Volltext (verifizierbarer Originaltext)
I. FAMILIENRECHT
DROIT DE LA F AMILLE
28. Auszug a.us dem trrtell der II. Zivilabteilung
vom 28. Juni 1934 i. S. Gichter gegen Gichter-Lutz.
Durch den Abschluss einer Ver ein bar u n g
übe r
die
N e ben f 0 I gen der S c he i dun g
werden die Par-
teien bis zum Urteil über deren Genehmigung oder Ver-
werfung (Art. 158 Ziffer 5 ZGB) vertraglich gebunden. Die
Vereinbarung kann daher nicht einseitig widerrufen werden.
Doch steht es jeder Partei frei, dem Gerichte die Verwerfung
zu beantragen.
Grundsätze der gerichtlichen Überprüfung.
Die Parteien schlossen in der Referentenaudienz vom
4. Oktober 1933 eine Vereinbarung über die ökonomischen
Folgen der dem Gerichte beantragten Scheidung ihrer
Ehe ab.
Ziffer 1 dieser Vereinbarung bestimmt, dass
der Kläger der Beklagten von der Rechtskraft des Schei-
dungsurteils an bestimmte monatliche Unterhaltsbeiträge
zu bezahlen habe. Kurz darauf, noch vor dem Urteil
der ersten Instanz, erklärte der Kläger, er widerrufe
die erwähnte Ziffer 1 und lehne jede Unterhaltsleistung
an die Beklagte ab.
Das Gericht hielt den Widerruf
jedoch für unzulässig und genehmigte die Vereinbarung,
da sie auch den Verhältnissen entspreche. Die Appellation
des Klägers an das Obergericht und ebenso die Berufung
an das Bundesgericht waren erfolglos.
Aus den Erwägungen:
Der Auffassung des Klägers, er habe vor dem Urteil
des Bezirksgerichtes frei von der Konvention zurück-
treten können, sind die Vorinstanzen mit Recht nicht
gefolgt.
Allerdings
bedürfen
Vereinbarungen
der
AB 60 II -
1934
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1iO
Familienrecht. N° 28.
Parteien über die Nebenfolgen der Scheidung zu ihrer
Gültigkeit der Genehmigung durch das Scheidungsgericht
(Art. 158 Ziffer 5 ZGR). Es folgt daraus, dass der Abschluss
der Scheidungskonvention für sich allein noch keine
verbindliche Ordnung schafft: wird sie vom Richter
verworfen, so können ans ihr schlechterdings keine Rechte
hergeleitet werden; wird sie genehmigt, so bildet nicht
die vertragliche Einigung der Parteien als solche, sondern
das sie genehmigende Urteil den massgebenden Reehts-
titd, weshalb auch nicht die Konvention als solche,
sondern nur das Genehmigungsurteil mit den nach der
zutreffenden Prozessordnung gegebenen Rechtsmitteln
angefochten werden kann (Urteil des Bundesgerichtes
vom 15. März 1934 i. S. Bühler c. Leitgeb*), wie es auch
der Abänderungsklage nach Art. 157 ZGB unt.erliegt.
Daraus darf jedoch nicht hergeleitet werden, die Pacrteien
seien durch den Abschluss der Konvention überhaupt
noch nicht gebunden und es könne jede Partei bis zum
Urteil nach Belieben oder doch nach Massgabe der prozess-
rechtlichen Bestimmungen über die Zulässigkeit von
Klageanderungen von der eingegangenen Verpflichtung
zurücktreten. Indem das Gesetz ((Vereinbarungen » der
Parteien über die Nebenfolgen der Scheidung zulässt
und lediglich die gerichtliche Genehmigung vorbehält,
setzt es die Möglichkeit einer vertraglichen Bindung
voraus, nur eben unter dem erwähnten Vorbehalt.
Ist
die Scheidungskonvention einmal zuhanden des Gerichtes
abgeschlossen, 1'0 ist ein einseitiger (e 'Widerruf») ehenso-
wenig statthaft wie bei einem andern Vertrage. Bis zum
richterlichen Spruch bleibt das Geschäft in der Schwebe,
ähnlich wie das durch eine unmündige oder entmündigte
aber urteilsfähige Person abgeschlossene Geschäft in der
Schwebe bleibt, bis der gesetzliche Vertreter (und gege-
benenfalls die Vormundschaftsbehörde) die Zustimmung
erteilt oder abgelehnt hat, oder das von Ehegatten abge-
schlossene, nach Art. 177 Abs. 2 ZGB der Genehmigung
* (B(~E 60 II 80 ff.)
Familienrecht. ~o 28.
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durch die Vormundschaftsbehörde bedürftige Geschäft,
bis die Vormundschaftsbehörde dazu Stellung genommen
hat.
Für die Scheidungskonvention gilt insofern etwas
Abweichendes, als sie mit der richterlichen Genehmigung
nicht nur endgültigen Bestand als Privatrechtsgeschäft
erlangt, sondern an der Rechtskraft des Urteils teilnimmt;
das schliesst aber selbstredend nicht aus, dass bis dahin
unter den Parteien eine vertragliche Bindung besteht.
Will eine Partei an der Scheidungskonvention nicht
festhalten, so steht es ihr dagegen frei, dem Richter die
Verweigerullg der Genehmigung zu beantragen und ihm
die Gründe darzulegen, die ihr diese Verweigerung zu
rechtfertigen scheinen.
