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61_II_377

BGE 61 II 377

Bundesgericht (BGE) ·II · 1935-11-26 · Deutsch CH
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Sachverhalt

Der Kläger G. Gottlieb ist Inhaber des schweizerischen Patentes Nr. 159.628 betr. ein Verfahren zur

Herstellung von Rosshaar- und Pßanzenfasermatten; der

Kläger J. Westheimer ist Generalvertreter und Lizenzträger Gottliebs für das Gebiet der Schweiz.

Die Firma Manufacture Strasbourgeoise de Crins et de

Fibres, anc. Simon Hammel, in Strassburg, stellt eine

Polstereinlage her, die nach der Behauptung der Kläger

genau nach ihrem patentierten Verfahren hergestellt ist.

Der Beklagte vertrieb als Agent der genannten Strassburger Firma diese PoIstereinlage in der Schweiz. Im

Februar 1934 löste er dieses Vertretungsverhältnis.

B. -

Am 16. Dezember 1933/11. Januar 1934 haben

Gottlieb und Westheimer gegen Guggenheim Klage auf

Feststellung begangener und Verbot weiterer Patentverletzungen durch den Beklagten erhoben.

Der Beklagte hat zunächst die Einlassung auf die Klage

verweigert, da er als blosser unselbständiger Vermittlungsagent der Strassburger Firma nicht passiv legitimiert sei;

zudem habe er die Vertretung seit dem 10. Februar 1934

378

Erfindungsschutz. No 86.

niedergelegt.

F~ner hat er Widerklage auf Nichtigerklärung des Patentes Nr. 159.628 erhoben.

Der Beklagte hat der Strassburger Firma den Streit

verkündet; diese hat sich jedoch am Verfahren nicht

beteiligt.

G. -

Mit Urteil vom 2. Mai 1935 hat das Handelsgericht

des Kantons Zürich Klage und Widerklage abgewiesen.

D. -

Das Bundesgericht hat die Berufungen beider

Parteien gegen dieses Urteil abgewiesen.

.A U8 den Erwägungen :

1. -

Wie schon vor der Vorinstanz, so hat der Beklagte

auch heute wieder seine Passivlegitimation bestritten mit

dem Hinweis darauf, dass er als blosser Vermittlungs agent

für die Strassburger Firma tätig gewesen sei und daher gar

nicht Urheber der behaupteten Patentverletzung sein

könne. Mit der Vorinstanz ist jedoch dieser Einwand des

Beklagten zurückzuweisen, da nach Art. 38 Ziffer 3 und 4

PatG zivilrechtlich zur Verantwortung gezogen werden

kann, ({ wer nachgemachte oder nachgeahmte Erzeugnisse

verkauft, feilhält, in Verkehr bringt oder gewerbsmässig

gebraucht », sowie « wer bei diesen Handlungen mitwirkt,

deren Begehung begünstigt oder erleichtert». Eine Mitwirkung im Sinne dieser Bestimmungen liegt auch ohne

Zweifel in der Tätigkeit des Agenten, der den Abschluss

von Geschäften über patentverletzende Erzeugnisse vermittelt, ohne selbst Vertragspartei zu sein.

Wenn der Beklagte das Fehlen seiner Passivlegitimation

daraus ableiten will, dass er in die Fabrikation des streitigen Artikels gar keinen Einblick gehabt habe, weshalb

seiner Mitwirkung das Requisit der Widerrechtlichkeit

fehle, so vermengt er die Frage der Widerrechtlichkeit,

welche allerdings Voraussetzung für jede Klage aus Art. 38

PatG ist, mit derjenigen der Zurechenbarkeit, des Verschuldens, welch letztere für die Entscheidung über die

Passivlegitimation gar nicht in Betracht fällt. Denn auch

die unverschuldete Patentverletzung kann widerrechtlich

sein und gewisse Ansprüche des Patentberechtigten gegen

den Verletzer zur Entstehung bringen, wie den Anspruch

auf Unterlassung weiterer Verletzungen, der gerade in casu

von den Klägern geltendgemacht wird. Nur für einen

Schadenersatzanspruch des Patentberechtigten ist weitergehend auch ein Verschulden des Verletzers erforderlich.

