Sachverhalt
Der in Rheinfelden, Kanton Aargau, wohnende R~kurrent, welcher in Neu-Allschwil, Kanton Basel- Lands?haf:, die Aluminiumwarenfabrik « Erga)) betreibt u~d hIer ~m Handelsregister eingetragen ist, liess sich v~elfach .wIderspruchSlos durch das Betreibungsamt Bin- nIn~n, In dessen Kreis Neu-Allschwil liegt, betreiben, so alfch am 10. März 1928 seitens der Aluminiumwaren- fabrik ~ontenschwil (Betreibung Nr. 11,575) und am
17. Apnl 1928 für Wechsel seitens der Aluminiumwerke A.-G. Rorschach (Betreibung Nr. 12,119). Als der erst- genannte Gläubiger in der zweiten Hälfte Mai beim Kon- kursrichter von Arlesheim, Kanton Basel-Landschaft das Konkursbegehr~n stellte, führte der Rekurrent a~ Schuldbetreibungs- und Konkursrecht. N° 38. 181
25. Mai bei der Aufsichtsbehörde über Schuldbetreibung und Konkurs des Kantons Basel-Landschaft Beschwerde mit dem Antrag auf Aufhebung sowohl der am 18. April zugestellten Konkursandrohung in dieser Betreibung als auch des Wechsels-Zahlungsbefehles Nr. 12,119 wegen örtlicher Unzuständigkeit des Betreibungsamtes Bin- ningen. B. - Durch Entscheid vom 1. Juni hat die Aufsichts- behörde über Schuldbetreibung und Konkurs des Kantons Basel-Landschaft die Beschwerde abgewiesen. C. - Diesen Entscheid hat der Rekurrent am 8. Juni an das Bundesgericht weitergezogen. Die Schuldbetreibungs- und Konkurskammer zieht
Erwägungen (1 Absätze)
E. 15 182
Schuldbetreibungs- und Konkursreclit. N° 38.
über dasselbe bis zu einem Entscheid der Aufsichtsbe-
hörde aussetzt, sieht nichts derartiges vor, wohl gerade
um der Einmischung des Konkursrichters in die. den
Aufsichtsbehörden vorbehaltene Befugnis zur Entschei-
dung über den Betreibungsort vorzubeugen. Daher hat
denn auch das Bundesgericht in BGE 51 III S. 157 aus-
gesprochen -
was die Vorinstanz übersehen .zu haben
scheint -, dass gegen eine von einem unzuständigen
Betreibungsamt erlassene Konkursandrohung jederzeit
Beschwerde geführt werden kann, solange der Konkurs
noch nicht eröffnet ist. Gleiches muss auch für den Zah-
lungsbefehl in der Wechselbetreibung gelten, da die
Art. 172 und 173 SchKG auf das Konkursbegehren in der
Wechselbetreibung ebenfalls zutreffen und zudem binnen
drei Tagen und ohne Parteiverhandhing darüber zu ent-
scheiden ist (Art. 189 SchKG), was dem Konkursrichter
ger~ezu verunmöglicht, über die Einwendung örtlicher
Unzuständigkeit das zur Gewinnung des Prozesstoffes
unerlässliche Verfahren durchzuführen und einen Ent-
scheid zu fällen. 'Vollte man nach Ablauf der ordentlichen
Beschwerdefrist eine Beschwerde wegen örtlicher Unzu-
ständigkeit nicht mehr zulassen, so könnte dies also zur
Folge haben, dass der Konkurs da eröffnet würde, wo
der Schuldner gesetzwidrigerweise hetrieben worden ist,
was aber auch nach der Meinung der Vorinstanz dem
öffentlichen Interesse an der Beobachtung der Vorschrif-
ten über den Gerichtsstand für die Konkurseröffnung
widerstreiten würde. Von der derart gebotenen grund-
sätzlichen Entscheidung eine Ausnahme zu machen,
weil der Rekurrent Binningen als Betreibungsort fort-
gesetzt anerkannt hat, geht nicht an. Ebensowenig kommt
etwas darauf an, dass vorliegend durchaus liquid ist,
dass nur der Konkursrichter von Rheinfelden und nicht
derjenige von Arlesheim zur Konkurseröffnung über den
. Rekurrenten zuständig ist, und dass die Rekursgegner
wohl ohne weiteres damit einverstanden wären, das
Konkursbegehren in Rheinfelden anzubringen.
