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49_II_241

BGE 49 II 241

Bundesgericht (BGE) · 1923-01-01 · Deutsch CH
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240

Obligationenreeht. N0 33.

personnes a prendre place dans sa voiture Piemou-

tesi a agi a 1itre personnel et non point en 'sa qualite

d'employe de Rue!f et par consequent, dans Ia mesure

ou. cet act~ a engage sa responsabihte, il ne peut beni-

ficler de 1 assurance qui le couvre en sa seule qualite

de chauffeur du preneur d"assurance. La cession qu il

a cO,nsentie en ~aveur de Ia recourante n'a donc pu

conferer a celIe-Cl aucun droit contre la Oe d'assurance.

Dans ces conditions, il est superflu d'examiner les

autres moyens que Ia defenderesse a 0pposes a Ia

demande.

Le Tribunal lideral prononce :

Le recours est rejete et le jugement attaque est

confirme.

-

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I. OBLIGATIONENRECHT

DROIT DES OBLIGATIONS

34. Urteil der l Zivilabteilung vom l~. Juni 19~3

i. S. t1ttinger gegen lIenggeler.

Akt i eng e seIl s eh a f t. Verantwortlichkeitsklage des

Gesellschaftsgläubigers gegen Mitglie~er des Verwaltungsrates,

Art. 674 OR. 1.) Der Klagevoraussetzung der Konkurser-

öffnung (Art. 675 Abs. 2 OR) steht die Durchführung des

Zwangsnachlassverfahrens gleich. 2.) Inhalt und materielle

Voraussetzungen der Veral1twortlichkeitsklage.

A. -

Die Generalversammlung der A.-G. Kisten-

fabrik Zug beschloss am 23. Januar 1909 den Ankauf des

Sägewerkes Sillaber in Leukental (Tirol), und zu diesem

Zweck die Erhöhung des bisherigen Aktien~apitals VOll

300,000 Fr. auf 600,000 Fr., durch Ausgabe von 600

neuen Aktien zu 500 Fr. Der Beschluss erfolgte auf An-

trag des Verwaltungsrates, welchem u. a. auch der Be-

klagte Henggeler angehörte. In seiner Eigenschaft als

Mitglied des Verwaltungsrates unterzeichnete der Be-

klagte, nachdem die Einwohnerkanzlei der Stadt Zug am

1. Oktober 1909 die Einzahlung des ganzen Aktienkapitals

bescheinigt hatte, am 2. November 1909 im Verein mit

den andern Verwaltungsratsmitgliedern eine Erklärung,

durch welche dem Handelsregisteramt die Erhöhung des

Aktienkapitals und dessen volle Einzahlung angezeigt

wurden; daraufhin erfolgten die bezügliche Eintragung

und die Publikation im Handelsamtsblatt.

B. -

Am 26. Februar 1914 übergab der damalige

Präsident des Verwaltungsrates der Kistenfabrik und

frühere Direktor, Josef Schell, dem Kläger Uttinger 62

Aktien derselben gegen ein Darlehen von 30,000 Fr., für

AS 49 II -

19"~,)

17

242

ObHgationenreeht. N0 34.

welches Schell im Namen der Gesellschaft einen Schuld-

schein ausstellte. Als der Beklagte von diesem Darlehen

erfuhr, machte er den Kläger darauf aufmerksam, dass

. die (in den Geschäftsberichten und Bilanzen wiederholte)

Erklärung, die 600 neuen Aktien seien voll einbezahlt,

der Wirklichkeit nicht entspreche. Ein auf Veranlassung

des Beklagten durchgeführter Untersuch hatte ergeben,

dass Schell sich in den Büchern und Bilanzen mannig-

fache Verschleierungen hatte zu schulden kommen

lassen. Der Beklagte entschloss sich dann, 489 Stück

noch nicht liberierte Aktien zum Nennwert anzunehmen,

und hiefür 244,500 Fr. einzuzahlen; er hat die bezüg-

liche, durch Vertrag vom 6. August 1914 gegenüber der

Gesellschaft eingegangene Verpflichtung erfüllt.

C. -- Als der Kläger gestützt auf den ihm von Schell

ausgestellten Schuldschein die Gesellschaft auf Rück-

zahlung des Darlehens belangte, bestritt diese, durch die

alleinige Unterschrift Schells verpflichtet worden zu sein.

