Sachverhalt
Die Beschwerdeführerin, Firma Haarmann & Reimer, Chemische Fabrik, G.m.b.H., Holzminden (Deutschland), liess am 23. August 1940 im internationalen Register unter Nr. 101,789 eine Marke eintragen, die auf schwarzem Grunde u. a. die Buchstaben Hund R (die Anfangsbuchstaben der beiden Firmenteilhabernamen) und dazwischen ein Kreuz aufweist. Durch Entscheid vom 17 . Juli 1940 verweigerte das Eidgenössische Amt für geistiges Eigentum die Zulassung dieser Marke zum Schutze in der Schweiz, mit der Begrün- dung, dass die Marke ein Zeichen aufweise, das mit dem AS 66 I - 1940 13 194 Verwaltungs. und Disziplinarreohtapflege. Schweizerkreui verwechselt werden könne; die Verwen- dung eines solchen Zeichens sei durch das schweizerische Recht verboten und verstosse gegen die öffentliche Ordnung. B. - Gegen diesen Entscheid reichte die Firma Haar- mann & Reimer G.m.b.H. am 17./21. August 1940 beim Bundesgericht verwaltungsgerichtliche Beschwerde ein. Sie beantragt, das Bildzeichen sei in der angemeldeten Form oder eventuell unter Streichung des zwischen den beiden Buchstaben Hund R.:. befindlichen Kreuzes zuzu- lassen. Das beschwerdebeklagte Amt beantragt Abweisung der Beschwerde.
Erwägungen (4 Absätze)
E. 1 (Frist für die Verwaltungsgerichtsbeschwerde.)
E. 2 Das Zeichen, welches sich zwischen den beiden
Buchstaben Hund R der Marke befindet, hat die Form
eines senkrecht stehenden Kreuzes mit ungefahr quadra-
tischen Armen.
Damit gleicht es in ausgesprochener
Weise dem Kreuz im Wappen der schweizerischen Eid-
genossenschaft, das ebenfalls in aufrechter Stellung vier
nahezu quadratförmige, unter sich gleiche Arme aufweist
(Bundesbeschluss vom 12. Dezember 1889 betr. das eid-
genössische Wappen). Die Marke könnte deshalb leicht
beim Publikum den falschen Eindruck erwecken, dass
die damit versehene Ware schweizerischer Herkunft sei.
Marken, welche geeignet sind, das kaufende Publikum
zu täuschen, gelten aber nach ständiger Praxis als unsittlich
im Sinne von Art. 14 Abs. 1 ZifI. 2 MSchG, und unsittliche
Marken können gemäss Art. 6 lit. B ZifI. 3 der Pariser
übereinkunft, Londoner Fassung vom 2. Juni 1934, auch
im internationalen Verhältnis zurückgewiesen werden
(BGE 56 149 und 472; 63 I 93;' 66 II).
Die Beschwerdeführerin wendet gegen die Zurück-
weisung zu Unrecht'ein, das Kreuz sei als « und» -Zeichen
aufzufassen, das die Anfangsbuchstaben der Namen der
Register. N° 35.
195
beiden Firmenteilhaber miteinander verbinde. Massgebend
ist nicht die Meinung und Absicht des Markeninhabers,
sondern die Wirkung auf das schweizerische Publikum,
welches jedenfalls in seiner grossen Mehrheit nicht zum
vornerherein weiss, dass es sich um eine Marke der Firma
Haarmann und Reimer handelt, und welches daher das
Kreuz kaum als « und)) -Zeichen, sondern als Schweizer-
kreuz ansehen wird. Daran lässt sich umsoweniger zweifeln,
als es durchaus ungewöhnlich ist, im Schrifttext für das
Bindewort « und)) das mathematische, Additionskreuz (+)
zu verwenden.
E. 3 .Allein auch abgesehen von der besondern Täu- schungsgefahr, die hier lnit Rücksicht auf die fremde Nationalität des Markeninhabers besteht, ist die Ver- wendung des eidgenössischen Kreuzes oder eines mit diesem verwechselbaren Zeichens als Marke oder Markenbestand- teil schlechtweg ausgeschlossen durch Art. 1 Abs. 1 Ziff. 1 und 3 des Bundesgesetzes vom 5. Juni 1931 zum Schutz öffentlicher Wappen und anderer öffentlicher Zeichen. Da diese Vorschrift dem Schutz des schweizerischen Hoheitszeichens dient, beschlägt sie die öffe~tliche Ordnung und ist daher gemäss Art. 6 lit. B Ziff. 3 der Pariser Ver- bandsübereinkuilft, Londoner Fassung vom 2. Juni 1934, auch anwendbar gegenüber internationalen Marken.
