Sachverhalt
Der Regierungsrat des Kantons Uri bestätigte am 23. Juli 1927· eine Verfügung des Gemeinderates von Altdorf, wonach der Rekurrent, der im Ausland wohnt, aber Eigentümer einer Liegenschaft in Altdorf ist, hier ein Vermögen von 36,000 Fr. und ein Einkommen von 1200 Fr. versteuern soll. B. - Am 27. September 1927 hat Herger hiegegen die staatsrechtliche Beschwerde an das Bundesgericht ergriffen mit dem Antrag auf Aufhebung des regierungs- rätlichen Entscheides. Zur Begründung wird ausgeführt: Der Rekurrent habe kein steuerpflichtiges Vermögen, da die auf seiner
76 Staatsrecht. Liegenschaft lastenden Hypothekarschulden den Betrag der amtlichen Schatzung des Grundstückes erreichten. . . . . . Eine materielle Rechtsverweigerung im Sinne des Art. 46 Abs. 2 BV liege vor. Es sei unbillig, wenn ein Bürger, der ausser Landes seinen Erwerb suchen müsse, schlechter behandelt werde, als derjenige, der im Lande wohne und dessen Schutz und Wohltaten geniesse. Aller- dings scheine das urnerische Steuergesetz vom Grundsatz der Zulässigkeit des Schuldenabzuges eine Ausnahme für auswärts wohnende Eigentümer von im Kanton liegenden Grundstücken zu machen. Das Bundesgericht habe das aber wiederholt als unzulässig erklärt. Es handle sich zwar hier nicht um eine interkantonale Doppelbesteuerung; aus Gründen der Gerechtigkeit und der Billigkeit müsse aber der Schuldenabzug auch in internationalen Verhältnissen zugelassen werden .... C. - Der Rekurrent hat zugleich beim Obergericht des Kantons Uri Beschwerde geführt. Dieses wies am
19. Oktober 1927 den Rekurs gegen die Vermögens- steuertaxation ab, hob dagegen die Einkommensteuer- taxation auf. Es stützte sich auf Art. 4 des urnerischen Steuergesetzes, wonach bei der Besteu~rung von Liegen- schaften auswärts wohnender Eigentümer ein Schulden- abzug nicht zulässig ist. D. - Der Vertreter des Rekurrenten hat dem Bundes- gericht mitgeteilt, dass er die Besch Nerde aufrecht halte. soweit das Obergericht sein Heclttsbegehren nicht ge- schützt habe, da dessen Urteil insoweit gegen klares Recht, nämlich gegen die bundesgerichtliche Praxis verstosse. E. - Die Staatsanwaltschaft des Kantons Uri hat im Auftrag des Regierungsrates Abweisung der Be- schwerde beantragt. F. - Das Obergericht hat auf Gegenbemerkungen verzichtet. G. - Der Gemeinderat von Altdorf hat ausgeführt, dass die Beschwerde unbegründet sei; Gleichheit vor dem Gesetz (Rechtsverweigerung). No 13. 77
Erwägungen (1 Absätze)
E. 2 Nach der Praxis des Bundesgerichts verstösst
zwar die Bestimmung des Art. 4 des urnerischen Steuer-
gesetzes, dass auswärts wohnende Eigentümer von
im Kanton befindlichen Grundstücken diese ohne Schul-
denabzug versteuern müssen, gegen Art. 4 in Verbindung
mit Art. 46 Abs. 2 BV, aber nur soweit, als sie sich auf
Steuerpflichtige bezieht, die in einem andern Kanton
wohnen. Soweit eine solche Ausnahmebestimmung, wie
die urnerische, für im Ausland wohnende Steuerpflichtige
gilt, hat sie das Bundesgericht vom Gesichtspunkt der
Art. 4 und 46 Abs. 2 BV aus zugelassen (vgl. Entscheid
i. S. Rouiller gegen Waadt vom 28. September 1917).
Seine Ausführungen darüber, dass sich eine ungleiche
Behandlung der auswärtigen und der im Kanton wohn-
haften Steuerpflichtigen bei der Besteuerung der Liegen-
schaften nicht rechtfertige, gelten nicht für den Fall,
dass es sich um im Ausland wohnende Steuerpflichtige
handelt. Man kann dem Kanton Uri vom Standpunkt
des Art. 4 BV aus nicht zumuten, auswärts wohnende
Eigentümer von im Kanton befindlichen Liegenschaften
bei der Besteuerung gleich zu behandeln, wie im Kanton
wohnhafte, solange er nicht die Gewissheit hat, dass der
Staat des Wohnsitzes jener Eigentümer Gegenrecht
hält. Eine solche Gewissheit besteht aber -
mit Rück-
sicht auf die bundesgerichtliche Praxis -
zur Zeit im
allgemeinen nur gegenüber den übrigen Kantonen, nicht
gegenüber ausländischen Staaten.
Das Doppelbesteuerungsverbot des Art. 46 Abs. 2
BV gilt für internationale Verhältnisse, abgesehen von
dem in BGE 46 I N. 57 behandelten Fall, nach der
Praxis nur insoweit, als es die Besteuerung von im
Ausland liegenden Grundstücken ausschliesst;
erkannt:
Die Beschwerde wird abgewiesen.
Vgl. auch Nr. 15 und 17. -
Voir aussi N°s 15 et 17.