Das Obergericht des Kantons Zug teilte den von der

Beklagten eingenommenen Standpunkt, dass der Kläger

ihr gegenüber nicht als Darlehensgläubiger auftreten

könne, und wies demgemäss die Klage ab. Das Bundes-

gericht bestätigte dieses Urteil durch Entscheid vom

21. Januar 1916.

'

Der Kläger klagte dann gegen die Gesellschaft auf

Bezahlung derselben Summe von 30,000 Fr., nebst 5 %

Zins seit 26. Februar 1914 und 1/8 % Kommission, aus

dem Gesichtspunkt der ungerechtfertigten Bereiche-

rung. Mit Urteil vom 17. Juni 1918 hiess das zugerische

Obergericht die Klage gut, und das Bundesgericht wies

die gegen dieses Urteil von der Beklagten eingelegte

Berufung durch Entscheid vom 31. Januar 1919 ab.

D. -

Schon im November 1914 war das Aktienkapital

von 600,000 Fr. auf 150,000 Fr. herabgesetzt worden.

Am 26. März 1915 beschloss die Generalversammlung die

Auflösung der Gesellschaft und die Durchführung der

Liquidation.

Obligatlonenrecht. N0 34.

243

Am"'30.8'MaiJ1917 reichte der Verwaltungsrat dem

Kantonsgericht den Entwurf eines Nachlassvertrags mit

Abtretung aller Aktiven ein, welchem von 8 Gläubigern

mit einem Forderungsbetrag von 356,171 Fr. 6 Gläu-

biger mit einer Forderungssumme von 317,520 Fr. zu-

stimmten. Nachdem Nachlasstundung bewilligt worden

war, beantragte der bestellte Sachwalter gerichtliche

Bestätigung des Nachlassvertrages, weil die Voraus-

setzungen des Art. 306 SchKG zuträfen. Der heutige

Kläger stellte das Begehren, das Gesuch sei abzuweisen.

Das Kantonsgericht und das Obergericht bestätigten

jedoch den von der Kistenfabrik vorgeschlagenen Nach-

lassvertrag. Der Kläger erhielt an seine mit Zinsen auf

37,610 Fr. aufgelaufene Forderung nur

{'i~1Cn Betrag

von 8462- Fr.

E. -

Für den Verlust von 29,148 Fr. macht der Klä-

ger den Beklagten verantwortlich. Im Januar 1922

reichte er gegen ihn beim Amtsgericht von Luzern-Land

die vorliegende Klage auf Zahlung des genannten Betra-

ges nebst 6 % Zins seit 10. Februar 1919 ein.

F. -

Gemäss dem vom Bek1agten gestellten Antrag

haben beide kantonalen Instanzen die Klage abgewiesen.

G. -

Gegen das Urteil des Obergerichts des Kantons

Luzern vom 24. Februar 1923 hat der Kläger die Beru-

fung an das Bundesgericht erklärt, mit dem Antrag, die

Klage sei im vollen Umfange gutzuheissen.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung :

1. -

Der Kläger leitet seinen Schadellsersatzanspruch

gegen den Beklagten aus Art. 674 OR her, wonach die

mit der Verwaltung einer A.-G. betrauten Personen den

einzelnen Aktionären und den Gesellschaftsgläubigern

solidarisch für aUen Schaden verantwortlich sind, welchen

sie diesen durch absichtliche, Verletzung der ihnen ob-

liegenden Verwaltungs- und Aufsichtspflichten verursacht

haben. Und zwar macht der Kläger diesen Anspruch in

seiner Eigenschaft als Gesellschaftsgläubiger, und nicht

244

Obllgationenrecht. N0 34.

etwa als Aktionär geltend. Er hat zwar von Direktor

Schell bei Hingabe seines Darlehens 62 Aktien der

Kistenfabrik Zug erhalten, aber, wie er selbst ausdIilck-

lich betonte, und wie das Bundesgericht in seinem Urteil

vom 21. Januar 1916 ausgesprochen hat, als Faust-

pfand, nicht etwa zu Eigentum. Darnaeh sind die mit

der Aktie verbundenen Rechte nicht auf ihn überge-

gangen, und er kann aus dem Besitz der Aktien keine

Aktionärrechte gegen die Gesellschaft herleiten (vergl.

WIELAND, Anm. 1 zu Art. 899 und Anm. 1 zu Art. ~

ZGB).

