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56_III_151

BGE 56 III 151

Bundesgericht (BGE) ·III · 1930-09-17 · Deutsch CH
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39. Entscheid vom 17. September 1930 i. S. Keller.

F 0 r t set Z u Ir g der Betreibung auf Grund r ich t e r 1 ich e n

Ur t eil e s (Art. 79, 80-84, 153 Abs. 4 und 186 SchKG).

Wird eine Betreibung, in der Rechtsvorschlag erhoben worden

ist, auf Grund eines richterlichen Urteiles fortgesetzt, so sind

die Fortsetzlmgshandlungen durch die Nichtaufhebung des

Urteils res 01 u t i v be d i n g t in dem Sinne, dass der

Schuldner auch ihre Annullierung verlangen kann, wenn das

Urteil aufgehoben wird.

Oontinuation de Ja poursuite apres jugement (Art. 79, 80 a 84,

153 a.1. 4, et 186 LP).

Lorsqu'une poursuite, qui a fait l'objet d'nne opposition, est

continuee sur la. base d'un jugement, les actes da poursuite

subsequents sont soumis a une condition' resolutoire, en ce

sens que le debiteur peut demander leur annulation quand il

a obtenu ceUe du jugement.

152

Sahuldbetreibungs_ und Konkursrooht. N0 39.

Continuazione dell'eseouzione in seguito a sentenza (art. 79,

80-84, 153 ep. 4 e 186 LEF).

Allorehe un'eseeuzione, in eni fu fatta opposizione, e eontinuata

in fona d'una sentenza giudiziale, gli atti d'esecuzione

soggiacciono ad una condizione risolutiva nel Sen80 ehe il

debitore pud chiederne l'annullamento quando ha. ottenuto

quello delIa sentenza.

.A. -

In der Betreibung des Lebensmittelvereins Zürich

gegen die Rekurrentin für eine Forderung von 2349 Fr.

67 Cts. erhob die Rekurrentin gegen den Zahlungsbefehl

vom 19. Februar 1929 Rechtsvorschlag. Darauf klagte

der Lebensmittelverein die Forderung ein und erhielt

dieselbe vom Bezirksgericht und vom Obergericht zuge-

sprochen. Auf Grund des obergerichtlichen Urteils vom

5. November 1929 verlangte der Gläubiger am 18. Dezem-

ber Fortsetzung der Betreibung. Diese führte, da kein

pfändbares Vermögen vorhanden war, zur Ausstellung der

(vom 6. Januar 1930 datierten) Pfändungsurkunde als

Verlustschein für die ganze Forderung.

B. -

Gegen das obergerichtliche Urteil hatte die

Rekurrentin inzwischen, am 20. Dezember 1929, Nichtig-

keitsbeschwerde eingereicht. Das Kassationsgericht hiess

die Beschwerde durch Urteil vom 11. Februar 1930 gut

und wies den Forderungsstreit zu neuer Behandlung an

das Bezirksgericht zurück.

.

Vom Urteil des Kassationsgerichtes gab die Rekurrentin

dem Betreibungsamt am 22. Februar Kenntnis und ver-

langte, dass die Pfändung vollständig aufgehoben werde.

Das Betreibungsamt forderte den Gläubiger auf, den

Verlustschein zurückzugeben.

Dieser verweigerte die

Rückgabe, was das Betreibungsamt der Rekurrentin am

28. Februar mitteilte mit der Bemerkung, dass keine

Mittel zur Verfügung stehen, ihr Begehren durchzusetzen

und dass der Verlustschein deshalb in Kraft bleibe.

O. -

Hierauf erhob die Rekurrentin Beschwerde mit

dem Antrag, die seit dem 5. November 1929 gegen sie

vorgenommenen Betreibungshandlungen seien aufzuheben

und der Verlustschein sei, eventuell zwangsweise. ein-

Sohuldbetreibungs- und Konkursrecht. No 39.