Selbst beim Fehlen eines Verschuldens könnte daher der

Beklagte als Verletz er des Patentes der Kläger in Frage

kommen, was nach den eingangs gemachten Ausführungen

zur Begründung der Passivlegitimation genügt ...

4. -

Die Berufung des Beklagten wendet sich dagegen,

dass die Vorinstanz seine Widerklage auf Nichtigerklärung

des in Frage stehenden Patentes abgewiesen hat mit der

Begründung, es fehle ihm die Aktivlegitimation zu einem

solchen Begehren.

Nach dem Schlussatz von Art. 16 PatG ist zur Erhebung

der Nichtigkeitsklage, die von der V orinstanz zutreffend

als negative Feststellungsklage charakterisiert worden ist,

jedermann berechtigt,

({ der ein Interesse nachweist».

Die ursprüngliche Fassung des früheren Patentgesetzes

vom 29. Juni 1888 hatte von einem r e c h t I ich e n Interesse gesprochen; durch die Ausmerzung des Wortes

« rechtlich », die schon unter der Herrschaft des alten

Patentgesetzes durch die Novelle vom 23. März 1893 erfolgt

war, sollte zum Ausdruck gebracht werden, wie das Bundesgericht in ständiger Rechtsprechung betont hat (vgl.

BGE 38 II S. 660, 41 II S. 516, 50 II S. 70; ebenso die

Legitimation zur Anfechtung eines Markeneintrages nach

Markenrecht, BGE 58 II S. 178) -

dass neben rechtlichen

auch bloss tatsächliche Interessen der verschiedensten

Art die Klageberechtigung verleihen können, und zwar

können sowohl unmittelbare, gegenwärtige, wie auch erst

in Zukunft aktuell werdende Interessen hinreichen. (So

auch für das französische Recht, das in Art. 37 des Patentgesetzes vom 5. Juli 1844 als klageberechtigt erklärt

« toute . personne y ayant interet » : POUILLET, traite des

brevets d'invention, 4e edition, Paris 1899, N°S 553 ss.).

aso

Erfindungsschutz. N° 86.

Dagegen ist mit der Vorinstanz die Auffassung von WEIDLICH und BLuM"Anm. 12 zu Art. 16 PatG, S. 301, abzulehnen, dass « eigentlich nur der Nachweis der reinen

Schikane » zur Abweisung mangels Interesses führe. Wäre

dies die Absicht des Gesetzgebers gewesen, so hätte es

der besonderen Erwähnung eines Interesses als Voraussetzung für die Klageberechtigung nicht bedurft, da nach

den allgemeinen Rechtsgrundsätzen eine missbrächliche

Ausübung des Klagerechtes ohnehin ausgeschlossen gewesen wäre. Mag daher auch der Begriff des Interesses weit

gefasst werden, so ist doch daran festzuhalten, dass für

dessen Vorliegen eine rechtliche oder tatsächliche Behinderung des Klägers in seiner wirtschaftlichen Bewegungsfreiheit nachgewiesen sein muss.

Von einem derart umgrenzten Interesse kann jedoch

hier nicht gesprochen werden. Es steht fest, dass der

Beklagte den streitigen Artikel seit Mitte Februar 1934

nicht mehr vertreibt und nach seinen Erklärungen im

Prozess auch nicht die Absicht hat, ihn in Zukunft wieder

zu vertreiben. Diese Umstände muss er sich auch bei der

Widerklage entgegenhalten lassen, wenn er nicht mit

seinem gegenüber der Hauptklage eingenommenen Standpunkt in Widerspruch geraten will. Damit hat er in aller

Form sein Intere8se an der Erfindung der Kläger aufgegeben. Die biosse Möglichkeit, dass ihm bei Fortsetzung

seiner Tätigkeit auf dem Gebiete der Tapeziererbranche

wieder einmal die Vertretung eines gegen das Patent der

Kläger verstossenden Artikels angeboten werden kÖnnte

und es dann für ihn wertvoll wäre, einen gerichtlichen Entscheid über die Gültigkeit dieses Patentes zu besitzen;

kann nicht als ausreichendes Interesse gelten.