In der Tat ist die richterliche
Genehmigung im Sinne von Art. 158 Ziffer 5 ZGB keine
blosse Förmlichkeit, sondern der Richter hat die ihm
vorgelegten Vereinbarungen auf ihre Zulässigkeit und
sachliche Angemessenheit zu überprüfen und gegebenen-
falls die Genehmigung zu versagen.
Dabei werden für
die Ablehnung in erster Linie Tatsachen in Betracht
fallen, die schon beim Abschluss der Vereinbarung bestan-
den und bestimmend mitwirkten oder übersehen wurden,
wie z. B. Beeinflussung einer Partei, unbillige Belastung
oder Verzichtleistung zufolge Unkenntnis in geschäftli-
chen oder rechtlichen Dingen, vor allem auch Verletzung
der Interessen der Kinder.
Jedoch können unter Um-
ständen auch erst seither eingetretene Tatsachen die
Ablehnung rechtfertigen, so namentlich Änderungen der
Verhältnisse, die einer Abänderung des Scheidungsurteils
nach Art. 157 ZGB rufen würden, wenn sie erst nach
rechtskräftiger Beurteilung eingetreten wären. Steht nur
das Interesse der Parteien selbst in Frage, so soll indessen
der Richter den Grundsatz der Vertragsfreiheit und der
Vertragstreue wahren und' einer Vereinbarung nur aus
besonders wichtigen Gründen die Zustimmung versagen;
dem Interesse der Kinder ist dagegen immer Nachachtung
zu verseha::ffen.
Auch in Bezug auf die Kinderzuteilung
und die Gestaltung der Elternrechte ist die Vereinbarung
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Erbrecht" No 29.
aber nicht ohne Bedeutung; der Richter wird sie, auch
wenn er sonst vielleicht eine andere Lösung getroffen
hätte, genehmigen, sofern sie für das Wohl der Kinder
ebensoviel Gewähr bietet.
II.ERBRECHT
DRor;r DES SUCCESSIONS
29. Arret du S mars 1934 dans la cause Angst
contre Communaute heradita.ire Alfred ICaufmann.
Nature des obligations de l'usufruitier lors de l'extinction de
l'usufruit. Prescription de ces obligations (consid. 2).
Responsabilite solidaire des heritiers de l'usufruitier pour l'exe-
cution desdites obligations (consid. 3).
Lorsque le nu proprietaire reclame cette execution a quelques-uns
seulement des membres de la communautO hereditaire de
l'usufruitier defunt, les defendeurs peuvent lui opposer les
exceptions appartenant a la communaute, notamment I 'ex-
ception de compensation, jusqu'a concurrence des conclusions
du demandeur (consid. 5).
Art. 751, 752, 600, 602 al. 3, 603, ces, 127, 145 al. 2 co.
Resume des faits.
A. -
Madeleine, nee Hegi, a epouse en secondes noces,
en 1895, Alfred Kaufmann, negociant a Fribourg. Elle
apportait differents biens en mariage.
Alfred Kaufmann est decede en 1909 apres avoir fait
un testament par lequel il instituait heritiers ses 12 freres
et sreurs et laissait l'usufruit de toute sa fortune a sa veuve.
Dame Kaufmann reprit alors une partie de ses apports. Elle
reQut rt3gullerement les revenus de la fortune laissee par
Ie defunt, lesquels lui etaient remis par le notaire Bourg-
knecht, qui gerait les biens de la succession.
Bourgknecht mourut en 1923; sa fille remit alors a
Dame Kaufmann, sur la demande de celle-ci, un lot
Erbrecht. No 29.
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d'obligations au porteur de la Banque Populaire Suisse,
pour une valeur de 9500 fr., et un livret d'epargne de
ladite banque au nom des hoirs d'Alfred. Kaufmann.
Dame Kaufmann est dec6dee a Fribourg le 2 janvier
1927. Elle laissait un testament par lequel elle faisait
divers legs et instituait pour heritiers les enfants de Ro-
dolphe Hegi, pour un tiers, Dame Trresch, pour un tiers, et
la famille Angst, pour un tiers egalement.
Le 3 aout 1927, les heritiers de Dame Kaufmann pro-
OOderent a un partage, dans lequel etaient comprises les
obligations de la Banque Populaire dont il a ere question
plus haut.
B. -
Au cours de Ia liquidation de cette succession,
des reclamations surgirent de Ia part de quelques-uns des
heritiers d'Alfred Kaufmann, qui pretendirent avoir droit
au camet d'epargne et aux obligations de la Banque
Populaire dont il a ere question plus haut. En juillet
1928, les enfants de Rodolphe Hegi conclurent, avec les
hoirs d'Alfred Kaufmann, une transaction aux termes de
laquelle ils leur versaient une somme de 3000 fr., et con-
sentaient a ce que le livret d'epargne leur fUt remis.
Nomme representant de la communaure hererutaire
d'Alfred Kaufmann, le notaire Freiburghaus ouvrit action
a Dame Marie Trresch, d'une part, a Jules, Bertha et Hulda
Angst, d'autre part, en concluant a ce qu'il plaise au juge
les condamner :
« 1. a lui payer la somme de 6333 fr. 30 avec inrerets
a 5 % rau a partir du 2 janvier 1927;
« 2.a lui rendre en mains propres et exempt de gage
le camet de la Banque . Populaire Suisse a Fribourg
N° 12024 1I. »
O. -
Les defendeurs ont conclu a liberation.
D. -
Le Tribunal du district de la Sarine a admis la
demande. Jules, Bertha et Hulda Angst ont recouru a la
Cour d'appel du canton de Fribourg.
Dans sa seance du 19 juillet 1933, la Cour d'appel a
rejete le recours.