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67_II_128

BGE 67 II 128

Bundesgericht (BGE) · 1941-01-01 · Deutsch CH
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128

Obligationenreoht. N0 31.

erfolgt. Für eine: rechtliche Bedingtheit muss mehr als

nur das verlangt, werden, d. h. es muss sich einwandfrei

ergeben, dass nach dem Willen der Parteien Nichtigkeit,

Anfechtbarkeit oder Hinfall des Vertrages sich automa-

tisch auch auf die Abtretungen auswirken solle. Das

kann nun vorliegend schon im Hinblick auf allfällige

Forderungen der Beklagten aus ihren Warenlieferungen,

zu deren Begleichung ja die Abtretungen ebenfalls dienen

sollten, nicht angenommen werden, ganz abgesehen von

allfälligen Rückforderungsansprnchen bezüglich der zu

Darlehen gegebenen Beträge.

Demnach würde eine allfällige Nichtigkeit des Vertrages

vom 7. Dezember 1939 nicht auch die Nichtigkeit der

zu seiner Ausführung vorgenommenen Forderungsabtre-

tungen nach sich ziehen.' Noch viel weniger könnte aber

eine Anfechtbarkeit jenes Vertrages den Rechtsbestand

der Abtretungen berühren. Und vollends wäre eine blosse

Hinfälligkeit des Vertrages zufolge Rücktritts einer Partei

an sich für den Bestand der Abtretungen ohne Bedeutung.

In allen diesen Fällen hätte die Klägerin vielmehr höchstens

einen obligatorischen Anspruch auf Rückgängigmachung

der Forderungsabtretungen, d. h. einen Anspruch auf

Rückzession, erworben.

31. Urteil der I. Zivilabteilnng vom 30. September 1941

i. S. «Vita)} I.ebensversiehernngsgesellsehaft gegen Baehmann.

Bürg8chaft bei Schuldübernahme, Art. 178 Abs. 2 OR. Die zum

voraus erteilte Zustimmung des Bürgen zu jedem Schuldner-

wechsel ist ungültig; Art; 27 ZGB, Art. 20 OR.

.

Oautionnement, reprise de la dette garantie, art. 178 al. 2 CO. La

clause par laquelle la caution consent d'avance atout change-

ment de debiteur n'est pas valable; art. 27 CC, art. 20 CO.

Fideiu8Bione nel 0080 di assunzione di debito (art. 178 cp. 2 CO).

La clausola per cui il fideiussore si dichiara in anticipo d'ac-

cordo circa ogni cambiamento di debitore non e valida

(art. 27 CC, art. 20 CO).

Obligationenreoht. No 31.

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A. -

Die

« Vita»

Lebensversicherungsgesellschaft

gewährte der Baugenossenschaft

« Markus» im Jahre

1934 ein Darlehen im Betrage von Fr. 360,000.-, wofür

ihr ein Schuldbrief im ersten Range auf der Liegenschaft

Überlandstrasse Nr. 3/5 in Örlikon eingeräumt wurde.

Für die gleiche Schuld ging der Beklagte Bachmann

mit sechs andern Bürgen am 27. Dezember 1933 eine

« Bürg- und Selbstzahlerschaftsverpflichtung» ein, die

u. a. die Bestimmung enthielt: « Im Falle der 'Handän-

derung ist die « Vita » ermächtigt, nach freiem Ermessen

den alten Schuldner beizubehalten oder den neuen anzu-

nehmen; sofern die « Vita » den neuen annimmt, so gilt

diese Bürgschaft ohne weiteres auch für den neuen Schuld-

ner geleistet und dauert in jedem Falle so lange fort, bis

die « Vita» für ihre sämtlichen Anspruche aus diesem

Schuldverhältnis befriedigt ist ».

B. -

Zu Beginn des Jahres 1935 Wurde die Hotel

Markus A.-G. gegründet mit dem Zweck, das Hotel

Markus an der Überlandstrasse 3/5 zu erwerben und zu

betreiben. Die neue Gesellschaft übernahm die auf der

Liegenschaft haftenden Hypotheken im Betrage von

Fr. 500,000.-. Die Genossenschaft « Markus», die unter-

dessen zur Genossenschaft «Ackergut » geworden war,

kam am 14. Februar 1935 in Konkurs.

Am 14~ Januar 1935 hatte das Grundbuchamt Schwa:"

mendingen der « Vita» von der Schuldübernahme im

Sinne von Art. 832 ZGB Kenntnis gegeben. Diese kehrte

auf diese Mitteilung hin nichts vor.

G. -

Im Jahre 1938 belangte die « Vita » den Beklagten

auf Grund seiner Solidarbürgschaftsverpflichtung auf

Bezahlung rückständiger Hypothekarzinsen von Fr. 8550.-.

D. -

Das Bezirksgericht Frauenfeld und das Obergericht

des Kantons Thurgau wiesen die Klage ab. Das Bundes-

gerichtweist die Berufung der Klägerin gegen das Urteil

des Obergerichts ab.

