Erwägungen (2 Absätze)
E. 1 Wenn cl!'r Berufungsbeklagte im mündlichen Verfahren auf die in der Berufungserklij.rUng angegebene Streitwert- schätzung bis zum Vortrag vor Gericht schweigt, kann daraus nicht seine Zustimmur;g zur St"eitwertschätzung tles Berufungsklägers abgeleitet werden. Im Zweifel soll daher auch im mündlichen Verfahren (Ier Berufungsbeklagte auf die Streitwert angabe des Be- rufungsklägers hingewiesen und zur Erklärung befristet werden. ob er mit dem angegebenen Streitwert einver- standen sei (Erw. 1).
E. 2 Mit Eingabe vom 28. April 1926 hat nun die
Beklagte die Richtigkeit der Streitwertschätzung des
. Klägers bestritten, indem sie geltend macht, dem Kläger
erwachse durch die beanstandeten Einwirkungen über-
haupt kein Schaden; im allerschlimmsten Falle könnte
ein solcher von höchstens 1000 Fr. in Frage kommen.
294
Prozessret'ht. N0 45.
Da somit die Parteien über den Wert des Streitgegen-
standes nicht einig sind, ist es gemäss Art. 59 Abs. 2
OG Sache des Bundesgerichts, ihn gemäss Art. 53 Abs.
3 und 4 OG festzustellen. Aus dem Verfahren vor den
Vorinstanzen sind jedoch keinerlei Grundlagen ersicht-
lich, gestützt auf die der fragliche Streitwert berechnet
werden könnte. Der Kläger hat vor der ersten Instanz
allerdings behauptet, seine Liegenschaft erleide durch
die beanstandeten Einwirkungen einen Minderwert, der
durch Expertise festgestellt werden möge. Doch hat sich
der zugezogene Sachverständige über einen solchen
Minderwert nicht ausgesprochen, noch hat der Kläger
selber, etwa durch Angabe des Wertes seiner Liegen-
schaft und anderer Umstände, die Grundlagen zur
Berechnung eines allfälligen Minderwertes gegeben.
Der Nachweis dafür, dass der Wert der vorliegenden
Streitsache die für die Berufung an das Bundesgericht
erforderliche Summe von 4000 Fr. erreicht, ist somit
nicht geleistet, und selbst wenn dies der Fall wäre,
könnte auf die Berufung' nicht eingetreten werden,
weil die für das schriftliche Berufungsverfahren erfor-
derliche Rechtsschrift der Berufungserklärung nicht
beigelegt worden ist (Art. 59 und 67 Abs. 4 OG), was
für sich allein schon die Rechtsunwirksamkeit der Be-
rufung nach sich zieht.
.
Dispositiv
- Auf die Berufung wird nicht eingetreteu.
Volltext (verifizierbarer Originaltext)
44. Auszug aus dem Urteil der II. Zivilabteilung
'Vom 5. Mai 1925
i. S. Gasser gegen Metallwarenfabrik lIallau A.-Ci.
OG. Art. 61, 67 Abs. 3 und 4, 59 Abs. 2.
1. Wenn cl!'r Berufungsbeklagte im mündlichen Verfahren
auf die in der Berufungserklij.rUng angegebene Streitwert-
schätzung bis zum Vortrag vor Gericht schweigt, kann
daraus nicht seine Zustimmur;g zur St"eitwertschätzung
tles Berufungsklägers abgeleitet werden.
Im Zweifel soll daher auch im mündlichen Verfahren
(Ier Berufungsbeklagte auf die Streitwert angabe des Be-
rufungsklägers hingewiesen und zur Erklärung befristet
werden. ob er mit dem angegebenen Streitwert einver-
standen sei (Erw. 1).
2. Schätzung des Streitwertes durch das Bundesgericht (Erw. 2).
1. -
In der richtigen Erkenntnis, dass Streitigkeiten
über die Einwirkungen auf das Eigentum von Nachbarn
lucht zu den Streitigkeiten gehören, deren Gegenstand
seiner Natur nach keiner vermögensrechtlichen Schätzung
Prozessrecltt. N° 44.
unterliegt (Art. 61 OG; BGE 45 II 405 Erw. 1), hat
der Kläger gemäss Art. 67· Abs. 3 OG in seiner Beru-
fungserldärnng den 'Wert des Rechtsstreites abgeschätzt.
