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65_I_156

BGE 65 I 156

Bundesgericht (BGE) · 1939-06-08 · Deutsch CH
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Verwaltungs· und Disziplinarrechtspflege.

26. Urteil der 11. ZivilabteilUllg vom 8. Juni 1939 i. S. Brütsch

und Knster gegen Zivilstandsamt St. Gallen.

Aberkennung der Ehelichkeit (Art. 252 ff. ZGB) ~

n~ durch

richterliches Urteil ausgesprochen werden. Pa:r:telerklarun~en

und -vereinbarungen :hn Pro~esse vermö~~n ruc~~, das Kmd

vom ehelichen in den unehehchen Stand ub~rzufuhren. _ .

-

Als Titel zur Eintragung kommt daher nur elIl: r,,<:htskräftIg~

Urteil in Betracht. Richterliche Weisungen, die swh auf ~em

solches Urteil stützen, sind von den Zivilstandsämtern lllcht

zu befolgen.

Desaveu (art. 252 ss. CC). Un .enfant ne pe.ut etre desavoue .que

par jugement. Les decl~atlOns des part16s et lef! transactlOns

intervenues en cours d mstance ne peuvent faIre passer de

l'etat d'enfant Iegit:hne a celui d'enf~t illegi?:hn~.,.

..

-

Seul un jugement passe en force peut etre ~

t~tre a l ~nsc~ptwn.

Les officiers de l'etat civil ne pe';lvent terur comp~e de sllllples

injonctions du juge, qui ne constltuent pas un tel Jugement.

II disconoscirnento della paternitd (art. 252. e ~e~. CC) pu~ e~sere

pronunciato solo mediante sentenza gmdizlale. Le dwhiara-

zioni e transazioni intervenute nel corso deI processo non

possono far passare i1 figlio dallo stato legitt:hno a quello

illegitt:hno.

-

Soltanto una sentenza cresciuta in giudicato puo essere un

titolo per l'iscriziO'J'U! . . Gli ufficia~i dello .sta:to civile non poss~no

tener conto di ordilll emanantl dal gmdwe che non SI basmo

su una tale sentenza.

Der am 8. September 1938 geborene Hans Kuster,

dessen Mutter damals im Scheidungsprozesse stand, wurde

als eheliches Kind in das Zivilstandsregister eingetragen.

Der Ehemann hob Klage auf Unehelicherklärung des Kin-

des an. Einige Tage nach dem Vermittlungsvorstand

erklärte der die Beklagtschaft (Mutter und Kind) vertre-

tende Amtsvormund dem Vermittler, er anerkenne in

deren Namen und im Einverständnis mit dem zuständigen

'Waisenamt das Klagebegehren und bitte, das Kind als

aussereheliches auf den Familiennamen der inzwischen ge-

schiedenen Mutter umschreiben zu lassen. Der Vermittler

leitete die Erklärung mit entsprechender Weisung an das

Zivilstandsamt. Dieses lehnte aber die nachgesuchte Ein-

tragung ab, weil ein solcher Vergleich keinen Eintragungs-

titel darstelle. Eine Beschwerde der Beklagtschaft beim

Regierungsrat hatte keinen Erfolg. Mit der vorliegenden

,

)

Registersacheu. N0 26.

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verwaltungsgerichtlichen Beschwerde hält die Beklagt-

schaft am Begehren fest, das Zivilstandsamt sei zur Vor-

nahme der anbegehrten Eintragung anzuweisen.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung :

Ein in der Ehe geborenes Kind gilt für ehelich. Vorbe-

halten bleibt die gerichtliche Anfechtung der Ehelichkeit

nach Massgabe der gesetzlichen Voraussetzungen (Art. 253

ff. ZGB). Nur wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind,

darf dem Kinde die Ehelichkeit abgesprochen werden, und

nur durch den hiefür zuständigen Richter. Erklärungen

und Vereinbarungen der unmittelbar beteiligten Personen

vermögen die Anfechtungsklage und das gerichtliche

Urteil nicht zu ersetzen, auch wenn das Kind durch einen

Beistand vertreten ist und dessen Entschliessungen durch

vormundschaftliche Behörden genehmigt werden. Dem-

gemäss ist auch ausgeschlossen, dass im gerichtlichen Ver-

fahren die vom Kläger verlangte Rechtsgestaltung statt

durch Urteil des Richters durch Prozessvergleich herbei-

geführt werde. Die Aberkennung des ehelichen Standes

ist der Verfügung der Beteiligten schlechthin entzogen.

Klaganerkennung oder Vergleich erledigt die Streitsache

nicht im Sinne des Anfechtungsbegehrens; vielmehr steht

der Richter alsdann vor übereinstimmenden Anträgen,

wodurch er der ihm obliegenden Entscheidung und der

Prüfung des gesetzlichen Tatbestandes nicht enthoben ist.

