesen.
31. EstraUo della sentenza 2ö auosto IM6
nella causa Wieser e Euuer.
Oondizioni d'incanto • prezzo minimo d'aggiudicazione. La. censur~
deU'erroneitd del p"ezzo minimo d'aggiudicazione stabilito dalle
condizioni d'incanto pub essere utilmente sollevata. anche
col reclamo diretto, nel termine di dieci giorni da.ll'esperimento
d'asta., contro il rifiuto .di procedere alla. deliberazione a.d un
prezzo legalmente suffiClente.
SreigeA'Ung8bedingungen; Mindeatz'U8Chlagapreia. Wegen zu hober
Festsetzung des minimalen Zuschlagspreises ist die Beschwerde
a.uch ·nochzulässig binnen zehn Tagen seit der Steige~v~
handlung, gegen die Verweigerung des Zuschlages zu emem die
gesetzlichen Bedingungen erfüllenden Preis. Art. 17 und 141·
42j156SchKG, Art. 26 Vo. 24. l.l 941.
Oonditiona de vente. Pri:x; d'adjudication minimum. La moyen tire
de l'erreur commise dans la fixation du prix d'a.djudication
minimum indique dans les conditions de vente peut 6tre utile·