Schuldbetreibungs- und Konkursrecht. N0 39.
183
Demnach erkennt die Schuldbetr.- und Konkurskammer :
Der Rekurs wird begründet erklärt und sowohl die
Konkursandrohung Nr. 11,575 als der Wechselzahlungs-
befehl Nr. 12,119 aufgehoben.
Volltext (verifizierbarer Originaltext)
38. Entscheid vom 18. Juni 1928 i. S. Sprenger.
Gle~chwie g~gen Konkursandrohungen, so kann auch gegen
die von emem ö r t I ich u n z u s t ä n d i gen Betrei-
bungsamt erlassenen· Z a h I u n g s b e feh lei n der
W ~ c h seI b e t r e i b u n g jederzeit B e s c h wer d e
gefuhrt ~erden, solange der Konkurs noch nicht eröffnet
worden 1St.
A~ssi longt~mps que la faHIite n'est pas ouverte, plainte peut
etre portee en tout temps contre la notification d'un com-
mandemen~ de [lager ~ans une poursuite pour elfets de change
par un offl~e mcompetent quant au lieu, comme c'est le cas
pour ce qUl concerne les comminations de faillite.
Finch~ ~l fa.lli~ento non e dichiarato, e, in ogni tempo, pro-
pombIle II rICorso contro la notifica, da parte di Ufficio
ll~co~petente ratione Ioci, di un precctto esecutivo cam-
b1a:1O, come 10 sarebbe il ricorso c~mtro la comminatoria di
falhmento.
A. -
Der in Rheinfelden, Kanton Aargau, wohnende
R~kurrent, welcher in Neu-Allschwil, Kanton Basel-
Lands?haf:, die Aluminiumwarenfabrik « Erga)) betreibt
u~d hIer ~m Handelsregister eingetragen ist, liess sich
v~elfach .wIderspruchSlos durch das Betreibungsamt Bin-
nIn~n, In dessen Kreis Neu-Allschwil liegt, betreiben,
so alfch am 10. März 1928 seitens der Aluminiumwaren-
fabrik ~ontenschwil (Betreibung Nr. 11,575) und am
17. Apnl 1928 für Wechsel seitens der Aluminiumwerke
A.-G. Rorschach (Betreibung Nr. 12,119). Als der erst-
genannte Gläubiger in der zweiten Hälfte Mai beim Kon-
kursrichter von Arlesheim, Kanton Basel-Landschaft
das Konkursbegehr~n stellte, führte der Rekurrent a~
Schuldbetreibungs- und Konkursrecht. N° 38.
181
25. Mai bei der Aufsichtsbehörde über Schuldbetreibung
und Konkurs des Kantons Basel-Landschaft Beschwerde
mit dem Antrag auf Aufhebung sowohl der am 18. April
zugestellten Konkursandrohung in dieser Betreibung als
auch des Wechsels-Zahlungsbefehles Nr. 12,119 wegen
örtlicher Unzuständigkeit des Betreibungsamtes Bin-
ningen.
B. -
Durch Entscheid vom 1. Juni hat die Aufsichts-
behörde über Schuldbetreibung und Konkurs des Kantons
Basel-Landschaft die Beschwerde abgewiesen.
C. -
Diesen Entscheid hat der Rekurrent am 8. Juni
an das Bundesgericht weitergezogen.
