Sachverhalt
Der Rekurrent wohnt in Olten und betreibt
daselbst ein Baugeschäft . Er ersteHt in- und ausserhaJb
Doppelbesteuerullg. N° 34.
2a7
semes. Wohnortes auf eigene Rechnung Häuser, um
sie dann mit Gewinn zu verkauten. So hatte er im Jahre
1926 in Basel Land gekauft, darauf vier Wohnhäuser
gebaut und diese noch im selben Jahre verkauft (Verkaufspreise zusammen rund 220,000 Fr.). Er machte
dabei einen Gewinn von 14,500 Fr., berechnet in der
Weise~ dass von den Verkaufspreisen abgezogen wurden:
der Ankaufspreis des Landes, die Baukosten, einschliesslieh je eines Betrages für Architektenhonorar und Bauleitung, und die Unkosten. Für diesen Gewinn,"yurde
der Rekurrent in Basel besteuert mit 1638 Fr. 50 Cts.
Das kantonale Gesetz betr. die direkten Steuern vom
6. April 1922 unterwirft in § 14 der baselstädtischen
Besteuerung das Einkommen auswärtiger Eigentümer
aus im Kanton gelegenen Grundstücken. Nach § 17
gelten als steuerbares Einkommen auch der Kapitalgewinn und Kapitalzuwachs, die auf Vermögensobjekten,
insbesondere Grundstücken, sei es durch Verkauf oder
Höherbewertung, erzielt werden. Der Rekurrent bezahlte die erwähnte Steuer am 20. Dezember 1926.
Nach seiner unbestritten gebliebenen Angabe wurde
die Vornahme der Zufertigung der Häuser an die Käufer
von der vorherigen Entrichtung der Stel,ler abhängig
gemacht.
In der Folge wurde der Rekurrent verhalten, die
14,500 Fr. Gewinn auf den Bauten in Basel als Teil seines
Geschäftseinkommens auch in Olten der Gemeinde
gegenüber zu versteuern. In diesem Sinne entschied die
Ober-Rekurskommission des Kantons Solothurn am
18. April 1928, indem sie namentlich abstellte auf das
Urteil des Bundesgerichts in Sachen Rosenthai vom
2. Februar 1923 (BGE 49 I NI'. 7). Der Entscheid wurde
dem Rekurrenten am 25. Mai 1928 zugestellt.
Schon am 4. Juli 1927 hatte dieser die Steuerverwaltung von Baselstadt darauf aufmerksam gemacht.
dass Olten ihm den Abzug des in Basel besteuerten Einkommensbetrages nicht gestatten wolle, und daher den
238
Staatsrecht.
bezahlten Betrag zurückgefordert. Das Begehren wurde
von der Steuerkommission Baselstadt am 28. Oktober
und vom Regierungsrat am 12. Dezember 1927 als
materiell unbegründet abgewiesen.
B. -
Am 23. Juli 1928 hat Atzli den staatsrechtlichen
Rek~rs ans Bundesgericht wegen Doppelbesteuerung
ergnffen. Er verlangt, es sei der Steueranspruch von
Baselstadt aufzuheben und Baselstadt habe die Steuer von
1638 Fr. 50 Cts. zurückzuerstatten, eventuell sei Olten
nicht berechtigt, den fraglichen Betrag zu besteuern.
C'. -
Der Regierungsrat von Baselstadt beantragt,
es seI der Rekurs abzuweisen, soweit er sich gegen Baselstadt richtet. Er beEtreitet dass das Urteil RosenthaI
hier zutreffe. Es handle sich nicht um einen Güterhändler, der durch seine Handelstätigkeit einen Gewinn-
erziele.