Wohl

genügt nach dem oben Gesagten schon ein erst in Zukunft

aktuell werdendes Interesse, allein es ist notwendig, dass

es nicht nur möglicherweise, wie es beim Beklagten der

Fall ist, sondern zum mindesten mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit aktuell werden wird. Von einer zukünftigen

Aktualität könnte aber erst gesprochen werden, wenn sich

Markenschutz. N° 87.

381

der Beklagte tatsächlich durch ein Angebot eines solchen

Artikels vor die Frage gestellt sähe, ob er dessen Vertrieb

übernehmen könne oder dies mit Rücksicht auf das Patent

der Kläger ablehnen müsse.

Dass die Herstellerin der beanstandeten Einlage, also

die Strassburger Firma, zweifellos ein Interesse an einem

Entscheid über die Gültigkeit des klägerischen Patentes

hätte, und dass der Beklagte lediglich der vorgeschobene

Strohmann seiner früheren Auftraggeberin ist, wie aus

seiner Erklärung hervorgeht, dass diese für die ihn treffenden Prozesskosten aufkomme, vermag selbstverständlich

ein im übrigen nicht vorhandenes eigenes Interesse des

Beklagten nicht zu ersetzen.

VI. MARKENSCHUTZ

PROTECTION DES MARQUES DE FABRIQUE

Erwägungen (2 Absätze)

E. 1 Wie schon vor der Vorinstanz, so hat der Beklagte

auch heute wieder seine Passivlegitimation bestritten mit

dem Hinweis darauf, dass er als blosser Vermittlungs agent

für die Strassburger Firma tätig gewesen sei und daher gar

nicht Urheber der behaupteten Patentverletzung sein

könne. Mit der Vorinstanz ist jedoch dieser Einwand des

Beklagten zurückzuweisen, da nach Art. 38 Ziffer 3 und 4

PatG zivilrechtlich zur Verantwortung gezogen werden

kann, ({ wer nachgemachte oder nachgeahmte Erzeugnisse

verkauft, feilhält, in Verkehr bringt oder gewerbsmässig

gebraucht », sowie « wer bei diesen Handlungen mitwirkt,

deren Begehung begünstigt oder erleichtert». Eine Mitwirkung im Sinne dieser Bestimmungen liegt auch ohne

Zweifel in der Tätigkeit des Agenten, der den Abschluss

von Geschäften über patentverletzende Erzeugnisse vermittelt, ohne selbst Vertragspartei zu sein.

Wenn der Beklagte das Fehlen seiner Passivlegitimation

daraus ableiten will, dass er in die Fabrikation des streitigen Artikels gar keinen Einblick gehabt habe, weshalb

seiner Mitwirkung das Requisit der Widerrechtlichkeit

fehle, so vermengt er die Frage der Widerrechtlichkeit,

welche allerdings Voraussetzung für jede Klage aus Art. 38

PatG ist, mit derjenigen der Zurechenbarkeit, des Verschuldens, welch letztere für die Entscheidung über die

Passivlegitimation gar nicht in Betracht fällt. Denn auch

die unverschuldete Patentverletzung kann widerrechtlich

sein und gewisse Ansprüche des Patentberechtigten gegen

den Verletzer zur Entstehung bringen, wie den Anspruch

auf Unterlassung weiterer Verletzungen, der gerade in casu

von den Klägern geltendgemacht wird. Nur für einen

Schadenersatzanspruch des Patentberechtigten ist weitergehend auch ein Verschulden des Verletzers erforderlich.