2. -

Das in Art. 674 OR den Gesellschaftsgläubigern

eingeräumte Klagerecht kann gemäss Art. 675 Abs. 2

nur geltend gemacht werden, wenn über die Aktiengesell-

schaft Konkurs eröffnet worden ist, es sei denn, dass es

sich um Forderungen aus Inhaberpapieren handle, w~

vorlieO'end nicht zutrifft. Da nun über die A.-G. Kisten-

~

~

fabrik Zug der Konkurs nicht eröffnet, wohl aber da~

Zwangsnachlassverfahren durchgeführt worden ist, i~

welchem der Kläger als Gläubiger mit 20 bezw. 22 %

seiner Forderung vorlieb nehmen musste, so fragt ~

sich in erster Linie, ob diese Art der Liquidation in Bezug

auf die Voraussetzungen einer Verantwortlichkeitsklage

gegen die Gesellschaftsorgane nach Art. 675 Abs. 2 O~

der Liquidation durch den Konkurs gleichzustellen sei ?

Das ist im Gegensatz zur Vorinstanz zu bejahen, weil

mit der Durchführung des Zwangsnachlassvertrages

einer A.-G. diese selbst aufgelöst wird, und dadurch auch

die GläubiO'errechte des Gesellschaftsgläubigers gegen-

o

.

über der A.-G. eine ebenso einschneidende, ja noch em-

schneidendere Beschränkung erleiden, als im Konkurs.

Damit wird derjenigen rechtlichen Situation (im Ver-

hältnis zu den Gesellschaftsgläubigern und der A.-G.)

radikal ein Ende gemacht, welche nach dem Grund-

gedanken des Art. 675 Abs. 2 es zu rechtfertigen ver-

mag, dass der Gesellschaftsgläubiger mit der Anstellung

ocr Verantwortlichkeitsklage noch zuwarten muss, indem

ObHgationenrecht. No 34.

245

nämlich~ solange die A.-G. selbst, seine Schuldnerin,

noch aufrecht steht, für ihn die Möglichkeit besteht, von

ihr selbst Befriedigung für seine Forderung zu ver-

langen und auch zu erhalten. Diese Hoffnung is~. ih?l

aber bei Zwangsnachlassvertrag der A.-G. vollständIg

benommen, indem er für den ungedeckten Betrag tiber

die Nachlassquote hinaus nicht einmal einen Verlust-

schein erhält. Warum unter diesen Umständen nun auch

die VerantWortlichkeitsklage ausgeschlossen sein sollte,

ist nicht einzusehen (vergl. Bericht zur ReviSIon der Titel

24 ff. des OR S. 85-86). Insbesondere kann nicht darauf

abgestellt werden, dass Art. 675 Abs. 2 nur den Fall der

Konkurseröffnung p.rwähne; denn nach dem Gesagten

ist der -

an sich klare -

'Vortlaut zu eng, um dem Ge-

setzeswillen gerecht zu werden. Es besteht kein Zweifel,

dass nur deshalb in Art. 675 einzig von der Konkurser-

öffnung die Rede ist, weil das Gesetz an eine andere Art

der Liquidation der Aktiengesellschaft nicht gedacht hat

(vergl. Art. 657 OR sowie Archiv f. Schuldbetr. u. Kkurs 5

S.95 f.). Wenn aber gleichwohl, wie hier, die Liquidation

im Wege des Zwangsnachlassvertrages erfolgt, so müssen

die gleichen Wirkungen hinsichtlich der Berechtigung zur

Verantwortlichkeit.sklage eintreten, wie bei der Liqui-

dation im Konkurs, ansonst die Gesellschaftsgläubiger

ohne allen inneren Grund um ein Recht gebracht würden,

das ihnen der in Art. 55 Abs. 3 ZGB aufgestellte allge-

meine Grundsatz gewährt. Die Unterschiede zwischen

der konkursmässigen Liquidation und derjenigen im

Wege des Zwangsnachlassverfahrens mit vollständiger

Vermögensabtretumt. welche die Vorinstanz hervorhebt,

sind nicht geeignet, einen gegenteiligen Schluss zu recht-

fertigen.