«(Beim Rekurrenten liegen vielmehr- die Verhältnisse so, dass er im Kanton Baselstadt Land erworben und dieses durch Überbauung in Wohnliegenschaften umgewandelt hat. Nach dem baselstädtischen
Steuerrecht stellt der Unterschied zwischen Ankaufs-
p:eis des Landes und Verkaufspreis der fertig gestellten
LIegenschaften abzüglich der darauf gemachten Aufwendungen steuerpflichtiges Einkommen aus dem Verkaufe von Grundstücken dar.' Es handelt sich dabei
um einen 'Wertzuwachs, der allerdings nicht durch eine
besondere Steuer, sondern durch die ordentliche Einkommenssteuer getroffen \\drd. Ein solches Zuwachsgewinneinkommen auf Grundstücken muss aber unter
allen Umständen dem Kantone der gelegenen Sache zur
Besteuerung vorbehalten werden, soll nicht die \Vertzuwachssteuer überhaupt illusorisch gemacht werden.
Denn würde in solchen Fällen das Recht zur Besteuerung
dem \Vohnsitzkanton des Baumeisters zuerkannt, so
könnten die Liegenschaftseigentümer in Basel die Steuer
dadurch umgehen, dass sie die Liegenschaften an einen
Strohmann verkauften, der seinen \Vohnsitz in einem
Kantone ohne \Vertzuwachssteuer (Spezialsteuer oder
Doppelbesteuerung. N° 34.
23fJ
allgemeine Einkommenssteuer) hätte, und dieser dann
später die Liegenschaften wieder an den ursprüllglichen
Eigentümer zu einem nominell höheren Preise zurückgeben würde. Solchen Möglichkeiten sollte von Anfang
an der Riegel geschoben werden, was nur dadurch _ geschehen kann~ dass das Recht zur Besteuerung des
Zuwachsgewinneinkommens ohne Ausnahme dem Orte
der gelegenen Sache zuerkannt wird. »
« Dass in dem vom Rekurrenten erzielten Gewinn ein
reiner Wertzuwachs enthalten ist, dürfte demjenigen,
der die Verhältnisse auf dem Liegenschaftsmarkt in
Basel kennt, klar sein. Denn durch die Überbauung
bisher brach liegenden Terrains wurde das Terrain selbst
mehr wert, ohne Rücksicht auf die Aufwendungen für
den eigentlichen Bau. Das ergibt sich schon daraus, dass
der Rekurrent für Architektenhonorar und Bauleitung
pro Haus einen Betrag von 4250 Fr. in Abzug gebracht
und die Steuerbehörde in Basel diesen Abzug nicht
beanstandet hat. Das, was die Steuerbehörde in Basel
im Falle des Rekurrenten für sich beansprucht, ist
lediglich die Besteuerung des 'Vertzuwachses nach Abzug
des Entgeltes für die berufliche Tätigkeit des Rekurrenten als Baumeisters. »
« Für den Kanton Baselstadt hat die vorliegende Frage
die grösste Bedeutung, da zahlreiche Baugeschäfte auf
dem Gebiete des Kantons Baselland ihren Geschäftssitz haben und von dort aus im Kanton Baselstadt,
teils auf selb~t gekauftem Land, teils für fremde Rechnung auf fremdem Boden Bauten errichten. Im letzteren
Falle kommt selbstverständlich eine Besteuerung des
Bau:neisters durch den Kanton Basf'lstadt nicht in
Frage, da hier der Wertzuwachs der Liegenschaft beim
Bauherrn in Erscheinung tritt. Wo dagegen der Baumeister zugleich Bauherr ist, d. h. wo er auf eigenem
Grund und Boden im Kanton Baselstadt baut, muss
die Besteuerung des Zuwachsgewinneinkommens dem
Kanton Baselstadt vorbehalten bleiben.»
240
Staatsrecht.
D. -
Die Ober-Rekurskommission von Solothurn und
die Einwohnergemeinde Olten haben die Abweisung des
Rekurses beantragt, soweit er sich gegen die Besteuerung
in Olten richtet.
Erwägungen (2 Absätze)
E. 1 Der Rekurs ist rechtzeitig erhoben gegenüber dem Entscheide der Ober-Rekurskommission von Solothurn. Damit gilt die Rekursfrist auch als gewahrt, was die kollidierende Besteuerung in Baselstadt anlangt. Das Rekursrecht ist in letzterer Beziehung auch nicht etwa verwirkt, was der Regierungsrat von Baselstadt übrigens auch nicht geltend macht; denn einmal hat der Rekurrent die Steuer in Basel nicht freiwillig bezahlt, sondern er handelte dabei unter einern Zwange, da sonst die Fertigung der Häuser nicht stattfinden konnte; andererseits konnte er zur Zeit der Bezahlung nicbt wissen, dass er den Einkommensbetrag, wofür er in Basel besteuert '\vurde, nachher auch in Olten werde versteuern müssen.