130

Obligationenrooht. N° 31.

A U8 den Erwägungen :

1. -

Zwischen den Parteien ist nicht streitig, dass die

Klägerin die Genossenschaft « Ackergut » als Schuldnerin

entlassen und an deren Stelle die neugegründete Hotel

Markus A.-G. angenommen hat. Nach Massgabe des

Art. 178 Abs. 2 OR haftet mithin der Beklagte als Bürge

nur noch, falls er dem Schuldnerwechsel zugestimmt hat.

2. -

Die Zustimmung eines Bürgen im Sinne des

Art. 178 Abs. 2 OR kann vor dem Schuldübergang form-

los, sei es ausdrücklich, sei es durch konkludentes Ver-

halten, erfolgen (BGE 60 II 333).

Nach der das Bundesgericht bindenden Feststellung der

Vorinstanz hat sich der Beklagte vor dem Schuldübergang

weder ausdrücklich zum konkreten Schuldnerwechsel

geäussert, noch ist er etwa irgendwie für die neue Schuld-

nerin tätig geworden. Mit der Vorinstanz muss daher

davon ausgegangen werden, dass der Bürge weder aus-

drücklich noch durch konkludentes Verhalten der Schuld-

übernahme vor dem Übergang zugestimmt hat.

Oh eine Zustimmung zum Schuldnerwechsel ausdrück-

lich oder durch konkludentes Verhalten nach der Schuld-

übernahme erfolgt sei, kann dahingestellt bleiben. Denn

da eine Zustimmung im Zeitpunkt der Schuldübernahme

fehlte und die Bürgschaft damit unterging, hätte eine

nachträgliche Zustimmung als Neubegründung einer Bürg-

schaft der schriftlichen Form gemäss Art. 493 OR bedurft

(BGE 60 II 333 f.). Die Einhaltung diesel,' Form wird aber

nicht einmal behauptet.

3. -

Es stellt sich weiter die Frage, ob der Beklagte

trotz dem Schuldnerwec.p.sel forthafte, weil er seinerzeit

die Klägerin im Bürgschaftsvertrag ermächtigt hatte,

nach freiem Ermessen den alten Schuldner beizubehalten

oder den neuen anzunehmen, und weil er daselhst überdies

erklärt hatte, dass im Falle eines Schuldnerwechsels die

Bürgschaft ohne weiteres auch als für den neuen Schuldner

geleistet· gelte.

Obliga.tionenrooht. N0 31.

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Das Bundesgericht hat die Gültigkeit derartiger Klau-

seln im Entscheid 63 II 410 offengelassen, immerhin aber

schon damals deutlich durchblicken lassen, dass es zur

Verneinung dieser Frage neige. Im Entscheid i. S. Göhner

gegen Gewerbebank Zürich A.-G. vom 7. Juli 1941 hat

es sich dann eindeutig auf diesen Boden gestellt. Daran

ist festzuhalten. Es muss schlechterdings als unzulässig

erachtet werden, dass sich ein Bürge inbezug auf eine

Situation, die er noch gar nicht kennt, ja gar nicht kennen

kann, gültig verpflichte (vgL auch STAUFFER in der

Zeitsehr. f. Schweiz. Recht, 1935, S. 511 a). Es liegt auf

der Hand, dass gerade die Person des Schuldners für die

Frage der Eingehung der Bürgschaft, insbesondere aber

für den Umfang des von ihm übernommenen Risikos, von

entscheidender Bedeutung ist. Es würde zu einer uner-

träglichen Fesselung der Persönlichkeit führen, wenn man

es als gültig anerkennen wollte, dass sich ein Bürge nach

dieser wichtigen Richtung hin blindlings dem Gutdünken

des Gläubigers ausliefern dürfe. Das würde auch der bei

der Revision des Bürgschaftsrechts klar zutage tretenden

Tendenz eines bessern Schutzes des Bürgen widersprechen.

Eine Bürgschaftserklärung kann nur dann als gültig aner-

kannt werden, wenn sich der Bürge auf ihrer Grundlage

eine klare Vorstellung über die Art und den Umfang des

von ihm übernommenen Risikos machen kann. Da das

bei einem zum voraus erklärten Einverständnis zu jedem

beliebigen Schuldnerwechsel nicht zutrifft, ist eine Be-

stimmung dieses Inhalts rechtlich unbeachtlich (Art. 27

ZGB, Art. 20 OR).

4.- Liegt aber eine gültigeVerbürgung der Forderung

gegenüber dem neuen Schuldner nicht vor, so vermag

der Klägerin auch eine Berufung auf die Grundsätze von

Treu und Glauben im Sinne des Art. 2 ZGB nicht zu helfen.

Denn in der Berufung auf das Fehlen der formellen gesetz-

lichen Voraussetzungen eines Bürgschaftsvertrages kann

ein Rechtsmissbrauch nicht. erblickt werden; das Fehlen

eines solchen gesetzlichen Erfordernisses kann nicht durch

132

Obligationenrecht. N0 32.

eine Berufung aur Rechtsmissbrauch überbrückt werden.

