opencaselaw.ch

63_III_114

BGE 63 III 114

Bundesgericht (BGE) ·III · 1937-11-12 · Deutsch CH
Quelle Original Export Word PDF BibTeX RIS
Volltext (verifizierbarer Originaltext)

33. Entsoheid Tom 12. November 1937 i. S. Deplaz.

Die gegen einen iIn Ausland wohnenden Schuldner in der Schweiz

von einem örtlich unzuständigen Betreibungsamt azigehobene

Betreibung ist dann nichtig, wenn auch der betreibende GiäU-

biger im Ausland Wohnsitz hat (Art. 46 SchKG).

La poursuite introdtiite en Suisse par un office incompetent

quant au lieu contra un debiteur domicilie a l'etranger doit

etre declaree nulle d'office lorsque le creancier poursuivant est

aussi domicilie a l'etranger (art. 46 LP).

Un' esecuzione promossa in Isvizzera da un ufficio incompetente

ratione loci contro un debitora domiciliato all'estero e nulla se

il creditore escutente e pure domiciliato all'estero (art. 46 LP).

Schuldbetreibungs- und Konkursrecht. N° 33.

115

Der in Singen wohnende, für eine Bündner Firma rei-

sende Rekurrent wurde von einer Münchner Bank unter

seiner ständigen Adresse in Zürich, Josefstrasse 73, wo er

monatlich 1-2 mal bei Bekannten übernachtet, betrieben;

er erhob dagegen nicht Beschwerde, und es kam zu einer

Lohnpfandung im Betrage von Fr. 100.- im Monat, ge~n

die der Schuldner rekurriert Init dem Antrag auf Erhöhung

seines Existenzminimums Init Rücksicht auf den infolge

der Abwertung geringeren Kurswert des Frankens in

Deutschland.

Die Schuldbetreibungs- und Konkurskammer

zieht in Erwägung :

Wie die Vorfustanz zutreffend ausführt, geht die Recht-

sprechung des Bundesgerichts hinsichtlich des Orts der

Betreibung dahin, dass· die Vorschriften über den Betrei-

bungsort nicht zwingend und daher die am unrichtigen

Orte angehobene Betreibung nicht nichtig ist, wenn der

Schuldner seinen Wohnsitz im Auslande hat, da in diesem

Falle eine Benachteiligung anderer Gläubiger durch

Vereitelung ihres Anschlussrechts am gesetzlichen (schwei-

zerischen) Betreibungsorte und damit eine Schädigung

öffentlicher bezw. dritter Interessen durch die Betreibung

am ungesetzlichen Orte nicht stattfindet (BGE 59 III 6).

Diese Praxis geht jedoch davon aus, dass es sich um einen

in· der S c h w e i z

w 0 h n h a f t e n Betreibungs-

gläubiger handelt, sodass immerhin insofern ein schwei-

zerisches Interesse an der Möglichkeit der Durchführung

der Betreibung in der Schweiz gegeben ist. Im vorliegenden

Falle dagegen hat nicht nur der Schuldner, sondern auch

der Gläubiger in Deutschland Wohnsitz, sodass es auch an

diesem Interesse fehlt, weshalb die Aufrechterhaltung der

Betreibung am ungesetzlichen Betreibungsorte . nicht mehr

~rechtfertigt erscheint. Sie ist deshalb, ohne dahinge-

henden Antrag und ohne Rücksicht auf die Beschwerde-

frist, von Amtes wegen aufzuheben.

Die weiter sich

stellende Frage, ob die eventuell gepfändeten Lohnbeträge

116

Schuldbetreibungs. U1W Konkursrecht. No 34.

nicht überhaupt im Wege des deutsch-schweizerischen

Verrechnungsverkehrs zu überweisen wären, wird in einem,

allfällig stattfindenden Arrestbetreibungsverfahren zu be-

rücksichtigen sein.

Demnach erkennt die Schuldbetr.- u. Konkurskammer :

Der Rekurs wird in dem Sinne gutgeheissen, dass die

Betreibung Zürich 5 Nr. 2105/1937 aufgehoben wird.