E. 2 Der Rekurrent iat keine geschäftliche Niederlassung in Basel, die ein sekundäres Steuerdomizil begründen würde. Die Besteuerung -hier erfolgte denn auch
nicht aus dem Gesichtspunkt eines dortigen Geschäftsbetriebes des Rekurrenten, sondern ausschliesslich aus
demjenigen des Kapitalge, .. inns oder vYeltzuwachses
auf Liegenschaften, welchei' in Basel der Einkommenssteuer unterliege. Naeh der bundesgerichtlichen Praxis
kann der vYertzuwachs, der beim Verkauf einer Liegenschaft realisiert wird, am Orte der Liegenschaft besteuelt
werden -
sei es mit einer Spezialsteuer, sei es mit der
allgemeinen Einkommenssteuer -, wenn der bisherige
Eigentümer und Verkäufer der Liegenschaft in einem
Hlldern Kanton wohnt (BGE 45 I 285 ff.; 49 I 45).
Das trifft aber nur zu für eine \Yertsteigerung, die ohne
Zutun des Eigentümers infolge der Aufwendungen und
der Entwicklung des Gemeinwesens eingetreten, also
Doppelbesteuennig. N" 34.
241
durch die äusserlichen Verhältnisse bedingt ist und die
daher als Liegenschaftsertrag im weitern Sinne angesehen werden kann, nicht dagegen für einen Gewinn aus
dem Verkauf~der im wesentlichen die Folge der gewerblichen Tätigkeit des Verkäufers ist. Der berufsmässige
Liegenschaftshändler hat infolgedessen den Gewinn aus
seiner Handelstätigkeit nicht am Orte der Liegenschaften,
die umgesetzt werden, sondern an seinem Wohnort
zu versteuern (zitiertes Urteil RosenthaI). Das Gleiche
muss auch gelten für den Bauunternehmer, der Land
kauft, darauf Häuser erstellt, sie verkauft und aus
dieser gewerblichen Tätigkeit einen Gewinn erzielt.
Das ist aber der Fall des Rekurrenten. Der Gewinn, den
er mit den vier Häusern in Basel gemacht hat und der
Gegenstand der Besteuerung in Basel bildet, hat seint.'
Quelle in der Unternehmertätigkeit des Rekurrenten.
Er ist typischer Unternehmergewinn. Auch der Regierungsrat von Baselstadt behauptet nicht, dass es sich
ganz oder zum Teil um eine Weltsteigerullg handle, die
unabhängig von der Tatsache der Überbauung, aus allgemeinen Ursachen, eingetreten wäre, die sich also in
gleicher Weise bei unbebautem Land in ähnlicher Lage
zeigen würde, sondern er führt den Wertzuwachs zurück
auf die Überbauung, also die Unternehmertätigkeit des
Rekurrenten. Da dieser in demselben Jahr das Land
gekauft, überbaut und wiederverkauft hat, ist ja auch
ein wesentlicher vYertzuwachs der gedachten Art von
vorneherein nicht sehr wahrscheinlich; das finanzielle
Ergebnis des Geschäfts, zirka 5% der Verkaufspreise,
übersteigt tatsächlich keineswegs das Mass eines eher
bescheidenen Unternehmergewinus, selbst wenn man
beachtet, dass dabei ein gewisser Betrag für Architektenhonorar und Bauleitung vorweg abgezogen ist. (Die
Frage bedarf daher auch hier keiner Erörterung, wie
eine solche von der Überbauuug unabhängige Wertvermehrung, die im Verkaufspreise festgestelltennassen
enthalten wäre, im interkantonalen Verhältnis steuer-
AS 54 I -
1928
17
242
Staatsrecht.
rechtlich zu behandeln wäre. Vgl. BGE 49 146 f.). Vom
bundesrechtlichen Standpunkt aus hat man es daher
bei dem Gewinn des Rekurrenten aus dem Bau der
vier Häuser in Basel nicht zu tun mit Wertzuwachs
auf Liegenschaften, Liegenschaftsertrag im weitern Sinne,
der in Basel als dem Orte der Liegenschaften besteuert
werden könnte, sondern mit einem Teilertrag des Geschäftsbetriebs . des Rekurrenten, der ausschliesslich
in Olten als dem Orte, wo das Geschäft sich befindet,
der Besteuerung unterliegt.