153

zuziehen. Die Beschwerde wurde von beiden kantona.len

Instanzen abgewiesen. Die obere Instanz ging in ihrem

Entscheid vom 21. Juli 1930 davon aus, dass die Nichtig-

keitsbeschwerde keine aufschiebende Wirkung gehabt habe

und die Betreibung auf Grund des obergerichtlichen

Urteils deshalb habe gültig fortgesetzt werden können;

daraus folge auch, dass die nachträgliche Aufhebung des

obergerichtlichen Urteils diese Betreibungshandlungen

nicht berühre.

D. -

Mit vorliegendem, rechtzeitig eingereichtem

Rekurse wiederholt die Schuldnerin das vor den Vor-

instanzen gestellte Begehren.

Die Schuldbetreibungs- und Konkurskammer zieht

in Erwägung :

Durch den Rechtsvorschlag wird die Betreibung ge-

hemmt. Sie kann nur auf Grund eines richterlichen Urteils

wieder fortgesetzt werden, durch das entweder Rechts-

öffnung erteilt (Art. 80-84 und 153 Abs. 4 SchKG) oder die

in Betreibung gesetzte Forderung anerkannt ist (Art. 79,

153 Abs. 4 und 186). Haben sich die Fortsetzungshand-

lungen auf ein solches Urteil zu stützen, so können sie aber

auch n~ insoweit rechtsbeständig sein, als es das Urteil

selber ist. Ist gegen das Urteil ein Rechtsmittel gegeben,

so sind diese Betreibungshandlungen durch die Nichtauf-

hebung des Urteils resolutiv bedingt in dem Sinne, dass

der Schuldner, wenn das Urteil aufgehoben ist, auch ihre

Annullierung verlangen kann. Das steht bei ordentlichen

Rechtsmitteln, d. h. solchen mit Suspensiveffekt, ausser

Frage. In diesen Fällen können auf Grund des erst-

instanzlichen Urteils ohnehin höchstens vorsorgliche Mass-

nahmen -

provisorische Pfändung, resp. Aufnahme des

Güterverzeichnisses -

durchgeführt werden. Warum die

Fortsetzungshandlungen aber aufrechterhalten bleiben

müssten, wenn das Urteil auf ein ausserordentliches statt

auf ein ordentliches Rechtsmittel hin aufgehoben wurde,

ist entgegen der Auffassung der Vorinstanz nicht einzu-

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Schuldbetreibungs. und Konkursrecht. N° 40.

sehen. Die Voraussetzung, auf welcher sie beruhen, ist

hier wie dort dahingefallen.

Eine Einschränkung ergibt sich dabei aus der Sache

, selbst: die Aufhebung der betreffenden Betreibungshand-

lungen kann nur verlangt werden, insoweit dieselbe noch

möglich ist.

Auf Grund dieser Erwägungen muss das vorliegende

Aufhebungsbegehren als begründet erklärt werden. Das

obergerichtliehe Urteil, auf welches sich die Fortsetzung

der Betreibung stützte, ist durch das Kassationsgericht

annulliert worden, und da die Fortsetzung lediglich zur

Ausstellung eines Verlustscheins geführt hat, kann sie

tatsächlich rückgängig gemacht werden. Demgemäss ist

der Gläubiger auch zur Herausgabe· des Verlustscheins

anzuhalten. Zwar verliert der Verlustschein anders als

das Betreibungsamt ang~nommen hat, scho~ durch die

Aufhebungsverfügung jede jRechtswirkung.

Zur voll-

ständigen AnnulIierung des Pfändungsverfahrens gehört

aber, schon um Missbräuohen vorzubeugen, auch die

Rückgabe der Verlustscheinsurkunde. Die Rückgabe kann

auf Grund dieses Entscheides mit den Mit~ln erzwungen

werden, die zur Vollstreckung gerichtlicher Urteile zur

Verfügung stehen.

Demnach erkennt die Schuldbet'l'.- und Konku'l'skamtmer:

Der Rekurs wird gutgeheissen und das Pfändungs-

verfahren aufgehoben.