Denkbar wäre vielmehr an sich höchstens eine Schaden-

. ersatzklage gemäss Art. 41 Abs. 2 OR wegen einer gegen

die guten Sitten verstossenden absichtlichen Schadens-

zufügung. Eine solche ist aber vorliegend nicht einmal

behauptet worden.

32. Arr~t de la Ire Seetlon elvile du 21 mai 1941 dans la cause

Worms contre Fabrique Juvenia, Dldisheim-Goldschmidt

ros & eie.

L'acheteur qui omat da verifier la chose at da signaler au vandeur

les defauts constates (art. 2011 CO) ast dechu non seulement

de l'action e:c eontractu m.ais aussi da l'action e:c delieto, sauf

s'il y ades defauts caches (art. 2011) ou une garantie speciala

(art. 2101) ou une erreur provoquee intentionnellement par le

vendeur (art. 2101).

Der Kä.ufer, der die Sache nicht prüft und allfällige Mängel nicht

rügt (Art. 201 Abs. 1 OR), verliert nicht nur den vertraglichen;

sondern auch den DeIiktsanspruch, ausgenommen beim Vor-

liegen geheimer Mängel (Art. 201 Abs. 2), beim Fehlen zu-

gesichertt'r Eigenschaften (Art. 210 Abs. 1) und bei absicht-

licher Tä.uschung durch den Verkäufer (Art. 210 Abs. 3).

Il compratore, che tralascia di esaminare la cosa e di segnalare

alvenditore i difetti scoperti (an. 201 CO), perde non soltanto

il diritto all'azione e:c contractu, ma anche quello all'aziona

e:c delicto, salvo se esistano difetti non riconoscibili (art. 201

cp. 2) 0 uns garanzia speciale (an. 210 cp. 1) 0 un errore pro-

vocato intenzionalmente dal venditore (art. 210 cp. 3).

A. -

Justin Worms, commeryant a Sao-Paolo depuis

de nombreuses annees, a ouvert en decembre 1934 une

maison de bijouterie, horlogerie et argenterie.

Il a et6 en relations d'affaires avec la fabrique Juvenia

qui lui a notamment fait une expedition de montres le

12 juin 1935. Parmi celles-ci se trouvait une montre

Polar que la facture mentionne sous le numero d'ordre

294 de la maniere suivante: «Polar n° 519.942 cal. or

18 Kt forme rectangle a come, ouverture carree, lunette

polie, cadran argente, heures relief dorees, bracelet cuir

Fr. 55.--'-».

Obligationenrecht. N0 32.

133

En 1937, Worms a vendu cette montre au Dr Antonio

Ribeiro de Andrade. Celui-ci, desirant Ja revendre en

1939, la soumit pour evaluation aux experts du Mont-

de-Piere de l'Etat.

Les experts constaterent que la bOlte exterieure de la

montre portait l'inscription « 18 carats », tandis que le

fond de la bOlte indiquait « 14 carats; 0,585 ».- Le Dr

de Andrade donna connaissance de ce fait a la police et

porta plainte penale contre Worms. Une expertise judi-

ciaire etablit que la montre correspond a l'estampe offi-

cielle de 14 ca.rats qui figure a l'inrerieur de la bOlte et

que l'inscription « 18 Kt » a ere executee par u.n procede

de gravure.

La fabrique Juvenia avait acquis la bolte en decembre

1931. Celle-ci ne portait que l'inscription « 14 carats » et

le poinl}on officiel du controle federal des matieres or et

argent. Juvenia a vendu la. montre a Worms au prix

d'une montre or 14 carats. Elle explique l'erreur de la

facture en disant «. qu'll est vraisemblable que cette

boite egrenee aura a l'epoque ere adressea a l'un des gra-

veurs de la fabrique en meme temps qu'une serie de boites

18 carats et que le graveur s'est trompe en gravant a

l'exrerieur de la bOlte « 18 Kt» au lieu du titre de 14

carats qui figure a l'inrerieur a core du poinl}On officiel ».

Worms admet la possibilire qu'une erreur se soit produite

et que le prix de la montre ait ere etabli d'apres la valeur

reelle du titre; II ajoute qu'll n'insinuera pas que Juvenia

ait voulu frauder ...

Par ordonnance du 6 octobre 1939, le Juge penal

saisi de l'affaire ordonna son classement ...

B. -

Worms actionna Juvenia en paiement d'une

indemnite de 12000 fr. qu'll entend justifier par le verse-

ment a ses avocats bresiliens d'une somme de 11 llO fr.;

par des frais de rectification dans les journaux, 1060 fr.;

par la reproduction de documents du dossier et des tra-

ductions, 140 fr.; et par d'a,utres frais accessoires, 848 fr.

La defenderesse a conclu au rejet de la demande.