Die praktischen Bedenken, die der Regierungsrat
von Baselstadt gegen diese Lösung geltend macht, erscheinen nicht als stichhaltig. Die Besteuerung des
Wertzuwachses auf Liegenschaften im eigentlichen Sinn
bleibt auch auswärts 'Yohnenden Eigentümern gegenüber
unberührt, und was die basellandschaftlichen Bauunternehmer anlangt, die auf eigene. Rechnung in Basel Bauten
errichten, ohne einen steuerpflichtigen Gewerbebetrieb
daselbst zu haben, so geht es eben biIndesrechtlich nicht
an, class Baselstadt sie für einen Teil ihres Geschäftsgewinns besteuert, und es kann dieses Verbot nicht
dadurch umgangen werden, dass die Besteuerung in
die Form der Einkommenssteuer auf Wertzuwachs
gekleidet wird.
Dispositiv
- Der Rekurs wird dahin gutgeheissen, dass die angefochtene baselstädtische Steuerauflage aufgehoben wird und der Kanton Baselstadt dem Rekurrenten die bezogene Steuer von 1638 Fr. 50 Cts. zurückzuerstatten hat. Gerichtsstand. No 35. VI. GERICHTSSTAND FOR
Volltext (verifizierbarer Originaltext)
34. 'Urteil vom al. September lSaS
i. S. Atzli gegen Ba.selsta.dt und Einwohnergemeinde Olten.
Bauunternehmer, der ausserhalb seines \Vohnsitzkantons
Land kauft, es überbaut und die Häuser verkauft. Steuerort filr den beim Weiterverkauf realisierten Gewinn.
A. -
Der Rekurrent wohnt in Olten und betreibt
daselbst ein Baugeschäft . Er ersteHt in- und ausserhaJb
Doppelbesteuerullg. N° 34.
2a7
semes. Wohnortes auf eigene Rechnung Häuser, um
sie dann mit Gewinn zu verkauten. So hatte er im Jahre
1926 in Basel Land gekauft, darauf vier Wohnhäuser
gebaut und diese noch im selben Jahre verkauft (Verkaufspreise zusammen rund 220,000 Fr.). Er machte
dabei einen Gewinn von 14,500 Fr., berechnet in der
Weise~ dass von den Verkaufspreisen abgezogen wurden:
der Ankaufspreis des Landes, die Baukosten, einschliesslieh je eines Betrages für Architektenhonorar und Bauleitung, und die Unkosten. Für diesen Gewinn,"yurde
der Rekurrent in Basel besteuert mit 1638 Fr. 50 Cts.
Das kantonale Gesetz betr. die direkten Steuern vom
6. April 1922 unterwirft in § 14 der baselstädtischen
Besteuerung das Einkommen auswärtiger Eigentümer
aus im Kanton gelegenen Grundstücken. Nach § 17
gelten als steuerbares Einkommen auch der Kapitalgewinn und Kapitalzuwachs, die auf Vermögensobjekten,
insbesondere Grundstücken, sei es durch Verkauf oder
Höherbewertung, erzielt werden. Der Rekurrent bezahlte die erwähnte Steuer am 20. Dezember 1926.
Nach seiner unbestritten gebliebenen Angabe wurde
die Vornahme der Zufertigung der Häuser an die Käufer
von der vorherigen Entrichtung der Stel,ler abhängig
gemacht.