3. -

Die Verletzung der Verwaltungs- und Aufsichts-

pflichten, wegen welcher Art. 674 OR den Gesellschafts-

gläubigern eine Klage gegen die fehlbaren Organ~ ge:

währt, kann dem Gesellschaftsgläubiger auf zweierlel

Weise Schaden verursachen: entweder indirekt dadurch,

246

Obligationenreeht. N° 34.

dass die Vermögensinteressen der Gesellschaft geschädigt

werden, und infolge dieser Schädigung der Gesellschaft

. auch ihren Gläubigern ein Nachteil erwächst (der :sog.

sekundäre Schade), oder direkt in der Weise, dass ·zwar

die Gesellschaft selber keinen Schaden erleidet, aber die

Handlung des Verwaltungsorgans unmittelbar in die

Rechtssphäre des Gläubigers eingreift, zum Beispiel

indf'ffi hinsichtlich der Kreditwürdigkeit der Gesellschaft

pin falsches Licht verbreitet wird, sodass er zu!' Kredit-

gewährung veranlasst wird (sog. primärer Schade).

a) Die indirekte Schädigung soll hier dadurch veran-

lasst worden sein, dass der Beklagte als verwaltungsrats-

mitglied mitwirkte, als dem Handelsregister die unwahre

Erklärung über die Volleinzahlung der zweiten Aktien-

emission eingereicht wurde. Allein dadurch wurde die

Aktiengesellschaft selbst nicht geschädigt, indem der

Betrag von 300,000 Fr. nicht etwa ihrem Vermögen vor-

enthalten wurde: er blieb aus, weil bezw. soweit tatsäch-

lich die Aktien nicht gezeichnet worden sind, woraus ein

Vorwurf gegen den Beklagten nicht hergeleitet werden

kann. Zum mindesten ist in dieser Richtung die Klage

nicht substanziiert.

b) Die direkte S~hädigung sodallll erblickt der Kläger

darin, dass der Beklagte durch· jene Erklärung an das

Handelsregister sowie die Angabe in den Geschäftsbe-

richten, dass das Gesellschaftskapital voll einbezahlt sei,

mitgewirkt habe, im Publikum eine falsche Meinung

über die finanzielle Situation der A.-G. zu verbreiten,

sowie dass er (der Kläger) speziell durch diese Erklä-

rungen verleitet worden sei, der Gesellschaft bezw. dem

Direktor Schell gegen Hinterlage von 62 Aktien das Dar-

lehen von 30,000 Fr. zu machen. Hiezu ist zu bemerken:

Zum Tatbestand der absichtlichen Verletzung der Ver-

waltungs- und Aufsichtspflichten im Sinne von Art. 674

OR gehört das Bewusstsein, dass die Handlung gegen

ein PflichtC1ebot verstosse; und der Wille, sie dennoch

o

vorzunehmen. Die Vorinstanz nimmt nun als möglich

Obligationenrecht •. N° 34.

24'

an, der Beklagte habe auf Grund der Bescheinigung

der Einwohnerkanzlei Zug vom 1. Oktober 1909 geglaubt •

dass das neue Aktienkapital voll gezeichnet und einbe-

zahlt sei. Wenn dies zuträfe, so entfiele allerdings das

Bewusstsein, mit der Abgabe jener Erklärung an das

Handelsregister eine Verwaltungspflicht verletzt zu haben.

Allein es fragt sich, ob der Beklagte als Mitglied des

Verwaltungsrates einfach auf das Zeugnis der Einwohner-

kanzlei habe abstellen dürfen, ohne sich weiter am mass-

gebenden Orte, d. h. bei der Emissionsstelle selber, zu

erkundigen, ob und inwieweit die Einzahlung wirklich

stattgefunden habe. Diese Frage muss mit Rücksicht

darauf, dass die Operation für die Gesellschaft von

äusserster Wichtigkeit war und infolgedessen die Ver-

waltungsorgane an ihrem Zustandekommen ein eminentes

Interesse hatten, verneint werden. Nun sind aber keine

Anhaltspunkte ersichtlich, aus denen beim Beklagten auf

die Erkenntnis geschlossen werden könnte, dass er

durch sein Verhalten Dritte schädigen könnte; es fehlt

jeder Beweis für ein Benachteiligungsbewusstsein und

eine auch nur mittelbare oder eventuelle Schädigungs-

absicht.

4. -

Die Klage scbeitert sodann vollends an dem

mangelnden Nachweis des Kausalzusammenhanges zwi-

schen dem Verhalten des Beklagten und der Schädigung.