E. 4 Dem Eventualantrag der Beschwerdeführerin, die Marke sei unter Ausmerzung des beanstandeten Kreuz- zeichens zuzulassen, kann ebenfalls nicht Folge gegeben werden. Wohl bestimmt Art. 6 lit. B Abs. 2 der Verbands- übereinkunft, dass eine Marke in den andern Verbands- ländern nicht allein deswegen zurückgewiesen werden darf, weil sie sich von der im Ursprungsland eingetragenen Marke nur in untergeordneten, den Gesamteindruck nicht berührenden Punkten unterscheidet. Wenn diese Bestim- mung sich überhaupt auf die internationale Eintragung . einer Marke bezieht, so bedeutet sie jedoch hier nach den zutreffenden Ausführungen des beschwerdebeklagten 196 Verwaltungs- und DiBziplinarrachtspflege. Amtes nur, dass:die Eintragung im internationalen Register insoweit von der Eintragung im Ursprungsland abweichen darf; keinesfalls hingegen kann damit gesagt sein, dass eine im internationalen Register eingetragene Marke für die einzelnen Verbandsländer verschiedener Aus- gestaltung fähig sei. Demnach el'kennt das Bunde8gericht: Die Beschwerde wird abgewiesen. IH. BEFREIUNG VON KANTONALEN ABGABEN EXEMPTION DE CONTRIBUTIONS CANTONALES
Volltext (verifizierbarer Originaltext)
35. Urteil der I. Zivilabteiluug vom t8. September 1940
i. S. Haarmann & Reimer
gegen Eidgenössisches Amt filr geistiges Eigentum.
Marken.schutz; Zulassung internationaler .i.'Yla.rken.
1. Zurückweisung einer Marke, die ein mit dem Schweizerkreuz
verwechselhares Zeichen enthält. Art. 14 MschG; BGesetz v.
5. Juni 1931 zum Schutz öffentliebilr Wa.ppen n.s.w.; Pariser
Übereinkunft, Londoner Fassung von 1934. Erw. 2 u. 3.
2. Abweichungen der internationalen Marke von dem im Ur-
spruggsland eingetragenen Zeichen. Art. 6 Iit. B Abs. 2
der Ubereinkunft. Erw. 4.
Protection des marques de fabrique; admission de marques inter-
nationales.
1. Refus d'une marque qui contenait un signe susceptible d'etre
coniondu avec une eroix federale. Art. 14 de la Loi sur Ia
protection des marques de fabrique; Loi federale du 5 j uin
1931 sur la protection des armoiries publiques, etc.; Conven-
tion de Paris revisee a Londres en 1934. Consid. 2 et 3.
2. Cas ou la marque internationale et le signe enregistre dans
le pays d'origina ne sont pas identiques. Art. 6 lit. B Al. 2 de
la Convention. Consid. 4.
Protezione delle marche di fabbrica; ammissiona di marche inter-
nazionali.
1. Rifiuto d'iserizione di una marca ehe eontiena un segno suscet-
tibile di essere eonfuso eon una croee federale. Art. 14 deUs.
Legge sulla prot.ezione delle marche di fabbrica; Legge federale
I) giugno 1931 Bulla protezione degli stemmi pubblici ecc.;
Convenzione di Parigi riveduta a Londra nel 1931. Consid. 2
e 3.
2. Divergenze tra la marea internazionale eil segno registrato
nel paese di origine. Art. 6 lett. B ep. 2 della Convenzione.
Consid.4.
.
A. -
Die Beschwerdeführerin, Firma Haarmann &
Reimer,
Chemische
Fabrik,
G.m.b.H.,
Holzminden
(Deutschland), liess am 23. August 1940 im internationalen
Register unter Nr. 101,789 eine Marke eintragen, die auf
schwarzem Grunde u. a. die Buchstaben Hund R (die
Anfangsbuchstaben der beiden Firmenteilhabernamen)
und dazwischen ein Kreuz aufweist.
Durch Entscheid vom 17 . Juli 1940 verweigerte das
Eidgenössische Amt für geistiges Eigentum die Zulassung
dieser Marke zum Schutze in der Schweiz, mit der Begrün-
dung, dass die Marke ein Zeichen aufweise, das mit dem
AS 66 I -
1940
13
194
Verwaltungs. und Disziplinarreohtapflege.
Schweizerkreui verwechselt werden könne; die Verwen-
dung eines solchen Zeichens sei durch das schweizerische
Recht verboten und verstosse gegen die öffentliche
Ordnung.
B. -
Gegen diesen Entscheid reichte die Firma Haar-
mann & Reimer G.m.b.H. am 17./21. August 1940 beim
Bundesgericht verwaltungsgerichtliche Beschwerde ein.
Sie beantragt, das Bildzeichen sei in der angemeldeten
Form oder eventuell unter Streichung des zwischen den
beiden Buchstaben Hund R.:. befindlichen Kreuzes zuzu-
lassen.