In der Folge wurde der Rekurrent verhalten, die
14,500 Fr. Gewinn auf den Bauten in Basel als Teil seines
Geschäftseinkommens auch in Olten der Gemeinde
gegenüber zu versteuern. In diesem Sinne entschied die
Ober-Rekurskommission des Kantons Solothurn am
18. April 1928, indem sie namentlich abstellte auf das
Urteil des Bundesgerichts in Sachen Rosenthai vom
2. Februar 1923 (BGE 49 I NI'. 7). Der Entscheid wurde
dem Rekurrenten am 25. Mai 1928 zugestellt.
Schon am 4. Juli 1927 hatte dieser die Steuerverwaltung von Baselstadt darauf aufmerksam gemacht.
dass Olten ihm den Abzug des in Basel besteuerten Einkommensbetrages nicht gestatten wolle, und daher den
238
Staatsrecht.
bezahlten Betrag zurückgefordert. Das Begehren wurde
von der Steuerkommission Baselstadt am 28. Oktober
und vom Regierungsrat am 12. Dezember 1927 als
materiell unbegründet abgewiesen.
B. -
Am 23. Juli 1928 hat Atzli den staatsrechtlichen
Rek~rs ans Bundesgericht wegen Doppelbesteuerung
ergnffen. Er verlangt, es sei der Steueranspruch von
Baselstadt aufzuheben und Baselstadt habe die Steuer von
1638 Fr. 50 Cts. zurückzuerstatten, eventuell sei Olten
nicht berechtigt, den fraglichen Betrag zu besteuern.
C'. -
Der Regierungsrat von Baselstadt beantragt,
es seI der Rekurs abzuweisen, soweit er sich gegen Baselstadt richtet. Er beEtreitet dass das Urteil RosenthaI
hier zutreffe. Es handle sich nicht um einen Güterhändler, der durch seine Handelstätigkeit einen Gewinn-
erziele.
«(Beim Rekurrenten liegen vielmehr- die Verhältnisse so, dass er im Kanton Baselstadt Land erworben und dieses durch Überbauung in Wohnliegenschaften umgewandelt hat. Nach dem baselstädtischen
Steuerrecht stellt der Unterschied zwischen Ankaufs-
p:eis des Landes und Verkaufspreis der fertig gestellten
LIegenschaften abzüglich der darauf gemachten Aufwendungen steuerpflichtiges Einkommen aus dem Verkaufe von Grundstücken dar.' Es handelt sich dabei
um einen 'Wertzuwachs, der allerdings nicht durch eine
besondere Steuer, sondern durch die ordentliche Einkommenssteuer getroffen \\drd. Ein solches Zuwachsgewinneinkommen auf Grundstücken muss aber unter
allen Umständen dem Kantone der gelegenen Sache zur
Besteuerung vorbehalten werden, soll nicht die \Vertzuwachssteuer überhaupt illusorisch gemacht werden.
Denn würde in solchen Fällen das Recht zur Besteuerung
dem \Vohnsitzkanton des Baumeisters zuerkannt, so
könnten die Liegenschaftseigentümer in Basel die Steuer
dadurch umgehen, dass sie die Liegenschaften an einen
Strohmann verkauften, der seinen \Vohnsitz in einem
Kantone ohne \Vertzuwachssteuer (Spezialsteuer oder
Doppelbesteuerung. N° 34.
