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62_II_221

BGE 62 II 221

Bundesgericht (BGE) ·II · 1936-09-16 · Deutsch CH
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Dispositiv
  1. Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.
Volltext (verifizierbarer Originaltext)

57. Urteil der II. Zivilabteilung vom 16. September 1936

i. S. J:'erraro gegen Ferraro.

Die z i viI r e c h t I ich e

B e s c h wer deist nicht z u -

I ä s s i g gegen einen Z w i s c h e n e n t s c h eid, der zwar

gegenwärtig nicht mit einem ordentlichen kantonalen Rechts-

mittel angefochten werden kann, wohl aber später in Verbin-

dung mit der Hauptsache. oa Art. 87.

Die mit einem in Mailand wohnenden Italiener verhei-

ratete Klägerin, eine ehemalige Schweizerin, die gegen-

wärtig bei ihren Eltern in Langnau lebt und dort gemäss

222

Prozessrecht. N° 57.

Art. 25 Abs. 2';, 170 Abs. 1 ZGB selbständigen Wohnsitz

zu haben behall-ptet, erhob beim dortigen Gericht (Amts-

gericht von Signau) Ehetrennungsklage. Am 22. Februar

1936 hat das Amtsgericht Signau erkannt: Die Zuständig-

keit des Amtsgerichtes Signau in Langnau zur Behandlung

der vorstehenden Ehetrennungssache wird bejaht. Gegen

diesen Entscheid führte der Beklagte staatsrechtliche

Beschwerde mit dem Antrag auf dessen Aufhebung und

Verneinung der Zuständigkeit des angerufenen Gerichtes.

Nachträglich,erklärte er sich damit einverstanden, dass

seine Beschwerde eventuell auch als zivilrechtliche behan-

delt werde.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung "

Entscheide von der Art des vorliegenden können wegen

Verletzung von Gerichtsstandsbestimmungen des ~idge­

nössischen Rechtes und im besonderen wegen Verletzung

des NAG (Art. 7h und 7 i Abs. 2) angefochten werden,

wofür, sofern sie nicht in Verbindung mit der Beurteilung

der Hauptsache getroffen worden sind und daher nicht

der Berufung unterliegen, das OG, Art. 87, Ziffer' 2 und

neuerdings auch Ziffer 3, die zivilrechtliche Beschwerde

zur Verfügung stellt, neben der kein Raum mehr ist für

eine infolgedessen ihrer Art nach unzulässige staatsrecht-

liche Beschwerde gemäss Art. 189 Abs. 3 bezw. Untersatz

zu Abs. 2 OG. Insbesondere. betrifft der vom Beklagten

ebenfalls als verletzt bezeichnete Art. 2 Ziff. 1 des Abkom-

mens von 1933 mit Italien über die Anerkennung und

Vollstreckung gerichtlicher Entscheidungen auch nur einen

Präjudizialpunkt für die Anwendung von Art. 7 h des

NAG. Indessen erweist sich die vorliegende Beschwerde,

auch wenn sie als zivilrechtliche angesehen wird, als unzu-

lässig, weil sie sich nicht gegen einen letztinstanzlichen

kantonalen Entscheid richtet, wie Art. 87 OG im Ingress

voraussetzt. Nach Art. 335 der Zivilprozessordnung für

den Kanton Bern sind Entscheide des Amtsgerichtes über

Vor- und Zwischenfragen in Streitigkeiten, deren Streitwert

Prozessrecht. N" 57.

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nicht geschätzt werden kann, nur dann selbständig appel-

label, wenn das Verfahren durch den anzufechtenden Ent-

scheid vorläufig seinen Abschluss erhalten hat. Letzteres

ist bei Bejahung zweifelhafter Zuständigkeit nicht der Fall;

die Appellation wird allerdings erst gegen das Sachurteil

zulässig sein, kann dann aber die Zuständigkeitsfrage mit-

umfassen. Steht aber derart noch ein ordentliches kanto-

nales Rechtsmittel gegen den angefochtenen Entscheid zur

Verfügung, so ist er kein ({ letztinstanzllcher» kantonaler

Entscheid, mögen auch die Voraussetzungen der Zulässig-

keit jenes kantonalen Rechtsmittels gegenwärtig ~och

nicht erfüllt sein, während bei gänzlicher Unzulässigkeit

desselben nach den Vorschriften des OG schon jetzt beim

Bundesgericht zivilrechtliche Beschwerde geführt werden

könnte (und mag auch später die zivilrechtliche Beschwerde

ausgeschlossen sein, wenn, wie vorauszusehen ist, das

kantonale Appellationsgericht Vor- und Hauptfragen mit-

einander beurteilen und infolgedessen nurmehr die Be-

rufung zulässig sein wird, was dem subsidiären Charakter

der zivilrechtlichen Beschwerde im Verhältnis zur Beru-

fung ja nur entspricht). Die gegenteilige Lösung würde

zur Ausschaltung der oberen kantonalen Instanz führen,

die nicht zureichend gerechtfertigt werden könnte durch

Gründe der Prozessökonomie, denen das kantonale Pro-

zessrecht selbst nicht Rechnung tragen zu sollen geglaubt

hat. Auch könnte es zu Unzuträglichkeiten führen, wenn

das Bundesgericht gestützt auf die tatsächlichen Feststel-

lungen der unteren kantonalen Instanz über die Berechti-

gung der Klägerin zur Aufhebung des gemeinsamen Haus-

haltes die Gerichtsstandsfrage endgültig beurteilen müsste,

während über die für die Hauptfrage massgebenden tat-

sächlichen Verhältnisse, die zum guten Teil die gleichen

sein werden, erst nachträglich im Hauptverfahren die obere

kantonale Instanz die verbindlichen Feststellungen treffen

wird, die denen der unteren Instanz widersprechen können.

Von dieser grundsätzlichen Betrachtungsweise darf auch

im vorliegenden Falle nicht abgewichen werden, obwohl

:l:l4

Prozessrecht. No 58.

der angefochte~e Zuständigkeitsentscheid nach Lage der

Akten unrichtig erscheint.

Demnach erkennt das Bundesgericht:

Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.