Sachverhalt
In dem im Jahre 1925 durchgeführten Konkurs über den Rekurrenten ist u. a. ein Verlustschein über 1559 Fr. 50 ets. ausgestellt worden, der seither von E. Spörri erworben wurde. Als Spörri auf Grund dieses Verlustscheins Betreibung anhob, schlug der Rekurrent auf den Zahlungsbefehl No. 335 vom 22. Oktober 1928 Recht vor mit der Begründung: « Kein neues Vermögen vorhanden », worauf der Gläubiger Rechtsöffnung ver- langte; auf dieses Begehren trat jedoch der Amtsgerichts- präsident von Hochdorf mit Entscheid vom 7. Dezember 1928 nicht ein. Am 22. Dezember 1928 leitete nunmehr der Gläubiger Klage gemäss Art. 265 Abs. 3 SchKG auf Feststellung von neuem Vermögen ein. Mit Urteil vom 5. August 1931 wurde diese Klage in erster Instanz gutgeheissen; ein vom Rekurrenten dagegen eingeleitetes Rechtsmittel blieb ohne Erfolg, sodass der Entscheid in Rechtskraft erwuchs. Unterdessen hatte der Gläubiger bereits Fort- setzung der Betreibung verlangt, worauf dem Rekurrenten am 21. August 1931 die Pfändung angekündigt wurde. B. - Hiegegen führte der Rekurrent Beschwerde mit dem Antrag, die Pfändungsankündigung wegen Erlöschens des Zahlungsbefehls vom 22. Oktober 1928, zu annullieren. Von der oberen kantonalen Aufsichtsbehörde abgewiesen, erneuerte er diesen Antrag rechtzeitig vor Bundesgericht.
1. .. Die SckuUbetreibungs- und Konkurskammer zieht
Erwägungen (1 Absätze)
E. 2 Bleibt noch die Frage, ob die Betreibung bereits
erloschen sei.
Der Rekurrent geht davon aus, unter
(I Klage» im Sinne von Art. 88 Abs. 2 SchKG sei nur
Schuldbetreibungs- und Konkm'Srecht.No 51.
203
ein Prozessverfahren verstanden, in welchem über den
Forderungsanspruch materiell entschieden werde; die
Feststellung neuen Vermögens betreffe jedoch nur eine
betreibungsrechtliche Jncidentfrage' und sei zudem in
das beschleunigte Verfahren verwiesen, sodass kein Grund
bestehe, Art. 88 in einer Weise auszulegen, dass auch
diesem Incidentstreitfristverlängernde Wirkung zukomme.
Dem lässt sich zunächst entgegenhalten, dass die
Einrede des mangelnden neuen Vermögens nicht nur
betreibungsrechtIiche Wirkung, sondern auch materiell-
rechtliche Bedeutung. hat insofern, als beim Fehlen neuen
Vermögens nicht nur eine neue Betreibung unzulässig,
sondern auch eine Tilgung der Verlustscheinforderung
auf dem Weg der Verrechnung mit einer Forderung des
Kridars ausgeschlossen ist (BGE 40 IU No. 88). Daran
ändert der Umstand nichts, dass der Entscheid über das
Vorhandensein neuen Vermögens nicht als Haupturteil
im Sinne von Art. 58 OG betrachtet wird.
Tatsächlich aber besteht gar kein Anlass, dem Art. 88
Abs. 2 nur die vom Rekurrenten beschriebene einge-
schränkte Bedeutung zu geben.
Mag es auch richtig
sein, dass der Gesetzgeber dabei in erster Linie die
Streitigkeiten über den materiellen Bestand der in
Betreibung gesetzten Forderung im Auge hatte, so
schliesst die Fassilllg des Gesetzes doch keineswegs aus,
noch weitere Fälle darunter zu begreifen, sofern ein
sachliches Bedürfnis dafür besteht. Und das ist immer
dann der Fall, wenn zur Beseitigung des Rechtsvorschlages
ein eigentliches gerichtliches Verfahren angestrengt werden
muss, gleichgültig, ob es sich um die Beseitigung materieller
oder nur betreibungsrechtlicher Einwendungen des Schuld-
ners handelt. Bei der Klage auf Feststellung neuen
Vermögens insbesondere hat man es -
anders als beim
Rechtsöffnungsverfahren,
das nur einen 'Prima vista-
Beweis, dagegen kein eigentliches Beweisverfahren zulässt
--'-mit einem eigentlichen Prozess zu tun, der erfahrungs-
gemäss trotz der Verweisung ins beschleunigte Verfahren
204
Schuldbetreibung,.- und Konkursrecht. No 52.