Nach Art. 674 OR kann der Beklagte jedenfalls nicht

für mehr haften, als dafür, dass derjenige Zustand für

den Kläger hergestellt werde, welcher bestanden hätte,

wenn die Pflichtverletzung nicht stattgefunden, bezw.

die dem Handelsregister abgegebene Erklärung sich be-

wahrheitet hätte. Nun ist aber für das Bundesgericht

verbindlich festgestellt, dass der Beklagte nachträglich

489 Stück noch nicht liberierte Aktien zum Nennwert

angenommen und hiefür244,500 Fr., also das ganze im

Jahr 1909 emittierte Aktienkallital bis auf 55,000 Fr.,

für die A.-G. einbezahlt hat. Er hat damit die dem Ver-

waltungsrat zur Last gelegte Pflichtverletzung selber

248

Obligatlonenrecht. N0 35.

gutgemacht und, bis auf den Saldo von 55,000 Fr., den

Zustand geschaffen, welcher sich aus der sofortigen

. Zeichnung und Liberierung sämtlicher neuer Aktien er-

geben hätte.

Demnach erkennt das Bundesgericht :

Die Berufung wird abgewiesen und das Urteil des

Obergerichts des Kantons Luzem vom 24. Februar 1923

besWtigt.

35. Urteil der 11. Zivilabteilung vom 20. Juni 1923

i. S. Sandos gegen Rochat.

Art. 181 OR: Ohne Mitteilung oder Auskündigung wird

der Übernehmer eines Vermögens oder Geschäfts den

Gläubigern der damit verbundenen Schulden nicht ver-

pflichtet (Erw. 2).

Art. 175 OR, Art. 260 SchKG: Ein Konkursgläubiger,

welchem der Massarechtsanspruch aus (interner) Ober-

nahme einer Schuld an ihn selbst abgetreten worden ist

kann direkt auf Zahlung an sich selbst klagen (Erw. 3)~

Art. 260 SchKG: Keine Einrede der mehreren Streit-

genossen, wenn nur einer von· mehreren Zessionaren der

Masse Klage erhebt (Erw. 3).

-

Unter welchen Voraussetzungen ist ein e

Klage aus

eigenem Recht und aus dem' abgetretenen Massarecht zu-

lässig? (Erw. 1.)

A. -

Am 19. November 1920 gab der Beklagte der

Firma Henry & Zuber, Automobiles, in Lausanne

folgende Erklärung ab: «Je soussigne declare reprendre

l'actif et le passif de la maison Henry & Zuber a eon-

dition que la situation soit compIetement reglee vis-a-vis

de M. GauHs et de la Banque Cantonale Vaudoise d'une

part et de M. Fama et de la Societe de Banque Suisse

d'autre part et ceci sur les bases et chiffres convenus

avec M. Henry.)}

Obligationenrecht. N° 35.

249

In dem in der Folge über Henry & Zuber eröffneten

Konkurs wurde der Kläger mit einer Forderung von

13,120 Fr. kolloziert und es wurden ihm zusammen

mit vier anderen Gläubigern gemäss Art. 260 SchKG

die Rechtsansprüche der Konkursmasse gegen dEm

Beklagten, {(comme ex-commanditaire ou associe» zur

Geltendmachung im Namen der Masse abgetreten.

Die nach dem offiziellen Formular ausgestellte Ab-

tretungsurkunde enthält folgende

((conditions » :

«5° Lorsqu'il y a eu cession des memes droits a plu-

sieurs creanciers. ceux-ci devront ester en justice

comme consorts; ....

80 Delai peremptoire pour intenter action: 1 er Avril

1922. »)

Mit der vorliegenden Klage verlangt der Kläger

vom Beklagten einerseits aus eigenem Recht gestützt

auf Art. 181 OR, anderseits als Zessionar der Konkurs-

masse Henry & Zuber Zahlung von 13,120 Fr.

B. -

Durch Urteil vom 6. April 1923 hat das Ober-

gericht des Kantons Aargau die Klage abgewiesen.

C. -

Gegen dieses am 21. April zugestellte Urteil

hat der Kläger am 8. Mai die Berufung an das .Bundes-

gericht eingelegt, mit den Anträgen auf Gutheissung

der Klage, eventuell Rückweisung zur Durchführung

des Beweisverfahrens.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:

1. -

Zunächst erhebt sich die Frage, ob es zuläs-

sig ist, dass ein Kläger in einer und derselben Klage

eigene Rechtsansprüche und solche, welche ihm gemäss

Art. 260 SchKG von einer Konkursmasse abgetreten

worden sind, geIichtlich geltend macht. Diese Frage

kann vom Standpunkt des Bundesrechtes aus, dessen

richtige Anwendung im Berufungsverfahren einzig zu

überprüfen ist, jedenfalls dann nicht verneint werden,

wenn wie vorliegend nur ein einziger Abtretungsgläu-

biger auftritt und nicht etwa mehrere, von denen nur