Selbst beim Fehlen eines Verschuldens könnte daher der

Beklagte als Verletz er des Patentes der Kläger in Frage

kommen, was nach den eingangs gemachten Ausführungen

zur Begründung der Passivlegitimation genügt ...

E. 4 Die Berufung des Beklagten wendet sich dagegen,

dass die Vorinstanz seine Widerklage auf Nichtigerklärung

des in Frage stehenden Patentes abgewiesen hat mit der

Begründung, es fehle ihm die Aktivlegitimation zu einem

solchen Begehren.

Nach dem Schlussatz von Art. 16 PatG ist zur Erhebung

der Nichtigkeitsklage, die von der V orinstanz zutreffend

als negative Feststellungsklage charakterisiert worden ist,

jedermann berechtigt,

({ der ein Interesse nachweist».

Die ursprüngliche Fassung des früheren Patentgesetzes

vom 29. Juni 1888 hatte von einem r e c h t I ich e n Interesse gesprochen; durch die Ausmerzung des Wortes

« rechtlich », die schon unter der Herrschaft des alten

Patentgesetzes durch die Novelle vom 23. März 1893 erfolgt

war, sollte zum Ausdruck gebracht werden, wie das Bundesgericht in ständiger Rechtsprechung betont hat (vgl.

BGE 38 II S. 660, 41 II S. 516, 50 II S. 70; ebenso die

Legitimation zur Anfechtung eines Markeneintrages nach

Markenrecht, BGE 58 II S. 178) -

dass neben rechtlichen

auch bloss tatsächliche Interessen der verschiedensten

Art die Klageberechtigung verleihen können, und zwar

können sowohl unmittelbare, gegenwärtige, wie auch erst

in Zukunft aktuell werdende Interessen hinreichen. (So

auch für das französische Recht, das in Art. 37 des Patentgesetzes vom 5. Juli 1844 als klageberechtigt erklärt

« toute . personne y ayant interet » : POUILLET, traite des

brevets d'invention, 4e edition, Paris 1899, N°S 553 ss.).

aso

Erfindungsschutz. N° 86.

Dagegen ist mit der Vorinstanz die Auffassung von WEIDLICH und BLuM"Anm. 12 zu Art. 16 PatG, S. 301, abzulehnen, dass « eigentlich nur der Nachweis der reinen

Schikane » zur Abweisung mangels Interesses führe. Wäre

dies die Absicht des Gesetzgebers gewesen, so hätte es

der besonderen Erwähnung eines Interesses als Voraussetzung für die Klageberechtigung nicht bedurft, da nach

den allgemeinen Rechtsgrundsätzen eine missbrächliche

Ausübung des Klagerechtes ohnehin ausgeschlossen gewesen wäre. Mag daher auch der Begriff des Interesses weit

gefasst werden, so ist doch daran festzuhalten, dass für

dessen Vorliegen eine rechtliche oder tatsächliche Behinderung des Klägers in seiner wirtschaftlichen Bewegungsfreiheit nachgewiesen sein muss.

Von einem derart umgrenzten Interesse kann jedoch

hier nicht gesprochen werden. Es steht fest, dass der

Beklagte den streitigen Artikel seit Mitte Februar 1934

nicht mehr vertreibt und nach seinen Erklärungen im

Prozess auch nicht die Absicht hat, ihn in Zukunft wieder

zu vertreiben. Diese Umstände muss er sich auch bei der

Widerklage entgegenhalten lassen, wenn er nicht mit

seinem gegenüber der Hauptklage eingenommenen Standpunkt in Widerspruch geraten will. Damit hat er in aller

Form sein Intere8se an der Erfindung der Kläger aufgegeben. Die biosse Möglichkeit, dass ihm bei Fortsetzung

seiner Tätigkeit auf dem Gebiete der Tapeziererbranche

wieder einmal die Vertretung eines gegen das Patent der

Kläger verstossenden Artikels angeboten werden kÖnnte

und es dann für ihn wertvoll wäre, einen gerichtlichen Entscheid über die Gültigkeit dieses Patentes zu besitzen;

kann nicht als ausreichendes Interesse gelten.