oft erheblich länger als 6 Monate dauert. Würde nun
die Frist für die Stellung des Fortsetzungs begehrens
auch während diesem Prozess laufen, so würde dem
Gläubiger, wenn innerhalb der Frist kein rechtskräftiges
Urteil zustande käme, auch ein Obsiegen nichts nützen:
J nfolge des Erlöschens der Betreibung wäre er gezwungen,
einen neuen Zahlungsbefehl zu erwirken, welchem gegen-
über der Schuldner wiederum die Einrede des mangelnden
neuen Vermögens erheben könnte. Diese Einrede dürfte
nicht etwa unter Berufung auf das ausgefällte Urteil
einfach übergangen werden; denn massgebend für die
Frage, ob neues Nettovermögen vorliege, sind die Ver-
hältnisse im Zeitpunkt der Erhebung der Einrede, und
seit der Erhebung der Einrede gegen den erloschenen
Zahlungsbefehl können - sich die Verhältnisse bereits
wieder geändert haben. Es müsste daher ein neuer Prozess
durchgeführt werden, der möglicherweise wieder nicht
innert der Frist des Art. 88 Abs. 2 beendigt würde oder
aber, wenn er noch rechtzeitig abgeschlossen würde,
nunmehr wegen unterdessen eingetretener Änderung der
Verhältnisse zu einer Abweisung der Klage führen könnte.
Ein derartiges Resultat kann al:>er nicht im Willen des
Gesetzgebers gelegen haben. Diese überlegung zwingt
zur Annahme, dass auch der Streit über das Vorhandensein
neuen Vermögens die Frist für die Stellung des Fort-
setzungsbegehrens verlängert.'
Demnach erkennt die SchUlilbetr.-
u. Konkurskammer :
Der Rekurs wird abgewiesen.
Volltext (verifizierbarer Originaltext)
51. Entscheid. vom 8. Dezember 1981 i. S. 'nölen.
Die Frist zur Fortsetzung der Betreibung (Art. 88 SchKQ) wird
um die Dauer jedes gerichtlichen Verfahrens verlängert, das
zur Beseitigung des Rechtsvorschlages erforderlich war,
insbesondere um die Dauer des Prozesses auf Feststellung
nauen Vermögens.
Art. 88 Aba. 2 und 265 Abs. 3 SchKG.
Le delai poni" requenr la continuation de la. poursuite est prolonge
da la. du.ree de chaque procMure judiciaire necessaire pour
faire prononcer la. main-levee de l'opposition, nota.mment
da la. duree du proces teudant a. faire constater que le debiteur
est revenu a meilleure fortune.
Art. 88, al. 2, et 265, al. 3 LP.
202
Schuldbetreibungs- und Konkursrecht. No 51.
I1 termine per chiedere Ia continuazione deU 'esecm:ione e prolungato
per un tempo equivalente aUa durat.a della procedura giudi-
ziaria neceRsaria arl ott,enere iI rigetto dell'opposizione c,
segnatamente, alla flurata della causa dil'etta. ft {ar a."!Sodare
ehe iJ debitore ha acquistato nuovi heni.
Art. 88 ep. 2 e 265 ap. 3 LEF ..
A. -
In dem im Jahre 1925 durchgeführten Konkurs
über den Rekurrenten ist u. a. ein Verlustschein über
1559 Fr. 50 ets. ausgestellt worden, der seither von
E. Spörri erworben wurde. Als Spörri auf Grund dieses
Verlustscheins Betreibung anhob, schlug der Rekurrent
auf den Zahlungsbefehl No. 335 vom 22. Oktober 1928
Recht vor mit der Begründung: « Kein neues Vermögen
vorhanden », worauf der Gläubiger Rechtsöffnung ver-
langte; auf dieses Begehren trat jedoch der Amtsgerichts-
präsident von Hochdorf mit Entscheid vom 7. Dezember
1928 nicht ein.
Am 22. Dezember 1928 leitete nunmehr der Gläubiger
Klage gemäss Art. 265 Abs. 3 SchKG auf Feststellung
von neuem Vermögen ein. Mit Urteil vom 5. August
1931 wurde diese Klage in erster Instanz gutgeheissen;
ein vom Rekurrenten dagegen eingeleitetes Rechtsmittel
blieb ohne Erfolg, sodass der Entscheid in Rechtskraft
erwuchs. Unterdessen hatte der Gläubiger bereits Fort-
setzung der Betreibung verlangt, worauf dem Rekurrenten
am 21. August 1931 die Pfändung angekündigt wurde.
B. -
Hiegegen führte der Rekurrent Beschwerde mit
dem Antrag, die Pfändungsankündigung wegen Erlöschens
des Zahlungsbefehls vom 22. Oktober 1928, zu annullieren.
Von der oberen kantonalen Aufsichtsbehörde abgewiesen,
erneuerte er diesen Antrag rechtzeitig vor Bundesgericht.