23fJ
allgemeine Einkommenssteuer) hätte, und dieser dann
später die Liegenschaften wieder an den ursprüllglichen
Eigentümer zu einem nominell höheren Preise zurückgeben würde. Solchen Möglichkeiten sollte von Anfang
an der Riegel geschoben werden, was nur dadurch _ geschehen kann~ dass das Recht zur Besteuerung des
Zuwachsgewinneinkommens ohne Ausnahme dem Orte
der gelegenen Sache zuerkannt wird. »
« Dass in dem vom Rekurrenten erzielten Gewinn ein
reiner Wertzuwachs enthalten ist, dürfte demjenigen,
der die Verhältnisse auf dem Liegenschaftsmarkt in
Basel kennt, klar sein. Denn durch die Überbauung
bisher brach liegenden Terrains wurde das Terrain selbst
mehr wert, ohne Rücksicht auf die Aufwendungen für
den eigentlichen Bau. Das ergibt sich schon daraus, dass
der Rekurrent für Architektenhonorar und Bauleitung
pro Haus einen Betrag von 4250 Fr. in Abzug gebracht
und die Steuerbehörde in Basel diesen Abzug nicht
beanstandet hat. Das, was die Steuerbehörde in Basel
im Falle des Rekurrenten für sich beansprucht, ist
lediglich die Besteuerung des 'Vertzuwachses nach Abzug
des Entgeltes für die berufliche Tätigkeit des Rekurrenten als Baumeisters. »
« Für den Kanton Baselstadt hat die vorliegende Frage
die grösste Bedeutung, da zahlreiche Baugeschäfte auf
dem Gebiete des Kantons Baselland ihren Geschäftssitz haben und von dort aus im Kanton Baselstadt,
teils auf selb~t gekauftem Land, teils für fremde Rechnung auf fremdem Boden Bauten errichten. Im letzteren
Falle kommt selbstverständlich eine Besteuerung des
Bau:neisters durch den Kanton Basf'lstadt nicht in
Frage, da hier der Wertzuwachs der Liegenschaft beim
Bauherrn in Erscheinung tritt. Wo dagegen der Baumeister zugleich Bauherr ist, d. h. wo er auf eigenem
Grund und Boden im Kanton Baselstadt baut, muss
die Besteuerung des Zuwachsgewinneinkommens dem
Kanton Baselstadt vorbehalten bleiben.»
240
Staatsrecht.
D. -
Die Ober-Rekurskommission von Solothurn und
die Einwohnergemeinde Olten haben die Abweisung des
Rekurses beantragt, soweit er sich gegen die Besteuerung
in Olten richtet.
Das Bundesgericht zieht in Erwägung:
1. -
Der Rekurs ist rechtzeitig erhoben gegenüber
dem Entscheide der Ober-Rekurskommission von Solothurn. Damit gilt die Rekursfrist auch als gewahrt, was
die kollidierende Besteuerung in Baselstadt anlangt.
Das Rekursrecht ist in letzterer Beziehung auch nicht
etwa verwirkt, was der Regierungsrat von Baselstadt
übrigens auch nicht geltend macht; denn einmal hat
der Rekurrent die Steuer in Basel nicht freiwillig bezahlt,
sondern er handelte dabei unter einern Zwange, da sonst
die Fertigung der Häuser nicht stattfinden konnte;
andererseits konnte er zur Zeit der Bezahlung nicbt
wissen, dass er den Einkommensbetrag, wofür er in
Basel besteuert '\vurde, nachher auch in Olten werde
versteuern müssen.
2. -
Der Rekurrent iat keine geschäftliche Niederlassung in Basel, die ein sekundäres Steuerdomizil begründen würde. Die Besteuerung -hier erfolgte denn auch
nicht aus dem Gesichtspunkt eines dortigen Geschäftsbetriebes des Rekurrenten, sondern ausschliesslich aus
demjenigen des Kapitalge, .. inns oder vYeltzuwachses
auf Liegenschaften, welchei' in Basel der Einkommenssteuer unterliege. Naeh der bundesgerichtlichen Praxis
kann der vYertzuwachs, der beim Verkauf einer Liegenschaft realisiert wird, am Orte der Liegenschaft besteuelt
werden -
sei es mit einer Spezialsteuer, sei es mit der
allgemeinen Einkommenssteuer -, wenn der bisherige
Eigentümer und Verkäufer der Liegenschaft in einem
Hlldern Kanton wohnt (BGE 45 I 285 ff.; 49 I 45).
Das trifft aber nur zu für eine \Yertsteigerung, die ohne
Zutun des Eigentümers infolge der Aufwendungen und
der Entwicklung des Gemeinwesens eingetreten, also
Doppelbesteuennig. N" 34.