Wohl

genügt nach dem oben Gesagten schon ein erst in Zukunft

aktuell werdendes Interesse, allein es ist notwendig, dass

es nicht nur möglicherweise, wie es beim Beklagten der

Fall ist, sondern zum mindesten mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit aktuell werden wird. Von einer zukünftigen

Aktualität könnte aber erst gesprochen werden, wenn sich

Markenschutz. N° 87.

381

der Beklagte tatsächlich durch ein Angebot eines solchen

Artikels vor die Frage gestellt sähe, ob er dessen Vertrieb

übernehmen könne oder dies mit Rücksicht auf das Patent

der Kläger ablehnen müsse.

Dass die Herstellerin der beanstandeten Einlage, also

die Strassburger Firma, zweifellos ein Interesse an einem

Entscheid über die Gültigkeit des klägerischen Patentes

hätte, und dass der Beklagte lediglich der vorgeschobene

Strohmann seiner früheren Auftraggeberin ist, wie aus

seiner Erklärung hervorgeht, dass diese für die ihn treffenden Prozesskosten aufkomme, vermag selbstverständlich

ein im übrigen nicht vorhandenes eigenes Interesse des

Beklagten nicht zu ersetzen.

VI. MARKENSCHUTZ

PROTECTION DES MARQUES DE FABRIQUE

Volltext (verifizierbarer Originaltext)

86. Auszug aus dem Urteil der I. ZivUabteilung

vom 26. November 1935

i. S. Gottlieb und Westheimer gegen Guggenhelm.

377

Pa 8 S i v 1 e g i tim a t ion für die Pa t e n t ver 1 e t zu n g 8·

k 1 ag e, Pat.G. Art. 38.

Akt i v 1 e g i tim a t ion für die P a t e n t nie h t i g k e i t s·

k 1 ag e, Pat.G. Art. 16.

Aus dem Tatbestand :

A. -

Der Kläger G. Gottlieb ist Inhaber des schweizerischen Patentes Nr. 159.628 betr. ein Verfahren zur

Herstellung von Rosshaar- und Pßanzenfasermatten; der

Kläger J. Westheimer ist Generalvertreter und Lizenzträger Gottliebs für das Gebiet der Schweiz.

Die Firma Manufacture Strasbourgeoise de Crins et de

Fibres, anc. Simon Hammel, in Strassburg, stellt eine

Polstereinlage her, die nach der Behauptung der Kläger

genau nach ihrem patentierten Verfahren hergestellt ist.

Der Beklagte vertrieb als Agent der genannten Strassburger Firma diese PoIstereinlage in der Schweiz. Im

Februar 1934 löste er dieses Vertretungsverhältnis.

B. -

Am 16. Dezember 1933/11. Januar 1934 haben

Gottlieb und Westheimer gegen Guggenheim Klage auf

Feststellung begangener und Verbot weiterer Patentverletzungen durch den Beklagten erhoben.

Der Beklagte hat zunächst die Einlassung auf die Klage

verweigert, da er als blosser unselbständiger Vermittlungsagent der Strassburger Firma nicht passiv legitimiert sei;

zudem habe er die Vertretung seit dem 10. Februar 1934

378

Erfindungsschutz. No 86.

niedergelegt.

F~ner hat er Widerklage auf Nichtigerklärung des Patentes Nr. 159.628 erhoben.

Der Beklagte hat der Strassburger Firma den Streit

verkündet; diese hat sich jedoch am Verfahren nicht

beteiligt.

G. -

Mit Urteil vom 2. Mai 1935 hat das Handelsgericht

des Kantons Zürich Klage und Widerklage abgewiesen.