Volltext (verifizierbarer Originaltext)
13. Urteil vom 18. Ma.i 1928 i. S. IIerger gegen Uri. Eine kantonale Bestimmung, wonach auswärts' wohnende Eigentümer von im Kanton liegenden Grundstücken diese ohne Schuldenabzug versteuern müssen, während sonst grundsätzlich nur das Reinvermögen besteuert wird, ver- stösst im allgemeinen nicht gegen Art. 4 und 46 Abs. 2 BV, soweit sie sich auf Steuerpflichtige bezieht, die im Ausland wohnen. A. - Der Regierungsrat des Kantons Uri bestätigte am 23. Juli 1927· eine Verfügung des Gemeinderates von Altdorf, wonach der Rekurrent, der im Ausland wohnt, aber Eigentümer einer Liegenschaft in Altdorf ist, hier ein Vermögen von 36,000 Fr. und ein Einkommen von 1200 Fr. versteuern soll. B. - Am 27. September 1927 hat Herger hiegegen die staatsrechtliche Beschwerde an das Bundesgericht ergriffen mit dem Antrag auf Aufhebung des regierungs- rätlichen Entscheides. Zur Begründung wird ausgeführt: Der Rekurrent habe kein steuerpflichtiges Vermögen, da die auf seiner
76 Staatsrecht. Liegenschaft lastenden Hypothekarschulden den Betrag der amtlichen Schatzung des Grundstückes erreichten. . . . . . Eine materielle Rechtsverweigerung im Sinne des Art. 46 Abs. 2 BV liege vor. Es sei unbillig, wenn ein Bürger, der ausser Landes seinen Erwerb suchen müsse, schlechter behandelt werde, als derjenige, der im Lande wohne und dessen Schutz und Wohltaten geniesse. Aller- dings scheine das urnerische Steuergesetz vom Grundsatz der Zulässigkeit des Schuldenabzuges eine Ausnahme für auswärts wohnende Eigentümer von im Kanton liegenden Grundstücken zu machen. Das Bundesgericht habe das aber wiederholt als unzulässig erklärt. Es handle sich zwar hier nicht um eine interkantonale Doppelbesteuerung; aus Gründen der Gerechtigkeit und der Billigkeit müsse aber der Schuldenabzug auch in internationalen Verhältnissen zugelassen werden .... C. - Der Rekurrent hat zugleich beim Obergericht des Kantons Uri Beschwerde geführt. Dieses wies am
19. Oktober 1927 den Rekurs gegen die Vermögens- steuertaxation ab, hob dagegen die Einkommensteuer- taxation auf. Es stützte sich auf Art. 4 des urnerischen Steuergesetzes, wonach bei der Besteu~rung von Liegen- schaften auswärts wohnender Eigentümer ein Schulden- abzug nicht zulässig ist. D. - Der Vertreter des Rekurrenten hat dem Bundes- gericht mitgeteilt, dass er die Besch Nerde aufrecht halte. soweit das Obergericht sein Heclttsbegehren nicht ge- schützt habe, da dessen Urteil insoweit gegen klares Recht, nämlich gegen die bundesgerichtliche Praxis verstosse. E. - Die Staatsanwaltschaft des Kantons Uri hat im Auftrag des Regierungsrates Abweisung der Be- schwerde beantragt. F. - Das Obergericht hat auf Gegenbemerkungen verzichtet. G. - Der Gemeinderat von Altdorf hat ausgeführt, dass die Beschwerde unbegründet sei; Gleichheit vor dem Gesetz (Rechtsverweigerung). No 13. 77 in Erwägung: . . . . .. . . .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .
2. - Nach der Praxis des Bundesgerichts verstösst zwar die Bestimmung des Art. 4 des urnerischen Steuer- gesetzes, dass auswärts wohnende Eigentümer von im Kanton befindlichen Grundstücken diese ohne Schul- denabzug versteuern müssen, gegen Art. 4 in Verbindung mit Art. 46 Abs. 2 BV, aber nur soweit, als sie sich auf Steuerpflichtige bezieht, die in einem andern Kanton wohnen. Soweit eine solche Ausnahmebestimmung, wie die urnerische, für im Ausland wohnende Steuerpflichtige gilt, hat sie das Bundesgericht vom Gesichtspunkt der Art. 4 und 46 Abs. 2 BV aus zugelassen (vgl. Entscheid
i. S. Rouiller gegen Waadt vom 28. September 1917). Seine Ausführungen darüber, dass sich eine ungleiche Behandlung der auswärtigen und der im Kanton wohn- haften Steuerpflichtigen bei der Besteuerung der Liegen- schaften nicht rechtfertige, gelten nicht für den Fall, dass es sich um im Ausland wohnende Steuerpflichtige handelt. Man kann dem Kanton Uri vom Standpunkt des Art. 4 BV aus nicht zumuten, auswärts wohnende Eigentümer von im Kanton befindlichen Liegenschaften bei der Besteuerung gleich zu behandeln, wie im Kanton wohnhafte, solange er nicht die Gewissheit hat, dass der Staat des Wohnsitzes jener Eigentümer Gegenrecht hält. Eine solche Gewissheit besteht aber - mit Rück- sicht auf die bundesgerichtliche Praxis - zur Zeit im allgemeinen nur gegenüber den übrigen Kantonen, nicht gegenüber ausländischen Staaten. Das Doppelbesteuerungsverbot des Art. 46 Abs. 2 BV gilt für internationale Verhältnisse, abgesehen von dem in BGE 46 I N. 57 behandelten Fall, nach der Praxis nur insoweit, als es die Besteuerung von im Ausland liegenden Grundstücken ausschliesst; erkannt: Die Beschwerde wird abgewiesen. Vgl. auch Nr. 15 und 17. - Voir aussi N°s 15 et 17.