241
durch die äusserlichen Verhältnisse bedingt ist und die
daher als Liegenschaftsertrag im weitern Sinne angesehen werden kann, nicht dagegen für einen Gewinn aus
dem Verkauf~der im wesentlichen die Folge der gewerblichen Tätigkeit des Verkäufers ist. Der berufsmässige
Liegenschaftshändler hat infolgedessen den Gewinn aus
seiner Handelstätigkeit nicht am Orte der Liegenschaften,
die umgesetzt werden, sondern an seinem Wohnort
zu versteuern (zitiertes Urteil RosenthaI). Das Gleiche
muss auch gelten für den Bauunternehmer, der Land
kauft, darauf Häuser erstellt, sie verkauft und aus
dieser gewerblichen Tätigkeit einen Gewinn erzielt.
Das ist aber der Fall des Rekurrenten. Der Gewinn, den
er mit den vier Häusern in Basel gemacht hat und der
Gegenstand der Besteuerung in Basel bildet, hat seint.'
Quelle in der Unternehmertätigkeit des Rekurrenten.
Er ist typischer Unternehmergewinn. Auch der Regierungsrat von Baselstadt behauptet nicht, dass es sich
ganz oder zum Teil um eine Weltsteigerullg handle, die
unabhängig von der Tatsache der Überbauung, aus allgemeinen Ursachen, eingetreten wäre, die sich also in
gleicher Weise bei unbebautem Land in ähnlicher Lage
zeigen würde, sondern er führt den Wertzuwachs zurück
auf die Überbauung, also die Unternehmertätigkeit des
Rekurrenten. Da dieser in demselben Jahr das Land
gekauft, überbaut und wiederverkauft hat, ist ja auch
ein wesentlicher vYertzuwachs der gedachten Art von
vorneherein nicht sehr wahrscheinlich; das finanzielle
Ergebnis des Geschäfts, zirka 5% der Verkaufspreise,
übersteigt tatsächlich keineswegs das Mass eines eher
bescheidenen Unternehmergewinus, selbst wenn man
beachtet, dass dabei ein gewisser Betrag für Architektenhonorar und Bauleitung vorweg abgezogen ist. (Die
Frage bedarf daher auch hier keiner Erörterung, wie
eine solche von der Überbauuug unabhängige Wertvermehrung, die im Verkaufspreise festgestelltennassen
enthalten wäre, im interkantonalen Verhältnis steuer-
AS 54 I -
1928
17
242
Staatsrecht.
rechtlich zu behandeln wäre. Vgl. BGE 49 146 f.). Vom
bundesrechtlichen Standpunkt aus hat man es daher
bei dem Gewinn des Rekurrenten aus dem Bau der
vier Häuser in Basel nicht zu tun mit Wertzuwachs
auf Liegenschaften, Liegenschaftsertrag im weitern Sinne,
der in Basel als dem Orte der Liegenschaften besteuert
werden könnte, sondern mit einem Teilertrag des Geschäftsbetriebs . des Rekurrenten, der ausschliesslich
in Olten als dem Orte, wo das Geschäft sich befindet,
der Besteuerung unterliegt.
Die praktischen Bedenken, die der Regierungsrat
von Baselstadt gegen diese Lösung geltend macht, erscheinen nicht als stichhaltig. Die Besteuerung des
Wertzuwachses auf Liegenschaften im eigentlichen Sinn
bleibt auch auswärts 'Yohnenden Eigentümern gegenüber
unberührt, und was die basellandschaftlichen Bauunternehmer anlangt, die auf eigene. Rechnung in Basel Bauten
errichten, ohne einen steuerpflichtigen Gewerbebetrieb
daselbst zu haben, so geht es eben biIndesrechtlich nicht
an, class Baselstadt sie für einen Teil ihres Geschäftsgewinns besteuert, und es kann dieses Verbot nicht
dadurch umgangen werden, dass die Besteuerung in
die Form der Einkommenssteuer auf Wertzuwachs
gekleidet wird.
Demnach erkennt das Bundesgericht :
Der Rekurs wird dahin gutgeheissen, dass die angefochtene baselstädtische Steuerauflage aufgehoben wird
und der Kanton Baselstadt dem Rekurrenten die bezogene Steuer von 1638 Fr. 50 Cts. zurückzuerstatten
hat.
Gerichtsstand. No 35.
VI. GERICHTSSTAND
FOR