D. -

Das Bundesgericht hat die Berufungen beider

Parteien gegen dieses Urteil abgewiesen.

.A U8 den Erwägungen :

1. -

Wie schon vor der Vorinstanz, so hat der Beklagte

auch heute wieder seine Passivlegitimation bestritten mit

dem Hinweis darauf, dass er als blosser Vermittlungs agent

für die Strassburger Firma tätig gewesen sei und daher gar

nicht Urheber der behaupteten Patentverletzung sein

könne. Mit der Vorinstanz ist jedoch dieser Einwand des

Beklagten zurückzuweisen, da nach Art. 38 Ziffer 3 und 4

PatG zivilrechtlich zur Verantwortung gezogen werden

kann, ({ wer nachgemachte oder nachgeahmte Erzeugnisse

verkauft, feilhält, in Verkehr bringt oder gewerbsmässig

gebraucht », sowie « wer bei diesen Handlungen mitwirkt,

deren Begehung begünstigt oder erleichtert». Eine Mitwirkung im Sinne dieser Bestimmungen liegt auch ohne

Zweifel in der Tätigkeit des Agenten, der den Abschluss

von Geschäften über patentverletzende Erzeugnisse vermittelt, ohne selbst Vertragspartei zu sein.

Wenn der Beklagte das Fehlen seiner Passivlegitimation

daraus ableiten will, dass er in die Fabrikation des streitigen Artikels gar keinen Einblick gehabt habe, weshalb

seiner Mitwirkung das Requisit der Widerrechtlichkeit

fehle, so vermengt er die Frage der Widerrechtlichkeit,

welche allerdings Voraussetzung für jede Klage aus Art. 38

PatG ist, mit derjenigen der Zurechenbarkeit, des Verschuldens, welch letztere für die Entscheidung über die

Passivlegitimation gar nicht in Betracht fällt. Denn auch

die unverschuldete Patentverletzung kann widerrechtlich

sein und gewisse Ansprüche des Patentberechtigten gegen

den Verletzer zur Entstehung bringen, wie den Anspruch

auf Unterlassung weiterer Verletzungen, der gerade in casu

von den Klägern geltendgemacht wird. Nur für einen

Schadenersatzanspruch des Patentberechtigten ist weitergehend auch ein Verschulden des Verletzers erforderlich.

Selbst beim Fehlen eines Verschuldens könnte daher der

Beklagte als Verletz er des Patentes der Kläger in Frage

kommen, was nach den eingangs gemachten Ausführungen

zur Begründung der Passivlegitimation genügt ...

4. -

Die Berufung des Beklagten wendet sich dagegen,

dass die Vorinstanz seine Widerklage auf Nichtigerklärung

des in Frage stehenden Patentes abgewiesen hat mit der

Begründung, es fehle ihm die Aktivlegitimation zu einem

solchen Begehren.

Nach dem Schlussatz von Art. 16 PatG ist zur Erhebung

der Nichtigkeitsklage, die von der V orinstanz zutreffend

als negative Feststellungsklage charakterisiert worden ist,

jedermann berechtigt,

({ der ein Interesse nachweist».

Die ursprüngliche Fassung des früheren Patentgesetzes

vom 29. Juni 1888 hatte von einem r e c h t I ich e n Interesse gesprochen; durch die Ausmerzung des Wortes

« rechtlich », die schon unter der Herrschaft des alten

Patentgesetzes durch die Novelle vom 23. März 1893 erfolgt

war, sollte zum Ausdruck gebracht werden, wie das Bundesgericht in ständiger Rechtsprechung betont hat (vgl.