Die Schuldbetreibungs- und Konkurskammer zieht
in Erwägung:
Die Vorinstanz ist der Auffassung, dass weder die
Konkursandrohung, noch der Wechselzahlungsbefehl
später als zehn Tage nach ihrer Zustellung noch wegen
örtlicher Unzuständigkeit angefochten werden können,
da durch diese Betreibungshandlungen keine Interessen
dritter, am Betreibungsverfahren nicht beteiligter Per-
sonen beeinträchtigt werden; letzteres würde erst durch
die Konkurseröffnung am unrichtigen Ort eintreffen,
weshalb die in Betracht kommenden Betreibungen durch
Konkursbegehren beim Konkursrichter von Rheillfelden
weiterzuführen seien.
Diese Auffassung könnte nur dann als zutreffend be-
trachtet werden, wenn der Konkursrichter das gestützt
auf eine in seinem Sprengel durchgeführte Betreibul1g
gestellte Konkursbegehren daraufhin prüfen dürfte,
ob die Betreibung am richtigen Orte durchgeführt worden
sei, und dementsprechend die Konkurseröffnung ablehnen
dürfte, wenn er findet, der Schuldner habe seinen Wohn-
sitz nicht im Betreibungskreis oder mindestens nicht
im Gerichtssprengel. Allein die Art. 172 und 173 SchKG,
welche die Gründe aufzählen, aus welchen der Konkurs-
richter das Konkursbegehren abweist oder sein Erkenntnis
AS 54 III -
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15
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Schuldbetreibungs- und Konkursreclit. N° 38.
über dasselbe bis zu einem Entscheid der Aufsichtsbe-
hörde aussetzt, sieht nichts derartiges vor, wohl gerade
um der Einmischung des Konkursrichters in die. den
Aufsichtsbehörden vorbehaltene Befugnis zur Entschei-
dung über den Betreibungsort vorzubeugen. Daher hat
denn auch das Bundesgericht in BGE 51 III S. 157 aus-
gesprochen -
was die Vorinstanz übersehen .zu haben
scheint -, dass gegen eine von einem unzuständigen
Betreibungsamt erlassene Konkursandrohung jederzeit
Beschwerde geführt werden kann, solange der Konkurs
noch nicht eröffnet ist. Gleiches muss auch für den Zah-
lungsbefehl in der Wechselbetreibung gelten, da die
Art. 172 und 173 SchKG auf das Konkursbegehren in der
Wechselbetreibung ebenfalls zutreffen und zudem binnen
drei Tagen und ohne Parteiverhandhing darüber zu ent-
scheiden ist (Art. 189 SchKG), was dem Konkursrichter
ger~ezu verunmöglicht, über die Einwendung örtlicher
Unzuständigkeit das zur Gewinnung des Prozesstoffes
unerlässliche Verfahren durchzuführen und einen Ent-
scheid zu fällen. 'Vollte man nach Ablauf der ordentlichen
Beschwerdefrist eine Beschwerde wegen örtlicher Unzu-
ständigkeit nicht mehr zulassen, so könnte dies also zur
Folge haben, dass der Konkurs da eröffnet würde, wo
der Schuldner gesetzwidrigerweise hetrieben worden ist,
was aber auch nach der Meinung der Vorinstanz dem
öffentlichen Interesse an der Beobachtung der Vorschrif-
ten über den Gerichtsstand für die Konkurseröffnung
widerstreiten würde. Von der derart gebotenen grund-
sätzlichen Entscheidung eine Ausnahme zu machen,
weil der Rekurrent Binningen als Betreibungsort fort-
gesetzt anerkannt hat, geht nicht an. Ebensowenig kommt
etwas darauf an, dass vorliegend durchaus liquid ist,
dass nur der Konkursrichter von Rheinfelden und nicht
derjenige von Arlesheim zur Konkurseröffnung über den
. Rekurrenten zuständig ist, und dass die Rekursgegner
wohl ohne weiteres damit einverstanden wären, das
Konkursbegehren in Rheinfelden anzubringen.
Schuldbetreibungs- und Konkursrecht. N0 39.
183
Demnach erkennt die Schuldbetr.- und Konkurskammer :
Der Rekurs wird begründet erklärt und sowohl die
Konkursandrohung Nr. 11,575 als der Wechselzahlungs-
befehl Nr. 12,119 aufgehoben.