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68_IV_113

BGE 68 IV 113

Bundesgericht (BGE) · 1942-01-01 · Deutsch CH
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Str~fgesetzbuch. No 23.

geahndet werden darf. Ob ein solches qualifiziertes Schwei-

gen vorliegt, hängt im einzelnen Falle davon ab, was

vernünftigerweise als Wille des Gesetzgebers angesehen

werden muss. Dabei ist von Bedeutung, ob der Bundes-

gesetzgeber ein bestimmtes strafrechtliches Gebiet über-

haupt nicht behandelt, ob er bloss einige wenige Tatbe-

stände daraus unter Strafe gestellt, oder ob er die Materie

durch ein geschlossenes System von Normen geregelt hat.

In den beiden ersten Fällen bleibt Raum für kantonale

-Obertretungen, nicht dagegen im letzten, es sei denn, dass

der Gesetzgeber ausnahmsweise im geschlossenen System

eidgenössischer Strafnormen absichtlich Lücken gelassen

habe, um den von Kanton zu Kanton wechselnden Ansich-

ten über die Strafwürdigkeit eines bestimmten Tatbestan-

des Rechnung zu tragen. Der Kassationshof hat hinsichtlich

der gewerbsmässigen Unzucht solche Lücke im Titel des

StGB über die strafbaren Handlungen gegen die Sittlich-

keit verneint und die Zuständigkeit der Kantone, sie als

"Übertretung unter Strafe zu stellen, ausgeschlossen (BGE

68 IV 40). Das hat natürlich a fortiori von der einfachen

Unzucht zu gelten; es ist nicht denkbar, dass der eidge-

nössische Gesetzgeber zwar die gewerbsmässige Unzucht

straffrei lassen, dagegen die Bestrafung der einfachen

Unzucht den Kantonen vorbehalten wollte.

Entfällt aber die Strafbarkeit der einfachen Unzucht

nach dem neuen Recht, dann hat dieses als das mildere

gemäss Art. 2 Abs. 2 StGB auf die Beurteilung der vor

seinem Inkrafttreten begangenen Unzucht zurückzuwirken.

Demnach erkennt der Kassationshof:

Die Nicht~gkeitsbeschwerde wird gutgeheissen, das Urteil

des Kantonsgerichts Schwyz vom 28. Mai 1942 aufgehoben

und die Sache zur Freisprechung an die Vorinstanz zurück-

gewiesen.

Vgl auch Nr. 25. -

Voir aussi n° 25.

Verfahren. No 24.

II. VERFAHREN

PROcEDURE

24. Arr~t de la Cour de cassation penale du 10 septembre

19'2 dans la cause Kftchlln contre Ministere publlc du

canton de Vaud.

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Le pourvoi en nullite est receva.ble oontre tout jugement de derni&-0

instance cantonaJe tranchant une question de droit federa.I,

m~me si le jugement ne met pas fin s l'action penale dans

le canton (renvoi par 1a cour de cassation cantonale au juge

de repression, decision d'un point prejudiciel). Art. 268 aL 2

PPF.

II en est de meme quant au prononce du juge penal sur l'action

civile.

Die Nichtigkeitsbeschwerde ist gegen jedes Urteil der letzten

kantonalen Instanz zulässig, welches eine Frage des eidge-

nössischen Rechts entscheidet, selbst wenn es das kantonale

Strafverfahren nicht abschliesst (Rückweisung durch den kan-

tonalen Kassationshof an den Sachrichter, Entscheid einer

präjudiziellen Frage). Art. 268 Abs. 2 BStrP.

Gleich verhält es sich in bezug auf den Entscheid des Strafrichters

im Zivilpunkt.

II ricorso in cassazione e ricevibile contro ogni sentenza dell'ultima

giurisdizione cantonale ehe decida una questione di diritto

federale, anche se la sentenza non pone fine all 'aZione penale

dava.nti all'autorita cantonale (rinvio da parte della corte

cantonale di cassazione al giudice di merito, decisione di un

punto pregiudiziale). Art. 268 cp. 2 PPF,

Lo stesso vale per la sentenza del giudice penale sull'azione civile.

Le Tribunal de police correctionnelle de Lausanne a

reconnu Küchlin coupable d'actes contraires a la pudeur

sur des enfants, et l'a, en application de l'art. 191 eh. 2

CPS, condamne a un mois d'emprisonnement avec sursis.

Sur recours du Ministere public, la Cour de cassation

du Tribunal cantonal vaudois, estimant que les conditions

du sursis n'etaient pas reunies, a annule ce jugement

et renvoye la cause au Tribunal de police pour fixer a,

nauveau la mesure de la peine.

Küchlin s'est pourvu en nullite contre cet arret a la

Cour de cassation du Tribunal fäderal.

AS 68 IV -

1942

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Vorfahren. No 24.

Sur la recevabilire d-ii pourvoi, la Cour s'exprime ainsi :

L'arret attaque de E:r

la. quale il conda.nnato era al benefic10 della sospens1one cond1-

zionale dev'essere eseguita. in virtu dell'art. 41 cifra 3 CPS,

puo e~ere impugna.ta con ricorso in cassazione.

.

2. Art. 41 eifre. 3 CPS. II giudice ehe si pronuncia sull'esecuz1one

d'una. pena. privativa della. liberta personale infl.itta eo~ bene-

ficio della. sospensione con~.ionale non .e tenuto a ~vedere

nel merito la sentenza defimt1va. pronunciata da un tr1bu,nale

competente ehe dichia.ra. il condannato colpevole di u!1 cr~e

o di un delitto commesso intenzionalmente durante il penodo

di prova.

3. Art. 41, 105, 336 CPS. D periodo di prova. fissa.to a.nteriormente

al primo gennaio 191-2 non e modificato dall'entrata. in vigore

del CPS.

.A. -

Am 19. Mai 1942 verfügte das Polizeigericht von

Arlesheim, die vierzehntägige Gefängnisstrafe, zu welcher

es Ernst Kistler am 7. Oktober 1937 wegen fortgesetzter

vorsätzlicher Widerhandlung gegen Art. 64 KUVG unter

Gewährung des bedingten Strafvollzugs und Auferlegung

einer fünfjährigen Probezeit verurteilt hatte, sei zu voll-

ziehen, weil der Verurteilte am 8. April 1942 durch das

Strafgericht des Kantons Basel-Stadt wegen am 1. Februar

1941 begangener vorsätzlicher Widerhandlung gegen Art.

38 des BG betreffend den Verkehr mit Lebensmitteln

und Gebrauchsgegenständen mit Fr. 200.- gebüsst wor-

den war.

Aüf die Appellation des Ernst Kistler trat die Polizei-

ltam.ttier des Obergerichts des Kantoru! Basel-Landschaft

am 26. Juni 1942 nicht ein. Sie nahm an, gegen Entscheide

aüf Widerruf des bedingten Strafvollzugs sei dieses Rechts-

mittel, weil ·im EG zum StGB nicht vorgesehen, nicht

zulässig.