Dementsprechend ist denn auch in solchen Anfechtungs-

prozessen eine staatliche Intervention zulässig, um einer

ungerechtfertigten U nehelicherkläruug entgegenzutreten,

ohne Rücksicht auf die Stellungnahme der Beklagtschaft,

die eben um der öffentlichen Ordnung willen nicht mass-

gebend sein kann (BGE 39 II 10, 41 II 428, 44 II 224).

Diese Grundsätze beherrschen auch da-s Verfahren eines

der Klageinreichung allenfalls vorausgehenden Aussöh-

nungsversuches. Eine verbindliche Aussöhnung im Sinne

des Klagebegehrens, mit rechtsgestaltender Wirkung, ist

nicht möglich. Steht der K1äger nicht von der Anfechtung

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Verwaltungs- und Disziplinarrechtspflege.

ab, so muss er den Prozess durchführen, um zu der für

die Unehelicherklärung unerlässlichen gerichtlichen Ent-

scheidung zu gelangen.

Aus den Bestimmungen über das aussereheliche Kindes-

verhältnis lässt sich für den vorliegenden Fall nichts Gegen-

teiliges folgern. Die aussereheliche Vaterschaft kann, wie

durch Urteil, auch durch Anerkennung festgestellt werden

(Art_ 302 Abs. 2 ZGB); daher steht nichts entgegen, eine

auf Zusprechung mit Standesfolge gehende Vaterschafts-

klage durch Prozessvergleich zu erledigen. Hier aber han-

delt es sich um die Überführung eines Kindes von der

ehelichen in die uneheliche Nachkommenschaft, die nur

durch den Richter ausgesprochen werden kann.

Demnach hat das Zivilstandsamt mit Recht die Vorle-

gung eines rechtskräftigen Urteils über die Anfechtungs-

klage als Ausweis über die Unehelicherklärung verlangt.

An die Weisung des Friedensrichters, die sich auf kein

Urteil stützte, hatte es sich nicht zu halten.

Demnach e:rkennt das B,ttndesgericht .-

Die Beschwerde wird abgewiesen.

27. Arret de la II" Seetion eivile du 13 septembre 1939

dans la cause Gianadda contre Semblanet.

Registre joncier. Recours.

.

Le recours prevu aux art. 1~2 et ~ui:. ORF n'est pa;s ~uvert p~u~

faire prononcer qu'une mscrlptIOn ou une radiatIOn ont ete

operees sans justification suffisante. Ce moyen ne peut etre

souleve que par la voie judiciaire.

Grundb1wh, Beschwerdelührung.

Die Rüge eine Eintragung oder Löschung sei ohne genügenden

Grund' vorgenommen worden, ist nicht durch Beschwerde

gegen den Grundbuchverwalter (Art. 102 ff der Grundbuch-

verordnung), sondern durch gerichtliche Klage geltend zu

machen.

Regirstro jondiario. Ricorso.

.

Per far dichlarare che un'iscrizione 0 una canceliazIOne sono

state eseguite senza giustificazione sufficiente non e amm~sibiIe

il ricorso pre,risto dagli art. 102 e seg. ORF, ma devesl pro-

muovere causa davanti al giudice.

Registersachen. No 27.

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A. -

Durant l'enquete qui prt3ceda l'introduction du

registre foncier dans la commune de Martigny, Robert

Gianadda a demande au conservateur du registre l'ins-

cription d'une servitude de passage sur la parcelle n° 568

du plan, appartenant a Auguste Semblanet, au profit de

la parcelle n° 616 dont il etait proprietaire. En depit de

l'opposition de Semblanet et apres avoir par deux fois

refuse de faire droit a cette requisition, le conservateur

finit cependant par y consentir au vu des titres produits

parle mandataire de Gianadda qui garantissait l'existence

de la servitude.

A vise de l'inscription, Semblanet protesta immediate-

ment, sur quoi les organes charges de la confection du

registre deciderent, a la suite d'un nouvel examen et d'une

descente sur. les lieux, de radier la servitude, ayant cons-

tate, disent-ils, que les titres invoques ne permettaient pas

de l'inscrire d'office.

Gianadda a recouru au Conseil d'Etat du Valais, auto-

rite de surveillance du registre.

Par decision du 21 avrill939, le Conseil d'Etat a rejete

le recours en relevant que le conservateur n'avait pas viole

la loi et que la question de fond n'etait pas de la compe-

tence de l'autoriM de surveillance.

B. -

Par acte depose en temps utile, Gianadda a forme

un recours de droit administratif contre. la decision du

Conseil d'Etat en concluant au retablissement de l'ins-

cription. Celle-ci, soutient-il, ne pouvait etre radiee sans

son consentement.

Le Departement federal de Justice et Police a conclu a

l'irrecevabilite du recours.

Considerant en dmit.-

Aux termes des art. 102 et sulv. ORF, il n'y a de recours

a l'autorite de surveillance que contre « la gestion» du

conservateur, autrement dit en raison de la maniere dont

il s'acquitte de ses fonctions (art. 102), contre les decisions

par lesquelles il ecarte une requisition d'inscription, d'an-