Danach soll er 8000 bis 10,000 Fr. betragen. Wäre diese
Schätzung richtig, dann unterläge die Berufung gemäss
Art. 67 Abs.4 OG dem mündlichen Verfahren, und es
bliebe der Beklagten anheimgestellt, erst in ihrem Vor-
trage vor den Schranken des Gerichts die Schätzung des
Klägers zu beanstanden. Denn da der Berufungsbe-
klagte im mündlichen Verfahren erst in seinem Vor-
trage vor Gericht auf die Berufungserklärung antworten
muss, könnte aus dem Umstande, dass er auf die in der
Berufung angegebene Streitwertschätzung bis zur münd-
lichen Verhandlung geschwiegen hat, obwohl sie ihm
durch die Zustellung der Berufungserklärung bekannt
geworden sein musste, nicht auf seine Zustimmung zu
dieser Schätzung geschlossen werden. Wenn dann aber
der angegebene Streitwert als unrichtig erkannt würde
und der für die Berufung gesetzlich vorgesehene Streit-
wert nicht vorhanden wäre, könnte auf die Berufung
nicht eingetreten werden, und die Parteien wären zur
mündlichen Verhandlung umsonst erschienen. Um dieses
unbefriedigende Ergebnis zu vermeiden, hat der Präsi-
dent der H. Zivilabteilung mit Recht die Beklagte auf
die Streitwertangabe des Klägers aufmerksam gemacht
und sie zur Erklärung beflistet, ob sie mit dieser Schät-
zung einig gehe, oder was sie, dazu zu bemerken habe.
Soweit mit diesem Vorgellerr:dieimlJrteil der'lI. Zivil-
abteilung vom 11. September 1913 L S. Vögtli gegen
Vögtli (BGE 39 n 436 Erw. 1) geäusserte Auffassung
nicht übereinstimmt, kann an jenem Entscheide nicht
festgehalten werden.
2. -
Mit Eingabe vom 28. April 1926 hat nun die
Beklagte die Richtigkeit der Streitwertschätzung des
. Klägers bestritten, indem sie geltend macht, dem Kläger
erwachse durch die beanstandeten Einwirkungen über-
haupt kein Schaden; im allerschlimmsten Falle könnte
ein solcher von höchstens 1000 Fr. in Frage kommen.
294
Prozessret'ht. N0 45.
Da somit die Parteien über den Wert des Streitgegen-
standes nicht einig sind, ist es gemäss Art. 59 Abs. 2
OG Sache des Bundesgerichts, ihn gemäss Art. 53 Abs.
3 und 4 OG festzustellen. Aus dem Verfahren vor den
Vorinstanzen sind jedoch keinerlei Grundlagen ersicht-
lich, gestützt auf die der fragliche Streitwert berechnet
werden könnte. Der Kläger hat vor der ersten Instanz
allerdings behauptet, seine Liegenschaft erleide durch
die beanstandeten Einwirkungen einen Minderwert, der
durch Expertise festgestellt werden möge. Doch hat sich
der zugezogene Sachverständige über einen solchen
Minderwert nicht ausgesprochen, noch hat der Kläger
selber, etwa durch Angabe des Wertes seiner Liegen-
schaft und anderer Umstände, die Grundlagen zur
Berechnung eines allfälligen Minderwertes gegeben.
Der Nachweis dafür, dass der Wert der vorliegenden
Streitsache die für die Berufung an das Bundesgericht
erforderliche Summe von 4000 Fr. erreicht, ist somit
nicht geleistet, und selbst wenn dies der Fall wäre,
könnte auf die Berufung' nicht eingetreten werden,
weil die für das schriftliche Berufungsverfahren erfor-
derliche Rechtsschrift der Berufungserklärung nicht
beigelegt worden ist (Art. 59 und 67 Abs. 4 OG), was
für sich allein schon die Rechtsunwirksamkeit der Be-
rufung nach sich zieht.
. Demnach erkennt das Bundesgericht:
Auf die Berufung wird nicht eingetreteu.