1. ..
Die SckuUbetreibungs-
und Konkurskammer
zieht in Erwägung:
2. -
Bleibt noch die Frage, ob die Betreibung bereits
erloschen sei.
Der Rekurrent geht davon aus, unter
(I Klage» im Sinne von Art. 88 Abs. 2 SchKG sei nur
Schuldbetreibungs- und Konkm'Srecht.No 51.
203
ein Prozessverfahren verstanden, in welchem über den
Forderungsanspruch materiell entschieden werde; die
Feststellung neuen Vermögens betreffe jedoch nur eine
betreibungsrechtliche Jncidentfrage' und sei zudem in
das beschleunigte Verfahren verwiesen, sodass kein Grund
bestehe, Art. 88 in einer Weise auszulegen, dass auch
diesem Incidentstreitfristverlängernde Wirkung zukomme.
Dem lässt sich zunächst entgegenhalten, dass die
Einrede des mangelnden neuen Vermögens nicht nur
betreibungsrechtIiche Wirkung, sondern auch materiell-
rechtliche Bedeutung. hat insofern, als beim Fehlen neuen
Vermögens nicht nur eine neue Betreibung unzulässig,
sondern auch eine Tilgung der Verlustscheinforderung
auf dem Weg der Verrechnung mit einer Forderung des
Kridars ausgeschlossen ist (BGE 40 IU No. 88). Daran
ändert der Umstand nichts, dass der Entscheid über das
Vorhandensein neuen Vermögens nicht als Haupturteil
im Sinne von Art. 58 OG betrachtet wird.
Tatsächlich aber besteht gar kein Anlass, dem Art. 88
Abs. 2 nur die vom Rekurrenten beschriebene einge-
schränkte Bedeutung zu geben.
Mag es auch richtig
sein, dass der Gesetzgeber dabei in erster Linie die
Streitigkeiten über den materiellen Bestand der in
Betreibung gesetzten Forderung im Auge hatte, so
schliesst die Fassilllg des Gesetzes doch keineswegs aus,
noch weitere Fälle darunter zu begreifen, sofern ein
sachliches Bedürfnis dafür besteht. Und das ist immer
dann der Fall, wenn zur Beseitigung des Rechtsvorschlages
ein eigentliches gerichtliches Verfahren angestrengt werden
muss, gleichgültig, ob es sich um die Beseitigung materieller
oder nur betreibungsrechtlicher Einwendungen des Schuld-
ners handelt. Bei der Klage auf Feststellung neuen
Vermögens insbesondere hat man es -
anders als beim
Rechtsöffnungsverfahren,
das nur einen 'Prima vista-
Beweis, dagegen kein eigentliches Beweisverfahren zulässt
--'-mit einem eigentlichen Prozess zu tun, der erfahrungs-
gemäss trotz der Verweisung ins beschleunigte Verfahren
204
Schuldbetreibung,.- und Konkursrecht. No 52.
oft erheblich länger als 6 Monate dauert. Würde nun
die Frist für die Stellung des Fortsetzungs begehrens
auch während diesem Prozess laufen, so würde dem
Gläubiger, wenn innerhalb der Frist kein rechtskräftiges
Urteil zustande käme, auch ein Obsiegen nichts nützen:
J nfolge des Erlöschens der Betreibung wäre er gezwungen,
einen neuen Zahlungsbefehl zu erwirken, welchem gegen-
über der Schuldner wiederum die Einrede des mangelnden
neuen Vermögens erheben könnte. Diese Einrede dürfte
nicht etwa unter Berufung auf das ausgefällte Urteil
einfach übergangen werden; denn massgebend für die
Frage, ob neues Nettovermögen vorliege, sind die Ver-
hältnisse im Zeitpunkt der Erhebung der Einrede, und
seit der Erhebung der Einrede gegen den erloschenen
Zahlungsbefehl können - sich die Verhältnisse bereits
wieder geändert haben. Es müsste daher ein neuer Prozess
durchgeführt werden, der möglicherweise wieder nicht
innert der Frist des Art. 88 Abs. 2 beendigt würde oder
aber, wenn er noch rechtzeitig abgeschlossen würde,
nunmehr wegen unterdessen eingetretener Änderung der
Verhältnisse zu einer Abweisung der Klage führen könnte.
Ein derartiges Resultat kann al:>er nicht im Willen des
Gesetzgebers gelegen haben. Diese überlegung zwingt
zur Annahme, dass auch der Streit über das Vorhandensein
neuen Vermögens die Frist für die Stellung des Fort-
setzungsbegehrens verlängert.'
Demnach erkennt die SchUlilbetr.-
u. Konkurskammer :
Der Rekurs wird abgewiesen.