Das beschwerdebeklagte Amt beantragt Abweisung
der Beschwerde.
Das Bundesgericht zieht in Erwägung :
1. -
(Frist für die Verwaltungsgerichtsbeschwerde.)
2. -
Das Zeichen, welches sich zwischen den beiden
Buchstaben Hund R der Marke befindet, hat die Form
eines senkrecht stehenden Kreuzes mit ungefahr quadra-
tischen Armen.
Damit gleicht es in ausgesprochener
Weise dem Kreuz im Wappen der schweizerischen Eid-
genossenschaft, das ebenfalls in aufrechter Stellung vier
nahezu quadratförmige, unter sich gleiche Arme aufweist
(Bundesbeschluss vom 12. Dezember 1889 betr. das eid-
genössische Wappen). Die Marke könnte deshalb leicht
beim Publikum den falschen Eindruck erwecken, dass
die damit versehene Ware schweizerischer Herkunft sei.
Marken, welche geeignet sind, das kaufende Publikum
zu täuschen, gelten aber nach ständiger Praxis als unsittlich
im Sinne von Art. 14 Abs. 1 ZifI. 2 MSchG, und unsittliche
Marken können gemäss Art. 6 lit. B ZifI. 3 der Pariser
übereinkunft, Londoner Fassung vom 2. Juni 1934, auch
im internationalen Verhältnis zurückgewiesen werden
(BGE 56 149 und 472; 63 I 93;' 66 II).
Die Beschwerdeführerin wendet gegen die Zurück-
weisung zu Unrecht'ein, das Kreuz sei als « und» -Zeichen
aufzufassen, das die Anfangsbuchstaben der Namen der
Register. N° 35.
195
beiden Firmenteilhaber miteinander verbinde. Massgebend
ist nicht die Meinung und Absicht des Markeninhabers,
sondern die Wirkung auf das schweizerische Publikum,
welches jedenfalls in seiner grossen Mehrheit nicht zum
vornerherein weiss, dass es sich um eine Marke der Firma
Haarmann und Reimer handelt, und welches daher das
Kreuz kaum als « und)) -Zeichen, sondern als Schweizer-
kreuz ansehen wird. Daran lässt sich umsoweniger zweifeln,
als es durchaus ungewöhnlich ist, im Schrifttext für das
Bindewort « und)) das mathematische, Additionskreuz (+)
zu verwenden.
3. -
.Allein auch abgesehen von der besondern Täu-
schungsgefahr, die hier lnit Rücksicht auf die fremde
Nationalität des Markeninhabers besteht, ist die Ver-
wendung des eidgenössischen Kreuzes oder eines mit diesem
verwechselbaren Zeichens als Marke oder Markenbestand-
teil schlechtweg ausgeschlossen durch Art. 1 Abs. 1 Ziff. 1
und 3 des Bundesgesetzes vom 5. Juni 1931 zum Schutz
öffentlicher Wappen und anderer öffentlicher Zeichen.
Da diese Vorschrift dem Schutz des schweizerischen
Hoheitszeichens dient, beschlägt sie die öffe~tliche Ordnung
und ist daher gemäss Art. 6 lit. B Ziff. 3 der Pariser Ver-
bandsübereinkuilft, Londoner Fassung vom 2. Juni 1934,
auch anwendbar gegenüber internationalen Marken.
4. -
Dem Eventualantrag der Beschwerdeführerin, die
Marke sei unter Ausmerzung des beanstandeten Kreuz-
zeichens zuzulassen, kann ebenfalls nicht Folge gegeben
werden.
Wohl bestimmt Art. 6 lit. B Abs. 2 der Verbands-
übereinkunft, dass eine Marke in den andern Verbands-
ländern nicht allein deswegen zurückgewiesen werden
darf, weil sie sich von der im Ursprungsland eingetragenen
Marke nur in untergeordneten, den Gesamteindruck nicht
berührenden Punkten unterscheidet. Wenn diese Bestim-
mung sich überhaupt auf die internationale Eintragung
. einer Marke bezieht, so bedeutet sie jedoch hier nach
den zutreffenden Ausführungen des beschwerdebeklagten
196
Verwaltungs- und DiBziplinarrachtspflege.
Amtes nur, dass:die Eintragung im internationalen Register
insoweit von der Eintragung im Ursprungsland abweichen
darf; keinesfalls hingegen kann damit gesagt sein, dass
eine im internationalen Register eingetragene Marke
für die einzelnen Verbandsländer verschiedener Aus-
gestaltung fähig sei.
Demnach el'kennt das Bunde8gericht:
Die Beschwerde wird abgewiesen.
IH. BEFREIUNG VON KANTONALEN ABGABEN
EXEMPTION DE CONTRIBUTIONS CANTONALES