BGE 38 II S. 660, 41 II S. 516, 50 II S. 70; ebenso die

Legitimation zur Anfechtung eines Markeneintrages nach

Markenrecht, BGE 58 II S. 178) -

dass neben rechtlichen

auch bloss tatsächliche Interessen der verschiedensten

Art die Klageberechtigung verleihen können, und zwar

können sowohl unmittelbare, gegenwärtige, wie auch erst

in Zukunft aktuell werdende Interessen hinreichen. (So

auch für das französische Recht, das in Art. 37 des Patentgesetzes vom 5. Juli 1844 als klageberechtigt erklärt

« toute . personne y ayant interet » : POUILLET, traite des

brevets d'invention, 4e edition, Paris 1899, N°S 553 ss.).

aso

Erfindungsschutz. N° 86.

Dagegen ist mit der Vorinstanz die Auffassung von WEIDLICH und BLuM"Anm. 12 zu Art. 16 PatG, S. 301, abzulehnen, dass « eigentlich nur der Nachweis der reinen

Schikane » zur Abweisung mangels Interesses führe. Wäre

dies die Absicht des Gesetzgebers gewesen, so hätte es

der besonderen Erwähnung eines Interesses als Voraussetzung für die Klageberechtigung nicht bedurft, da nach

den allgemeinen Rechtsgrundsätzen eine missbrächliche

Ausübung des Klagerechtes ohnehin ausgeschlossen gewesen wäre. Mag daher auch der Begriff des Interesses weit

gefasst werden, so ist doch daran festzuhalten, dass für

dessen Vorliegen eine rechtliche oder tatsächliche Behinderung des Klägers in seiner wirtschaftlichen Bewegungsfreiheit nachgewiesen sein muss.

Von einem derart umgrenzten Interesse kann jedoch

hier nicht gesprochen werden. Es steht fest, dass der

Beklagte den streitigen Artikel seit Mitte Februar 1934

nicht mehr vertreibt und nach seinen Erklärungen im

Prozess auch nicht die Absicht hat, ihn in Zukunft wieder

zu vertreiben. Diese Umstände muss er sich auch bei der

Widerklage entgegenhalten lassen, wenn er nicht mit

seinem gegenüber der Hauptklage eingenommenen Standpunkt in Widerspruch geraten will. Damit hat er in aller

Form sein Intere8se an der Erfindung der Kläger aufgegeben. Die biosse Möglichkeit, dass ihm bei Fortsetzung

seiner Tätigkeit auf dem Gebiete der Tapeziererbranche

wieder einmal die Vertretung eines gegen das Patent der

Kläger verstossenden Artikels angeboten werden kÖnnte

und es dann für ihn wertvoll wäre, einen gerichtlichen Entscheid über die Gültigkeit dieses Patentes zu besitzen;

kann nicht als ausreichendes Interesse gelten.

Wohl

genügt nach dem oben Gesagten schon ein erst in Zukunft

aktuell werdendes Interesse, allein es ist notwendig, dass

es nicht nur möglicherweise, wie es beim Beklagten der

Fall ist, sondern zum mindesten mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit aktuell werden wird. Von einer zukünftigen

Aktualität könnte aber erst gesprochen werden, wenn sich

Markenschutz. N° 87.

381

der Beklagte tatsächlich durch ein Angebot eines solchen

Artikels vor die Frage gestellt sähe, ob er dessen Vertrieb

übernehmen könne oder dies mit Rücksicht auf das Patent

der Kläger ablehnen müsse.

Dass die Herstellerin der beanstandeten Einlage, also

die Strassburger Firma, zweifellos ein Interesse an einem

Entscheid über die Gültigkeit des klägerischen Patentes

hätte, und dass der Beklagte lediglich der vorgeschobene

Strohmann seiner früheren Auftraggeberin ist, wie aus

seiner Erklärung hervorgeht, dass diese für die ihn treffenden Prozesskosten aufkomme, vermag selbstverständlich

ein im übrigen nicht vorhandenes eigenes Interesse des

Beklagten nicht zu ersetzen.

VI. MARKENSCHUTZ

PROTECTION DES MARQUES DE FABRIQUE